DGNB-Kriterien auf dem Prüfstand

Anwendungsprüfung von Standortqualität und Funktionalität am Beispiel der FH Kufstein


Studienarbeit, 2011
48 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung
1.1 Hintergrund
1.2 Problemstellung & Zielsetzung
1.3 Methodik

2 DGNB im Porträt
2.1 Zur Organisation
2.2 Ziel & Zweck
2.3 Nutzungsprofile
2.4 Einordnung der FH in ein Nutzerprofil
2.5 Zertifizierungssystem und -kriterien

3 Die Verkehrsanbindung unter der Lupe
3.1 Evaluierung der Verkehrsanbindung von der FH Kufstein nach DGNB
3.1.1 Erreichbarkeit des nächstgelegenen Haupt-/Fernbahnhofes
3.1.2 Erreichbarkeit der nächstgelegenen Haltestelle
3.1.3 Standorterschließung durch Radwege
3.1.4 Gesamtbewertung der Verkehrsanbindung
3.1.5 Evaluierung der DGNB Anwendungsfreundlichkeit
3.2 Optimierungsansätze & Planungsvorgaben
3.2.1 Leuchtturm Bremen
3.2.2 Weitere Anregungen zur DGNB
3.2.3 Das Idol Kufstein
3.2.4 Weitere Planungsvorgaben
3.2.5 Literarische Hilfestellungen

4 Der Fahrradkomfort unter der Lupe
4.1 Evaluierung des Fahrradkomforts an der FH Kufstein nach DGNB
4.1.1 Lage der Fahrradstellplätze
4.1.2 Gebäudegerechtes Serviceniveau
4.1.3 Unterstützendes Angebot für umweltgerechte Arbeitswege
4.1.4 Gesamtbewertung des Fahrradkomforts
4.1.5 Evaluierung der DGNB Anwendungsfreundlichkeit
4.2 Optimierungsansätze & Planungsvorgaben
4.2.1 Klärung des Anforderungsprofils
4.2.2 Flächenauslastung
4.2.3 Quantität Umwelt unterstützender Maßnahmen
4.2.4 Definition Kundenstamm
4.2.5 Die Basiskriterien Information und Kommunikation
4.2.6 Mobilitäts-Benchmarking
4.2.7 Weitere Planungsvorgaben

5 FM-Erweiterung um den Mobilitätsfaktor

6 Quintessenz aus der Lupenbetrachtung

Literaturverzeichnis

Fachliteratur & Artikel

E-Mail & Telefoninterviewverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: T.E.N.- Bahnstrecke Abschnitt Tirol

Abbildung 2: Lokalisierung und Anzahl gebotener Radstellplätze FH Kufstein

Abbildung 3: Anordnungsprinzip Fahrradabstellplätze - Platzbedarf FH Kufstein

Abbildung 4: Fotos 1 - 3 - Haupteingang Fahrradstellplatz

Abbildung 5: Fotos 4 - 6 - Tiefgarage Farradstellplatz

Abbildung 6: Fotos 7-10 - Hintereingang Fahrradstellplatz

Abbildung 7: Fotos 11 - 13 - Duschvorrichtung FH Kufstein

Abbildung 8: Fotos 14-15 - Lage der Duscheinrichtungen FH Kufstein

Abbildung 9: Doppelseitige Parkfläche nach ADFC

Abbildung 10:Handlungsfelder Mobilitätsmanagement

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Nutzerprofile nach DGNB

Tabelle 2: Übersicht DGNB Kriterien

Tabelle 3: Umsetzung der qualitativen Aspekte nach DGNB Steckbrief für Fahrradkomfort

Tabelle 4: Befragung FH-Kufstein

Tabelle 5: Mögliche Programmaufgaben unterschiedlicher Studiengänge

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammenfassung

Die vielen verschiedenen Gebäudezertifizierungssysteme wie LEED, BREEAM oder DNGB und ÖGNI unterscheiden sich inhaltlich im Detaillierungsgrad, in der Berücksichtigung nationaler Standards sowie Anwenderfreundlichkeit und Vollständigkeit der betrachteten Kriterien. Anhand der Fachhochschule (FH) Kufstein wurden zwei Kriterien des DNGB Kataloges auf die benannten Punkte untersucht. Ergebnis war unter anderem, dass trotz der auffällig positiven Detaillierung des deutschen Qualitätssiegels gegenüber anderen, weitere Komponenten bei der Gebäudeevaluierung zusätzlich zu berücksichtigen sind. Gerade die nicht­immobilienspezifischen Aspekte, wie etwa die Verkehrsanbindung oder der Fahrradkomfort sollten insbesondere aus Sicht des noch Gebäude-fixierten Facility Managements, künftig mehr Beachtung erhalten. Ziel ist es, Trends neuer Generationen und deren mobiles Verhalten rechtzeitig in Gebäudeplanungen einzubeziehen, um auch weiterhin den Bedürfnissen des Marktes gerecht zu werden. Merkmale zum Serviceniveau und Qualität sind hier beispielsweise Kriterien-Bereiche, welche in Zertifizierungssystemen durchaus noch ausbaufähig sind. Vor allem die Erlangung möglichst hoher Objektivität ist ein Schlüsselkriterium für aussagekräftige Gebäudeevaluierungen. Wie dies in etwa sinnvoll sein könnte, wird in der vorliegenden Arbeit für die zwei Kriterien Verkehrsanbindung und Fahrradkomfort nahegebracht.

Das die Auseinandersetzung mit diversen DGNB Kriterien Anregungen für gänzlich neue Aufgabenstellungen im eigenen Unternehmen bedeuten kann, wird ebenfalls in der vorliegenden Arbeit beispielhaft wiedergegeben.

