Verbraucherschutzdiskussion in Folge auf die Finanzmarktkrise mit Konzentration auf Verbraucheraufklärung, Beratungsqualität sowie Aufsicht und Kontrollmechanismen


Studienarbeit, 2009

43 Seiten, Note: 2,8


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitende Worte

2 Anstoß der Verbraucherschutzdiskussion
2.1 Erfahrungsbericht eines Finanzkunden
2.2 Abgrenzung von Banken und Finanzvertrieben
2.3 Der deutsche Finanzvermittlungsmarkt

3 Verbesserung der Beratungsqualität und der Verbraucheraufklärung
3.1 Stellungnahmen der Institut
3.2 Wertung, Handlungsempfehlungen für Verbraucher und offene Fragen

4 Aufsichts- und Kontrollmechanismen
4.1 Stellungnahmen der Institute
4.1.1 Institut für Finanzdienstleistungen
4.1.2 Verbraucherzentrale Hamburg
4.1.3 Kanzlei Baum Reiter und Collegen
4.1.4 Zentraler Kreditausschuss
4.1.5 Stiftung Warentest
4.1.6 Verbraucherzentrale Bundesverband
4.1.7 Bundesverband Finanzdienstleistung
4.1.8 Verband Unabhängiger Finanzdienstleistungs- Unternehmen in Europa
4.1.9 Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
4.2 Zusammenfassung, Wertung und offene Fragen

5 Abschließender Abriss zum möglichen TÜV für Finanzprodukte
5.1 TÜV-Zertifizierung am Beispiel der Commerzbank
5.2 Kritik am TÜV – Siegel

6 Abschließende Empfehlung für den Verbraucher

7 Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Anlagen

1 Einleitende Worte

Die Überzeugung des Autors ist, dass Finanzdienstleistungsunternehmen eine hohe Verantwortung gegenüber den Kunden und ihrem hart erarbeiteten Ersparten haben. Die durch die Finanzmarktkrise entfachte Diskussion über die Beratungsqualität und die Verbraucheraufklärung, sowie der zukünftigen Aufsicht und den Kontrollmechanismen veranlasste den Autor zu einer Bestandsaufnahme und einer persönlichen Empfehlung für den Verbraucher.

Den Grund der aktuellen politischen Diskussion formulierte die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner am 10. März 2009 so: „In der aktuellen Finanzmarktkrise haben viele Verbraucherinnen und Verbraucher finanzielle Verluste erlitten. Es hat sich gezeigt, dass oft falsch beraten und das Geld für die Altersvorsorge falsch investiert wurde. Viele berechtigte Ansprüche wegen fehlerhafter Beratung sind bislang daran gescheitert, dass Fehler nicht nachgewiesen werden konnten.“[1]

Zunächst wird der Auslöser der Verbraucherschutzdiskussion dargestellt. Dazu wird ein Erfahrungsbericht eines Kunden näher erläuter und es wird eine Abgrenzung von Banken und Finanzvermittlern vorgenommen. Darauf folgend wird der deutsche Finanzvermittlermarkt vorgestellt. Anschließend wird der Bereich Beratungsqualität und Verbraucheraufklärung näher erläutert und es werden verschiedene Stellungsnahmen einzelner Institute umrissen. Im zweiten Teil der Arbeit wird auf die geplante Aufsicht und die geplanten Kontrollmechanismen eingegangen. Abschließend wird ein Ausblick zum geplanten TÜV für Finanzmarktprodukte gegeben. Zu den angesprochenen Themen wird außerdem jeweils kritisch Stellung bezogen. Konkludiert wird diese Arbeit mit einer Empfehlung für Verbraucher.

2 Anstoß der Verbraucherschutzdiskussion

Der deutsche Finanzvermittlungsmarkt ist durch eine Reihe von Besonderheiten gekennzeichnet. Einmalig in der Europäischen Union (EU) ist die große Anzahl an Akteuren. In Großbritannien kommen 0,27 Vermittler auf 100 Einwohner, wohin gegen es in Deutschland mehr als doppelte so viele Vermittler sind (0,61).

Eine weitere Besonderheit ist die Existenz von vielen nicht miteinander verknüpften Einzelstandards. In Handwerk und der Schuldnerberatung herrscht zum Beispiel ein weit höherer Grad an Regulierung.

