Die Floskel als metakommunikativer Akt nach Hagemann


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

25 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Fakultät III Sprach- und Kulturwissenschaften Institut für Germanistik

Metakommunikation und Sprachbewusstheit. Sprachwissenschaftliche Lehrveranstaltung. Sommersemester 2003

Die Floskel als metakommunikativer Akt nach Hagemann Ausarbeitung zum Referat vom 23.06.2003

Teil III

Frank Kretschmann

8. Sem. LA Gym, Germanistik, Kunst

Inhaltsübersicht Teil III

1. Einführung ___________________________________________________________ 3

2. Floskeln reflexiven Sprachgebrauchs als metakommunikative Elemente __________ 5

2.1 Aspekte zur Metakommunikation ___________________________________________ 5

2.2 Metakommunikative Kompetenz und ihre Entwicklung _________________________ 6

2.3 Struktur und Aufbau sprachreflexiver Äußerungen ____________________________ 8

2.4 Funktionen von Sprache über Sprache ______________________________________ 11

3. Einzelanalysen zu den Diktumscharakterisierungen aus Gricescher Sicht ________ 13

3.1 Sprachreflexive Ausdrücke und ihre Korrelation mit den Qualitätsmaximen ______ 15

3.2 Alternative Korrelationen _________________________________________________ 17

4. Abschlussbetrachtung und Ausblick_______________________________________ 19

5. Literaturverzeichnis____________________________________________________ 21

6. Abbildungsverzeichnis: Schaubilder und Folien aus dem Seminar ______________ 22

2

1. Einführung

In der heutigen Zeit treten Inhalte und Ziele der Politik oft in den Hintergrund. Waswirklich zählt, den Wähler effektiv beeinflusst und schließlich zum Erfolg führt, ist,überspitzt formuliert, fast ausschließlich die positive Darstellung einer Politik.1

Was den Politiker vom Staatsmann unterscheidet? Nun, den Staatsmann interessiert die Zukunft seines Landes, den Politiker interessieren, ganz offen gesagt, nur die nächsten Wahlen2

Diese beiden Äußerungen sind in dieser oder ähnlicher Form häufig in der Tagespresse oder im Rundfunk zu vernehmen. Mögen sie sich zwar inhaltlich unterscheiden, so sind sie beide durch einen ganz eigenen Typus der Sprachverwendung gekennzeichnet. Im Fokus der Untersuchung liegen hier besonders die beiden Ausdrückeüberspitzt formuliertund offen gesagt, die im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Floskeln gelten. Ganz konkret könnte man diese Ausdrücke weglassen, ohne damit eine wesentliche inhaltliche Veränderung an der Äußerung des Sprechers3vorgenommen zu haben. Doch würden die beiden Aussagen vom Hörer dann auch gleich verstanden werden? Floskeln und Floskelhaftigkeit sind im landläufigen Sinne als Form der Sprachverwendung gekennzeichnet, über deren Sinn und Inhalt die Gesprächsteilnehmer in der Regel nicht nachdenken. Oft werden sie als stereotype Redewendung realisiert.

Von seiner eigentlichen Definition bezeichnet der Begriff Floskel jene Ausdrücke, die den Informationsgehalt einer Aussage entweder kaum oder nicht erhöhen oder aber redundante Informationen geben. Jedoch nehmen sie vielfach Einfluss darauf, wie eine Äußerung beim Adressaten ankommt. In diesem Zusammenhang nehmen besonders die Höflichkeitsfloskeln eine wichtige Stellung ein.

Um sich der Fragestellung zu nähern, welche Position Floskeln im Forschungsbereich der Metakommunikation einnehmen, gilt es zunächst den Begriff selbst differenzierter zu betrachten.

In dieser Ausarbeitung soll die Begrifflichkeit der Floskel enger definiert sein. Von

Interesse sind hierbei jene sprachlichen Ausdrücke, in denen der Sprecher Bezug nimmt auf das von ihm selbst Gesagte und damit das Gesagte explizit kennzeichnet. Dies ist bei weitem nicht im Gebrauch jeder beliebigen landläufigen Floskel der Fall4, demnach besitzt nur ein ganz bestimmter Teil floskelhafter Äußerungen auch metakommunikativen Charakter.

