Am Anfang unserer Arbeiten zur Seminarfacharbeit hatten wir zahlreiche Ideen für Themen. Nach mehrfachen Überlegungen und Anraten unseres Seminarfachlehrers wollten wir ein Thema wählen, dass sich dem Rationalen entzieht. Deshalb änderten wir unser ursprüngliches Thema und wählten „Voodoo – Schwarze Magie oder Hokuspokus?“.
Voodoo ist eine polytheistische Religion, die heute größtenteils in Haiti praktiziert und vom Staat auch anerkannt wird. Sie dient dem praktischen Gebrauch der Menschen und befasst sich hauptsächlich mit den Belangen der Erde und weniger mit denen des Himmels. Die Voodooreligion besitzt keine festgelegten Schriften, diese Tatsache begründet sich durch den Analphabetismus der verschifften Sklaven, die die Religion nach Haiti brachten.
Entgegen zahlreicher Meinungen, dass Voodoo ein schädigender Kult sei, ist es unser Anliegen den Voodoo authentisch zu beschreiben, so dass sich die Leser ein objektives Bild über die Reli-gion machen können.
Der Rahmen unserer Arbeit begrenzt sich, mit Ausnahme unseres Interviews mit Wolfgang Loh, auf den Voodoo in Haiti. Wir beschränken uns in unseren Ausführungen auf Haiti, weil dorthin der Voodoo primär exiliert wurde und zur Blüte gelangte.
Aufgrund unseres Wissens, dass die Voodooisten auch katholische Elemente mit ihrer Religion vereinen, stellte sich uns die Frage, ob der Katholizismus zur Tarnung der Voodooreligion dient. Von ebenso großer Bedeutung erschien uns die Klärung der hauptsächlich verehrten Götter und praktizierten Rituale.
Wir hoffen, dass wir mit unserem Anliegen das erwünschte Ziel erreichen und die Leser aufklä-ren.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1 Einleitung
2 Die Entwicklungsgeschichte des Voodoo in Haiti
2.1 Zwischen den Kontinenten
2.1.1 Der europäische Sklavenhandel
2.1.2 Unterdrückung im amerikanischen Exil
2.1.3 Katholizismus – Maske des Voodoo?
2.2 Revolte der Sklaven auf Haiti
2.2.1 Verlauf der Revolte in Haiti
2.2.2 Auswirkungen der Freiheitskämpfe für die gläubigen Sklaven
3 Die Loas – Vertreter des „Guten Gottes“
3.1 Die Loas
3.2 Die Rada- und Petro-Geister
4 Die Beziehung zwischen Mensch und Geistern
4.1 Die religiöse Gemeinde
4.1.1 Die Priester – Elterliche Figuren in der Religionsgemeinschaft
4.1.2 Die Mitglieder der Voodoo – Société
4.1.3 Der Tempel als religiöses Zentrum der Gläubigen
4.2 Religiöse Rituale
4.2.1 Die Trance als Akt der Besessenheit
4.2.2 Die Prozedur der Initiation
4.2.3 Opferzeremonien – Blut als heiliger Stoff
5 Schaden und Nutzen durch Magie
5.1 Die Magie
5.2 Die Schwarze Magie
5.3 Die Weiße Magie
6 Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit verfolgt das Ziel, das Voodoo-Phänomen jenseits der gängigen Klischees und Hollywood-Mythen als ernsthafte, authentische Religion zu beschreiben. Dabei soll untersucht werden, wie sich Voodoo in Haiti unter dem Einfluss von Sklaverei und Kolonialismus entwickelte und welche Rolle dabei synkretistische Elemente, wie der Katholizismus, spielten.
- Historische Entwicklung des Voodoo unter den Bedingungen der Sklaverei auf Haiti.
- Untersuchung der religiösen Struktur, der Loa-Götterwelt und der Beziehung zwischen Mensch und Geist.
- Analyse der Initiationsrituale, Trancezustände und der Bedeutung von Opfergaben.
- Differenzierung zwischen Voodoo als Religion und der Ausübung von Magie (schwarze vs. weiße Magie).
Auszug aus dem Buch
Die Loas
Der Voodoo ist eine polytheistische Religion mit unzähligen Göttern, welche Loas genannt werden. Ein Loa wird definiert als transzendentes Wesen mit verschiedenen Gestalten, welches hauptsächlich in der Natur gegenwärtig ist. Im Norden Haitis wird Loa auch mit Heilige oder Engel übersetzt. Die Bezeichnung Geist oder Dämon würde den Loa jedoch in seinen Wesensmerkmalen besser beschreiben. Die Charaktereigenschaften sind wiederum denen der Menschen sehr ähnlich. Es gibt eine große Anzahl Untergruppen der Geister, die den Namen afrikanischer Stämme oder Regionen tragen, deshalb werden die übernatürlichen Charaktere in Nationen, Stämme und Familien klassifiziert. Es ist allerdings unmöglich die Namen der unzähligen, örtlichen Geister zu nennen. Jede individuelle, unsterbliche Seele eines natürlichen Menschen, kann nach dessen Tod zum Loa aufsteigen. Die Voodooisten erfinden in ihrer Gläubigkeit auch häufig neue Loas. Diese beschäftigen sich dann mit den modernen, neu entstandenen Problemen der Menschen. Manche unbekannte Geister offenbaren sich ihren Gläubigen in Träumen.