Dem Verbraucher steht in der Regel ein gut qualifizierter Berater gegenüber, der Verbraucher aber selbst hat nur einen beschränkten Überblick bzw. ein beschränktes Interesse an der finanziellen Entscheidung. Oft ist es so, dass der Berater für den Verbraucher die Entscheidung fällen soll.

Empirische Studien zeigen, dass in der Regel 50 bis 80 Prozent langfristiger Anlagen vorzeitig mit Realisierung eines Verlustes beendet werden. Der gesamte Verlust wird pro Jahr auf 20 bis 30 Milliarden Euro geschätzt.[2]

Weiterhin ist zu beobachten, dass eine Fehlberatung dem Verbraucher lange Zeit gar nicht auffällt. Somit ist eine Wirkung auf das Angebot eher nicht die Regel.

Die Einführung der EU-Versicherungsvermittlerrichtlinie (VersVermR) und der Markets in Financial Instruments Directive (MiFid) 2007 war eine Veränderung in Deutschland, deren Ausmaß bisher schwer absehbar ist. Es konnte bisher nicht belegt werden, ob der Verbraucherschutzgedanke oder die Bürokratieflut gesteigert wurde.

Diese Studienarbeit befasst sich, aufbauend auf die oberen Abschnitte, mit einzelnen Kernthemen dieser Kontroverse zwischen Verbraucheraufklärung und Beratungsqualität. Im weiteren Verlauf werden darüber hinaus rechtliche Aufsichts- und Kontrollmechanismen geprüft.

2.1 Erfahrungsbericht eines Finanzkunden

Das folgende Zitat stammt aus einer einfachen Suche im Internet. Es zeigt den speziellen Ablauf einer Kundenbeziehung zwischen einem Verbraucher und einem Finanzvermittler.

„Meistens wird man kurz vor Beendigung der Hochschule geworben. Anfangs findet man das Konzept, das vom Berater als so fast selbstlos und praktisch dargestellt wird, sehr gut. Bei mir war es so, dass viele meiner Bekannten mich vor XXX gewarnt haben, ich aber gemeint habe, ich wisse es besser und mich auf diese Firma eingelassen habe. Vor allem wollte ich mich wenig um Finanzangelegenheiten kümmern und XXX machte einen seriösen Eindruck.

Man wird anfangs von XXX sehr intensiv betreut - der XXX-Berater drängelt dauernd nach Terminen wo er einen stundenlang bequatscht, besonders bis erst einmal die Lebensversicherung abgeschlossen wird. Danach lässt das Interesse schon deutlich nach. Nachdem bei mir ein paar Verträge abgeschlossen waren, hörte ich von meinem XXX Berater kaum mehr etwas. Die Finanzlage wird auch nicht weiter überwacht. Bei mir war es auch so, dass ich aufgrund einer schlechten Beratung Verluste machte. Das stellte ich natürlich erst später fest, als ich mich später etwas mehr mit Finanzen beschäftigte. An dem Punkt stellte sich bei mir die Ernüchterung ein. Einigen meiner ehemaligen Kommilitonen, die sich auch auf XXX einließen, ging es übrigens genauso.“[3]

Das Beispiel zeigt die Disharmonie zwischen einer falsch verstandenen Delegation, in der der Verbraucher seine Verantwortung bei einem für ihn unbequemen Thema abgab, und dem gleichzeitigen hohen Anspruch an den Berater.

Es muss sich hier nicht zwingend um einen schlechten Berater handeln. Er kann fachlich und persönlich geeignet sein. Er verhält sich lediglich systemkonform. Es ist eher das Grundmodell des Marktes, welches zu wiederkehrenden Mustern führen kann und deshalb immer wieder von Verbraucherverbänden kritisiert wird.

Festzuhalten ist jedoch, dass es sich hier um ein speziell ausgewähltes Beispiel handelt. Die Finanzvermittlung in Deutschland ist in vielen Fällen gut, jedoch ist das strukturelle Problem geprägt von den oben beschriebenen Begebenheiten.

Die vernachlässigte Betreuung kann auch an der hohen Personalfluktuation im Finanzvertrieb liegen.

2.2 Abgrenzung von Banken und Finanzvertrieben

Freie Finanzvermittler sind verschiede Akteure am Markt. Sie firmieren unter Anderem unter den Begriffen Versicherungsagent, Versicherungsmakler, Finanzberater, Finanzmakler und Vermögensberater. Es ist allerdings festzuhalten, dass sich Finanzvermittlung in Deutschland aus freiem Vertrieb und aus dem traditionellen Bankgeschäft zusammensetzt. Diese bisherige Gliederung wandelt sich seit einiger Zeit, in dem neue Akteure in diesen Markt eindringen.