Jörg Hagemann versucht in seiner Arbeit5das sprachliche Phänomen der Floskeln einer wissenschaftlichen Untersuchung zugänglich zu machen. Im Zuge seiner begrifflichen Eingrenzung prägt er für in metasprachlicher Hinsicht relevante Floskeln den Ausdruck Diktumscharakterisierung.

Hagemann systematisiert verschiedene diktumscharakterisierende Ausdrücke und verortet sie je nach ihrer Realisierung entsprechend der Griceschen Konversationsmaximen. Die Tatsache, dass diktumscharakterisierende Ausdrücke oder Floskeln, obwohl schrift- und umgangssprachlich stark verbreitet, bisher einen eher randständigen Teilbereich in der metakommunikativen Forschung darstellen, führt zu der Frage, inwieweit die Schlussfolgerungen Hagemanns über die engen Grenzen seiner Untersuchung hinaus Geltung haben.

Der erste Teil dieser Ausarbeitung, welche sich in den Grundzügen an der Hagemannschen Darstellung orientiert, illustriert zunächst grundsätzliche Fragestellungen zum Problembereich der Metakommunikation, ihren Strukturen und Funktionen sowie ihrer Ausbildung und Entwicklung vom Kleinkindalter an. Im zweiten Teil des Aufsatzes werden exemplarisch konkrete Situationen betrachtet, in denen diktumscharakterisierende Ausdrücke zum Einsatz gelangen. Entsprechend den Untersuchungen Hagemanns erfolgt skizzenartig eine Zuordnung zu den Griceschen Konversationsmaximen.

Der Aufsatz, welcher den zweiten Teil des Ausarbeitungskomplexes bildet, schließt inhaltlich nahtlos an die Ausführungen der drei weiteren Referenten zum Themenkomplex der Diktumscharakterisierung an. Diese widmen sich im Einzelnen jeweils detailliert dem kommunikativen Handeln, dem Aufbau und der Struktur von diktumscharakterisierenden Ausdrücken sowie dem Zusammenhang zwischen Diktumscharakterisierungen und Konversationsmaximen nach H. Paul Grice.

2. Floskeln reflexiven Sprachgebrauchs als metakommunikative Elemente

2.1 Aspekte zur Metakommunikation

Bevor die Floskeln reflexiven Sprachgebrauchs als spezielle Form sprachreflexiven Handelns betrachtet werden, ist es hilfreich sich vorweg über grundsätzliche Aspekte von Metakommunikation im Klaren zu werden. Bezogen auf Heidegger6referiert Hagemann, dass es die Sprache selbst ist, die es Menschen überhaupt ermöglicht, eine beliebige Äußerung außerhalb von sich selbst zu stellen und sie als innerweltlich begegnenden Gegenstand auf ihre Angemessenheit hin zu beurteilen. Dementsprechend existieren Formen von Sprachverwendung, innerhalb derer die Sprache als Realitätsbereich ausdrücklich zum Thema gemacht wird.7

Nach Habermas8ist jedes kommunikative Handeln gleichzeitig verständigungsorientiertes Handeln. Ein Hörer soll getätigte Äußerungen verstehen, was in der Folge zu einem

9

Einverständnis zwischen Sender und Empfänger

führt. Nach Habermas

Universalitätsthese werden mit jedem Sprechakt vier universale Geltungsansprüche erhoben. Diese können selbst Gesprächsinhalt sein. Im kognitiven Sprachgebrauch wird der Wahrheitsanspruch durch Bezugnahme auf die objektive Welt, im expressiven Sprachgebrauch der Anspruch der Wahrhaftigkeit durch Bezugnahme auf die subjektive Welt und im interaktiven Sprachgebrauch der Richtigkeitsanspruch durch Bezugnahme auf die soziale Welt thematisiert.