1 Einleitung

1.1 Hintergrund

Unlängst gibt es eine Vielzahl von Gebäudezertifizierungssystemen am internationalen Markt. Mit dem umfangreichen Angebot herrschen entsprechende Unklarheiten bei der Systemanwendung. So werden etwa in Deutschland und Österreich Gebäude mit dem US- amerikanischen LEED1 '2 und dem britischen BREEAM3 '4 ausgezeichnet, obwohl mittlerweile auch ein nationales Zertifizierungssystem zur Verfügung steht. Das bereits 1995 errichtete Rivergate in Wien beispielsweise ist mit beiden benannten Zertifikaten ausgezeichnet.5 Grund hierfür sind die Erscheinungsjahre dieser Gütesiegel. So ist BREEAM bereits im Vergleich mit LEED ein Urgestein, denn dies existiert mittlerweile seit über 20 Jahren am Markt. LEED hingegen gibt es erst ca. zehn Jahre lang. Das deutsche Gütesiegel von DGNB sowie ÖGNI hingegen wurde sogar erst 2009 lanciert, weshalb ältere Gebäude wie das Rivergate aus logischer Konsequenz nicht national zertifiziert sind.6 Mit zunehmender Menge an Zertifizierungssystemen gilt jedoch eine Differenzierung für die Mehrheit potentieller Interessenten längst nicht als Selbstverständlichkeit. Unterschiede dieser und weiterer Qualitätszeichen finden sich allerdings sowohl im Detaillierungsgrad als auch in der Berücksichtigung nationaler Standards wieder. Aus diesem Umstand heraus ist der Vergleich vorhandener Zertifizierungssysteme mittlerweile Thema etwaiger Literatur. Der erste Schritt zur Grobdifferenzierung ist somit getan. Als logische Folge sollten die Kriterienkataloge der einzelnen Zertifizierungssysteme auf ihre Tauglichkeit im Detail kritisch überprüft werden. Die vorliegende Arbeit setzt an genau dieser Stelle an und befasst sich dafür mit dem noch jungen Zertifizierungssystem der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).

Ziel einer auf diese Arbeit anknüpfenden umfassenderen Analyse sollte es sein, Interessenten eine Gegenüberstellung der Systeme in Form einer Marktübersicht zu bieten und die Systemangebote bei Bedarf an die Nachfrage entsprechend anzupassen.

1.2 Problemstellung & Zielsetzung

Standard ist die Zertifizierung von Gebäuden in unseren Kreisen noch nicht, vor allem nicht mit den nationalen System der DGNB 7 8 oder ÖGNI9 10. Denn mit Erarbeitung der DGNB Zertifizierung etwa, werden Gebäude unter umfangreicher Betrachtung mit bisher unverwendeten Kriterien unter die Lupe genommen und bewertet. In diesem Zusammenhang fehlen noch Erfahrungen, was die Beständigkeit und Vollständigkeit der Kriterieninhalte anbelangt. Nicht zu Unrecht wird deshalb die Frage aufgegriffen, inwiefern das jeweilige Zertifizierungssystem und deren einzelnen Komponenten alltagstauglich sind.

Um diese Frage zumindest für das deutsche Gütesiegel zu beantworten, wird in der vorliegenden Arbeit anhand von einigen Kriterien unterschiedlicher Gruppierungen stichpunktartig die Anwenderfreundlichkeit und Vollständigkeit der DGNB kritisch hinterfragt.

1.3 Methodik

Hauptteil dieser Arbeit bildet die Auseinandersetzung mit den DGNB-Kriterien Verkehrsanbindung und Fahrradkomfort. So wird sowohl die FH Kufstein auf deren Qualität überprüft als auch die zwei benannten Evaluierungskriterien selbst analysiert. Bevor diese zwei ausgewählten Prüfsteine genauer betrachtet werden, erfolgt eine kurze Vorstellung der DGNB Organisation selbst. Im Anschluss daran wird die FH Kufstein ihrem DGNB-Nutzerprofil zugeordnet, was die Grundlage zur anknüpfenden Evaluierung der Bildungseinrichtung schafft.

Auf die Bewertung von DGNB und FH Kufstein aufbauend, werden Optimierungsansätze erhoben, welche sowohl für das Zertifizierungssystem als auch das betrachtete Objekt als Vorgaben künftiger Änderungen dienen könnten.

Zu guter Letzt wird der Zusammenhang der zwei vorgeführten DGNB-Kriterien zum Facility Management (FM) nahegelegt. Die Quintessenz aus der Gesamtbetrachtung dieser Arbeit bildet den Abschluss und zugleich die Bogenf]ührung für weitere Auseinandersetzungen mit dem Thema.

2 DGNB im Porträt

Zur Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen e.V. ist nicht mehr mitzuteilen, als es ihre offizielle Homepage wiedergibt:

2.1 Zur Organisation

"Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen wurde 2007 ins Leben gerufen, um nachhaltiges Bauen durch die Etablierung und Weiterentwicklung des DGNB Zertifizierungssystems gezielt zu fördern. Innerhalb kürzester Zeit hat sie sich im Bereich nachhaltiges Bauen als eine der führenden Organisationen weltweit etabliert. Die DGNB ist eine Non-Profit- und Non-Governmental-Organisation und hat sich dazu verpflichtet, der Allgemeinheit zu dienen. Die Selbstverpflichtung zur Gemeinnützigkeit ist diesem Anspruch folgend erklärte Regel für sämtliche Tätigkeiten. ,11

2.2 Ziel & Zweck

" Dazu gehört die Förderung des Umweltschutzes, des Gesundheitsschutzes sowie sozio-kultureller Ziele. Dies wird in erster Linie durch das DGNB Zertifikat sowie entsprechende Bildungsmaßnahmen erreicht."12 Die freiwillige Verpflichtung zu hohen Qualitätszielen von Gebäuden zielt darauf ab, positive Effekte für Gesellschaft und Natur durch Bauwerke zu begünstigen.

2.3 Nutzungsprofile

Die DGNB bedient sich unterschiedlicher sogenannter Nutzerprofile, zur Evaluierung von verschiedenen Gebäudetypen und der damit verbundenen Abweichungen von Bewertungskriterien und -Gewichtungen. Das Nutzungsprofil „Neubau Büro- und Verwaltungsgebäude" (NBV09) bildet die Grundlage für das Zertifizierungssystem. Folgende weitere Profile bauen darauf auf13:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Nutzerprofile nach DGNB14

2.4 Einordnung der FH in ein Nutzerprofil

Von den bereits vorhandenen Nutzerprofilen ausgehend, sollte die FH Kufstein nach dem Profil für Bildungsbauten evaluiert werden. Unter diesem Begriff versteht die DGNB allgemeinbildende Schulen, berufliche Schulen, Förderschulen, Weiterbildungseinrichtungen und Kindergärten, wobei die Haupträumlichkeiten für Bildung, Übung, Seminar, Vorlesung, Workshop und Klassenunterricht vorgesehen sind.15 Aktuell ist der Kriterienkatalog für Bildungsbauten allerdings noch nicht erhältlich. Die öffentliche Zugänglichkeit der Unterlagen ist für das Frühjahr 2011 geplant (auch wenn nach Angaben aus Tabelle 2 das Profil Bildungsbauten bereits 2009 erschienen ist).16 Aufgrund dessen findet alternativ dazu, in dieser Arbeit das Nutzerprofil für neue Büro- & Verwaltungsgebäude (NBV09) Anwendung. Welche Differenzen diese zwei benannten Nutzerprofile vorweisen, lässt sich aus der Übersicht Vergleich NBI09-NBV09 aus dem Anhang entnehmen.