Das traditionelle Bankgeschäft bestand aus der Betreuung privater Finanzangelegenheiten. Das Hauptaugenmerk lag auf dem Vertrieb und die Erstellung von Produkten. Klassische Sparformen, Kredite und Investmentfonds sind dafür beispielhaft – klassisch werden diese durch Banken selbst erstellt und in eigener Regie vertrieben. Im Gegensatz dazu stehen die Finanzvermittler, die ausschließlich Produkte vermitteln, also vertreiben. Das Thema Versicherungen wurde von Banken lange Zeit nur spärlich bedient, denn es war seit jeher das klassische Geschäft der Finanzvermittler.

Seit nunmehr 10 bis 15 Jahren ist hier ein Wandel zu betrachten: Traditionelle Universalbanken geraten durch neue Marktteilnehmer unter Wettbewerbsdruck. Diese neuen Marktteilnehmer sind unter anderem Direktbanken und –broker, die durch niedrige Kosten für den Verbraucher und leicht vergleichbare Finanzprodukte und –dienstleistungen erkennbar sind. Weiterhin sind Versicherungsgesellschaften und Kreditkartenunternehmen, sowie Finanzvertriebe und freie Finanzvermittler in den klassischen Bankenmarkt eingedrungen.

Die dadurch veränderte Wettbewerbsstruktur ist ein wichtiger Faktor, für den stetigen Rückgang der Zinsmargen und dafür, dass die traditionellen Bankgeschäfte mehr und mehr auf die Finanzvermittlung konzentrieren, um wichtige Provisionseinnahmen zu generieren. Sie streben vermehrt zur Allfinanz-Philosophie und werden somit ein weiterer wichtiger Vertriebskanal für die Versicherungsgesellschaften. Somit wachsen die Banken verstärkt in die Finanzvermittlung hinein, wodurch ihnen auch ein stärkerer Vertriebsdruck auferlegt wird. Allerdings unterliegen sie noch einem strikten und klaren Regelwerk.

Entscheidend ist jedoch, dass sich der größte Teil der Finanzvermittlung außerhalb der Banken abspielt und somit nicht den Regeln des Kreditwesengesetzes (KWG) unterliegt, sondern dem Versicherungswesen.

Deshalb liegt das Hauptaugenmerk dieser Arbeit auf den Finanzvermittlungsbereich.

2.3 Der deutsche Finanzvermittlungsmarkt

Der deutsche Finanzvermittlungsmarkt ist sehr klein gegliedert. Statistiken gehen von 400.000 bis 500.000 Finanzvermittlern aus. Viele sind Ein-Personen-Gesellschaften oder Kleinstbetriebe. Sie beschäftigen sich größtenteils mit der Vermittlung von Versicherungen und Fonds, sowie der Vermögensverwaltung. Eine klare Regulierung dieses Wirtschaftszweiges gab es lange Zeit nicht. Seit 2007 allerdings wurde wie in anderen Wirtschaftszweigen eine Gesetzesgrundlage geschaffen. In der EU-Versicherungsvermittlungsrichtlinie wurde erstmals eine Anforderung an die Qualifikation und das Führen eines Geschäftsbetriebes gestellt. Bis zur Durchsetzung der EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrument, war der Markt der Fondsvermittlung nicht reguliert. Die folgende Abbildung zeigt, die Anteile der Vertriebswege in den Bereichen Lebens-, Krankenversicherung und Unfallversicherung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.3: Vertriebswegeanteile in ausgewählten Versicherungsbereichen[4]

Über die genannten Richtlinien hinaus fordert die ökonomische Literatur bei Missbrauchspotentialen oder Marktunvollkommenheiten eine weit gehende Regulierung.[5]

Um dies abzuwenden und das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen, brachte der Finanzvermittlungsmarkt selbst einige Regulatoren auf den Weg. Dazu gehören zum Beispiel Qualifikationsstandards, Selbstverpflichtungen sowie Qualitätsmanagement-anstrengungen. Diese Initiativen sind begrüßenswert, in ihrer Durchsetzung allerdings noch nicht ausreichend. Ansätze, den Kunden selbst in komplexe Fragestellungen hineinzuführen, um sein Interesse für den Finanzmarkt zu entwickeln, sind bisher noch nicht ausgeprägt vorhanden.[6]

Somit ist es eine Aufgabe des Staates und der Regierung, intelligente Regulatoren zur Förderung der Qualität der Beratung zu schaffen und den Verbraucher weiter aufzuklären.

