Joseph Beuys war ein deutscher Zeichner, Aktions- und Objektkünstler. Zu seinen Bemühungen zählten die Einigung von Natur und Geist in der Kunst, sowie sein politisches Engagement. Grundlage war seine Vorstellung, die Kreativität auf alle Bereiche des Lebens an-zuwenden. Sein Werk umfasst damit im Wesentlichen vier Bereiche: Aktionen, plastische Werke (Zeichnungen und Objekte), Kunsttheorie und politische Aktivitäten. Er gilt bis heute weltweit als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts.
Eingangs habe ich seine oft diskutierte und häufig falsch interpretierte Aussage „Jeder Mensch ist ein Künstler“ dargestellt. Joseph Beuys erklärte selbst in einem Gespräch mit Louwrin Wijers: „Das heißt, an den Arbeitsplätzen, im Krankenhaus, in der Industrie, bei der Eisenbahn, auf der Universität, das müßte sozusagen ein neuer Kreativitätsbegriff da sein, der aber die Konsequenz hat, daß man dieses System versteht. Das ist der Anthropologische Kunstbegriff, der einen auch berechtigt zu sagen: Jeder Mensch ist ein Künstler. Denn ich sage doch nicht: Jeder Mensch kann ein Rembrandt sein.“ Er meinte damit also nicht, dass jeder Mensch ein Maler oder Bildhauer sein könnte, sondern, dass jeder Mensch kreative Fähigkeiten besitzt und diese sollten erkannt und ausgebildet werden. Joseph Beuys bezog sich damit auf den Begriff der Lebenskunst, wie auch im folgenden Zitat deutlich wird: „Sie sollten erst einmal darüber nachdenken, wie sie sich als Mensch überhaupt selber emp-finden...“
In dieser Arbeit werde ich mich genauer mit Kunst und Intervention im Bereich der Sozialen Arbeit befassen. Dies geschieht beispielhaft am Künstler Joseph Beuys und seiner Sozialen Plastik. Meine Forschungsfrage lautet: Welchen Nutzen hat das Werk von Joseph Beuys für die Soziale Arbeit?
Meine Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut. Zunächst werde ich im ersten Teil der Arbeit kurz die Biografie von Joseph Beuys darstellen, um ihn und seine Kunst besser verstehen zu können. Der zweite Teil bezieht sich auf Kunst und Intervention und damit verbunden auf den Erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys, der zur Sozialen Plastik führte. Im letzten Teil werde ich eine Antwort auf die Frage geben, welchen Nutzen das Werk von Joseph Beuys für die Soziale Arbeit hat.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Biografie
1.1 Kindheit und Jugend im Dritten Reich (1921-1941)
1.2 Kriegszeit (1941-1945)
1.3 Studium und Aufbruch (1945-1960)
1.4 Hochschule und Öffentlichkeit (1960-1975)
1.5 Internationale Präsenz und Preise (1975-1986)
2. Kunst und Intervention
2.1 Erweiterter Kunstbegriff
2.2 Bedeutung und Hintergrund der Sozialen Plastik
3. Schlussbetrachtung des Nutzens des Werks von Joseph Beuys für die Soziale Arbeit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz von Joseph Beuys' Konzept der "Sozialen Plastik" für die moderne Soziale Arbeit. Ziel ist es, durch eine Analyse seiner künstlerischen Theorie und Interventionsformen aufzuzeigen, wie diese Impulse die Haltung und Arbeitsweise in sozialen Berufen bereichern können.
- Biografische Prägung von Joseph Beuys
- Theorie des Erweiterten Kunstbegriffs
- Hintergrund und Konzept der Sozialen Plastik
- Potenziale für einen ressourcenorientierten Ansatz in der Sozialen Arbeit
- Notwendigkeit einer erweiterten Interventionsperspektive
Auszug aus dem Buch
2.1 Erweiterter Kunstbegriff
Was Joseph Beuys zu seinem Kunstbegriff führte, der ganz auf den Menschen bezogen ist, waren: „seine Erfahrungen, seine Herkunft, die Studien, der Krieg, sein naturwissenschaftlich geschultes Denken, seine Erkenntnis, dass der positivistische Wissenschaftsbegriff eine Einbahnstraße sei“. Joseph Beuys sah nicht nur seine Zeichnungen, Aktionen, Objekte und Installationen als Kunst an, sondern auch seine Erklärungen. Sein Werkstoff war der Mensch. Dieser sollte geformt werden. Kreativität war für ihn ein Volksvermögen. Sein Kunstbegriff bezog sich daher auf allgemeine kreative Fähigkeiten. Sie kommen u. a. in Medizin, Pädagogik, Recht und Ökonomie vor. Daher sollte der Kunstbegriff auf die menschliche Arbeit an sich angewendet werden. Er war der Meinung, dass es erst eine leistungsfähige demokratische Gesellschaft gebe, wenn Kunst in alle Lebensbereiche integriert sei.