2.5 Zertifizierungssystem und -Kriterien

Das DGNB Zertifizierungssystem besteht aus mehreren Erfolgskomponenten, welche den Anwender durch die Evaluierungsdurchführung leiten17:

- Die Kriterien Steckbriefe bestimmen die wissenschaftlichen Rahmenbedingungen.
- Jedes Nutzungsprofil verfügt über eine vollständige Bewertungsmatrix, die auf Basis der Wertungen für die jeweiligen Kriterien inklusive Gewichtung den Erfüllungsgrad berechnet.18
- Die Dokumentationsrichtlinien geben den Auditoren Aufschluss über die richtige Verwendung der Kriterien Steckbriefe und deren Integration in den Bewertungsprozess.

Kritikpunkt hierzu: Der wissenschaftlich vorgelegte Rahmen bzw. die literarischen Empfehlungen der untersuchten DGNB Steckbriefe lassen durchaus Ergänzungen zu. Ebenfalls lassen zum Teil die Bewertungsmatrixen Verständnisfragen aufkommen, wie etwa bei den Kriterien Fahrradkomfort oder Reinigungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit des Baukörpers. Die Begründung dieser Kritiken findet sich, für die zwei untersuchten DGNB Kriterien, im Anschlusstext unter Punkt 4 und 5 wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Übersicht DGNB Kriterien19

Der vollständige Kriterienkatalog des Zertifizierungssystems ist laut DGNB mit einer Gesamtanzahl von 61 Kriterien (wobei tatsächlich gezählte 48 Kriterien) und 62 Seiten, sehr umfangreich.20 Die Übersicht in der Tabelle 2 fasst den Kataloginhalt zusammen.

3 Die Verkehrsanbindung unter der Lupe

Im Zuge einer Projektentwicklung wird die gegebene Infrastruktur von einem Verkehrsplaner auf ihre Tauglichkeit überprüft. Masterpläne der Region/Gemeinde/Stadt werden unter die Lupe genommen und notwendige Neuplanungen für den Verkehr, welche mit dem beabsichtigten Neubau im Zusammenhang stehen, angemerkt. Die Verkehrsanbindung spielt also bereits in der Objektplanung eine bedeutende Rolle. In Zukunft ist damit zu rechnen, dass die Verkehrsanbindung für Stadtplanungen an Relevanz zunimmt. Von dem Städtchen Kufstein einmal abgesehen, erfordern insbesondere die globalen Tendenzen von Megacities21, Megakorridoren22 und Megaregionen23 bisher ungeahnte Dimensionen der Verkehrsgestaltung.24

Unabhängig von der Trendentwicklung von Verkehr und Stadtplanung ist die Verkehrsanbindung für eine Bildungseinrichtung wie die FH Kufstein bereits heute von besonderer Bedeutung. Denn gerade Studenten benötigen meistens eine unterstützende Infrastruktur, um ihre Wege problemlos zurücklegen zu können. Eigene Autos sind unter Studenten keine Selbstverständlichkeit. Zudem zeigt der Trend, dass die heranwachsenden Generationen verstärkt dazu bereit sind, eher auf ein Auto zu verzichten, als beispielsweise auf ein Handy..25.26 Solche Tendenzen sind nicht nur in heutigen Planungsvorhaben zu berücksichtigen, sondern auch in Gebäudezertifizierungssystemen.

Im Fall Kufstein ist die Verkehrsanbindung allgemein sehr gut, teilweise sogar besser, als es derzeit objektive Bewertungsmaßstäbe der DGNB bestätigen. Die Erklärung hierzu ist Inhalt der nachstehenden Seiten.

3.1 Evaluierung der Verkehrsanbindung von der FH Kufstein nach DGNB

Das DGNB Kriterium Verkehrsanbindung ist Teil der Standortqualitätsprüfung eines Gebäudes. Als Positivbeispiel für Umweltsensibilisierung legt die DGNB den Schwerpunkt bei der Verkehrsanbindung insbesondere auf die Erreichbarkeit mit umweltgerechten Verkehrsmitteln wie dem Fahrrad oder dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). So soll etwa der Fahrradverkehr gestärkt werden, um eine hohe Mobilität bei gleichzeitig gesicherter Umweltqualität zu ermöglichen.27 Dafür werden nach der DGNB folgende drei Aspekte bei einem Gebäude überprüft:

- Erreichbarkeit des nächstgelegenen Haupt-/ Fernbahnhofs
- Erreichbarkeit der nächstgelegenen Haltestelle des öffentlichen Personennahverkehrs (Bus, S- Bahn, Tram, etc.)
- Standorterschließung durch Radwege

Das evaluierte Objekt schneidet dann gut ab, wenn die erforderlichen Wegstrecken und Fahrzeiten so kurz wie möglich gehalten sind. Auf diese drei Bereiche wird die FH Kufstein im Folgetext untersucht.

3.1.1 Erreichbarkeit des nächstgelegenen Haupt-/Fernbahnhofes

Nach DGNB ist die Verkehrsanbindung der FH wie folgt zu bewerten: Die Erreichbarkeit des nächstgelegenen Bahnhofs liegt zwischen acht bis neun Gehminuten. Demnach erhält die FH Kufstein zwischen 21 und 23 Punkten von maximal 30 möglichen Punkten. Mit dem Mittelwert von 22 Punkten erreicht FH Kufstein 73,33%. Geht man von Schulnoten aus, würde dies eine befriedigende Bewertung bedeuten. Subjektiv könnten acht bis neun Gehminuten auch mit gut evaluiert werden.