Hagemann kritisiert nun, dass Habermas nicht explizit den Verständlichkeitsanspruch und einen entsprechenden Sprachgebrauch erhebt. Nach seiner Auffassung müsse der Geltungsanspruch der Verständlichkeit als ein explizit im metakommunikativen Sprachgebrauch thematisierter benannt werden, da sich durch die Bezugnahme auf Sprache im metakommunikativen Sprachgebrauch die Sprache als ein eigener Realitätsbereich auszeichnet.10Schließlich nehmen entsprechend dieser These Sprecher ständig auf Sprache Bezug, da sie z.B. Silben und Wörter verwenden, welche bereits feste Bedeutungen tragen

oder auch grammatische Regeln befolgen, die Bestandteil einer bestimmten Sprache sind,

und sich nicht erst durch ihren jeweiligen Gebrauch konstatieren.11

Auf Sprache wird ebenfalls Bezug genommen, wenn ein Sprecher Gebrauch macht von einer sprachlich zum Ausdruck gebrachten Handlung, die mit der Äußerung zugleich vollzogen werden kann, einer so genannten performativen Formel: z. B. „Hiermit verspreche ich Dir, das Rauchen aufzugeben.12Austin bemerkt hierzu, dass jede nicht - explizite illokutionäre Rolle einer Äußerung permanent explizit gemacht werden kann13, wofür ein spezieller Sprachgebrauch erforderlich ist. Die kommunikativen Intentionen der eigenen Sprechakte lassen sich so metakommunikativ durch die Verwendung performativer Verben deutlich machen.

Diktumscharakterisierende Ausdrücke als weitere Form metakommunikativen Sprachgebrauchs gelten nach Hagemann als besonders eindringliche Beispiele für Manifestationen des reflexiven Sprachgebrauchs in Form von herausgestellter Bezugnahme durch Sprache auf Sprache.14

2.2 Metakommunikative Kompetenz und ihre Entwicklung

Nahezu jede Person macht im Laufe ihrer Entwicklung, insbesondere während der Phase des kindlichen Spracherwerbs, die Erfahrung, dass Sprache nicht allein Mittel der Kommunikation sein kann, sondern auch deren Thema bzw. Inhalt. Die sprachliche Kompetenz, über Kommunikation zu kommunizieren, entsteht nach den Untersuchungen von Wygotski, Bühler, Andresen u.a. erst allmählich und hängt eng mit der Bewusstseinswerdung von Kindern und Kleinkindern zusammen. Nach Wygotski15besteht das Bewusstsein aus diversen Funktionen, wie Gedächtnis, Denken, Sprache, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, die je nach Altersstufe unterschiedlich dominant ausgeprägt sind. Gegen Ende des Kleinkindalters löst sich die sensomotorische Einheit von Wahrnehmung, Handlung und Affekt allmählich auf. Die Sprache spielt in diesem Prozess, welcher sich bis ins Vorschulalter fortsetzt, eine wesentliche Rolle.

Wygotski geht von drei Teilbereichen in der Umstrukturierung der Bewusstseinsfähigkeit aus. Die Stufe des allgemeinen Vorstellens und Denkens ist dann erreicht, wenn das Kind

sich unabhängig von einer konkreten Wahrnehmungssituation sprachlich äußert. Damit

geht gleichzeitig eine Veränderung des Charakters, der Interessen und Bedürfnisse des Kindes einher, welche sich dahingehend ausprägt, dass einer spezifischen kommunikativen Situation und damit einer Gesamtheit von Handlungsmotiven, Handlungen und Personen ein Sinn gegeben wird, welcher determiniert ist von affektiven kindlichen Interessen. Dies ebnet schließlich den Weg zu schöpferischen Tätigkeiten, wie etwa der Fähigkeit reale kommunikative Situationen umzudeuten und kognitiv über diese hinaus zu gehen.16

Trotz dieser Erkenntnisse existieren gegenwärtig nur wenige verlässliche Anhaltspunkte, in welchem Alter sich das reflexive Sprachverständnis genau herausbildet. Die Untersuchungen zur Spracherwerbsforschung kommen vorerst zu dem Schluss, dass ab dem Alter von ca. fünf Jahren Sprache zum Gegenstand der Betrachtung erhoben wird. Nach List besteht die Möglichkeit, bei Kindern im Alter von sechs Jahren erste metakommunikative Äußerungen zu provozieren, sofern diesen dabei klar ist, dass eine unmittelbare Notwendigkeit dafür besteht.17

