Das Konfliktpotenzial der Ressource Wasser


Seminararbeit, 2011
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

1. Ein knappes Gut - die Ressource Wasser
1.1. globale und regionale Wasserknappheit
1.2. Konfliktpotentiale und Auswirkungen

2. Handlungsoptionen zur nachhaltigen und sozial gerechten Wasserverteilung
2.1. Menschenrecht auf Wasser
2.2. Integriertes Wasserressourcenmanagement (IWRM)
2.3. Virtueller Wasserhandel

3. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Quellenverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abb. 1: Umkämpftes Wasser weltweit

Abb. 2: Aralsee 1989 (links) und 2009 (rechts)

Abb. 3: Weltweiter Wasserverbrauch 1900 - 2025

Abb. 4: Verhältnis Wasserbedarf - Verfügbarkeit erneuerbaren Süßwassers

Abb. 5: IWRM und die Bezüge zu verschiedenen Sektoren

Abb. 6: Logarithmische Darstellung des virtuellen Wasserverbrauchs für verschie dene Alltagsgüter

1. EIN KNAPPES GUT - DIE RESSOURCE WASSER

1.1. GLOBALE UND REGIONALE WASSERKNAPPHEIT

Obwohl rund 71 Prozent der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt ist, gehört diese le- bensnotwendige Ressource zu den knappen Gütern der Menschheit. Denn effektiv nutzbar ist das Gut Wasser für uns Menschen nur, wenn es sauber und trinkbar ist. Genau dieser Umstand macht Wasser zu einem knappen Gut, das es zu bewahren gilt. Als potenzielles Trinkwasser gelten rund 2,5 Prozent des auf der Erde vorkom- menden Wassers. Von diesem Anteil ist wiederum ein Großteil in nicht direkt nutz- baren Speichern (Eis, Wolken etc.) gebunden. Letztendlich steht den derzeit rund 6,6 Mrd. Menschen auf der Erde rund 1 Prozent des vorhandenen Wassers als potenziel- les Trinkwasser zur Verfügung. Hierbei muss allerdings erwähnt werden, dass die verbleibenden rund 1 Prozent keineswegs als genießbares Trinkwasser zu bewerten sind - nur etwa 0,007 Prozent sind nutzbares Süßwasser, wozu auch das Wasser aus Flüssen, Seen und leicht zugänglichem Grundwasser zählt.

Durch diverse Verschmutzungen reduziert sich die tatsächlich vorhandene Menge an Trinkwasser nochmals drastisch. Aktuell haben rund 1,2 Mrd. Menschen keinen Zu- gang zu sauberem Trinkwasser. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet damit, dass in den nächsten Jahrzehnten die Zahl der Menschen, die unter Wasser- knappheit (weniger als 1000 m³/Kopf; vgl. Ehlers 2002:18) zu leiden hat, auf 3,9 Mrd. steigen könnte (BPB 2006:1). Etwa 2 Mrd. Menschen haben zudem heute bereits mit fehlender Abwasserentsorgung zu kämpfen. Jährlich sterben weltweit rund 12 Millionen Menschen durch Wassermangel oder Krankheiten, welche durch ver- schmutztes Trinkwasser verursacht wurden (NUSCHELER 2001:116). Des Weiteren werden weltweit rund 255 Mio. Hektar Land durch Bewässerungsfeldbau künstlich bewässert und dies v.a. in ariden sowie bodenkundlich ungünstigen Gebieten, was diese Regionen wiederum anfällig gegenüber Ernährungskrisen macht. Diese Zahlen zeigen also bereits sehr deutlich, vor welch schwierigen Herausforderungen die Menschheit bezüglich der ausreichenden Trinkwasserversorgung aller Menschen steht. Mit dieser Problematik gehen soziale, politische, ökonomische und ökologi- sche Herausforderungen einher, welche es zum Vorteil aller Menschen lösen gilt.

1.2. KONFLIKTPOTENTIALE UND AUSWIRKUNGEN

Dabei ist nicht zu vergessen, dass damit in Zusammenhang stehende Konfliktpotenzial, da jede beteiligte Partei den für sich größten Vorteil aus diesem Problemlösungsprozess herausschlagen möchte.

Ein Hauptproblem liegt, neben der ungleich verteilten Allokation der Ressource Was- ser, in schlecht ausgebauter Infrastruktur und fehlendem Wassermanagement. Der Klimawandel verstärkt diese Ursachen noch. Allein in Afrika erwarten die Vereinten Nationen bis 2020, dass 75-250 Mio. Menschen an akuter Wasserknappheit leiden werden, welche maßgeblich durch den Klimawandel ausgelöst sein wird (UNESCO 2009:19). Diese Problematik beinhaltet das höchste Konfliktpotenzial. Besonders in den wasserarmen Regionen der Erde zeigt sich dies bereits seit einigen Jahrzehn- ten. Damit zeigt sich bereits, dass Wasserknappheit hauptsächlich regional für Kon- flikte sorgt (Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Umkämpftes Wasser weltweit (Quelle: BPB 2006:2)

Dies offenbart sich auch in der Tatsache, dass über weitere Distanzen Wasser kaum gehandelt wird. Durch Großprojekte, wie etwa den Drei-Schluchten-Damm in der VR China, können diese Konflikte aber durchaus auch überregionale Dimensionen errei- chen. Projekte wie diese sind nicht nur die Antwort auf veränderte klimatische Be- dingungen, sondern auch auf einen steigenden Bedarf von Wasser durch eine zu- nehmende Bevölkerung.

