Unvollkommene Kapitalmärkte und Kreditrationierung


Seminararbeit, 2001

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Asymmetrische Information auf dem Kapitalmarkt

3 Das Modell von Stiglitz und Weiss
3.1 Modellbeschreibung
3.2 Modellergebnisse

4 Makro¨okonomische Konsequenzen
4.1 Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Geldpolitik
4.2 Auswirkungen auf Wachstum und Besch¨aftigung

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Auf einem vollkommenen Kapitalmarkt werden Zahlungsanspru¨che auf- grund ihres Risikos und ihres erwarteten Ertrages bewertet. Dies ge- schieht z.B. anhand des Capital-Asset-Pricing-Modells1 oder des Time- State-Preference-Modells2. Hierzu ist es erforderlich, daß alle Marktteil- nehmer vollst¨andig u¨ber die Risiko-Ertrags-Relation aller vorhandenen Investitionsm¨oglichkeiten informiert sind.

In der Realit¨at ist dieses oft nicht der Fall, da z.B. Firmen viel besser u¨ber die von ihnen durchgefu¨hrten Projekte informiert sind als die po- tentiellen Investoren3.

Im folgenden Abschnitt werden verschieden Formen von Kapitalmarktun- vollkommenheiten beschrieben, wie sie auf dem Kreditmarkt beobachtet werden k¨onnen. Anschließend wird ein Modell betrachtet, das die Folgen asymmetrischer Information und adverser Selektion in Kreditvertr¨agen zeigt. Im vierten Abschnitt werden die makro¨okonomischen Auswirkun- gen der Kreditrationierung betrachtet.

2 Asymmetrische Information auf dem Ka- pitalmarkt

Das Auftreten asymmetrischer Information4 ist eine der h¨aufigsten For- men der Kapitalmarktunvollkommenheit, sie kann sowohl auf dem Markt fu¨r Eigen- als auch dem Markt fu¨r Fremdkapital beobachtet werden. Dabei kann es auch zu gegenseitigen Effekten zwischen den einzelnen M¨arkten kommen5, die zu einer Rationierung des Eigen- sowie des Fremd- kapitalangebotes fu¨hren k¨onnen. In dieser Arbeit wird jedoch nur der Kreditmarkt betrachtet.

Asymmetrische Information beschreibt auf dem Kreditmarkt die Infor- mationsverteilung zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber. Der Kredit-

nehmer ist im allgemeinen viel besser u¨ber das Risiko-Ertrags-Verh¨altnis seines Investitionsprojektes informiert als die außenstehenden Investo- ren6.

Auf dem Kreditmarkt fu¨hrt das Vorhandensein asymmetrischer Informa- tion zu den zwei Ph¨anomenen:

- Adverse Selektion7
- Moral Hazard8

Durch die unterschiedliche Verteilung der Risiken und Ertr¨age aus einem Investitionsprojekt zwischen den Investoren (Fremd- und Eigenkapital- geber) - Die Bank erh¨alt als maximale Auszahlung den Kreditbetrag und die Zinsen, tr¨agt aber ein Verlustrisiko in H¨ohe des gesamten ein- gesetzten Kapitals abzu¨glich der Sicherheiten. Der Kreditnehmer kann zwar ebenfalls sein (Eigen-)Kapital und die Sicherheiten verlieren, aber sein Ertrag unterliegt keinerlei Obergrenzen, da er den Residualbetrag aus Gewinn abzu¨glich Zinsen erh¨alt - wird durch einen Zinsanstieg eine Negativ-Auslese verursacht, dieser Effekt wird als adverse Selektion be- zeichnet9. Adverse Selektion ist ein Effekt, der ex ante zu beobachten ist, d.h. schon vor der Kreditvergabe relevant wird.

Moral Hazard bezeichnet die Gefahren, die in der Person des Kreditneh- mers selbst liegen. Die Investoren k¨onnen nicht direkt beobachten, wie der Kreditnehmer das Kapital verwendet, sie k¨onnen nur das jeweilige Er- gebnis beobachten. So k¨onnte der Investor die Kreditgeber in Hinblick auf das Risiko des geplanten Projektes t¨auschen, um so seine Ertragschan- cen zu steigern10. Das Moral Hazard Risiko liegt vor allem vor, wenn die Bank den Kreditnehmer nicht kennt, also z.B. bei Existenzgru¨ndern. Es wird erst ex post relevant, da es nach der Kreditvergabe entsteht.

Diese Marktunvollkommenheiten k¨onnen auf dem Kreditmarkt zu einer Rationierung der Kreditmenge fu¨hren, d.h. es stellt sich ein Marktzins- satz ein, bei dem die Nachfrage nach Krediten gr¨oßer ist als das Ange- bot. Deshalb bekommen einige Nachfrager keinen Kredit bzw. nicht ihren

vollen nachgefragten Kreditbetrag zugeteilt, obwohl sie bereit sind, einen h¨oheren Zins zu zahlen11.

Das folgende Modell erkl¨art das Ph¨anomen der Kreditrationierung auf- grund von asymmetrischer Information.