3 Verbesserung der Beratungsqualität und der Verbraucheraufklärung

Im folgenden Abschnitt werden die Stellungnahmen und Meinungen verschiedener Institutionen und Organisationen in Bezug auf die Verbesserung der unabhängigen Beratung und der Verbraucheraufklärung wiedergegeben und abschließend zusammengefasst und bewertet.

Zu diesen Institutionen gehören, der Zentrale Kreditausschuss (repräsentiert durch den Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken e.V., den Deutsche Sparkassen- und Giroverband e.V., den Bundesverband Deutscher Banken e.V., den Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands e.V. und den Verband Deutscher Pfandbriefbanken) , die Stiftung Warentest, die Verbraucherzentrale Bundesverband, die Verbraucherzentrale Hamburg, das Institut für Finanzdienstleistungen e.V., die Kanzlei Baum Reiter und Collegen, der Bundesverband Finanzdienstleistungen, der Verband Unabhängiger Finanzdienstleistungs-Unternehmen in Euro e.V. sowie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.[7]

3.1 Stellungnahmen der Institute

Das Institut für Finanzdienstleistungen fordert eine weitreichende Unterstützung der Verbraucherschutzzentralen. Es soll ein einheitliches Konzept der Verbraucherzentralen umgesetzt werden. Sie sollen schnell und einfach für eine unabhängige Finanzberatung qualifiziert werden. Die Verbraucher sollen, auf ihre jeweilige Lebenssituation zugeschnitten, auf einheitlich festgelegte Beratungsstandards zurückgreifen können, welche regelmäßig überarbeitet und evaluiert werden. Ziel ist es, dass Haushalte mit einem durchschnittlichen Einkommen eine unabhängige Anlaufstelle für Finanzfragen haben. Die Honorarberatung soll gefördert werden, indem sie im Rechtsdienstegesetz mehr anerkannt wird. Außerdem sollen Forschungen über die Wirkungen auf provisionsbasierte Berater auf ihre Motivation und ihre Ausbildung, sowie die Beeinflussung durch ihre Anbieter aufgestellt werden.[8]

Die wichtigste Aussage der Verbraucherzentrale Hamburg lautet: „Wir wollen eine Korrektur des Marktgeschehens durch sichere „Produkte“ und nicht in erster Linie über die Beratung.“ Sie bezeichnet es als Fiktion, dass durch umfassende Aufklärung und Verbesserung der Qualität der Beratung der Verbraucher in der Lage sein wird, für sich das beste Produkt herauszusuchen. Als Grund wird angegeben, dass der Verbraucher sich auch über andere Produkte und Dienstleistungen informieren muss, wie zum Beispiel Telekommunikation, Lebensmittel und Gesundheit. Als Beispiel wird der Kauf einer Bohrmaschine herangezogen. Hier muss der Verbraucher auch nicht fürchten, dass dieses Gerät durch seine Nutzung ihn schädigen könnte. Ob dieses Beispiel glücklich gewählt wurde, wird vom Verfasser hier nicht bewertet. Eine unabhängige Beratung ist laut der Verbraucherzentrale durch eine Beratung durch den Anbieter selbst realitätsfern. Zahlreiche Tests sollen die angeblich desolat gewordene Beratungsqualität durch die Anbieter belegen. Eine Quellenangabe wird allerdings nicht genannt. Ein weiterer Grund für die niedrige Beratungsqualität wird in fehlenden verbindlichen Standards bezüglich einer korrekten Beratung gesehen.[9]

Die Kanzlei Baum Reiter und Collegen sieht als Grundlage für eine gute Aufklärung der Verbraucher und die Verbesserung der Beratungsqualität die personelle und materielle Aufstockung der Verbraucherzentralen. Nach Erfahrung der Kanzlei haben Verbraucherzentralen, in Bezug auf unabhängige Beratung, bei den Verbrauchern großes und gerechtfertigtes Ansehen und Vertrauen. Diese werden unter anderem dadurch unterstrichen, dass seit Herbst 2008 die Zahl der Anfragen bei den Zentralen nach unabhängiger Beratung immens gestiegen ist. Des Weiteren soll der Interessenskonflikt der Berater zwischen Kunden- und Provisionsinteresse im Verkauf gelöst werden. Das geeignete Mittel sieht die Kanzlei in der Honorarberatung, da so der Verbraucher ohne Bindung an einen Anbieter unabhängige Entscheidungen treffen kann. Darüber hinaus soll die Wirtschaftskompetenz der Verbraucher ausgebaut werden. Dies soll in allen Bevölkerungsschichten geschehen. Angefangen bei der Anpassung der Lehrpläne in Schulen bis hin zu umfangreichen Weiterbildungen von Erwachsenen.[10]

