Die vorliegende Arbeit befasst sich vergleichend mit verschiedenen Formen des Widerstands im Genre Dystopie in Literatur und Film.
Schon im 20. Jahrhundert gab es eine dystopische Literaturwelle, deren Meilenstein Aldous Huxley mit seinem Buch „Brave New World“ aus dem Jahre 1932 gelegt hat. Diese Welle ist zwar bis heute abgeklungen, aber nie vollkommen verschwunden. Durch das immer breiter werdende Medium „Film“ wurden diese Vorstellungen von fiktiven Welten auch visuell erfahren. Einer dieser Filme, welcher auch im Laufe dieser Arbeit behandelt wird, ist "Brazil" von Terry Gilliam aus dem Jahre 1985. Der Film gibt die Ängste und Probleme des Entstehungszeitraumes wieder. So werden die sich immer weiterentwickelnde Technik, die noch nicht vollkommen abgeklungene Angst vor totalitären Regimes und die Folgen des Kalten Krieges in eine retrofuturistische Version der Welt exportiert. Die Menschen beginnen langsam, aber sicher, den immer schneller werdenden Fortschritt zu fürchten, da er Dinge, wie „Massenvernichtungswaffen“ hervorbringt. Auch das größer werdende Konsumverhalten der Menschen, vor allem im Westen, gibt Stoff für Kritik, die in der Dystopie aufgegriffen und angesprochen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Dystopische Filmgeschichte
2. Dystopie
2.1 Definition des Begriffs
2.2 Bildung des Genres
2.3 Merkmale und Ziele
3. Verschiedene Dystopien erfordern unterschiedliche Widerstände
3.1 Inhaltliche Aspekte
3.1.1 Handlung, dystopische Welten und Machtstrukturen beider Filme
3.1.2 Technik und die jeweilige Bedeutung für die Dystopien
3.1.3 Familiäre- und Liebesbeziehungen im Zusammenhang zum Widerstand
3.1.4 Die Widerstände
3.2 Filmische Mittel
3.2.1 Schnitt und Farben
3.2.2 Titelmusik
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern unterschiedliche dystopische Welten und politische Systeme verschiedene Formen des Widerstandes und deren Ausgangsbedingungen provozieren. Anhand eines komparativen Vergleichs der Filme "Brazil" und "The Hunger Games" wird analysiert, welche Rolle filmische Mittel und inhaltliche Merkmale wie Machtstrukturen, Technologie und persönliche Beziehungen bei der Ausgestaltung von Widerstand spielen.
- Vergleichende Analyse der Dystopie-Genres "Brazil" und "The Hunger Games"
- Einfluss totalitärer Machtstrukturen auf die Handlungsspielräume von Individuen
- Bedeutung von Technologie, Medien und Konsumverhalten als Unterdrückungsinstrumente
- Filmische Gestaltungsmittel (Schnitt, Farbe, Musik) zur Visualisierung von Widerstand
- Psychologische Aspekte und die Wirksamkeit von passivem versus aktivem Widerstand
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Handlung, dystopische Welten und Machtstrukturen beider Filme
Brazil handelt von einem Mann namens Sam, der als Beamter für einen Staat arbeitet, der totalitär erscheint. Als einer Abteilung dieses Systems ein Buchstabenfehler unterläuft, kommt es zum Tod Buttles anstatt Tuttles. Jill, die Nachbarin der Buttles will diesen Helfen und gerät dadurch selbst ins Visier der Regierung. Sam, der Jill bereits mehrere Male zuvor in seinen Träumen gesehen hat, erblickt sie im Laufe des Films im wahren Leben und will ihr helfen. Dadurch macht er sich selbst zum Staatsfeind Nummer eins, wird letztendlich festgenommen und endet im psychischen Wahnsinn.