3.1.2 Erreichbarkeit der nächstgelegenen Haltestelle

Als nächstes wird die Erreichbarkeit der nächstgelegenen Haltestelle des ÖPNV (Bus) untersucht. Hier beträgt der Abstand zwischen Bushaltestelle und dem Haupteingang der FH ungefähr 85 m. Es wird demnach weniger als eine Gehminute benötigt. Die FH Kufstein erreicht bei diesem Evaluierungspunkt die vollen 30 Punkte und kommt somit auf die Schulnote sehr gut.

3.1.3 Standorterschlierung durch Radwege

Da sich in unmittelbare Nähe der FH Kufstein ein Anschluss an das Kufsteiner Fuß- und Radwegenetz befindet, erhält die Bildungseinrichtung in der Kategorie allgemeine Erreichbarkeit mit dem Fahrrad, die volle Punktzahl und die Note sehr gut. Ein allgemeiner Hinweis zu den umweltfreundlichen Angeboten durch ÖPNV und Radwege ist auf der Homepage dieser Bildungseinrichtung nicht zu finden. Leider wird diesem vorteilhaften Angebot indirekt sogar entgegengewirkt, indem ausschließlich auf die Pkw-Parkmöglichkeiten in der Umgebung hingewiesen wird.28

3.1.4 Gesamtbewertung der Verkehrsanbindung

Nach DGNB Vorgaben erreicht die Verkehrsanbindung der FH Kufstein insgesamt 91,11 %. Als Schulnote wäre dies ein sehr gut. Daraus ergeben sich folgende Wertbindungen der FH:

- Ein sehr guter Anschluss bedeutet im Kontext hohe Attraktivität für den Kunden.
- Somit wird die Funktionalität des Gebäudes ebenfalls positiv beeinflusst.
- Für den FH Wert ist die Verkehrsanbindung also ein durchaus wichtiges Kriterium.

3.1.5 Evaluierung der DGNB Anwendungsfreundlichkeit

Es bleibt festzuhalten, dass die Evaluierung der Verkehrsanbindung mit Hilfe der DGNB-Vorgaben einfach durchzuführen ist. Es wird schnell und mit wenig Aufwand ein Ergebnis erreicht. Während der Bewertungsdurchführung findet der DGNB-Anwender keinerlei Störfaktoren, welche ein Ausarbeiten der Evaluierung erschweren würden.

Nun schließt sich an dieser Stellt auch die an die DGNB gerichtete Kritik an. Denn neben der einfachen Handhabung werden ein paar erforderliche Aspekte bei der Evaluierung einer Verkehrsanbindung unberücksichtigt gelassen. Zwei Beispiele hierfür sind die Bahnhofsgruppierung und die Integration des Individualverkehrs.

Die Stadt Kufstein beispielsweise stellt trotz ihrer Größe mit nur knapp 15.400 Einwohnern29 einen außerordentlich internationalen Knotenpunkt im Schienenverkehr dar. Durch die europäische T.E.N.- Bahnstrecke von Berlin nach Palermo (eine der bedeutsamsten Strecken innerhalb Europas), bestehen nicht nur innerösterreichische Verbindungen, sondern auch solche nach Deutschland und Italien. Im Zuge der Modernisierung dieser Bahnverbindung soll auch eine neue Unterinntalbahn als Teil der T.E.N. Achse bis 2012 errichtet werden.30

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1; T.E.N.- Bahnstrecke Abschnitt Tirol.31

Für die DGNB-Evaluierung ist derzeit lediglich die Distanz zwischen der FH Kufstein und dem Bahnhof interessant. Die Qualität der Bahnverbindungen wird schlicht und ergreifend vernachlässigt. Doch gerade dieser Aspekt ist beim Beispiel Kufstein äußerst positiv und kaum mit herkömmlichen Bildungseinrichtungen und deren nächstgelegenen Bahnhofanschlüssen zu vergleichen. Aus diesem Grund sollten unterschiedliche Merkmale von Bahnhöfen in die DGNB-Vorlage eingearbeitet werden.

Unabhängig davon, dass neben Fußgängerverkehr der ÖPNV und Fahrradverkehr die derzeit umweltfreundlichsten Verkehrsmittel sind, besteht dennoch reger Individualverkehr mittels Pkws. Daher sollten auch entsprechende Möglichkeiten evaluiert werden, welche versuchen die herkömmlichen Mobilitätsmittel so gut wie möglich umweltfreundlich zu gestalten. So beweisen die Stadtwerke Kufstein Innovationscharakter, indem sie seit 2010 die Möglichkeit offerieren, Elektrofahrzeuge (unabhängig ob Rad, Roller, Moped oder Auto) an sieben in Kufstein verteilten Ladestationen gratis aufzuladen.32 Die Komponente motorisierte Verkehrsmittel wird in der DGNB allerdings bislang ausgeblendet. Dass ausschließlich der ÖPNV und Radverkehr genutzt werden, bleibt jedoch trotz steigender Umweltsensibilisierung der Bevölkerung auch für die Zukunft unrealistisch.33

3.2 Optimierungsansätze & Planungsvorgaben

3.2.1 Leuchtturm Bremen

Mit gutem Beispiel voran geht die Universität Bremen. Mittels ihrer Mobilitätsinitiativen gewann sie 2010 den CSR Mobilitätspreis34 '35. Einige Ideen des Preisträgers sind für Optimierungs- bzw. Planungsvorgaben an der FH Kufstein durchaus denkbar:

- Einrichtung eines Junktims bei Bauprojekten für facettenreiche Mobilitätsmaßnahmen außer die Schaffung von Pkw Parkflächen sowie Unterstützung des Individualverkehrs
- Unterstützende Software und/oder andere Maßnahmen zur Bildung von Fahrgemeinschaften
- Anreiz - Schaffungen für Pkw Fahrer, ihre CO2 Emissionen zu reduzieren und schrittweise auf den Pkw zu verzichten
- Carsharing-Angebote, bspw. in Kooperation mit der Stadtgemeinde oder dem örtlichen Anbieter
- Informationsveranstaltungen zur Aufklärung über Umweltfolgen durch motorisierten Individualverkehr, Verhaltensmaßnahmen und Änderungsansätze für Verkehrsteilnehmer

So könnte der Studiengang Sport-, Kultur- & Veranstaltungsmanagement oder auch andere Studiengänge bspw. Motto-Tage, (etwa Pkw freier Montag, Woche des Fahrrades, etc.) Informationstage (Tag der offenen Tür, Elektro-Fahrzeuge- Test-Parcours oder auch- Rally, Expertenvorträge, Literatur-, Fotos-, Filme- und Szenarios zum Thema) organisieren und im Kulturprogramm der FH Kufstein verankern.