Mit zunehmender Bevölkerung gehen ein erhöhter Nahrungsmittelbedarf, Urbanisie rung und veränderte Konsumgewohnheiten einher. Dabei wird in den Industrielän- dern ein Anstieg der Nachfrage von 18 Prozent, in den Entwicklungsländern von 50 Prozent vorhergesagt (HOUDRET 2008:3). Ein Großteil des Wassers (etwa 70 Prozent) wird in diesem Zusammenhang für die Nahrungsmittelproduktion benötigt (LAIMÉ 2008:22, UNESCO 2009:16). Bis 2030 wird in den Entwicklungsländern mit einem Anstieg des Wasserverbrauchs für die Nahrungsmittelproduktion um 67 Prozent ge- rechnet, wobei allerdings bereits heute in vielen Ländern die Wassernutzung die na- türliche Regeneration der Wasserreservoirs stark übersteigt, was im gleichen Zuge zu ökologischen und darauf folgenden sozialen Konflikten geführt hat (HOUDRET 2008:3).

Als ein sehr anschauliches Beispiel kann hier das Gebiet des Aralsees genannt wer- den (Abb. 2). Die massive Übernutzung seines Wassers bzw. seiner Zuflüsse Amu- darja und Syrdarja durch Bewässerung von Baumwollfeldern führte zu einem fast vollständigen Verschwinden des ehemals viertgrößten Binnensees der Erde. Durch die Übernutzung kam es zur Versal zung der Böden und von Trinkwas- serquellen, wodurch ganze Regio- nen für Menschen unbewohnbar wurden (SMITH & SMITH 2009:787). Von ursprünglich 69900 km² sind heute nur wenige Quadratkilometer Wasserfläche übriggeblieben. Mit

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Abb. 2: Aralsee 1989 (links) und 2009 (rechts) (Quelle: http://www.geolinde.musin.de)

verschiedensten Methoden ver- sucht man inzwischen den See zu retten und die Wasserfläche wieder zu erhöhen. Dennoch ist eine völlige Kehrtwen- de nicht absehbar, da die Baumwollproduktion in den Anrainerstaaten einen hohen Anteil an den Deviseneinnahmen hat. Somit werden sich die Desertifikationsprozes- se in der Region auch weiterhin fortsetzen und für die dort lebende Bevölkerung ein hohes Gesundheitsrisiko darstellen, da durch den Wind Giftstoffe aus dem Boden und von alten Industrieanlagen ausgeweht werden (GIESE & SEHRING 2007:1005).

Ein weiteres Beispiel für einen schwelenden Konfliktherd, wenn es um Wasserkon kurrenz geht, ist der Nahe Osten. In weiten Gebieten dieser Region gibt es ebenfalls bereits seit vielen Jahrzehnten Probleme mit der Wasserversorgung. Insbesondere der Jordan, als wichtige Trinkwasserquelle für den Libanon, Syrien, Jordanien, Israel und die Palästinensergebiete. Dass aus diesem „schwelenden Konfliktherd“ auch ein „brennender“ werden kann, zeigte sich 1967 im durch Israel begonnenen Sechs- Tage-Krieg, bei dem Israel die Quellgebiete des Jordan annektierte, wodurch Syrien und Jordanien von den Quellen des Jordan abgeschnitten wurde. Später wurden in bilateralen Verträgen beiden Ländern bestimmte Wasserkontingente zugesprochen, welche seitdem durch Israel geliefert werden. Während der durchschnittliche Was- serverbrauch der israelischen Haushalte rund 300 Liter/Kopf beträgt, stehen den pa- lästinensischen Haushalten gerade einmal 70 Liter/Kopf und Tag zur Verfügung, was das Konfliktpotenzial nicht wesentlich mindert (WIMMEN 2006:o.S.). Euphrat und Tig- ris sind ebenfalls Sinnbild des Kampfes um Wasser im Nahen Osten. Hier streiten sich die Türkei, Syrien und der Irak um das knappe Gut Wasser. Trotz einer Verpflich- tung der Türkei als Oberliegerstaat, genug Wasser an die Unterlieger zu liefern, wer- fen sich die entsprechenden Parteien immer wieder vor, nicht genug Wasser zu lie- fern und durch Staudämme das ökologische Gleichgewicht zu stören (OBERLIN 1994:o.S.).