3 Das Modell von Stiglitz und Weiss

3.1 Modellbeschreibung

Es wird in diesem Modell von mehreren konkurrierenden Banken ausge- gangen, die sich einer Vielzahl von Firmen gegenu¨bersehen, welche alle jeweils den selben Kreditbetrag B nachfragen, um ein Investitionspro- jekt durchzufu¨hren12. Die Firmen kennen sowohl den erwarteten Ertrag R als auch das jeweilige Risiko θ (Standardabweichung) ihres spezifischen Projektes. Die Banken k¨onnen dagegen nur den Erwartungswert identi- fizieren, nicht jedoch das Risiko (Asymmetrische Information)13. Fu¨r die folgende Analyse gehen wir davon aus, daß alle Projekte den selben er- warteten Ertrag haben. Fu¨r zwei Projekte gilt dann:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Projekt 1 hat ein gr¨oßeres Risiko)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Der erwartete Ertrag der beiden Projekte ist identisch) Daraus folgt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wobei:

- [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] = Risiko des Projekts n
- [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] = Ertrag
- [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] = Verteilung der Ertr¨age des Projektes n
- [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] = Dichtefunktion der Ertr¨age des Projektes n

Der Kredit f¨allt aus, wenn der Ertrag des Projektes R und die hinter- legte Sicherheit C nicht ausreichen, um den Kreditbetrag und die Zinsen zuru¨ckzuzahlen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Auszahlung an den Kreditnehmer betr¨agt14:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Auszahlungsfunktion des Kreditnehmers in Abh¨angigkeit vom Ertrag des Projektes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Auszahlung an die Bank betr¨agt15:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Auszahlungsfunktion des Kreditgebers in Abh¨angigkeit vom Ertrag des Projektes.

Im folgenden gelten zus¨atzlich die vereinfachenden Annahmen:

- Jeder Kreditnehmer hat einen identischen Betrag an Eigenkapital zur Verfu¨gung.
- Kreditnehmer und -geber sind risikoneutral.
- Die der Bank fu¨r die Kreditvergabe zur Verfu¨gung stehenden Mittel sind unabh¨angig vom verlangten Kreditzinssatz.
- Die Projektkosten sind fix, d.h. wenn ein einzelner Kreditnehmer den Unterschiedbetrag zwischen seinem Eigenkapital und den Pro-

jektkosten nicht aufnehmen kann, wird er das Projekt nicht durchfu¨hren ( Die Projekte sind nicht teilbar).

- Der ben¨otigte Kreditbetrag ist bei allen Projekten identisch.

[...]


1Zum Capital-Asset-Pricing-Modell siehe z.B. Franke und Hax (1999), S.342-348 und Brealey und Myers (2000), S.195-203.

2Zum Time-State-Preference-Modell siehe z.B. Franke und Hax (1999), S.338-342.

3Siehe dazu Romer (1996), S.369.

4Zur asymmetrischen Information siehe Worms (1992), S.15ff, Groud und Pointier (2001), Janda (2000), S.297, Milde und Riley (1988), S.101, Rohde und Rehbock (2000), S.82, Romer (1996), S.369 und Hellmann und Stiglitz (2000), S.297.

5Siehe Hellmann und Stiglitz (2000), S.369.

6Siehe Romer (1996), S.369.

7Siehe Worms(1992), S.3 und S.6ff, Hellmann und Stiglitz (2000), S.297, Neff (1998), S.3ff Baltensperger (1989), S.101.

8Siehe Worms (1992), S.3 und S.13f, Neff (1998), S.7ff und Baltensperger (1989),

S.101.

9Siehe dazu z.B. Stiglitz und Weiss (1981), S.396 und Mason (1998), S.76.

10Siehe Worms (1992), S.13.

11Sander (1999), S.72 stellt ein trade-off-Modell auf, in dem der Kreditzinssatz als

Funktion der verschiedenen Rationierungsgru¨nde dargestellt wird.

12Das Modell ist der Quelle Stiglitz und Weiss (1981) entnommen. Es wird auch in Worms (1992), S.6-9 und Neff (1998), S.3ff beschrieben. Eine optionspreistheoretische Herleitung der Modellergebnisse liefert Mason (1998), er verwendet zur Modellierung

asymmetrische Information eine Optionspreisformel fu¨r stochastische Volatilit¨aten, die in Hull und White (1987) und Briys et al (1998), S.244ff erl¨autert wird.

13Dies ist mit der Situation vergleichbar, der sich eine Bank gegenu¨bersieht, wenn

ein Neukunde einen Kredit beantragt.

14Siehe Abbildung 1.

15Siehe Abbildung 2.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Unvollkommene Kapitalmärkte und Kreditrationierung
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für theoretische Volkswirtschaftslehre)
Veranstaltung
Geld- und Kredittheorie
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V1712
ISBN (eBook)
9783638110556
ISBN (Buch)
9783638637374
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stiglitz und Weiss-Modell zur kreditrationierung
Arbeit zitieren
Dennis Puschmann (Autor), 2001, Unvollkommene Kapitalmärkte und Kreditrationierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1712

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