Die Mätressen des bayerischen Kurfürst Max II Emanuel (1661 - 1726)


Seminararbeit, 2008

21 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Kurfürst Max Emanuels Mätressen
2.1. Allgemeines über Mätressen
2.1.1. Definition „Mätresse“
2.1.2. Stellung der Mätresse am Hof
2.1.3. Was zeichnet eine Mätresse aus?
2.1.4. Vorteile bzw. Absichten einer Mätresse
2.1.4.1. Mätresse liebt Fürst?
2.1.4.2. Fürst liebt Mätresse?
2.2. Das Liebesleben des Kurfürst Max Emanuel
2.2.1. Frauen im Leben des Kurfürsten
2.2.1.1. Eleonora Erdmute
2.2.1.2. Maria Antonie
2.2.1.3. Gräfin Kaunitz
2.2.1.4. Therese Kunigunde
2.2.1.5. Agnés de Louchier
2.2.1.6. Marine Honorine Charlotte De Montigny

3. Schlusswort/Fazit

4. Literaturverzeichnis
4.1. Ungedruckte Quellen
4.2. Gedruckte Quellen/Literatur
4.3. Internet:

1. Einleitung

In der Geschichtsschreibung der vergangenen Jahrhunderte wird die Rolle der Frau nur in geringem Maße klassifiziert. Es dominiert die Männerwelt, welche es mit ihren Taten bis in die Geschichtsbücher der Gegenwart geschafft hat. Auch über den bayerischen Kurfürst Max Emanuel sind vorwiegend politische Geschehnisse überliefert, die Privatsphäre des Fürsten wird nur selten in Biografien durchleuchtet. Ein noch selteneres Bild in der Geschichtsschreibung ist der Umgang mit Frauen außerhalb der Ehe. Gerade zu Lebzeiten des Kurfürsten, in der Blütezeit des Barock, war es für Monarchen selbstverständlich mindestens eine Geliebte zu haben – die sogenannte Mätresse.

Obwohl Mätressen einen enormen Einfluss auf die politischen Entscheidungen des Monarchen gewinnen konnten, sind sie in der Forschungsliteratur kaum ausführlicher untersucht worden. Im Folgenden soll gezielt auf die Mätressen des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel (1662 – 1726) eingegangen werden. Zu diesem Themenkomplex gibt es in der modernen Forschung kein gesondertes Werk, sondern die Mätressen werden in verschiedenen Biografien nur am Rande behandelt. Die folgende Arbeit soll einen Überblick verschaffen, über die Gesamtheit der Mätressen des Kurfürsten Max Emanuels und auf die Beziehung eingehen, in welcher der Kurfürst zu den einzelnen Mätressen stand. Die meisten Informationen zu diesem Thema findet man in der hierfür hauptsächlich verwendeten Biografie: Ludwig Hüttl. Max Emanuel. Der blaue Kurfürst. 1679 – 1726. Eine politische Biografie. München. 1976.

Ein direkter Vergleich der verschiedenen Episoden ist bisher in der Literatur nicht zu finden, deshalb werden im Folgenden die Beziehungen Max Emanuels zu seinen Mätressen im zeitlichen Verlauf beschrieben. Dem Anfang der Arbeit geht eine allgemeine Einführung zum Begriff Mätresse vorweg.

2. Kurfürst Max Emanuels Mätressen

2.1. Allgemeines über Mätressen

2.1.1. Definition „Mätresse“

Der, heutzutage in unserer Sprache bekannte Ausdruck „Mätresse“ hat seinen Ursprung im Lateinischen und wird auf das Substantiv „matrona“ zurückgeführt. Dies bedeutete in der lateinischen Sprache „Frau, Ehefrau“ – ein nahezu alltäglich verwendeter Begriff.[1] Erst im Zeitalter des Barock begann man mit dem Wort „Mätresse“ eine, als öffentlich anerkannte, Geliebte eines Monarchen zu assoziieren. Außereheliche Favoritinnen eines Herrschers hatte es zu allen Zeiten gegeben, jedoch wurden dessen Liaisons im 16. Jahrhundert aus moralischen Gründen vertuscht bzw. geheim gehalten, was sich knapp 100 Jahre später grundlegend änderte. Durch die liberale Moral der Barockzeit, sowie das ausgeprägte Genussideal wurde die intime Beziehung zur Mätresse vollkommen enttabuisiert.[2] Erst die Geschichtsschreibung des moralisierten 19. Jahrhunderts negativierte den Begriff „Mätresse“ und beschrieb dessen Vertreterinnen nicht nur als oberflächlich, genusssüchtig, eitel und verantwortungslos, sondern stempelte diese oftmals auch als Urheberinnen des sittlichen und finanziellen Verfalls einer kompletten Epoche ab. Man versuchte das Handeln von Mätressen als bösartig darzustellen und vertuschte skandalöse Spuren indem man Briefe fälschte oder verbrannte. Sogar Gräber oder Schlösser wurden vernichtet um jegliche Erinnerung an die betreffende Mätresse auszulöschen.[3]