Die Bedeutung des Spiels für die Herausbildung metasprachlicher und metakommunikativer Entwicklung hat u.a. Andresen18analysiert. Besonderes Augenmerk richtet sie dabei auf das kindliche Fiktionsspiel. Darin werden eingebildete, illusorische realisierbare und nicht realisierbare Wünsche manifestiert. Obwohl dem Kind die Motive seiner Spieltätigkeit noch nicht bewusst sind, ist die Kreation einer fiktiven Situation bereits möglich durch die Trennung von optischem und semantischem Feld19 . Kontextualisiertes und dekontextualisiertes Verhalten wechseln einander ab. Kinder sprechen dabei erstmals nicht nur aus ihren Rollen heraus, ergo Kommunikation, sondern auch über eingeführte oder vorhandene Rollen, Konventionen bzw. Motive, was den ersten sprachreflexiven Gehversuchen entspricht. Während des Fiktionsspiels erfolgt ein rascher, zum Teil übergangsloser Wechsel zwischen rollen- und metasprachlicher Handlung.

Andresen unterscheidet mithin zwischen expliziter und impliziter Metakommunikation. Die explizite Sprachreflexion tritt in der Regel als externes handlungssteuerndes Element zutage, z.B. zur Klärung auf welche Art und Weise ein Spiel fortgesetzt wird. Implizite Metakommunikation erfolgt handlungssteuernd durch Entwicklung der weiteren

Spielhandlung im Rahmen der Rolle. Metakommunikation dient im Fiktionsspiel vor allem

als Mittel zur gezielten Handlungssteuerung.20

Ab dem Alter von etwa sieben Jahren erfolgt sukzessive eine Automatisierung der metasprachlichen Kompetenz. Die Handlungsfähigkeit besteht darin, dass ein Zustand bewusster Aufmerksamkeit auf die Sprache selbst herstellbar ist. Zu den Bedingungen, unter denen sich das reflexive Sprachverständnis herausbildet, zählt nach Wiegand21die unmittelbare Erfahrung, dass die zwischenmenschlichen Kommunikationsbeziehungen von Konflikten der verschiedensten Arten begleitet werden. Kinder sind infolge dessen schon frühzeitig gezwungen, Handlungsstrategien und sprachliche Fähigkeiten auszubilden, mit deren Hilfe sich solche Schwierigkeiten bewältigen lassen.

Kutsch beschreibt hierzu:

() von Anfang an reflektieren die Bezugspersonen die Sprachproduktion dessprachlernenden Kindes,überwachen, kontrollieren und verbessern - wenn auch nichtpermanent - sowohl explizit als auch implizit dessenÄußerungen. Das Kind erwirbt alsogleichzeitig mit seiner Sprache- sozusagen interaktiv- erstens das Wissen um dieNotwendigkeit der Kontrolle des eigenen Sprachverhaltens, und zweitens, - im Verlaufedes Erwerbs - die Fähigkeit zur Sprachreflexion.22

Die Ausbildung und Entwicklung sprachreflexiver Fähigkeiten ist demzufolge nicht nur als einzelne Komponente des Spracherwerbs zu betrachten, sondern auch als wesentlicher Bestandteil des späteren Kommunikationsvermögens.23

2.3 Struktur und Aufbau sprachreflexiver Äußerungen

Innerhalb des metakommunikativen Sprachgebrauchs unterscheidet man in der Regel zwischen wissenschaftlicher und alltagssprachlicher Metakommunikation. Diese Unterscheidung ist auch deshalb von Bedeutung, da sich Inhalt und Zielsetzung der Sprachreflexion in beiden Bereichen erheblich voneinander unterscheiden. Die wissenschaftliche Metakommunikation umfasst hauptsächlich linguistische Untersuchungen, in denen mittels einer Metasprache Phänomene der natürlichen Sprache, der Objektsprache, beschrieben und systematisiert werden.24 Die Neuerschließung und

Bewusstmachung metasprachlicher Funktionen und Grundlagen sind dabei ebenso von

Interesse, wie die Reflexion über Sprachgebrauch und Sprachbewusstheit.