Eine erste Veranstaltung wurde von Studierenden des Studiengangs Europäische Energiewirtschaft initiiert, welche Hersteller und Nutzer von Elektrofahrzeugen sowie internationale Experten für eine Fahrzeugausstellung und Diskussionsrunde eingeladen haben.36

3.2.2 Weitere Anregungen zur DGNB

Neben dem Inhalt aus dem Bremer Beispiel könnten weiterführend folgende Ideen mit in eine DGNB- Evaluierung der Verkehrsanbindung einfließen, aber auch Inhalt für Planungsvorgaben der FH Kufstein sein:

- Standortwahl anhand der Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, wie es etwa beim Wiener Rivergate bereits im Jahr 1995 der Fall war37
- Public Private Partnership38 39 -Projekte zur Förderung der Verkehrsanbindung, etwa mit der Gemeinde zusammen
- Informationsservices für Mobilitätsmöglichkeiten in der Region ggf. via Intranet
- Ergänzende Serviceangebote wie Stellplatzflächen am Bahnhof Angebot eines Uni-Radverleihs für die Region und/oder Kaufförderung für Pedelecs Initiierung eines Ideenpools (an der FH Kufstein bspw. durch Sport-, Kultur- & Veranstaltungsmanagement Studenten)
- Angebot von Elektroautos für den Nahbereich/Stadtverkehr, als Pilotprojekt gemeinsam mit der Gemeinde
- Förderung von Monats- und/oder Jahrestickets für die Bahn, bspw. 10% Förderung durch die FH
- Einführung eines Elektro-Cash Systems zur Ticketzahlung für Bahnfahrten + neue/ innovative Abrechnungsgestaltung im Sinn einer Mehrzweckkarte

Zu den drei bereits aufgeführten Evaluierungsaspekten der Verkehrsanbindung könnten die unter den Punkten 4.2.1. und 4.2.2. aufgeführten Ideen in einem zusätzlichen Evaluierungsaspekt zusammengefasst werden. Denkbar wäre etwa der Aspekt eines umweltunterstützenden Serviceangebotes.

3.2.3 Das Idol Kufstein

Nach Angaben von Herrn Sparber, Umwelt- und Energieberater der Stadt Kufstein, ist reges Interesse an einer Zusammenarbeit mit der FH Kufstein gegeben, welches Carsharing-Angebote aufleben lassen würde und/oder weitere Initiativen, welche die Verkehrsanbindung und das Mobilitätsmanagement positiv ergänzen könnten.34 Denn die Stadt Kufstein ist durchaus um sanfte Mobilität bemüht. So wurden gerade erste folgende Maßnahmen durchgeführt:

Die Gestaltung grüner Achsen für Radfahrer (siehe Broschüre: Sanfte Mobilität, im Anhang) Zahlreiche Mehrzweckstreifen für Radfahrer wurden markiert, viele davon mit roter Farbe Fahrradabstellanlagen wurden an mehreren Plätzen im Zentrum aufgestellt Im Jahr 2010 wurde der Ankauf von Elektrofahrrädern mit bis zu € 300,- gefördert Ebenfalls 2010 wurde versucht, das Fahrrad als Alltagsfahrzeug und nicht nur als Freizeitfahrzeug zu bewerben (siehe Folder: Radverkehr in allen Lebenslagen, im Anhang)

- Der Stadtbus wurde durch eine erhöhte Taktfrequenz sowie zusätzlichen Linien massiv ausgeweitet
- Regionalbusse bedienen alle größeren Gemeinden im Umkreis von Kufstein
- Die Regionalbahn S1 (Innsbruck - Kufstein) wurde im Rahmen der Verkehrsoffensive des Landes entsprechend ausgeweitet

Die Verkehrssituation von Kufstein wurde erst letztes Jahr bewertet. Ein Masterplan für die Zukunft ist aktuell in Bearbeitung. Ob ein Masterplan vorliegt oder nicht, ist Teil der DGNB Evaluierung für die Verkehrsanbindung. Im Fall Kufstein fließt dieser Aspekt positiv mit in die Bewertung ein.

Als denkbarer Zusatzpunkt für die DGNB-Evaluierung wäre eine detaillierte Bewertung des vorherrschenden Anschlussangebotes durch öffentliche Verkehrsmittel. So wurden in Kufstein die Taktfrequenz des Stadtbusses erhöht und zusätzliche Linien eingeführt. Diese Tatsache beeinflusst die Verkehrsanbindung positiv. Doch leider ist ein derart vorteilhafter Fakt bisher nicht Teil der DGNB-Betrachtung. Aber eine Haltestelle mit nur 10 m Entfernung zum Haupteingang des betrachteten Gebäudes könnte bspw. eine sehr schwache Taktfrequenz vorweisen und letztendlich unattraktiv für die Nutzung erscheinen. Im Gegensatz dazu bietet Kufstein ein sehr gutes Anschlussangebot, sogar grenzübergreifend nach Deutschland35 36 37 und zudem in das drittgrößte zusammenhängende Skigebiet Europas.42,43 Ergänzend zu diesem Kritikpunkt kann mangelnde Berücksichtigung der allgemeinen Radwegequalität angemerkt werden. Der Qualitätsfaktor sollte demnach bei Fahrradwegen und deren Markierung, in die DGNB Bewertung der Verkehrsanbindung einbezogen werden. In all den benannten Punkten würde die Stadt Kufstein und somit automatisch auch die FH Kufstein, wahrscheinlich sehr positiv bewertet werden. Doch weil derartige Gesichtspunkte gänzlich im DGNB Kriterienkatalog fehlen, gehen diese Positivmerkmale verloren.

