Jnana-Yoga - ein Kurzüberblick


Referat (Ausarbeitung), 2007
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Jnana-Yoga
2.1 Vedanta-Philosophie
2.2 Die drei Körper und fünf Hüllen
2.3 Transzendenz und Reinigung der Existenzhüllen

3 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Alles Leben ist Leiden“1

Seit jeher haben sich die Menschen, unter dem Durst nach Wissen leidend, zahlreiche Grundfragen gestellt, solche wie: „Wer bin ich? Woher kommt die Welt? Was ist der wahre Sinn des Lebens? Was ist die absolute Wirklichkeit?“. Nur Einzelnen ist es aber nach einem lebenslangen Weg der Suche nach der Erkenntnis gelungen, die absoluten Schlussfragen „der letzten Wahrheit“ zu beantworten. Der Drang des Menschen nach Wissen, wobei Wissen eine der drei göttlichen Mächte darstellt (die anderen zwei sind Liebe und Wille), zeugt von dem Streben, seine Seele „zum Göttlichen Wesen“2 auf- steigen zu lassen.

Das Ziel dieser Hausarbeit ist es somit, den Weg des Wissens (Jnana-marga) im Zu- sammenhang mit der Vedanta-Philosophie darzustellen. Dieser Pfad des Yoga wird also im Folgenden so besprochen, wie ihn der große indische Meister Shankara in seinen Werken darstellt. Besonders wird auf die drei Körper und die fünf Hüllen des Menschen sowie deren Transzendenz als grundlegende Themenbereiche des Jnana-Yoga einge- gangen.

2 Jnana-Yoga

„ Für den Sinn des Lebens sorgt das Leben

genau so lange bis wir fragen" 3

Jnana-marga ist einer der vier Yoga-Wege zu dem Aufhellen, dem Erwachen und All- umfassenden und stellt den intellektuellen Pfad dar, der den menschlichen Verstand von den Fesseln der illusionären Weltkonzeption (Maya) befreit und ihn zum wahren Wis- sen führt. Die anderen drei Yogawege sind: Karma Yoga, Raja Yoga und Bhakti Yoga.

Der schwere Weg des Jnana führt den Menschen zur ewigen Wahrheit und „zu dem einzig-höchsten Selbst“4 durch die Veränderung seines Wissens über sich selbst und die umliegende Welt.

Jnana-Yoga gründet auf der Behauptung, dass die Ursachen für alle Probleme und das Unglück des Menschen in seinem Nichtwissen (Avidya) verwurzelt sind. Durch Avidya hat der Mensch vergessen, was sein absolutes Selbst (Atman) ist und wie die ewige Wahrheit (Brahman) aussieht. Das Ziel des Menschen laut der Jnana- Philosophie ist es somit, Avidya zu bekämpfen und am Ende Atman und Brahman zu erreichen.5 Hierbei bezieht sich Atman auf das Individuum und wird häufig als eigene Seele verstanden, wobei sich Brahman auf das Universum bezieht und als Urgrund allen Seins, als Welt- seele, verstanden wird.6

2.1 Vedanta-Philosophie

„ Mein selbst ist das Selbst von allen “ 7

Jnana -Yoga beruht auf der Vedanta -Philosophie, die der große indische Meister Shankara im 8. Jahrhundert formuliert hat8, welche aber seit ungefähr dem 7. Jh. v. Chr. unter einer Sammlung von philosophischen Schriften des Brahmanismus, auch Upanishaden genannt, bekannt ist. Die Upanischaden stellen seinerseits einen jüngeren Teil der Schriften, die von verschiedenen Personen zu verschiedenen Zeiten (etwa in der Zeit zwischen 1500 und 400 vor unserer Zeitrechnung) aufgezeichnet worden sind, dar und werden als „ Veda “ (indisch: Wissen) bezeichnet. Vedanta ist als ein Modell der Wirklichkeit zu verstehen und postuliert eine Einheit von Brahman (Welt-Seele) und Atman (Einzel-Seele). Als Ziel des Lebens gilt es somit, die Einheit von Atman und Brahman zu erkennen.

Demzufolge gilt die Vedanta als Philosophie der Einheit und besagt daher, dass ein ge- meinsames Bewusstsein in uns Allen herrscht.9 Mit diesem Grundsatz erklärt die Philo- sophie des Jnana-Yoga eines der drei Yoga-Prinzipien: „Leben in Liebe mit sich selbst und den Anderen“10. Der Mensch sollte daher auf Grund der Existenz des gemeinsamen Bewusstseins alle lieben, weil ihm sonst sein eigenes Bewusstsein, also er selbst, sich nicht gefallen würde.

