Erläutern Sie die Funktionsweise von Wertpapierpensionsgeschäften als Instrument der geldpolitischen Steuerung der Europäischen Zentralbank.


Hausarbeit, 2000

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Wertpapierpensionsgeschäfte
2.1. Steuerungsarten
2.1.1. Grobsteuerungsoperationen (Standardtender)
2.1.1.1. Hauptrefinanzierungsinstrument
2.1.1.2. längerfristiges Refinanzierungs-geschäft
2.1.2. Feinsteuerungsoperationen (Schnelltender)
2.2. Verfahrensmöglichkeiten
2.2.1. Der Zinstender
2.2.2. Der Mengentender

3. Zusammenfassung

1. Einleitung

Zu Beginn der Dritten Stufe der Europäischen Währungs-union übernahm das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) die geldpolitische Verantwortung im „Euroraum“. Das ESZB besteht aus den elf selbständigen Zentralbanken der teilnehmenden Länder[1] und der am 1. Juni 1998 ge-gründeten Europäischen Zentralbank (EZB).[2]

Das ESZB verfolgt durch seine Geldpolitik verschiedene geldpolitische Ziele. Diese sind unter anderem die Steuerung der Zentralbankgeldmenge im gesamten Bankensystem, sowie die Versorgung der Nichtbanken mit ausreichend Liquidität. Zur Verwirklichung dieser Ziele stehen dem ESZB verschiedene geldpolitische Instrumente zur Verfügung. Die wichtigsten sind die Mindestreservepolitik, die ständigen Fazilitäten, welche sich aus der Spitzenrefinanzierungs- und der Einlagefazilität zusammensetzen, sowie die Offenmarkt-geschäfte.

Im Rahmen dieser Hausarbeit werden die Wertpapier-pensionsgeschäfte, welche heute den wesentlichen Bestand-teil der Offenmarktpolitik ausmachen genauer untersucht und dargestellt.

2. Wertpapierpensionsgeschäfte

Im Jahre 1979 setzte die Deutsche Bundesbank erstmals Wertpapierpensionsgeschäfte ein.[3] Die EZB übernahm bei ihrer Gründung diesen speziellen Teil der Offenmarkt-geschäfte, welche i.d.R. zwischen der Zentralbank und den Kreditinstituten abgeschlossen werden. Nichtbanken-Unter-nehmen oder gar private Haushalte sind an Offenmarkt-geschäften für gewöhnlich nicht beteiligt. Unter Wertpapier-pensionsgeschäften versteht man den Kauf bzw. Verkauf von Wertpapieren am offenen Markt mit gleichzeitiger Vereinbarung des Rückkaufs durch die Kreditinstitute. Bei diesen Geschäften tritt die EZB jedoch nicht als Käufer an der Börse auf, wo diese Wertpapiere gehandelt werden. Sie nimmt lediglich die von den Geschäftsbanken erhaltenen Wertpapiere als Sicherheit in Verwahrung. Als Gegenleistung erhalten die Kreditinstitute von der EZB Zentralbankgeld. Dieses benötigen die Kreditinstitute zur Refinanzierung der gewährten Kredite an Nichtbanken-Unternehmen, sowie an private Haushalte. Bei Ablauf des Geschäfts muß das jeweilige Kreditinstitut das Zentralbankgeld an die EZB zurückzahlen und erhält dafür die zur Sicherheit hinterlegten Wertpapiere zurück. Für die Inanspruchnahme des von der EZB gewährten Kredits müssen die Kreditinstitute einen Zins zahlen, den Pensionssatz.[4] Häufig wird das auslaufende Wertpapierpensionsgeschäft einfach durch ein neues ersetzt. Dabei ändert sich nur dann die im Umlauf befindlich Zentralbankgeldmenge, wenn die EZB nur einen Teil des auslaufenden Wertpapierpensionsgeschäftes in ein neues übernimmt.[5]

Durch den Einsatz von Wertpapierpensionsgeschäften kann die EZB dem Geldmarkt jedoch nicht nur Basisgeld zur Verfügung stellen. Sie ist auch in der Lage den Kreditinstituten bei Bedarf kurzfristig Liquidität zu entziehen.