Die alltagssprachliche Metakommunikation konzentriert sich auf die für die betreffende Kommunikationssituation relevanten Gegebenheiten. Im Fokus der Betrachtung liegen hier z.B. Lautstärke, Sprechtempo sowie inhaltliche und intentionale Aspekte der vom Sprecher bzw. der Sprecherin gemachten Äußerung.25 Mithin sind die Geltungsweisen einer Aussage oder aber eigene bzw. dem Kommunikationspartner unterstellte Präsuppositionen von Bedeutung. Dementsprechend erweist sich der Gegenstandsbereich der Metakommunikation sowie auch die Abgrenzung von wissenschaftlicher und alltagssprachlicher Reflexion über Sprache als Gebiet mit verhältnismäßig unklaren Grenzen.26

Hagemann referiert zur Problematik der Grenzziehung, insbesondere betreffend alltagssprachlicher Metakommunikation, diverse Klärungsansätze. Er zitiert den Vorschlag Boettchers, nach dem Metakommunikation die Thematisierung der vorausgegangenen oder erwarteten Kommunikation durch die an dieser Kommunikation beteiligten Personen mit dem Ziel der Wiederherstellung oder der prophylaktischen Aufrechterhaltung der

27

Übereinstimmung zwischen ihnen darstellt. Unter der Begrifflichkeit der Übereinstimmung ist hier jedoch nicht, wie zu vermuten, inhaltlich gleichlautende Überzeugung zu verstehen, sondern vielmehr die wechselseitige Kenntnis der unterschiedlichen vorhandenen Auffassungen.28

Schließlich werfen diese Ausführungen weitere Fragen auf:

1. Wer zählt zu den an einerKommunikationbeteiligten Personen?

2. Wie lässt sich die EinheitKommunikationabgrenzen?

3. In welche Segmente lässt sich die EinheitKommunikationsinnvoll29zerlegen?

Meyer - Hermann verweist mithin auf das Problem, inwieweit das Kommunizieren über wiedergegebene Kommunikation, z.B. durch Rundfunk und Fernsehen, zur Metakommunikation gehört. Gleichzeitig schlägt er vor, dass von wirklicher Metakommunikation nur dann gesprochen werden soll, wenn diejenige Person, über deren

Äußerung gesprochen wird, selbst insoweit anwesend ist30, um sowohl auf die Art und

Weise, wie ihre Kommunikation wiedergegeben wird, als auch auf die Kommunikation über die Kommunikation eigenständig verbal kommunikativ reagieren zu können.31 Hagemann subsumiert Fälle, in denen dies nicht der Fall ist, unter eine Kategorie, die er mit dem Terminusextrakommunikativbezeichnet. Gleichzeitig schließt dies den Bereich der wissenschaftlichen Metakommunikation teilweise aus, ebenso auch einige Fälle der Redewiedergabe aus der alltäglichen Sprachreflexion.

Meyer - Hermann beleuchtet schließlich den Problemkreis betreffend Frage zwei, indem er das Konzept einer kommunikativen Interaktionseinheit einführt: Demnach gehören zu einer kommunikativen Interaktionseinheit sämtliche zwischen der Konstitution und der Auflösung einer bestimmten Personengruppe liegenden verbalen Kommunikationsakte.32 Woran der Beginn oder das Ende einer solchen Einheit festzumachen ist, bleibt vorerst strittig.

Um sich der Klärung der dritten Frage anzunehmen, aus welchen Bestandteilen sich eine Kommunikationseinheit zusammensetzt, führt Hagemann aus, dass Termini wie Redebeitrag, SprechaktoderInteraktionssequenzzur sprachwissenschaftlichen Deskription nicht ausreichen. Interjektionen, Bestätigungssignale oder Abgebrochenes lassen sich darunter nicht subsumieren. Andererseits sind solche Teileinheiten groß genug, um das Phänomen diktumscharakterisierender Ausdrücke angemessen darstellen zu können.33

Unter Verweis auf die Ansätze von Tiitula und Rolf34synthetisiert Hagemann schließlich aus seiner Sicht geeignete Vorschläge und legt sich infolge seiner weiteren Untersuchung auf die folgenden Kerngedanken fest:35

1. „Eine Kommunikationseinheit zerfällt (…) in die Gesprächsbeiträge der einzelnen

Teilnehmer“

2. „Ein Gesprächsbeitrag zerfällt in die einzelnen Redebeiträge des jeweiligen

Sprechers“

3. „Ein Redebeitrag zerfällt in einzelne Äußerungen, wobei eine Äußerung (…) nicht

an Satzgrenzen gebunden ist“

1nach Prof. P. Kirchhoff, Verfassungsrichter a. D.