Wenn ein Voodooist von einem ihm bisher unbekannten Geist träumt, sorgt er dafür, dass dieser Anhänger findet und verehrt wird. Erscheint einem einflussreichen, bekannten hungan ein neuer Geist im Schlaf, ist es für ihn leicht den Loa populär zu machen. Es gibt auch bisher nicht gekannte Götter, die in einer Zeremonie Besitz von einem Gläubigen ergreifen und sich so gegenüber den mit Anwesenden enthüllt, sich vorstellt, seinen Namen und seinen Titel nennt und damit verlangt ab sofort ebenfalls verehrt zu werden. Dafür geraten jedoch auch ältere Loas ohne Anhänger in Vergessenheit. Die Götter sind den Menschen in ihren Eigenschaften sehr ähnlich. Das ist der Grund weshalb so eine starke Verbundenheit zwischen Gläubigen und Geistern herrscht. Jeder Loa weist Wesensmerkmale anderer Loas auf. Ihre Unterschiede bestehen nicht in der Begrenzung ihrer Einflussbereiche, sondern in deren verschiedener Schwerpunktsetzung. (vgl. Andreas Gößling: „Götter, Zauber, Rituale“)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Autoren begründen die Themenwahl und definieren den Fokus der Facharbeit auf den haitianischen Voodoo, um ein objektives Bild der Religion zu vermitteln.
2 Die Entwicklungsgeschichte des Voodoo in Haiti: Das Kapitel beleuchtet die Ursprünge des Voodoo durch den Sklavenhandel, die Unterdrückung im Exil sowie die revolutionäre Bedeutung des Glaubens für die haitianische Unabhängigkeit.
3 Die Loas – Vertreter des „Guten Gottes“: Hier werden das Wesen der Loas, ihre polytheistische Struktur sowie die Unterscheidung zwischen Rada- und Petro-Geistern erörtert.
4 Die Beziehung zwischen Mensch und Geistern: Dieses Kapitel beschreibt die sozio-religiöse Struktur der Voodoo-Gemeinden, die Rolle der Priester sowie die rituellen Praktiken wie Trance und Initiation.
5 Schaden und Nutzen durch Magie: Die Autoren differenzieren zwischen dem Voodoo-Kult und magischen Praktiken und untersuchen die Funktionen von schwarzer und weißer Magie.
6 Schlussteil: Die Autoren ziehen ein Fazit, in dem sie Voodoo als wichtige identitätsstiftende Kraft betonen und sich von einer rein kommerziellen oder negativen Sichtweise distanzieren.
Schlüsselwörter
Voodoo, Haiti, Loa, Sklavenhandel, Religion, Initiation, Trance, Magie, Ritual, Priester, Hungan, Mambo, Synkretismus, Geister, Ethnologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Wesen, die Geschichte und die rituellen Praktiken des haitianischen Voodoo, um Vorurteile abzubauen und ein objektives Verständnis dieser Religion zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung in der Kolonialzeit, die Organisation der religiösen Gemeinschaft, das Götterbild der Loas sowie die Abgrenzung von Voodoo zu magischen Praktiken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die authentische Beschreibung des Voodoo, wobei insbesondere die Frage nach dem synkretistischen Einfluss des Katholizismus und der Rolle von Göttern und Ritualen geklärt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse verschiedener ethnologischer Fachquellen sowie einem Experteninterview mit Herrn Wolfgang Loh, der persönliche Erfahrungen aus Voodoo-Zeremonien in Brasilien beisteuert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Genese, die Götterwelt, die religiöse Gemeindepraxis, die Initiationsrituale sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Magie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Voodoo, Haiti, Loa, Initiation, Trance, Magie und die Rolle der Priester (Hungan/Mambo) charakterisiert.
Welche Rolle spielen die Rada- und Petro-Geister?
Rada-Geister repräsentieren gemäßigte, harmonische und hilfreiche Mächte, während Petro-Geister als aggressivere, dynamischere und teils zwielichtige Kräfte beschrieben werden, die oft mit dem Unabhängigkeitskampf in Verbindung stehen.
Wie unterscheiden sich ein Hungan und ein Boko?
Während der Hungan (Priester) als spiritueller Leiter einer Gemeinde fungiert, wird der Begriff Boko im Allgemeinen für Zauberer verwendet, die sich eher mit den dunklen Aspekten der Magie und der Schadenszauberei befassen.
- Arbeit zitieren
- Anna Buhler (Autor:in), Alexandra Bonitz (Autor:in), Karolin Liebig (Autor:in), 2006, Voodoo - Schwarze Magie oder Hokuspokus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171260