Durch dieses Handeln wurde ein stark negatives Bild der Mätressen geprägt, welches sich bis in die heutige Zeit behauptet. Auch im 21. Jahrhundert assoziieren wir mit dem Begriff „Mätresse“ in erster Linie ein lasterhaftes, ausschweifendes und verschwendungssüchtiges Verhalten, welches Frauen früherer Generationen an Fürstenhöfen praktizierten.[4]

2.1.2. Stellung der Mätresse am Hof

Entscheidend für die Bildung von Mätressen war das damalige Weltbild des französischen Hofes. Mätressen unterstrichen den Prunk eines Herrscherhauses und wurden somit gewissermaßen unverzichtbar – ein Statussymbol, welches den luxuriösen Lebensstil des Fürsten repräsentieren sollte.[5]

Sobald eine Mätresse am Hof bekannt war, stand sie in direktem Konkurrenzverhalten zur Ehefrau des Monarchen. Die Mätresse war die Geliebte des Fürsten. Sie war ihm oftmals am Nächsten und mit ihr verbrachte der Fürst die meiste Zeit. Obwohl viele Mätressen durch Beinamen wie „maîtresse déclarée“ ausgezeichnet wurden, hatten sie kein anerkanntes Hofamt inne, wie ein Minister oder höherer Hofbeamter. Auch hatten sie einen entscheidenden Nachteil der Ehefrau des Herrschers gegenüber: Die Mätresse besaß keinerlei Rechte am Hof. Jedoch genoss sie die Auszeichnungen des Fürsten in Form von Geschenken oder Privilegien.[6]

2.1.3. Was zeichnet eine Mätresse aus?

Eine Mätresse verdankte ihren Aufstieg, sowie die unmittelbare Nähe zum Herrscher keiner Heirat bzw. Abstammung, sondern nur ihrem eigenen Handeln und Verhalten. Da es für viele Frauen oftmals nicht genügte dem damaligen Schönheitsideal zu entsprechen, eigneten sich große Mätressen Charakterzüge an, durch welche sie sich von den übrigen Damen am Hof absetzten und hervorstachen. Zu diesen Eigenschaften zählten unter anderem Bildung, Ironie, Selbstsicherheit, Scharfsinn, Kultiviertheit und Intrigiertheit.

Mätressen, welche ihr „Handwerk“ verstanden, setzten also neben ihrem Körper ihren Verstand ein. Von einigen Mätressen weiß man auch, dass sie dem Schönheitsideal der damaligen Zeit keinesfalls entsprachen. Doch gerade durch ihren Verstand, Humor, Scharfsinn, oder Ähnliches, schafften sie es die Aufmerksamkeit des Monarchen auf sich zu ziehen und sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken.[7]

Zudem verstanden es Mätressen, die Rivalität unter den weiblichen Angehörigen des Hofes zu schüren und somit die Macht der Königin einzugrenzen.[8]

2.1.4. Vorteile bzw. Absichten einer Mätresse

Zur damaligen Zeit war der „Beruf“ der Mätresse für viele Damen sehr lukrativ und verlockend, denn er brachte allerhand Vorteile mit sich: Da es nach höfischer Norm notwendig war, seinen Prunk und Reichtum zu demonstrieren, profitierte die Mätresse in der Regel von großzügigen Geschenken des Fürsten. Diese konnten sich nicht nur in Sachgegenständen, sondern auch in Standeserhöhungen oder der Übertragung von Herrschaftsrechten äußern.[9] Ein finanziell unabhängiger und gesicherter Lebensstandart war für viele Frauen ein äußerst erstrebenswerter Zustand, da er - weder damals noch heute - keinesfalls selbstverständlich war. Durch die Vergünstigungen ihres Gönners konnte die Mätresse sich und ihren Kindern ein sorgenfreies Leben bescheren und festigte gleichzeitig ihre Stellung am Hof.[10] Durch diese Position konnte sie unabhängiger von der Willkür des Fürsten werden.