Der Zentrale Kreditausschuss äußerte sich wie folgt. Nach Ansicht des Ausschusses bieten die Rechtsprechungen des Bundesgerichtshofes sowie die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Anlageberatung einen ausreichenden Schutz für die Verbraucher. Näheres dazu wird im vierten Kapitel dieser Arbeit erörtert. MIt dem Ziel der Verbesserung der Beratungsqualität sowie der Verbraucheraufklärung thematisiert der Ausschuss zum einen die Beratung durch Verbraucherschutzorganisationen und zum anderen die Honorarberatung durch Finanzdienstleistungsinstitute. Er ist der Ansicht, dass schon heute die Finanzberatung durch viele verschiedene Institute, wie Verbraucherzentralen, Rechtsanwälte, Interessenverbänden wie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e. V., der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e. V. oder anderen Finanzberatern wie dem Verbund deutscher Honorarberater, gewährleistet ist. Da für den Ausschuss kein Marktversagen zu erkennen ist, wird auch von einem staatlich geförderten Ausbau der Finanzberatung abgeraten. Es ist für ihn außerdem nicht nachvollziehbar, unter welchem Aspekt dieser Konkurrenzmarkt durch staatliche Subventionen aus dem Gleichgewicht gebracht werden soll, da der Markt und Konkurrenzdruck die besten Investmentempfehlungen gibt. Da die Vermögensberatung eine volkswirtschaftliche Schlüsselfunktion in der Allokation des Kapitals auf dem Markt hat, sollte der marktwirtschaftliche Charakter unbedingt bewahrt werden. Der Aspekt der Honorarberatung wird ebenfalls kritisch gesehen. Da auf dem Markt bereits honorarbasierte Beratungsinstitute existieren, diese jedoch von der Masse der Verbraucher nicht akzeptiert werden. Begründet wird dies mit der Erwartung der Verbraucher nach einer unentgeltlichen Beratung, wie sie es aus anderen Wirtschaftsbereichen kennen. Eine zusätzliche Dienstleistung bestehender Finanzdienstleistungsinstitute ist außerdem, das Angebot von Finanzplanungs- und Vermögensplanungsinstrumenten. Dort wird EDV-basiert eine individuelle Einkommens- und Vermögensanalyse durchgeführt, die nach den persönlichen Zielvorstellungen berechnet wird und zu einer individuellen Handlungsempfehlung geführt werden kann. Darauf aufbauend können Anlage- und Umschichtungsvorschläge unterbreitet werden. Die resultierenden Dienstleistungen können anschließend, auf Wunsch des Verbrauchers direkt ausgeführt werden beziehungsweise hat er die Möglichkeit, diese auch bei anderen Finanzdienstleistern zu erwerben.[11]

Die Stiftung Finanztest hält eine Trennung von Beratung und Verkauf für hilfreich. Finanzdienstleister erwirtschaften ihre Erträge durch den Verkauf ihrer Dienstleistungen und ihrer Produkte. Aus diesen Gründen sieht es die Stiftung für hinreichend bewiesen an, dass die Beratung dem Verkauf untergeordnet ist. Dies sollte dem Kunden allerdings deutlich gemacht werden. Die Trennung könnte ganz neue Märkte für Beratung und Verkauf schaffen, auf den sich die Finanzdienstleister um Kunden bemühen würden. Zusätzlich sollten die Bemühungen für unabhängige Beratungskonzepte verstärkt werden. Bei dem Thema Honorarberatung sollten Verbraucher, die sich solche Beratungen nicht leisten können oder leisten wollen, auf die Beratungskapazitäten der Verbraucherzentralen zurückgreifen können. Zusätzlich sollten strikte Regeln geschaffen werden, damit sich die unabhängige Beratung weiter etablieren kann.[12]