3.2.4 Weitere Planungsvorgaben

Mit dem Fahrradkomfort eines Objektes einhergehend könnten für eine künftige Objektplanung der FH Kufstein denkbare weitere Komponenten aufgegriffen werden:

- Nur 0,2 Pkw-Stellplätze je Student; für Besucher/innen, Behinderte und Carsharing-Angebote zur Anreizschaffung für andere Mobilitätsmittel44
- Sperrung des FH Geländes für etwaigen sonstigen Kraftfahrzeugverkehr mit herkömmlichen Antrieb im Sinn eines autofreien Charakters
- Keine zusätzlichen Parkflächen für Privatfahrzeuge im Stadtbereich und auf dem Campus­Gelände außer für Elektroautos, inkl. entsprechender Zufahrtsregelung durch die Gemeinde
- Genaue Angaben der Parkflächen und Radflächen im Objektplan
- Einrichtung eines Arbeitskreises für Mobilität bei gleichzeitiger Schaffung einer Zuständigkeit auf Leitungsebene
- Verankerung eines betrieblichen Mobilitätsmanagements in der FH Nachhaltigkeitsstrategie
- Veranlassung, dass Radfahrer auch den unteren Stadtplatz überqueren können
- Information über Regionalticketangebote (ÖPNV Netz) für Anreisende/Abreisende; für den Anschluss an das nächstgelegene Skigebiet, etc. —>als Serviceerweiterung seitens der FH & automatischer, subjektiver Wertsteigerung aus Sicht des Kunden
- Verleih von Navigationssystemen für Fahrradfahrer zur Förderung des Frühjahr-/Sommer- Tourismus

Mehr Förderung des Radverkehrs durch darauf abgestimmte Veranstaltungen (Fahrradtag, Wettbewerb Radler des Jahres mit Fotodokumentation in den FH Fluren, etc.) — organisiert bspw. durch den Studiengang Sport­Kultur- und Veranstaltungsmanagement (SKVM).

3.2.5 Literarische Hilfestellungen

Die Ideenpalette kann ohne Probleme erweitert werden und dient nur als Demonstrierung der vielen, erdenklichen Möglichkeiten, welche bisher weder von der FH Kufstein als Serviceerweiterung, noch von der DGNB zur Detaillierung der Evaluierungskriterien aufgegriffen wurden.

Um weitere Anreizfindungen zu unterstützen, sollten die in der DGNB aufgeführten Literaturangaben durch folgende erweitert werden:

- Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) Leitfaden für Geschäftsreisen; 2008
- Leitfaden Klimaschutz im Stadtverkehr vom deutschen Bundesumweltamt; 2010
- Zukunftsorientierte Verkehrsentwicklungsplanung am Bsp. Stadt Norden; 2001
- Mobilitätsmanagement in der Stadtplanung; Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung GmbH; 2009

Diese gelten sowohl für das Kriterium Verkehrsanbindung als auch für den Fahrradkomfort.

Zudem könnte der wissenschaftliche Rahmeninhalt der DGNB um Best Practise Beispiele aus der jährlichen CSR Preisverleihung oder durch Träger ähnlicher Preise ergänzt werden.

4 Der Fahrradkomfort unter der Lupe

Nun wird im Anschluss an die Verkehrsanbindung der Fahrradkomfort betrachtet.

Autostellplätze sind ein selbstverständliches Element der Gebäudeplanung, so auch bei der FH Kufstein. Stellflächen für Räder sind allerdings nicht automatisch Inhalt der Gebäudeplanung, sondern werden teilweise gar nicht bzw. erst im Nachhinein eingerichtet. Dies wurde ebenfalls nach Angaben von Herrn Eidherr, Facility Manager der FH Kufstein, für den Planungsstand dieser Bildungseinrichtung bestätigt. Eine nachträgliche Einrichtung von Radstellflächen kann allerdings bedeuten, dass Lage und Qualität der Anlage den Nutzeranforderungen nicht gerecht werden.

Doch qualitative Abstellmöglichkeiten der Räder sind zentrales Element für den Radverkehr. Das sichere, komfortable und zielnahe Abstellen ist eine Voraussetzung für die Attraktivität des Fahrradverkehrs. So animieren etwa gute Abstellanlangen dazu, auch höherwertige Räder zur Erreichung möglichst vieler Ziele zu nutzen. Andersherum werden nur minderwertige Räder verwendet wenn die Abstellmöglichkeiten mangelhaft sind. Diese wiederum werden nur für kurze Strecken und nicht dauerhaft eingesetzt, da hier der Spaßfaktor und Komfort des Nutzers entsprechend niedrig ausfallen. Schlimmstenfalls wird ganz und gar auf das Radfahren verzichtet und stattdessen auf das Auto umgestiegen. Der DGNB Umweltgedanke würde in einem solchen Fall verloren gehen.

Im Fall Kufstein sind die Fahrradstellplätze sehr gut lokalisiert. Allerdings sind das Serviceangebot und die allgemeine Abstellqualität in Frage zu stellen, wie der Folgetext erläutert.

4.1 Evaluierung des Fahrradkomforts an der FH Kufstein nach DGNB

Das DGNB-Kriterium Fahrradkomfort ist Teil der Funktionalität eines Gebäudes. Die DGNB legt den Schwerpunkt beim Fahrradkomfort insbesondere auf das unterstützende Angebot für Radfahrer. Dafür werden nach der DGNB folgende drei Aspekte bei einem Gebäude überprüft:

- Lage der Stellplätze
- Gebäudegerechtes Serviceniveau
- Unterstützendes Angebot für umweltgerechte Arbeitswege

Das evaluierte Objekt schneidet dann gut ab, wenn die Anzahl der erfüllten Kriterien so hoch wie möglich ausfällt. Auf diese drei Bereiche wird die FH Kufstein im Folgetext untersucht.