Zunächst ist ein dystopisches Merkmal dieses Films die retrofuturistische Technologie, also zukünftige Technologien, wie sie sich die Menschen aus den 40er oder 50er Jahren vorgestellt haben (Preußer 162). Diese nutzt der totalitäre Staat zum einen für vollkommene Überwachung und zum anderen, um die Menschen von dieser Technik und somit vom System abhängig zu machen. Überall findet man Monitore und Roboter, die die Bürger inspizieren und kontrollieren. So heißt es auch auf einem Schild im Archiv: „SUSPICION BREEDS CONFIDENCE“ (Brazil 00:15:14). Der Zusammenhang zwischen der Abhängigkeit von der Technik und die Angewiesenheit an den Staat wird besonders bei Reparaturen sichtbar. Hier ist der Einzelne nämlich völlig hilflos, denn nichts erfolgt ohne Formulare und deshalb gibt es keine brauchbaren „Central Services“ Arbeiter. Jene, die diese Arbeit verrichten, verschlimmern die Situation nur. Das ist auch der Grund, weshalb Tuttle, nach dem ursprünglich anstelle von Buttle gefahndet wird, als „Schwarzarbeiter“ in der Reparaturbranche tätig ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Dystopische Filmgeschichte: Diese Einleitung beleuchtet die Entwicklung dystopischer Literatur und die visuelle Adaption im Medium Film anhand von "Brazil" und "The Hunger Games".
2. Dystopie: Das Kapitel definiert den Begriff der Dystopie, grenzt das Genre ab und beschreibt zentrale Merkmale sowie Ziele dystopischer Erzählweisen.
3. Verschiedene Dystopien erfordern unterschiedliche Widerstände: Der Hauptteil vergleicht inhaltliche Aspekte der Machtausübung sowie filmische Ausdrucksmittel in den gewählten Werken, um die unterschiedlichen Widerstandsformen der Protagonisten Sam und Katniss zu analysieren.
4. Fazit: Die abschließende Betrachtung resümiert, dass die Art des Widerstandes maßgeblich vom dystopischen System abhängt, wobei Sam einen psychischen Fluchtweg findet, während Katniss in einem fortdauernden, aktiven Kampf gegen die Unterdrückung verbleibt.
Schlüsselwörter
Dystopie, Widerstand, Filmvergleich, Totalitarismus, Machtstrukturen, Brazil, The Hunger Games, Technologie, Kontrolle, Medienkonsum, Psychologie, Überwachung, Individuum, Gesellschaftskritik, Freiheitsdrang
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Widerstandskonzepte innerhalb dystopischer Filmsysteme und vergleicht dabei die Filme "Brazil" und "The Hunger Games".
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Natur totalitärer Systeme, der Einsatz von Technologie zur Überwachung, der Einfluss der Konsumgesellschaft sowie die psychologischen Auswirkungen von Unterdrückung.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet, ob voneinander abweichende dystopische Welten und Machtsysteme unterschiedliche Formen des Widerstandes und deren spezifischen Ausgang fordern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine komparative Filmanalyse durchgeführt, bei der sowohl inhaltliche Aspekte als auch filmische Gestaltungsmittel wie Schnitt, Farbgebung und Musik systematisch verglichen werden.
Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Im Hauptteil werden Machtstrukturen, die Rolle von familiären und Liebesbeziehungen für den Widerstand sowie die filmische Visualisierung von Traum und Realität bzw. Spektakel analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Dystopie, Widerstand, totalitäre Überwachung und psychologische Emanzipation beschreiben.
Wie unterscheidet sich der Widerstand von Sam in "Brazil" von dem von Katniss in "The Hunger Games"?
Sam agiert eher passiv und findet seinen Widerstand bzw. seine Erlösung in einem Zustand psychischer Flucht und Wahnsinn, während Katniss aktiv und provozierten gegen das System kämpft.
Welche Bedeutung haben die Farben in den Filmen laut der Autorin?
Die Farben (besonders Blau und Rot) werden als Symbole für Identität, Selbstbewusstsein, aber auch für die Künstlichkeit und Autorität der jeweiligen dystopischen Regimes gedeutet.
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- Janis Hindelang (Author), 2019, Verschiedene Formen des Widerstands in unterschiedlichen Dystopien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1711343