Je intensiver der Kontakt zum Monarchen war, umso mehr konnte sich die Mätresse ein (indirektes) politisches Mitsprachrecht sichern und den Fürsten in Entscheidungen beraten bzw. beeinflussen.[11] Viele wichtige historische Entscheidungen wurden weniger im Sinne des Monarchen, als im Sinne seiner Mätresse getroffen.[12]

2.1.4.1. Mätresse liebt Fürst?

Vertrat man früher die Anschauung, die Ehe sei keinesfalls an Liebe gebunden, sondern nur zweckmäßig geschlossen, leuchtet ein, dass sich viele Menschen mit ihrem Partner unwohl fühlten und Untreue ein offenes Geheimnis war. Jedoch ist fraglich, ob die Mätresse ihren Herrscher wirklich innig liebte, oder nur aus reinem Eigennutz handelte.[13] Sicherlich kann man davon ausgehen, dass eine gewisse Zuneigung zum Herrscher vorhanden war, schließlich verbrachte eine Mätresse viel Zeit mit ihrem Fürsten und hätte eine sehr gute Schauspielerin sein müssen, wenn sie nicht ein klein wenig Sympathie für ihn empfunden hätte, jedoch kann man hierüber nur spekulieren, da leider keine eindeutigen Quellen vorhanden bzw. überliefert sind. Viele historische Mätressen werden als sehr berechnend dargestellt, die ihren Verstand sachlich nutzten um vielversprechende Privilegien zu genießen.[14] Doch lassen sich hierzu nur Vermutungen anstellen, da viele Mätressen ihre „wahren“ Gefühle wahrscheinlich lieber stillschweigend für sich behalten haben bzw. ein individuelles, persönliches Gleichgewicht von Zuneigung und finanziellem Vorteil abwägen konnten.

2.1.4.2. Fürst liebt Mätresse?

Für beide Parteien – weder für Fürst noch Mätresse – war Sexualität der primäre Hauptgrund ihrer Beziehung. Von vielen Fürsten ist bekannt, dass sie sich schlichtweg nach Zuneigung und Verständnis sehnten und eine langjährige Freundschaft zu ihren Mätressen pflegten.[15] Einige Monarchen sahen in ihren Mätressen Vertraute und weihten sie in wichtige politische Gegebenheiten ein oder besprachen bevorstehende Entscheidungen mit ihnen. Nicht selten handelte ein Fürst gegen den Willen seiner Berater weil er das Interesse seiner Mätresse vertrat. Da viele Fürsten in die missliche Lage kamen ihr Reich in Gefahr zu bringen, weil sie dem Wunsch ihrer Mätresse gerecht werden wollten, kann man daraus eindeutig schließen, dass der Monarch für seine Mätresse Liebe empfand. Je mehr der Fürst versuchte im Interesse seiner Mätresse zu handeln und der Geliebten zu gefallen, umso mehr Macht über den Fürsten gewann sie. Diese Herrscherliebe zeugt eindeutig davon, dass die Mätresse vom Fürsten in vielen Fällen wirklich geliebt wurde.[16]

[...]


[1] www.de.wikipedia.org/mätresse.

[2] R. Müller, Der Fürstenhof in der frühen Neuzeit, München, 2004, 25.

[3] Y. Winterberg, Mätressen, Die geheime Macht der Frauen, Stuttgart, 2005. 1-5.

[4] www.de.wikipedia.org/mätresse.

[5] S. Oßwald – Bargende, Die Mätresse, der Fürst und die Macht, Frankfurt, 2000, 1-7.

[6] Oßwald, 1-7.

[7] Winterberg, 1-5.

[8] Oßwald, 1-7.

[9] Oßwald, 1-7.

[10] Winterberg, 1-5.

[11] Oßwald, 1-7.

[12] Winterberg, 1-5.

[13] Winterberg, 1-5.

[14] Winterberg, 1-5.

[15] Oßwald, 1-7.

[16] Winterberg, 1-5.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Mätressen des bayerischen Kurfürst Max II Emanuel (1661 - 1726)
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Bayerische Landesgeschichte)
Veranstaltung
Proseminar Kurfürst Max II Emanuel - Bayerns europäische Ambitionen um 1700
Note
3,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V171073
ISBN (eBook)
9783640900879
ISBN (Buch)
9783640901005
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mätressen, kurfürst, emanuel
Arbeit zitieren
Lorena Allwein (Autor:in), 2008, Die Mätressen des bayerischen Kurfürst Max II Emanuel (1661 - 1726), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171073

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