Napoleon Bonaparte und der Russlandfeldzug

Die Entscheidung


Hausarbeit, 2011

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Russlandfeldzug

3 Die Entscheidung für den Russlandfeldzug
3.1 Januar
3.2 März
3.3 August

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Bonaparte den großen St. Bernhard überschreitend

2 Napoleon in der Schlacht von Smolensk

1 Einleitung

Im Januar des Jahres 1811 hat Napoleon Bonaparte, französischer General und erster Kaiser, die Entscheidung gefällt, den Feldzug nach Russland zu beginnen und damit die Ostexpansion Frankreichs zu forcieren. So steht es zumindest in zahlreichen Büchern geschrieben, wie in „Napoleon und seine Zeit“ von Luigi Roma. Hier wird sich auf den 31.12.1810 gestützt, denn an diesem Tage hat Napoleons „Widersacher“ Zar Alexander I. die Kontinentalsperre aufgekündigt. Diesem Affront konnte Frankreich nur mit Krieg begegnen, womit obiges Datum als Napoleons Entscheidung für den Russlandfeldzug zu werten ist (Roma, 1981, S. 59). In weiteren Schriften ist von völlig anderen Zeitpunkten für Napoleons Beschluss die Rede, wie dem 25.03.1811, welcher auf Briefwechseln zwischen Napoleon und Alexander basiert (Tulard, 1977, S. 389). Ferner kursiert sogar der August des Jahres 1811 als mögliches Datum.

Da in der einschlägigen Literatur keine einheitliche Meinung bzgl. des Zeitpunkts von Napoleons Entscheidung vertreten ist, wird in der vorliegenden Hausarbeit die Forschungsfrage „ Wann hat Napoleon Bonaparte beschlossen, den Russlandfeldzug durchzuführen? “ im Fokus der Betrachtung stehen.

Ziel ist also, die aktuellen Schriften bzgl. dieses Themenkomplexes zu sichten und deren Ansichten zu der obigen Arbeitshypothese zu präsentieren, damit letztlich eine Aussage getroffen werden kann, wann die Entscheidung Napoleons für den Russlandfeldzug fiel.

Um diese Fragen hinreichend beantworten zu können, wird wie folgt vorgegangen: Im Kapitel 2 wird der napoleonische Feldzug gen Russland behandelt. Dieser soll in Kürze in den historischen Gesamtkontext eingeordnet werden. Im Anschluss wird im Kapitel 3, dem Schwerpunkt dieser Arbeit, explizit die Entscheidung Napoleons abgehandelt: In diesem Abschnitt werden die Ansichten verschiedener Schriftsteller bzgl. des Zeitpunktes der Entscheidung dargestellt. Im Schlusskapitel 4 werden die gewonnenen Erkenntnisse noch einmal in Prägnanz aufgearbeitet, um schlussendlich auf die die Arbeit umfassende Forschungsfrage eingehen zu können. Nicht zuletzt werden ein kurzer Ausblick bzgl. des Themas geschaffen und weiterführende Aspekte betrachtet.

2 Der Russlandfeldzug

Wie eingangs erwähnt, wird im

Folgenden der Russlandfeldzug

des französischen Kaiserreichs in

den historischen Zusammenhang

eingeordnet. Jedoch in aller Kürze,

da dieses Kapitel lediglich dazu

dienen soll, einen Überblick über

die militärischen und politischen [1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ereignisse sowie Entwicklungen rund um das Jahr 1812 zu erhalten. Beginn soll Napoleons Krönung sein: Am 02. Dezember 1804 wurde Napoleon Bonaparte in der Kathedrale Notre-Dame zum ersten Kaiser der französischen Republik gekrönt. Mit dieser durch einen Plebiszit gestützten Wahl hatte er fortan die nötige Macht und Unterstützung seiner Pläne und Interessen, die laut Luigi Roma Folgendes beinhalteten: „[...] so war das Ziel seiner Politik doch letzten Endes die Vereinigung Europas zu einem grandiosen Staatswesen unter französischer Führung.“ (Roma, 1981, S. 36 ff.). Ein solches Ziel ist letztlich jedoch nur durch Expansion, Okkupation und Assimilation[2] zu realisieren, was nicht nur auf Zustimmung stieß. Nicht ohne Grund war die napoleonische Zeit durch zahlreiche Kriege und Schlachten, jedoch ebenso durch Bündnisse und Koalitionen geprägt, von denen die wichtigsten kurz aufgeführt werden:

- 1805 – Trafalgar: Sieg Großbritanniens über Frankreich und Spanien
- 1805 – Austerlitz: Sieg Frankreichs über Österreich und Russland
- 1806 – Jena und Auerstedt: Sieg Frankreichs über Preußen
- 1808 – Einmarsch Frankreichs in Spanien
- 1812 – Russlandfeldzug der Grande Armée

Im Juni 1812 begann Napoleon also seinen Krieg gegen das russische Zarenreich, welcher mit einer verheerenden Niederlage bei Moskau endete. Frankreich musste sich unter schweren Verlusten über den Fluss Beresina zurückziehen.[3] Hiermit war der Niedergang Napoleons und seines Imperialismus‘ eingeläutet und nach zahlreichen weiteren kleinen Kriegen gipfelten die Auseinandersetzungen in der Völkerschlacht bei Leipzig, in welcher Frankreich dem Bündnis

Österreich, Preußen, Russland und Schweden unterlag. Die Grande Armée war besiegt.

Napoleon Bonaparte dankte, zumindest vorerst, am 04. Juni 1814 ab und wurde in das Exil auf die italienische Insel Elba verbannt. Vorerst, weil dieser am 01. März 1815 zurückkehrte und im Juni 1815 die Schlacht bei Waterloo resp. Belle-Alliance focht, wo die französische Armee jedoch erneut bezwungen wurde und zwar von einem Bündnis Preußens, der Niederlande und Großbritanniens. Schlussendlich wurde Napoleon Bonaparte auf die Insel St. Helena im Atlantik verbannt, wo er im Jahre 1821 verstarb. Somit war das Ende des ersten französischen Kaiserreichs besiegelt (Neugebauer, 2006, S. 124 ff.).

3 Die Entscheidung für den Russlandfeldzug

Bevor nach der Betrachtung der historischen Ereignisse in den Jahren Napoleons das wann eruiert werden kann, soll ebenso in Kürze das warum geklärt werden: In der im Weiteren angeführten Literatur werden nämlich zahlreiche Gründe genannt, die für eine sukzessive Verschlechterung des Verhältnisses der einstigen Verbündeten Kaiser Napoleon und Zar Alexander gesorgt und letztlich zum Krieg geführt haben. Die Bedeutsamsten sind Folgende:

- Alexander kündigt die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre auf und bricht damit den Frieden von Tilsit[4].
- Alexander verwehrt Napoleon die Hochzeit mit seiner minderjährigen Tochter.
- Napoleon bricht sein Versprechen ggü. Russland und annektiert Oldenburg, um letztlich Polens Unabhängigkeit wiederherstellen zu können (Dufraisse, 1987, S. 144;

Lieven, 2010, S. 78; Nicolson, 1987, S. 31; Tulard, 1990, S. 678).

Nun können in den anstehenden Unterkapiteln, wie angekündigt, die verschiedenen in der Literatur vertretenen Zeitpunkte für Napoleons Entscheidung abgehandelt werden.

3.1 Januar 1811

Es existiert eine Vielzahl von Büchern, die den 31.12.1810 resp. den Januar 1811 als Zeitpunkt für Napoleons Entscheidung für den Russlandfeldzug nennt. An diesem Datum hat Zar Alexander I. einen Ukas[5] mit dem Titel „Statut über den neutralen Handel“ erlassen, welche nichts Anderes bedeutete, als dass Russland fortan wieder Handel mit Großbritannien betrieb und somit die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre nicht befolgte. Dieses geschah in erster Linie, weil Russlands Wirtschaft schwer unter dem Embargo litt[6]. Napoleon wertete dies natürlich als Affront gegen ihn und seine Pläne: So nennt Neugebauer Alexanders Bruch der Sperre als entscheidenden Grund für Napoleon, einen Feldzug gegen Russland zu beginnen, da die Großbritannienpolitik einen hohen Stellenwert für ihn besaß. Er konnte diesen Verstoß gegen den Frieden von Tilsit nicht akzeptieren und stellte in Folge die Grande Armée auf (Neugebauer, 2006, S. 192).