Der Klimawandel und die intensivere Nutzung (Bewässerung, Energieerzeugung), des in Stauseen gespeicherten Wassers, könnte die Situation in dieser Region der Welt noch verschärfen (vgl. HOFF & KUNDZEWICZ 2006:16).

2. HANDLUNGSOPTIONEN ZUR NACHHALTIGEN UND SOZIAL GERECHTEN WASSERVERTEILUNG

2.1. MENSCHENRECHT AUF WASSER

Dass Wasser die lebenswichtigste Ressource auf der Erde ist, wurde oben bereits anschaulich erläutert und dargestellt. An vielen Orten des Planeten ist diese Res- source knapper als anderenorts, weshalb die dort lebenden Menschen insbesondere unter einem Mangel an sauberem Trinkwasser leiden. Aus diesem Grund, wurde in den letzten Jahren bereits häufiger über ein Menschenrecht diskutiert, welches kon- kret das Recht auf Trinkwasser und Abwasserentsorgung beinhalten sollte.

„Für Überwachungszwecke spezifiziert der Global Water Supply and Sanitation Assessment 2000 Report von Weltgesundheitsorganisation und UN-Kinderhilfswerk (WHO/UNICEF) als „angemessenen Zugang zu Wasser“ die Verfügbarkeit von min- destens 20 Liter pro Person und Tag von einer ausgebauten Quelle in einer Entfer- nung von maximal einem Kilometer vom Wohnsitz des Nutzers“ (UNESCO 2003:15).

In Anlehnung an den

„Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Weltweiter Wasserverbrauch 1900 - 2025 (nach Regionen in Mrd. m³/Jahr) (Quelle: UBA 2011)

„angemessenen Le- bensstandard“ zu ga-

rantieren, wurde 2008 - auf Initiative Deutschlands und Spaniens - mit der „Resoluti- on 7/22“ der Vereinten Nationen ein international gültiges Dokument ins Leben geru- fen, welches das Menschenrecht auf Wasser verpflichtend festhält (BPB 2006:B; UN 2008:2).

Dabei verpflichten sich die Staaten, alles zu unternehmen, damit ihre Bürger mit „ausreichendem, sicherem, annehmbarem, physisch zugänglichem und erschwinglichem Wasser für den persönlichen und den häuslichen Gebrauch“ versorgt sind. Auch in Hinblick auf den weltweit ständig steigenden Wasserverbrauch (Abb. 3) und die ungenügend ausgebaute Verteilungsinfrastruktur, gewinnt dieses Menschenrecht umso mehr an Bedeutung. Nach Angaben der Vereinten Nationen, hat sich der Wasserverbrauch seit 1900 nahezu verzehnfacht (FRÖHLER 2010:17). Der Wasserstress-Index (s. Abb. 4) verdeutlicht, in welchen Ländern ein Missverhältnis zwischen Wasserbedarf und erneuerbarem Süßwasser besteht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Verhältnis Wasserbedarf - Verfügbarkeit erneuerbaren Süßwassers (Quelle: LAIMÉ 2008:23)

Da sich mit einem steigenden Wasserverbrauch auch die Menge an Abwasser er- höht, nimmt auch die Gefahr einer Gesundheitsgefährdung durch unsauberes Was- ser zu. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass in den Entwicklungs- ländern etwa 90 Prozent des Wassers nicht gesäubert weitergeleitet und 70 Prozent der Industrieabfälle unbehandelt entsorgt werden. Dadurch sind die ohnehin spärli- chen Trinkwasserreserven zusätzlich durch Verschmutzung gefährdet (LAIMÉ 2008:23). In Anbetracht dieser Umstände ist es fraglich, wie eine Umsetzung dieses Menschenrechts aussehen soll bzw. wer sie finanzieren soll. Besonders in politisch instabilen Systemen wird häufig eher in militärische Mittel als in Infrastruktur inves- tiert. Meist bleibt nur die direkte Aufbauhilfe durch Entwicklungsorganisationen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Konfliktpotenzial der Ressource Wasser
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Lehrstuhl für Raumentwicklung)
Veranstaltung
Naturressourcenmanagement aus wirtschafts- und politikwissenschaftlicher Perspektive
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V171095
ISBN (eBook)
9783640902446
ISBN (Buch)
9783640902613
Dateigröße
787 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trinkwasser, Trinkwasserproblematik, UNESCO, UNO, Konfliktpotenzial, Wasser, Ressource, Ressource Wasser, Ökologischer Fußabdruck, Fußabdruck, Wasserknappheit, Wassermangel, Knappes Gut, Konflikte, Kriege, Virtueller Wasserhandel, Wasserhandel, Intergriertes Wasserressourcenmanagement, IWRM, Menschenrecht, Wasserverteilung, Aralsee, Wasserverbrauch, Wasserbedarf, Süßwasser, Trinkwasserversorgung, Versalzung, Desertifikation
Arbeit zitieren
B.Sc. David Zuk (Autor), 2011, Das Konfliktpotenzial der Ressource Wasser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171095

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