Die Welt hat in den letzten Jahrzehnten ein unglaubliches Wachstum erfahren. Dies ist mit Sicherheit sowohl auf neue technologische Errungenschaften als auch auf neue internationale Handelsmöglichkeiten und die damit einhergehende Globalisierung zurückzuführen. Einen großen Teil an dieser Entwicklung haben mit Sicherheit einerseits moderne Telekommunikationsmöglichkeiten als auch andererseits die stetig sinkenden Transportkosten beigetragen. Allerdings ist in diesem
Zusammenhang auch die Nachfrage an Primärrohstoffen drastisch gestiegen. Verstärkt durch das weltweite Bevölkerungswachstum steht die Weltgemeinschaft nun vor der dringenden Aufgabe dieser zunehmenden Nachfrage durch effizientere Nutzung der Ressourcen gegenzusteuern bzw. durch einen schonenderen Umgang das Ressourcenaufkommen zu schützen und zu erhalten.
Um die Notwendigkeit des Handelns zu unterstreichen, werden zunehmend auch die Regierungen weltweit aktiv und erlassen Richtlinien und Gesetze, um den Rohstoffverbrauch zu reduzieren bzw. die Wiederverwendung von Materialien und somit das Recyceln vorzuschreiben. Insbesondere die Regierungen in Kanada und
Europa haben hierzu strikte Standards gesetzt (Wu und Dunn (1995)).
Innerhalb der EU versucht zum Beispiel die Bundesrepublik Deutschland mit dem Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), welches 2005 in Kraft getreten ist, den Unmengen an Elektroschrott entgegenzuwirken und verpflichtet in § 10 (1) ElektoG die Hersteller von Elektronikgeräten diese wieder einzusammeln und schreibt in § 12 ElektroG auch deren Weiterverwertung vor.
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, müssen sich auch die Unternehmen an die geänderten Rahmenbedingungen anpassen. Somit sind im produzierenden Gewerbe die Materialströme nicht mehr nach der Auslieferung von Produkten beendet, sondern müssen am Ende des Lebenszyklus ggf. wieder eingesammelt, aufbereitet und weiterverarbeitet werden. Die Herausforderungen an die Logistik
und Produktion, welche durch das Einbeziehen gebrauchter und bereits im Umlauf gewesener Güter entstehen, werden dem Bereich der Reverse Logistik (RL) zugeordnet.[...]
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Problemstellung und Ausgangssituation
- Zielsetzung und Vorgehensweise
- Grundlagen und Rahmenbedingungen
- Begrifflichkeiten und Definitionen
- Formen der Wiederverwendung
- Charakteristische Besonderheiten
- Planungsprobleme der Reverse Logistik
- Dimensionen der Reverse Logistik
- Reverse Logistik Standortplanung
- Bestandsmanagement
- Demontageplanung
- Kapazitätsplanung
- Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Systematisierung der besonderen Planungsprobleme bei der Wieder- und Weiterverwendung von Produkten und Materialien im Kontext der Reverse Logistik. Ziel ist es, die Herausforderungen und Besonderheiten dieser Logistikform im Vergleich zur traditionellen Logistik aufzuzeigen und konkrete Planungsprobleme in den Bereichen Standortplanung, Bestandsmanagement, Demontageplanung und Kapazitätsplanung zu analysieren.
- Definition und Bedeutung von Reverse Logistik
- Planungsprobleme im Bereich der Reverse Logistik
- Standortplanung und Optimierung in der Reverse Logistik
- Bestandsmanagement und Materialfluss in der Reverse Logistik
- Herausforderungen und Chancen der Reverse Logistik
Zusammenfassung der Kapitel
- Einführung: Die Einleitung stellt die Problemstellung und Ausgangssituation im Kontext der zunehmenden Bedeutung von Ressourcenschonung und Wiederverwendung dar. Sie beleuchtet die Bedeutung der Reverse Logistik als Antwort auf die Herausforderungen durch steigende Ressourcennachfrage und gesetzliche Vorgaben.
- Grundlagen und Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel definiert grundlegende Begrifflichkeiten und Formen der Wiederverwendung. Es beleuchtet die besonderen Herausforderungen und Unterschiede der Reverse Logistik im Vergleich zur traditionellen Logistik.
- Planungsprobleme der Reverse Logistik: In diesem Kapitel werden die spezifischen Planungsprobleme der Reverse Logistik in verschiedenen Dimensionen, wie Standortplanung, Bestandsmanagement, Demontageplanung und Kapazitätsplanung, analysiert.
Schlüsselwörter
Reverse Logistik, Wiederverwendung, Materialfluss, Planungsprobleme, Standortplanung, Bestandsmanagement, Demontageplanung, Kapazitätsplanung, Ressourcenschonung, Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG).
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Reverse Logistik (RL)?
Die Reverse Logistik befasst sich mit der Planung und Steuerung von Materialströmen, die nach dem eigentlichen Lebenszyklus eines Produkts entstehen. Dazu gehören das Einsammeln, Aufbereiten und Weiterverarbeiten gebrauchter Güter.
Welche Rolle spielt das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG)?
Das ElektroG verpflichtet Hersteller dazu, Elektronikschrott einzusammeln und einer fachgerechten Weiterverwertung zuzuführen, um Ressourcen zu schonen und Umweltbelastungen zu reduzieren.
Was sind die zentralen Planungsprobleme in der Reverse Logistik?
Zu den spezifischen Herausforderungen gehören die Standortplanung für Sammelstellen, das Bestandsmanagement von Gebrauchtteilen, die Demontageplanung sowie die Kapazitätsplanung für Aufbereitungsprozesse.
Wie unterscheidet sich die Reverse Logistik von der traditionellen Logistik?
Im Gegensatz zur traditionellen Logistik, die meist linear vom Hersteller zum Kunden verläuft, integriert die Reverse Logistik Rückflüsse von Produkten, was zu komplexeren und oft weniger vorhersehbaren Materialflüssen führt.
Warum gewinnt die Wiederverwendung von Materialien an Bedeutung?
Steigende Nachfrage nach Primärrohstoffen, weltweites Bevölkerungswachstum und strengere gesetzliche Vorgaben zwingen Unternehmen zu einem effizienteren und schonenderen Umgang mit Ressourcen.
- Quote paper
- Dominik Wörner (Author), 2010, Systematisierung der besonderen Planungsprobleme bei Wieder- und Weiterverwendung von Produkten und Materialien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171266