Roma – Napoleon und seine Zeit

Luigi Roma stützt sich in seinem Buch ebenso auf den Erlass des Zaren im Dezember 1810 und sagt aus, dass die Weigerung Alexander I., weiter an der Kontinentalsperre festzuhalten und damit gegen die Verträge von Tilsit zu verstoßen, als „unmittelbare Ursache des 1812 ausbrechenden Krieges mit Russland“ zu sehen ist. Die Erweiterung der Kontinentalsperre war für Napoleon nämlich von hoher Wichtigkeit und sollte seine Macht darstellen und sichern. Jeder Widerstand, wurde von Napoleon als Versuch gewertet, ihn zu schwächen (Roma, 1981, S. 59).

Manfred – Napoleon Bonaparte

Im aus dem Russischen übersetzten Buch stellt auch Albert Manfred fest, dass sich Napoleon, als Folge des Bruchs der Kontinentalsperre, für den Feldzug gegen das russische Zarenreich entschloss: Vom Beginn des Jahres 1811 an „nach so vielen Kriegen, so vielen Opfern, war nun der Krieg gegen [...] Russland auf die Tagesordnung gesetzt worden.“ (Manfred, 1978, S. 546). Dieses impliziert Napoleons Entscheidung für den Feldzug, welche gemäß dieser Quelle ebenfalls auf den Januar 1811 zu datieren ist.

Esdaile – Napoleon’s Wars

Auch Charles Esdaile nennt Alexanders Missachtung der Kontinentalsperre als unmittelbaren Grund für Napoleon, sich für einen Krieg gegen Russland zu entscheiden. Denn Napoleon empfand Alexanders Vertrauensbruch und Missachtung des Friedens von Tilsit als unannehmbare Schande. Napoleon sann auf Rache: „Alexander had to be taught a lesson, and thus it was that the first months of 1812 saw immense forces of imperial troops massing on the frontiers of East Prussia in preparation for an invasion of Russia.” (Esdaile, 2007, S. 401). Der Beginn des Jahres 1812, war also ferner der Zeitraum in welchem erste, für alle sichtbare Zeichen auf einen napoleonischen Feldzug gegen Russland wiesen. Die Entscheidung fiel jedoch eher, und zwar im Januar 1811.

[...]


[1] Gemälde von Jean-Marie Langlois (1812) – Napoleon in der Schlacht von Smolensk (Dufraisse, 1994, S. 147).

[2] Wie diese Angleichung genau vonstattenging, ist dem Buch „Franzosenzeit in Norddeutschland - Hanseatische Departements“ zu entnehmen, in welchem die Eroberung und Besetzung Norddeutschlands durch Napoleon behandelt wird (Stubbe da Luz, 2004).

[3] Für eine detaillierte Beschreibung des Russlandfeldzugs und der einzelnen Gefechte sei auf das Buch „Napoleon und die Große Armee in Russland“ verwiesen (Ségur, 1965).

[4] Der Frieden von Tilsit wurde am 07. Juli 1807 geschlossen und war ein Vertragswerk zwischen Frankreich und Russland, Preußen (Rothenberg, 1999, S. 108 f.).

[5] Ein Ukas war im russischen Zarenreich ein Erlass, bzw. eine Verordnung mit gesetzlichem Charakter.

[6] Die Kontinentalsperre bedeutete für Russland einen enormen Handelseinbruch und eine damit einhergehende Abwertung des Rubels (Tulard, 1977, S. 389).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Napoleon Bonaparte und der Russlandfeldzug
Untertitel
Die Entscheidung
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Interdisziplinärer Studienanteil)
Veranstaltung
Grundlagen geschichtswissenschaftlicher Erkenntnis
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V171183
ISBN (eBook)
9783640904648
ISBN (Buch)
9783640905010
Dateigröße
832 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Russlandfeldzug, Grande Armée, Entscheidung, Zar Alexander, Kaiser Napoleon, Entscheidung für den Russlandfeldzug, Januar 1811, März 1811, August 1811, Ukas, Zeitpunkt für die Entscheidung, Historischer Kontext, Kontinentalsperre, Frieden von Tilsit, Annektion Oldenburgs, Statut über den neutralen Handel, Französisch-russischer Krieg
Arbeit zitieren
B.Sc. Stefan Leschonski (Autor), 2011, Napoleon Bonaparte und der Russlandfeldzug, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171183

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