Die Verbraucherzentrale Bundesverband hält eine Beratung im Sinne des wirklichen Kundenbedarfs nur für möglich, wenn Provisionsinteresse und Beratung unabhängig voneinander sind. Es sollte bei der Beratung auf Institute gesetzt werden, denen Verbraucher das meiste Vertrauen geben. Die Verbraucherzentralen erfüllen diesen Vertrauensanspruch und verfügen über die nötigen Kompetenzen. Schon vor dem Ausbruch der Finanzmarktkrise im Herbst 2008 genossen die Verbraucherzentralen dieses Ansehen. Jedoch zeigte sich schon dort, dass die personelle und materielle Ausstattung weit unter dem erstrebenswerten Niveau lag. Mit den bundesweit etwa 109 Vollzeitberatern können insgesamt 54.500 Beratungen à 2 Stunden pro Jahr angeboten werden. Bei 39 Millionen Haushalten sind das lediglich 0,14 Prozent der Haushalte, die pro Jahr beraten werden können. Das sind umgerechnet 357.798 Haushalte pro Berater. Zum Vergleich hat ein großer Finanzdienstleister hier in Deutschland 6.173 Berater. Unter den gleichen Annahmen, bedeutet dies, dass diese Institution etwa 3 Millionen Bundeshaushalte beraten könnte. AM 24. Oktober 2008 schuf das Bundesministerium für Ernährung, Finanzen und Verbraucherschutz eine „Erste-Hilfe-Finanzmarkt-Hotline“. Die 140.000 eingegangen Anrufe zeigen, dass der Bedarf an unabhängiger Beratung groß ist. Dadurch wird die Sachkompetenz, Neutralität und Glaubwürdigkeit, nach Ansicht des Verbandes, attestiert. Aus diesen Gründen, soll die Alternative unabhängige Beratung durch die Verbraucherzentralen ausgebaut werden und unterstützt werden. Das Ziel ist es, die Beratungskapazität von den angesprochenen derzeit 0,14 Prozent auf 10 Prozent im Zehnjahreszeitraum zu erweitern. Es ist davon auszugehen, dass selbst dieses Beratungsangebot nicht ausreichen wird. Die Verbraucherzentrale gab dafür im Dezember 2008 eine Infratestumfrage mit folgenden Resultaten in Auftrag. 50 Prozent der befragten Verbraucher haben den Wunsch nach einer unabhängigen Beratung und 41,8 Prozent wünschen dies durch die Verbraucherzentralen.[13]

[...]


[1] AIGNER, I. (2009): Qualitätsoffensive Verbraucherfinanzen (online)

[2] Vgl. WESTENDORF, M. (2005)

[3] Vgl. DOOYOO GMBH (2009), MLP-der typische Ablauf und die Ernüchterung (online)

[4] Vgl. HABSCHICK, M./ EVERS, J (2008), Seite 15

[5] Vgl. RICHTER/ FURUBOTN, 2003, S. 177 ff.

[6] Vgl. HABESCHICK, M./ EVERS, J., 2008, S. 30 ff.

[7] Vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG (2009), Verbraucherschutz und Finanzmärkte (online)

[8] Vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG (2009), Verbraucherschutz und Finanzmärkte - Institut für Finanzdienstleistungen (online)

[9] Vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG (2009), Verbraucherschutz und Finanzmärkte - Verbraucherzentrale Hamburg (online)

[10] DEUTSCHER BUNDESTAG (2009), Verbraucherschutz und Finanzmärkte - Kanzlei Baum Reiter und Collegen (online)

[11] Vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG (2009), Verbraucherschutz und Finanzmärkte - Zentrale Kreditausschuss (online)

[12] Vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG (2009), Verbraucherschutz und Finanzmärkte - Stiftung Finanztest (online)

[13] Vgl. DEUTSCHER BUNDESTAG (2009), Verbraucherschutz und Finanzmärkte - Verbraucherzentrale Bundesverband (online)

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Verbraucherschutzdiskussion in Folge auf die Finanzmarktkrise mit Konzentration auf Verbraucheraufklärung, Beratungsqualität sowie Aufsicht und Kontrollmechanismen
Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Dresden
Note
2,8
Autor
Jahr
2009
Seiten
43
Katalognummer
V171190
ISBN (eBook)
9783640904693
ISBN (Buch)
9783640904907
Dateigröße
1226 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verbraucherschutz, Beratungsqualität, Finanzmarktkrise, Verbraucheraufklärung
Arbeit zitieren
Paul Andrä (Autor), 2009, Verbraucherschutzdiskussion in Folge auf die Finanzmarktkrise mit Konzentration auf Verbraucheraufklärung, Beratungsqualität sowie Aufsicht und Kontrollmechanismen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171190

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