4.1.1 Lage der Fahrradstellplätze

Die FH Kufstein bietet ihren Studentenlnnen und Mitarbeitern/innen insgesamt drei Fahrradstellplätze an. Der größte Stellplatz davon befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Haupteingang (ca. 35 m Fußweg). Die Platzierung des Stellplatzes ist demnach aus qualitativer Sicht als sehr gut einzustufen, sowohl nach DGNB Kriterien als auch allgemein. Auch die anderen zwei Fahrradstellplätze befinden sich gemäß Anordnungsprinzip auf direktem Weg zum FH Eingang. Studenten und Mitarbeiter müssen keine Umwege einschlagen, um zum Gebäude zu gelangen bzw. um den Stellplatz zu erreichen. Die Lage der Stellplätze kann nach Schulnotenprinzip für sehr gut befunden werden, weshalb die DGNB - Mindestpunktezahl von 20 Punkten bereits auf Anhieb erreicht ist. Die Abbildung 2 veranschaulicht die Lokalisierung der Stellplätze: Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Lokalisierung und Anzahl gebotener Radstellplätze FH Kufstein45

Aus der Abbildung 2 geht ebenso die quantitative Komponente der Stellplatzfelder hervor. Nach eigener Bestandsaufnahme befinden sich beim Haupteingang insgesamt 99 Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Der zweite Fahrradstellplatz, welcher in der Nähe des Hintereinganges angeordnet ist, bietet aktuell 22 Stellplätze. Als einziger überdachter Stellplatz offeriert der Dritte genügend Platz, um ungefähr 15 Fahrräder unterzubringen. Dieser Stellplatz befindet sich in der Tiefgarage der FH Kufstein und ist ebenfalls in direkter Nähe des Treppenaufganges (Abgang TG) zum Haupteingang platziert.46 Mit derzeit 1180 aktiven Studenten/innen und 85 Angestellten/innen47 bietet die FH einen einzigen Radstellplatz für ungefähr zehn Personen. Wie der Abbildung 1 zu entnehmen ist, könnte nach ordnungsgemäßer Stellplatzanordnung der DGNB und/oder Allgemeiner Deutscher Fahrradclub e.V. (ADFC) Vorgaben sogar nur jede 15te Person ihr Fahrrad parken.

Diese Berechnung erfolgte auf Basis der DGNB-Bewertungsmatrix für Fahrradkomfort sowie mittels Angaben aus der ADFC Dokumentation Hinweise für die Planung von Fahrradabstellanlagen. Letztere ist dem Anhang beigefügt.

ln Abhängigkeit an die jeweilige Nachfrage an der FH Kufstein, kann dieses quantitative Angebot als (nicht) ausreichend erachtet werden. Für die Bewertung dieser Kennzahl bedarf es der Kenntnis über das Nutzer - Anforderungsprofil. Dieses ist allerdings nicht bekannt. Jedoch bleibt der Verdacht, dass bei einer bildenden Einrichtung mit zwangsläufig vielen Besuchern zu bestimmten Zeiten ein ungenügendes Stellplatzangebot aufweist, wenn nur ungefähr 7% der Besucherinnen die Möglichkeit zum Abstellen ihrer Fahrräder erhalten. Mit Hilfe einer Quantifizierung des aktuellen Radverkehrs und einer dazu ergänzenden Kundenbefragung sollte die FH Kufstein an dieser Stelle ansetzen, um Optimierungen zu realisieren. Die DGNB hingegen möge für künftige Zertifizierungsversionen die Personenmenge eines Gebäudes implizieren, da diese, je nach Gebäude­Nutzerprofil, unterschiedliche Anforderungen an den Fahrradkomfort stellt und diesen nachhaltig beeinflusst.

Bisher bezieht sich die DGNB anstelle auf Personenzahlen, lediglich auf Angaben der Nutzfläche48 (NF). Das sich die Flächenangaben auf die NF beziehen, ist allerdings erst aus der Katalogüberarbeitung aus 2010 entnehmbar. Die 2009 Version hingegen lässt die Wahl der Flächenart (BGF49 ; NGF50 51 ; NF; Außenfläche; o.ä.) noch gänzlich offen.

Mit einer Nutzfläche von ca. 8.000 m2 bietet die FH Kufstein aufgerundet jeweils einen Stellplatz auf 60 m2 NF. Bereits mit einem Stellplatz auf einer Nutzfläche von 80 m2 erreicht man nach DGNB-Anforderungen die maximale Punktzahl i.H.v. 50 Punkten. Nach Angaben von Herrn Eidherr wurde die Tiroler Landesbauordnung (LBauO) zum Zeitpunkt der Stellplatzplanung nicht herangezogen. Obwohl in der DGNB auf die Nutzung der LBauO verwiesen wird, kann aufgrund des quantitativ hohen Stellplatz Angebotes der FH trotzdem die volle Punktzahl erreicht werden. An dieser Stelle bietet der Kriteriensteckbrief Aufarbeitungspotential.

Es bleibt festzuhalten, dass trotz Außerachtlassung der LbauO und des bei Bezugnahme auf die regelmäßig frequentierende Personenanzahl beschriebenen Stellplatzmangels 100% der möglichen Punkte für die Stellplatzquantität erreicht werden.

Weiterführend bietet auch die Stellplatzanordnung der FH Kufstein durchaus Optimierungsmöglichkeiten. Die Abbildung 2 soll verdeutlichen, weshalb:

Rote Markierungen geben die aktuelle ist - Situation aus der Bestandsaufnahme wieder. Die grünen Markierungen stellen Vorgaben der DGNB dar. Ergänzend dazu zeigen blaue Beschriftungen Richtwerte des ADFC aus der Dokumentation Hinweise für die Planung von Fahrrad-Abstellanlagen auf.46 Es wird somit deutlich, dass der ist- Wert von beiden möglichen Vorlagen abweicht. Denn die vorhandenen Fahrradstellplätze an der FH Kufstein weisen in folgenden Punkten nicht zu vernachlässigende Mängel auf:

- Nötiger Abstand der Räder zueinander, um alle Ständer nutzen zu können

[...]


1 LEED steht für Leadership in Energy and Environmental Design

2 URL: http://searchdatacenter.techtarget.com/definition/LEED-Leadership-in-Energy-and-Environmental-Design: [15.12.2010]

3 BREEM steht für BRE Environmental Assessment Method

4 URL: http://www.breeam.org/page.isp?id=176: [15.12.2010]

5 Vgl. Der Standard, Immobilien Spezial; Dezember 2010; S. I14

6 URL: http://www.immonet.at/www/ireds/P-123057.html: [04.01.2011]

7 DGNB steht für Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V.

8 URL: http://www.dgnb.de/ de/: [16.12.2010]

9 ÖGNI steht für Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft

10 URL: http://www.ogni.at/de/zertifizierung/: [16.12.2010]

URL: http://www.dgnb.de/ de/verein/gemeinnuetzigkeit/index.php. [30.11.2010] URL: http://www.dgnb.de/ de/verein/index.php, [30.11.2010]