Des Weiteren hilft die Vedanta -Philosophie dem Menschen die Wirklichkeit zu begrei- fen und sagt: „Lerne die Unterscheidung zwischen dem Wahren und dem Unwahren“11. Folglich sollte das menschliche Wesen die Wirklichkeit vom Materiellen unterscheiden können und sein Leben in Einfachheit leben. Daher kommt hier das zweite Yoga- Prinzip zum Tragen: „Richte dein Leben nicht nach Materiellem aus“12. Weiterhin sollte der Mensch nach Vedanta auch keine Illusionen erzeugen. Er sollte versuchen, sein wahres Selbst zu erkennen und in Wahrhaftigkeit zu leben. Hier kommt das dritte Prinzip des Yoga zur Sprache: „Steh zu den Sachen, die du machst“13. Dies könnte wie folgt verstanden werden: Sei ehrlich zu dir selbst! Daraus kann man erken- nen, dass, wenn die Postulate der Vedanta -Philosophie begriffen sind, der Mensch ohne weiteres zum Dharma, zum Leben im Einklang mit den Yoga- Prinzipien, gelangt. Was trennt aber alle Menschen voneinander? Wieso können die Menschen das gemein- same Bewusstsein in allen nicht mehr wahrnehmen? Der Grund für die Trennung ist unser Geist und unser Körper, genauer gesagt unsere fünf Sinne (Sehen, Hören, Rie- chen, Schmecken, Tasten), die der Mensch nicht kontrollieren kann, und ihre Wahr- nehmung. Wegen Avidya identifiziert sich der Mensch nur mit seiner illusorischen Welt, den eigenen körperlichen Wahrnehmungen und Gefühlen. Diese Identifikation mit dem Körper, dem Geist und der eigenen Persönlichkeit führt zu Leid und Schmerz im Leben, da der Mensch intuitiv weiß, dass seine wahre Natur sat-chit-ananda (Beschreibung des Brahmans in Vedanta) ist.14 Somit begrenzt er sich selbst, wobei sich diese sogenannten Upadhis (Begrenzungen) in seinen drei Körpern und fünf Hüllen kenntlich machen. In diesen Begrenzungen versteckt sich das ewige Glück des Menschen: „Unter den fünf Hüllen, die die eigene Maya webt, und mit dem physischen Körper beginnen, bleibt der Atman verborgen, wie das Wasser in einem Teich, der dicht mit Algen bedeckt ist. Wenn diese entfernt sind, tritt das Wasser klar hervor. Es stillt den Durst der Menschen, kühlt ihn und macht ihn glücklich.“15

2.2 Die drei Körper und fünf Hüllen

„ Die fünf Hüllen sind geschaffen worden aus Nahrung, Lebensenergie, Geist, Einsicht und Glückseligkeit. “ 16

Nach der Vedanta -Philosophie drückt sich unser Atman, unser reines Selbst, in drei Körpern aus: in dem physischen Körper (sthula sharira), Astralkörper (sukshma sharira) und Kausalkörper (karana sharira). Die Sharira (Körper) enthalten seinerseits fünf Hüllen: die Nahrungshülle des physische Körpers (Annamaya kosha); die Energiehülle (Pranamaya kosha), die geistig emotionale Hülle (Manomaya kosha) sowie die intellektuelle Hülle (Vijnanamaya kosha) des Astralkörpers und schließlich die Wonnehülle (Anandamaya kosha) des Kausalkörpers.17

Der grobstoffliche (Sthula) Körper (Sharira) besteht aus Nahrung (Anna), die wir essen. Wenn sich der Mensch überwiegend vom Schweinefleisch, Rind u.s.w. ernährt, dann besteht seine Hülle aus dem Fleisch dieser Tiere. Die Stoffe, aus denen unsere Zellen bestehen, wechseln sich alle hundert Tage. Der ständige Stoffwechsel bewirkt schließ- lich, dass sich die Hülle (Kosha) des physischen Körpers in einem wechselnden Zustand befindet. Dieser grobstoffliche Körper ist aber ohne die zwei anderen Körper leblos, so dass der Mensch nur einem Mineral gleicht, welches nur sein Annamaya besitzt.

Unser zweiter Körper ist „feinstofflich“ (Sukshma) und besteht aus Prana (Lebensener- gie), Manas (Gedanken und Emotionen) und schließlich aus Vijnana (Intellekt und Wis- sen).

[...]


1 Möller, P.: Buddhismus, 2006, o.A.

2 Aurobindo, S.: Die Synthese, 2000, S. 557.

3 Hein, P. (zitiert nach Janakananda, S.: Tantra, 1998, o.A.)

4 Aurobindo S.: Die Synthese, 2000, S. 48.

5 Vgl. ebd. S.48.

6 Vgl. Möller, P.: Die Lehre, 2007, o.A.

7 Bowes, J.: Die Psychologie, 1996, S.68.

8 Vgl. dtv Lexikon: Schankara, 1997, S. 325.

9 Vgl. Aurobindo, S.: Die Synthese, 2000, S. 48.

10 Rietzler-Sachs, P.: Skript, 2007, o.A.

11 Sivananda, S.: Vedanta, 2005, o.A.

12 Rietzler-Sachs, P.: Skript, 2007, o.A.

13 Ebd., o.A.

14 Vgl. Bretz, S.: Vedanta, 2006, o.A.

15 Shankara: Das Kleinod, 1987, o.A. (zitiert nach Schobinger, L.: Die Upanishaden, o.A., S. 4.)

16 Upanishad, P. (zitiert nach Janakananda, S.: Tantra, 1998, o.A.)

17 Vgl. Bretz, S.: Jnana, 2006, o.A.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Jnana-Yoga - ein Kurzüberblick
Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel  (Karl-Scharfenberg-Fakultät, Sportmanagement)
Veranstaltung
Methodik und Didaktik von Sportarten - Yoga
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V171102
ISBN (eBook)
9783640903092
ISBN (Buch)
9783640903382
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jnana-yoga
Arbeit zitieren
Lev Esipovich (Autor), 2007, Jnana-Yoga - ein Kurzüberblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171102

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