Die Arbeit untersucht, wie Persuasion in der modernen rhetorischen Wissenschaft theoretisch gefasst und in konkreten Textstrategien umgesetzt wird. Auf der Grundlage klassischer und moderner Rhetorik‑ und Argumentationstheorien werden zentrale Begriffe, Modelle und Funktionen persuasiver Kommunikation systematisch aufgearbeitet. Anschließend werden ausgewählte Beispiele politischer Kommunikation analysiert, um zu zeigen, mit welchen sprachlichen und strukturellen Mitteln Akteure Zustimmung erzeugen, Positionen legitimieren und Meinungen beeinflussen. Die Arbeit bietet damit eine fundierte Einführung in die theoretischen Grundlagen der Persuasion und zugleich ein praxisnahes Instrumentarium zur Analyse politischer Texte und Reden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Persuasion in der rhetorischen Wissenschaft
2.1 Definition von Persuasion: Antike Fundierung und moderne Adaption
2.2 Abgrenzung zur Manipulation: Ethische und strukturelle Differenzierung
2.3 Die Dreistufentheorie medialer Kommunikation: Mediale Evolution und rhetorische Adaption
2.3.1 Primäre Kommunikation (Face-to-Face): Performanz als zentrales Element
2.3.2 Sekundäre Kommunikation (Massenmedien): Simulierte Präsenz und audiovisuelle Inszenierung
2.3.3 Tertiäre Kommunikation (digitale Netzwerke): Algorithmische Persuasion und Mikrotargeting
2.3.4 Rhetorische Theoriebildung im Wandel
2.4 Fazit
3. Umsetzung von Persuasionszielen in der Textrhetorik
3.1 Die Rolle von Ethos, Pathos und Logos in der Textrhetorik
3.1.1 Ethos: Autoritätsinszenierung vs. Anti-Establishment-Pose
3.1.2 Pathos: Emotionale Mobilisierung vs. Verantwortungsrhetorik
3.1.3 Logos: Statistische Evidenz vs. vereinfachte Kausalnarrative
3.1.4 Mediale Inszenierung und Zielgruppenadaptierung
3.1.5 Fazit: Trias als Spiegel ideologischer Positionierung
3.2 Strategien der Textrhetorik zur Zielerreichung
3.2.1 Autoritäre Argumente: Expertise vs. Anti-Elitismus
3.2.2 Analoge Argumente: Historisierung vs. Reduktionismus
3.2.3 Gerahmte Argumente: Fortschrittsoptimismus vs. Opfernarrative
3.2.4 Kommunale Argumente: Sicherheitstopoi im Semantikkampf
3.3 Kontextfaktoren: Zielgruppe, Medium und kulturelle Rahmenbedingungen
3.3.1 Zielgruppenadaptation
3.3.2 Regionale Differenzierung
3.3.3 Kulturelle Codierungen
3.3.4 Fazit
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Mechanismen persuasiver Kommunikation im Kontext der rhetorischen Wissenschaft, wobei ein besonderer Fokus auf dem Vergleich der Strategien von CDU/CSU und AfD liegt. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie rhetorische Mittel wie Ethos, Pathos und Logos eingesetzt werden, um in einem fragmentierten öffentlichen Diskurs Zielgruppen zu adressieren und ideologische Positionen zu festigen.
- Grundlagen der Persuasion und Abgrenzung zur Manipulation
- Dreistufentheorie der medialen Kommunikation nach Joachim Knape
- Vergleichende Analyse politischer Redestrategien
- Die Rolle von Ethos, Pathos und Logos in der heutigen Textrhetorik
- Einfluss von Kontextfaktoren wie Zielgruppen und medialen Formaten
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Rolle von Ethos, Pathos und Logos in der Textrhetorik
Die aristotelische Trias Ethos, Pathos und Logos strukturiert nicht nur antike Rhetoriktheorien, sondern bildet bis heute das strukturelle Rückgrat persuasiver Textstrategien in der politischen Kommunikation. Die Differenzierung dieser Mittel zwischen der AfD und CDU/CSU offenbart systematische Unterschiede in der strategischen Ausrichtung, die tief in ihren ideologischen und kommunikativen Grundmustern verankert sind.