Hintergrund war, dass er der Meinung war, nur Kunst könne die Gesellschaft verändern. Kunst war für ihn demnach das Zusammenwirken aller gestalterischen Kräfte einer Gesellschaft, auf der Basis der optimalen Entfaltung der Fähigkeiten jedes einzelnen Menschen. Der gemeinsame Aufbau einer Gesellschaft war für Joseph Beuys Kunst. Jeder kreativ tätige Mensch war für ihn ein Künstler. Er öffnete dadurch die Grenzen der Kunst. Sein Kreativitätsprinzip schloss sich an das Auferstehungsprinzip an, wonach die alte Form erstarrt ist und in eine lebendige umgewandelt werden muss. Dies war der erweiterte Kunstbegriff von Joseph Beuys, der für ihn eine Grundformel für alles Weitere darstellte.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Künstlers Joseph Beuys und Definition der Forschungsfrage nach dem Nutzen seines Werks für die Soziale Arbeit.
1. Biografie: Darstellung des Lebenswegs von Beuys von der Kindheit über die Kriegsjahre bis hin zu seiner internationalen Anerkennung als Künstler und Aktivist.
2. Kunst und Intervention: Erläuterung des Erweiterten Kunstbegriffs und der theoretischen Grundlagen der Sozialen Plastik im Kontext von Beuys' künstlerischem Schaffen.
3. Schlussbetrachtung des Nutzens des Werks von Joseph Beuys für die Soziale Arbeit: Diskussion über die Übertragbarkeit der beuysschen Ideen auf die soziale Praxis und die notwendige Haltungsänderung von Sozialarbeitern.
Schlüsselwörter
Joseph Beuys, Soziale Plastik, Erweiterter Kunstbegriff, Soziale Arbeit, Kreativität, Intervention, Anthropologischer Kunstbegriff, Ressourcenorientierung, Fluxus, Dreigliederung, Gesellschaftsgestaltung, Bildung, Partizipation, Menschliches Bewusstsein, Interdisziplinarität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werk des Künstlers Joseph Beuys und dessen Bedeutung für das Feld der Sozialen Arbeit, insbesondere unter dem Aspekt der "Sozialen Plastik".
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Biografie von Beuys, seinem erweiterten Kunstbegriff und der Übertragung gestalterischer Prinzipien auf soziale Interaktionsprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welchen Nutzen hat das Werk von Joseph Beuys für die Soziale Arbeit?
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu Leben und Werk von Joseph Beuys sowie der Anwendung von dessen Theorie auf aktuelle fachliche Diskurse der Sozialen Arbeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Einordnung und eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Theorie der Sozialen Plastik und dem Erweiterten Kunstbegriff.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff "Soziale Plastik" sind vor allem "Erweiterter Kunstbegriff", "Kreativität" und "Ressourcenorientierung" prägend für die Argumentation.
Wie unterscheidet sich die "Soziale Plastik" nach Beuys von klassischer Bildhauerei?
Im Gegensatz zur klassischen Bildhauerei, die mit physischem Material arbeitet, versteht Beuys die Soziale Plastik als einen dynamischen, gesellschaftlichen Gestaltungsprozess, bei dem jeder Mensch als Gestalter aktiv wird.
Warum betont die Autorin die Bedeutung einer Haltungsänderung in der Sozialen Arbeit?
Die Autorin argumentiert, dass eine echte Teilhabe von Klienten erst möglich wird, wenn diese nicht defizitär, sondern als gleichberechtigte Partner mit eigenen Ressourcen betrachtet werden.
- Arbeit zitieren
- Ivonne Schachtschneider (Autor:in), 2011, Kunst und Intervention im Bereich der Sozialen Arbeit am Beispiel von Joseph Beuys und der Sozialen Plastik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171178