Die EZB kann Wertpapierpensionsgeschäfte sowohl zur Zins- als auch zur Geldmengensteuerung am Geldmarkt einsetzen.

2.1. Steuerungsarten

Man unterscheidet bei Wertpapierpensionsgeschäften zwei wesentliche Steuerungsarten. Diese richten sich nach der Laufzeit, sowie dem zeitlichen Rhythmus in welchem diese Geschäfte angeboten werden. Dabei wählt die EZB immer die Laufzeit, für welche Sie die Geldbasis (Bmon), bzw. den Zinssatz am Markt konstant halten möchte.[6] Aus diesem Grund können Wertpapierpensionsgeschäfte sowohl als grobsteuernde, längerfristige, als auch als feinsteuernde, kurzfristige geldpolitische Operationen am Geldmarkt einge-setzt werden.

2.1.1. Grobsteuerungsoperationen (Standardtender)

Bei den Grobsteuerungsoperationen handelt es sich um die sogenannten Standardtender. Der Standardtender kann einerseits als Hauptrefinanzierungsinstrument, sowie ander-erseits als längerfristiges Refinanzierungsgeschäft ange-boten werden. Bei den Standardtendern vergehen zwischen der Tenderankündigung durch die EZB und der Abwicklung der Transaktion im Durchschnitt zwei Tage. Im folgenden werden beide Formen von Standardtendern vorgestellt.[7]

2.1.1.1. Hauptrefinanzierungsinstrument

Beim Hauptrefinanzierungsinstrument, auch Haupttender genannt, bietet die EZB den Kreditinstituten im wöchent-lichen Rhythmus und mit einer Laufzeit von zwei Wochen Wertpapierpensionsgeschäfte zur Refinanzierung an. Durch das Hauptrefinanzierungsinstrument versucht die EZB den am Geldmarkt zustande kommenden Zinssatz zu steuern und ihm Impulse zu geben. Durch das Hauptrefinan-zierungsinstrument wird den Banken der größte Teil des Zentralbankgeldes zur Refinanzierung zur Verfügung ge-stellt.[8]

[...]


[1] Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien.

[2] Vgl. (http://www.bundesbank.de)

[3] Vgl. Mussel, Gerhard, Grundlagen des Geldwesens, 2. Auflage, Verlag für Wissenschaft & Praxis, Ludwigsburg 1992, S. 179

[4] Vgl. Issing, Otmar, Einführung in die Geldpolitik, 6. Auflage, Verlag Vahlen, München, S. 100

[5] Vgl. Görgens, Egon/Ruckriegel, Karl-Heinz/Seitz, Frank, Europäische Geld- politik, Düsseldorf 1999, S. 111 f.

[6] Vgl. Bofinger, Peter/Reischle, Julian/Schächter, Andrea, Geldpolitik, München 1996, S. 407

[7] Vgl. Görgens, Egon/Ruckriegel, Karl-Heinz/Seitz, Frank, Europäische Geld- politik, Düsseldorf 1999, S. 114 f

[8] Vgl. Görgens, Egon/Ruckriegel, Karl-Heinz/Seitz, Frank, Europäische Geld- politik, Düsseldorf 1999, S. 109 f

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Erläutern Sie die Funktionsweise von Wertpapierpensionsgeschäften als Instrument der geldpolitischen Steuerung der Europäischen Zentralbank.
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Wuppertal  (Technische Akademie Wuppertal)
Veranstaltung
Studium Betriebswirt (VWA)
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
13
Katalognummer
V17106
ISBN (eBook)
9783638217590
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erläutern, Funktionsweise, Wertpapierpensionsgeschäften, Instrument, Steuerung, Europäischen, Zentralbank, Studium, Betriebswirt
Arbeit zitieren
René Kraft (Autor), 2000, Erläutern Sie die Funktionsweise von Wertpapierpensionsgeschäften als Instrument der geldpolitischen Steuerung der Europäischen Zentralbank., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17106

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