2s.o.

3die BezeichnungSprechererfolgt eingedenk der Tatsache, dass Sprachen naturgemäß von männlichen und weiblichen Personen aktiv verwendet werden. Zur Übersichtlichkeit des Textbildes werden in diesem Aufsatz entweder nur die männliche, nur die weibliche oder beide Formen nacheinander verwendet. Die gewählte Form enthält somit keine Aussage über geschlechtsdifferenzierte Sprachverwendung. Andernfalls wird an entsprechender Stelle gesondert darauf hingewiesen.

3

4zu denken ist hier insbesondere an Floskeln, welche in Form von Füllwörtern realisiert werden, wie z.B.Alles klar?oder macht nichts!.

5vgl. Hagemann, Jörg. Reflexiver Sprachgebrauch. Diktumscharakterisierung aus Gricescher Sicht.

4

6vgl. Heidegger 1986, S.161, zit. in Hagemann, J. S. 21

7siehe Hagemann, J. S. 21

8Habermas, J. Theorie des kommunikativen Handelns.

9Begrifflichkeit nach d. Kommunikationstheorie nach Watzlawick, P. u. Schulz v. Thun, F.

10vgl. Hagemann, J. S. 22

5

11vgl. Hagemann, J. ebd.

12Beispiel nach Hagemann S. 122

13nach Austin 1972, S. 86f, zit. i. Hagemann, J. S. 22

14vgl. Rolf 1994 S. 170, zit. in Hagemann, J. S.23

15vgl. Wygotski, L. Denken und Sprechen. / Theorie der menschlichen Bewusstseinsfunktionen. Das Spiel und seine Rolle für die psychische Entwicklung des Kindes 1974 u. 1981

6

16s. o.

17entsprechend List 1992 S. 17, zit. i. Hagemann, J.

18Andresen, H. Interaktion Sprache und Spiel. Zur Funktion des Rollenspiels für die Sprachentwicklung im Vorschulalter. 2002

19Beispiel: Im Spiel dient das Kinderbügeleisen als Telefonhörer.

7

20vgl. Andresen, H. Interaktion Sprache und Spiel. S. 107

21nach Wiegand 1979 S. 225 zit. i. Hagemann, J. S. 24

22aus Kutsch 1989 S. 144 zit. ebd.

23Siehe hierzu auch die Abb. I.

24vgl. Hagemann, J. S. 25

8

25siehe a. Abb. II.

26vgl. Hagemann, J. S. 25

27nach Boettcher 1975, S. 392, zit. i. Hagemann, J. S. 25

28nach Boettcher 1975, S. 395, zit. ebd.

29Sinnvoll in der Lesart vonangemessenfür eine linguistische Untersuchung, z.B. in Form von Unterteilung der Einheit in Wörter.

9

30 im Sinne wissenschaftlicher Fokussierung als auch der Einfachheit halber sollen solch komplexe Situationen, wie sie im 21. Jahrhundert durch moderne Informations- und Kommunikationstechnik, z.B. in den Medien, entstehen können, ausgeblendet werden.

31vgl. Meyer - Hermann 1978, S.124, zit. i. Hagemann, J. S. 26

32s. o.

33siehe Hagemann, J. S. 27

34Tiitula 1993 u. Rolf 1993, zit. i. Hagemann, J. S. 27

35aus Hagemann, J. S. 28

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Floskel als metakommunikativer Akt nach Hagemann
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Germanistik)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V17124
ISBN (eBook)
9783638217712
Dateigröße
691 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Floskel, Hagemann
Arbeit zitieren
Frank Kretschmann (Autor), 2003, Die Floskel als metakommunikativer Akt nach Hagemann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17124

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