3.1.1 Ethos: Autoritätsinszenierung vs. Anti-Establishment-Pose
Die CDU/CSU bedient sich eines technokratischen Expertenethos, das auf politische Erfahrung und sachliche Kompetenz abzielt. Friedrich Merz’ Statement „Innovation braucht Freiheit, nicht Bürokratie“ (Wirtschaftsrede 2024) verknüpft dabei gezielt OECD-Studien mit dem Topos der „Standortsicherung“, um ein Bild rationaler Sachwalter*innen zu zeichnen. Dies entspricht der aristotelischen Forderung nach ēthos als glaubwürdiger Selbstdarstellung durch Expertise (Aristoteles, Rhetorik I.2).
Die AfD hingegen inszeniert ein anti-elitäres Ethos, das sich als „Stimme des Volkes“ gegen vermeintliche „politische Deindustrialisierung“ (Weidel 2023) richtet. Diese Strategie nutzt das vir-bonus-Ideal ironisch, indem sie Elitenkritik zum Kern ihrer Autoritätskonstruktion macht – ein Phänomen, das Koch/Schirren (2000) als „Hybridisierung“ tradierter Topoi beschreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung persuasiver Kommunikation in einer vernetzten Welt und führt in die Fragestellung zur rhetorischen Strategieanalyse ein.
2. Grundlagen der Persuasion in der rhetorischen Wissenschaft: Dieses Kapitel rekonstruiert den Begriff der Persuasion von seinen antiken Ursprüngen bis zu modernen medientheoretischen Erkenntnissen.
3. Umsetzung von Persuasionszielen in der Textrhetorik: Hier werden die rhetorischen Mittel und strategischen Ansätze anhand der Fallbeispiele von CDU/CSU und AfD detailliert analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die anhaltende Relevanz der Rhetorik als analytisches Instrument politischer Diskurse.
Schlüsselwörter
Persuasion, Rhetorik, Politische Kommunikation, Ethos, Pathos, Logos, CDU/CSU, AfD, Textrhetorik, Mediale Inszenierung, Diskursanalyse, Zielgruppenadaptation, Strategische Rhetorik, Politische Ideologie, Manipulation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die rhetorischen Strategien und Mechanismen der Überzeugung (Persuasion) innerhalb der heutigen politischen Kommunikation in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Mittelpunkt stehen die rhetorische Theorie, die mediale Evolution der Kommunikation sowie der praktische Einsatz rhetorischer Mittel durch die politischen Parteien CDU/CSU und AfD.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein fundiertes Verständnis dafür zu schaffen, wie rhetorische Theorien und moderne Kommunikationsstrategien zusammenspielen, um politische Botschaften zielgruppengerecht zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine historisch-theoretische Herangehensweise und vergleicht aktuelle politische Reden und Kommunikationsformate auf Basis der aristotelischen Trias (Ethos, Pathos, Logos).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Umsetzung von Persuasionszielen, der Bedeutung von Medienformaten sowie dem Einfluss von Kontextfaktoren auf die politische Rhetorik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die zentralen Begriffe umfassen Persuasion, Rhetorik, politische Kommunikation, Ethos, Pathos, Logos, Medieninszenierung und diskursive Strategien.
Wie unterscheidet sich das rhetorische Ethos von CDU/CSU und AfD?
Während die CDU/CSU auf ein technokratisches Expertenethos setzt, das Sachlichkeit betont, nutzt die AfD eine anti-elitäre Pose, um sich als „Stimme des Volkes“ zu stilisieren.
Welche Rolle spielen digitale Medien in der heutigen Persuasion?
Digitale Netzwerke ermöglichen laut der Analyse eine dezentrale und interaktive Kommunikation, in der durch Algorithmen und Mikrotargeting personalisierte Botschaften verbreitet werden können.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2025, Persuasion in der rhetorischen Wissenschaft. Theorie, Textstrategien und politische Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1711319