Analyse der Kurzgeschichte "Schönes goldenes Haar" von Gabriele Wohmann mit anschließendem Vergleich zu einem Ausschnitt aus Fontanes "Irrungen, Wirrungen"


Referat / Aufsatz (Schule), 2008
8 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Aufgaben:

1. Analysieren Sie die Kurzgeschichte „Schönes goldenes Haar“ von Gabri- ele Wohmann. Berücksichtigen Sie dabei besonders die Funktionen der Erzählform in Bezug auf die Darstellung der handelnden Figuren.

2. Vergleichen Sie die Kurzgeschichte mit dem Textausschnitt aus Theodor Fontanes „Irrungen, Wirrungen“ und weisen Sie zeittypische Unterschiede nach.

Quellen:

Wohmann, Gabriele. (1968). L ä ndliches Fest und andere Erz ä hlungen. Neuwied: Luchterhand Verlag

Fontane, Theodor. (2006). Irrungen, Wirrungen. Leipzig: Klett Schulbuchverlag. Erstausgabe 1888

1)

In der Kurzgeschichte „Schönes goldenes Haar“ von Gabriele Wohmann, aus ihrer Kurzgeschichtensammlung „Ländliches Fest und andere Erzählungen“, er- schienen im Luchterhand Verlag, 1968, geht die Autorin auf das abendliche Zu- sammenleben eines alten Ehepaares ein und wie die Beiden das Miteinander er- leben, während ihre Tochter in ihrem Zimmer mit einem jungen Mann zusammen ist.

Es wird die mangelnde Abwechslung, Gleichgültigkeit und Unverständnis für das Gegenüber verdeutlicht, was den Abend des Paares bestimmt. Hieraus erwächst der Wunsch der Mutter das Zusammenleben mit ihrem Mann ähnlich dem Leben der Tochter wieder lebendiger zu gestalten.

Der Titel der Geschichte erwähnt „Schönes goldenes Haar“. Dieses wird auch in Form der Gedanken der Mutter an die Tochter erwähnt. Jedoch wird auf den ersten Blick beim Leser eher ein anderer Gedanke geweckt. Der Leser denkt, wenn er zunächst nur den Titel liest, eher an eine Geschichte, die direkt von einer hübschen jungen Frau mit goldenen Haaren handelt und in der sie auch eine Hauptrolle übernimmt. In der vorliegenden Geschichte jedoch übernimmt die hüb- sche Tochter nur eine Nebenrolle und taucht selbst gar nicht direkt in der Ge- schichte auf. Vielmehr wird der Fokus auf die Gedanken der Mutter gelenkt, die die schönen Haare der Tochter auf ihre eigene Situation bezieht, da sie selbst au- genscheinlich, oder zumindest in ihrer Vorstellung, ihre weiblichen Reize, ihrem eigenen Mann gegenüber, verloren hat.

Der Text ist abwechselnd gegliedert in Abschnitte von direkter Rede, welche jeweils nur aus einer oder zwei Parataxen bestehen und längeren Abschnitten von erlebter Rede aus der Innensicht der Personen. Hierbei ist auffällig, dass der Vater nur einmal sehr kurz angebunden spricht. Durch erlebte Rede in der Innensicht, werden seine Gedanken über seine Frau vermittelt.

Der Großteil der Geschichte dreht sich um das Innenleben der Frau, vermutlich einfach aus dem Grunde, da die Haltung des Mannes offensichtlicher (nämlich ablehnend) scheint.

Der Anfang der Geschichte ist mitten im Verlauf des Abends der beiden Eltern angesetzt. Sie beginnt mit einer Äußerung des Unverständnisses der Frau gegen- über ihrem Ehemann: „ Ich versteh dich nicht “ sagte sie, „ so was von Gleichg ü l- tigkeit versteh ich einfach nicht. Als w ä r ’ s nicht deine Tochter, dein Fleisch und Blut da oben. “ (Z. 1f.)

Hierdurch ist die Einleitung in den bereits erwähnten Wechsel zwischen direkter Rede der Personen und deren inneren Gedankengängen, wie für eine Kurzgeschichte typisch, abrupt vollzogen. Der Leser wird direkt in die Gedankengänge der Frau hinein „katapultiert“ und beginnt im Folgenden sehr schnell mit der Frau zu sympathisieren, da sie offensichtlich die Person ist, die unter dem schlechten Verhältnis wesentlich mehr zu leiden hat.