12 Wie sich die Bewertungsmatrixen zusammensetzen, ist den jeweiligen Kriteriensteckbriefen aus dem Anhang zu entnehmen.

13 Eigene Darstellung in Anlehnung an DGNB Kriterienkatalog 2009

14 Vgl. Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB); 2009

15 Megacities sind Städte mit min. 10 Mio. Einwohnern.

16 Megakorridore sind Zusammenschlüsse von mehreren Städten, mit einem Abstand von 60 bis 80 km.

17 Megaregionen sind Zusammenschlüsse von mind. Zwei Megastädten oder Regionen.

18 Die Definitionen stammen aus dem Fachvortrag von Sarwant Singh, Bereichsleiter für Automotive & Transportation bei der

19 Beratungsfirma Firma Frost & Sullivan Ltd., Vortrag vom 19.10.2010; 2. Internationale eCarTec-Kongress für individuelle Elektromobilität; München URL: https://www.xing.com/profile/Stefan Bratzel: [04.01.2011] 6 Ergebnisse aus der aktuellen Studie - iCar: Das „vernetzte Automobil"- des Automobilexperten Prof. Dr. Stefan Bratzel, werden binnen diesen Jahres (2011) veröffentlicht.

21 Vgl. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung; 2009: S. 1

22 URL: http://www.fh-kufstein.ac.at/ger/BewerberInnen/Leben-in-Kufstein/Studentenleben-in-Kufstein/Parken: [04.01.2011]

23 URL: www.kufstein.at/svstem/web/fakten.aspx?detailonr=64689: [12.12.2010]

24 URL:

http://www.google.at/imgres?imgurl=http://kurier.at/mmedia/2010.08.19/1282226685 4.jpg&imgrefurl=http://kurier.at/wirtschaft/w u nternehmen/2025124.php&usg= 3N906r6S7bNKaer0WfZ6hddCuRg=&h=332&w=442&sz=33&hl=de&start=13&zoom=1&um=1&itbs=1& tbnid=SSfR-mi4v31QGM:&tbnh=95&tbnw=127&prev=/images%3Fa%3Dberlin%2B-%2Bkufstein- %2Bpalermo%26um%3D1%26hl%3Dde%26tbs%3Disch:1: [04.01.2011]

25 Ebenda

26 URL: http://www.stwk.at/system/web/news.aspx?bezirkonr=0&detailonr=50355251&menuonr=50319096; [04.01.2011]

27 URL: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11608510/485072/Auf-den-Individualverkehr-wird-die-Welt-nicht- verzichten.html; [04.01.2011]

28 Der CSR Award ist eine Auszeichnung für verantwortliches Handeln im Reisemanagement. Dieser wird jährlich an besonders engagierte Organisationen und Einrichtungen vergeben. Der CRS Award dient als Anreiz Schaffung für eine umweltgerechte Mobilitätsgestaltung. Eine Fachjury aus Mobilitäts- und Umweltexperten bewertet hierzu das Mobilitätsangebot der Award- Teilnehmer.

29 URL: http://www.csr-award.de/der award/; [08.12.2010]

30 URL: http://www.fh-kufstein.ac.at/ger/News/Was-bewegt-uns-morgen-E-Mobilitv-hautnah!; [08.12.2010]

31 Der Standard, Immobilien Spezial; Dezember 2010; S. I14

32 Public Private Partnership: Gemäß Definition des BMVBS ist es die „langfristig vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft, bei der die Ressourcen (Know-how, Betriebsmittel, Kapital, Personal) von den Partnern zum gegenseitigen Nutzen in einen gemeinsamen Organisationszusammenhang eingestellt und vorhandene Projektrisiken entsprechend der Risikomanagementkompetenz der Projektpartner optimal verteilt werden.

33 URL: http://www.steria-mummert.de/presse/hintergrundinformationen/glossar-l-bis-z#; [05.01.2011]

34 Vgl. E- Mail von Herrn Sparber, vom 17.11.2010

35 http://www.treffpunkt-tegernsee.de/buslinien/rvo-buslinie-1088-tegernsee-kufstein.html;[04.01.201H

36 URL: http://www.skiwelt.de/news/16635: [02.01.2011] http://www.treffpunkt-tegernsee.de/buslinien/rvo-buslinie-1088-tegernsee- kufstein.html

37 URL: http://www.wilderkaiser.info/de/busverbindung-linienfahrplan.html; [04.01.2011]

38 URL: http://www.detail.de/artikel gwl-terrein-amsterdam 25381 De.htm; [12.12.2010]

39 Eigene Darstellung zur Bestandsaufnahme der FH Kufstein Radstellplätze 2010

40 Die Bestandsaufnahme erfolgte am 27.11.2010 durch die Autorin.

41 Nach Angaben aus dem E-Mail Verkehr mit Frau C. Reiterer, Assistenz der Studiengangsleitung Facility Management, an der FH Kufstein. Der E-Mail Verkehr befindet sich im Anhang.

42 Gemäß DiN EN 15221-6:2009-09

43 BGF: Brutto - Grundfläche nach DiN EN 15221-6:2009-09

44 NGF: Netto - Grundfläche nach DiN EN 15221-6:2009-09

45 Eigene Darstellung in Anlehnung an Begehung vom 27.11.2010

46 Vgl. ADFC; 2010; S.2

47 Nach Angaben aus dem E-Mail Verkehr mit Frau C. Reiterer, Assistenz der Studiengangsleitung Facility Management, an der FH Kufstein. Der E-Mail Verkehr befindet sich im Anhang

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
DGNB-Kriterien auf dem Prüfstand
Untertitel
Anwendungsprüfung von Standortqualität und Funktionalität am Beispiel der FH Kufstein
Hochschule
Fachhochschule Kufstein Tirol
Veranstaltung
Green Building & Zertifizierung
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
48
Katalognummer
V171198
ISBN (eBook)
9783640905867
ISBN (Buch)
9783640905744
Dateigröße
5699 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit wurde von den Dozenten für sehr gut befunden.
Schlagworte
DGNB;, ÖGNI;, LEED;, BREEAM;, Gebäudegütesiegel;, Gebäudezertifizierung;, Green Building;, Fahrradkomfort;, Verkehrsanbindung;, Facility Management
Arbeit zitieren
BA Arlett Daberkow (Autor), 2011, DGNB-Kriterien auf dem Prüfstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171198

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