Das Ende der Geschichte wird durch einen weiteren Gedankengang der Mutter gekennzeichnet, der verdeutlicht, dass die Mutter nichts im Gespräch mit ihrem Mann erreicht hat und sie sich nach wie vor nur an das noch verbliebene Gemein- same mit ihrem Mann klammern kann, nämlich die gemeinsame Tochter. (Z. 43, Mitte) Das Ende ist somit, für eine Kurzgeschichte typisch, offen gehalten. Es wird nicht deutlich, ob die Tochter irgendwann mit ihrem Freund auszieht und die Mutter dadurch das letzte gefühlsmäßige Bindeglied zu ihrem Mann verliert, oder ob sich das Verhältnis der Eltern zueinander doch noch auf irgendeine Weise wieder verbessert. Der Leser muss seine eigenen Vermutungen anstellen.

Die Geschichte spielt im Wohnzimmer der Eltern, in dem diese beiden ihren abendlichen Beschäftigungen nachgehen. Die Mutter stopft Socken und der Vater ließt Zeitung. Dies erweckt eine beruhigende „Feierabendatmosphäre“ und einen Hauch von Bequemlichkeit, nicht zuletzt, da die Geschichte abends spielt (Z. 32) und der Mann, nach vermutlich anstrengendem Tagwerk, das ihm von der Frau zubereitete Abendessen verdaut. (Z. 26)

Es entsteht jedoch eine Veränderung. Als die Stimmung, auch für den Mann zunehmend bedrückend wird, schaltet er das Radio ein.

Am Rande wird auch das Zimmer der Tochter genannt, welches aufgrund der Tatsache, dass der Freund anwesend ist, nun vom Leser als ein Platz der Liebe, des Glückes und der Zuneigung im direkten Kontrast zu der Szenerie im Wohnzimmer der vermutlich kleinbürgerlichen Eltern gesehen werden kann.

Die im Text genannten Eltern wurden von der Autorin nicht mit Namen bedacht. Die anderen beiden Personen jedoch, welche nur indirekt in der Geschichte vorkommen, werden mit Namen genannt. Die Tochter heißt Laurela und der „höfliche junge Mann“ ist Herr Fetter.

Die Tatsache, dass nur die jungen Personen, die gerade ein glückliches Leben miteinander führen, als Individuen dargestellt werden, soll dem Leser verstärkt deutlich machen, dass die Elternfiguren eher exemplarisch für die zunehmend in Bedeutungslosigkeit verlaufenden Ehen von Menschen mit vergleichbaren Problemen stehen. Daher werden sie als zu „uninteressant“ angesehen um ebenfalls eine individuellere Persönlichkeit zu erhalten, da ja in ihrem Leben nichts Aufregendes oder Interessantes mehr passiert.

Die Versuche der Mutter ihren Mann auf ihre eigene glückliche Jugend hinzuweisen, (Z. 7f.) werden von diesem als unwichtiges Gerede abgetan, das ihn beim Lesen der Zeitung stört. (Z. 27)

In den, wie bereits erwähnt, wechselnden Abschnitten von direkter Rede und erlebter Rede bzw. Gedankengängen, wird das bestehende schlechte Verhältnis der Eltern zueinander sofort deutlich. In Form erlebter Rede werden die Gedanken der Frau aus der Innensicht wiedergegeben, dass vom Mann nur „fette Krallen“ und kein Gesicht vorhanden seien, (Z. 5f.) wenn er hinter seiner Zeitung sitzt. Auch würde sie sich gerne an die glücklichen Momente mit ihrem Mann er- innern und ihn darauf ansprechen (Z. 16f.), tatsächlich jedoch erwähnt sie nur ihr Unverständnis ihm gegenüber und reizt ihn dadurch ungewollt noch mehr. Sie er- reicht also mit dem direkt Ausgesprochenen das genaue Gegenteil von dem, was sie ursprünglich erreichen will. Die Situation wird zunehmend verfahrener. Der Mann bringt dies auch direkt zur Sprache, indem er sagt, dass die Frau „sich an- stelle“ (Z. 20) Kurz darauf wird über die erlebte Rede in seiner Innensicht deutlich, dass der Vater die Mutter für ein „ewig gackerndes Huhn“ hält (Z. 27) In diesem Bereich des Textes, als ein einziges Mal die Gedanken des Mannes in erlebter Rede wiedergegeben werden, liegt der Wendepunkt der Geschichte. Es wird deutlich, dass die Frau mit ihren Bemühungen, das Verhältnis positiver zu gestalten, gescheitert ist und stattdessen durch ihr „Nörgeln“ beim Mann das Ge- genteil, nämlich eine noch gesteigerte Ablehnung hervorgerufen hat. Um die Ansichten der Personen zueinander hervorzuheben greift die Autorin vor Allem auf negativ konnotierte Nomen und Vergleiche zurück. So werden beispielsweise die Finger des Mannes als „fette Krallen“ dargestellt, die sich ins Papier „krampfen“, (Z. 5) die Mutter sieht sich als „Opferlamm“ (Z. 13) und der Vater hält die Mutter für ein „ewig gackerndes Huhn“. (Z. 27)

2)

Der zweite Text ist ein Auszug aus dem Roman „Irrungen und Wirrungen“, der ein Werk des Realismus des Autors Theodor Fontane aus dem Jahre 1888 ist und aktuell im Klett-Schulbuchverlag zu Leipzig verlegt wird.

Der Auszug enthält ein Gespräch zwischen zwei der im Roman handelnden Fi- guren, nämlich Frau Dörr und Frau Nimptsch, über die adoptierte Tochter der Frau Nimptsch, Lene, und deren Geliebten Botho und gibt Einblicke in die Ver- gangenheit Frau Dörrs und ihrer Beziehung zu „ihrem“ damaligen „Grafen“.

Die beiden Texte weisen sowohl Differenzen, als auch einige Gemeinsamkeiten bzw. Parallelen auf. Zunächst ist zu erwähnen, dass sowohl in „Schönes goldenes Haar“ als auch im Auszug aus „Irrungen und Wirrungen“ zwei Generationen miteinander ver- glichen werden. In der Kurzgeschichte sind es die Eltern und deren Situation im Vergleic]h zur Tochter und deren Freund und bei Irrungen und Wirrungen sind es Frau Nimptsch und vor Allem Frau Dörr und „ihr Graf“, verglichen mit Botho und Lene.

Desweiteren handeln beide Texte von den zwischenmenschlichen Gefühlen der Personen zueinander. Die Unterschiede der Texte werden deutlich, wenn man die Art betrachtet, mit der die Protagonisten der beiden verschiedenen Geschichten mit den Problemen umgehen und man sie im Kontext zur Entstehungszeit der Geschichten sieht. Die Kurzgeschichte von Gabriele Wohmann ist ein Werk der modernen Literatur aus dem Jahre 1968. Theodor Fontane jedoch schrieb seinen Roman „Irrungen und Wirrungen“ als Werk des Realismus bereits 1888.

Historisch betrachtet gibt es zu der Zeit, in der die Kurzgeschichte spielt, keine Klassenunterschiede und Ständeschranken mehr, wie sie etwa Fontane ins Spiel bringt.

Nichtsdestotrotz spielt die Kurzgeschichte aber zu einer Zeit, in der die Frauen den Männern weitestgehend nicht gleich gestellt waren. Dies trifft ebenso auf die Handlung in „Irrungen und Wirrungen“ zu.

Frau Dörr beschreibt z.B. ihr „Zusammensein“ mit „dem Grafen“ als Mätresse, was im Grunde nur eine Zweckbeziehung war, in der der Graf den Nutzen seiner Befriedigung und Frau Dörr den Nutzen materieller Absicherung genoss, sie sich

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Details

Titel
Analyse der Kurzgeschichte "Schönes goldenes Haar" von Gabriele Wohmann mit anschließendem Vergleich zu einem Ausschnitt aus Fontanes "Irrungen, Wirrungen"
Hochschule
Hanse-Kolleg, Lippstadt
Veranstaltung
Leistungskurs Deutsch
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
8
Katalognummer
V171252
ISBN (eBook)
9783640904822
ISBN (Buch)
9783656669944
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Leistungskursklausur Deutsch am Abendgymnasium
Schlagworte
Gabriele Wohmann, Wohmann, Theodor Fontane, Fontane, Realismus, Kurzgeschichte, schönes goldenes Haar, Irrungen und Wirrungen, von Rüden, literarischer Vergleich, Kurzgeschichtenanalyse, Analyse, realism, short story, analysis
Arbeit zitieren
Christian Johannes von Rüden (Autor), 2008, Analyse der Kurzgeschichte "Schönes goldenes Haar" von Gabriele Wohmann mit anschließendem Vergleich zu einem Ausschnitt aus Fontanes "Irrungen, Wirrungen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171252

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