Auf einem vollkommenen Kapitalmarkt werden Zahlungsansprüche aufgrund
ihres Risikos und ihres erwarteten Ertrages bewertet. Dies geschieht
z.B. anhand des Capital-Asset-Pricing-Modells oder des Time-
State-Preference-Modells. Hierzu ist es erforderlich, daß alle Marktteilnehmer
vollständig über die Risiko-Ertrags-Relation aller vorhandenen
Investitionsmöglichkeiten informiert sind.
In der Realität ist dieses oft nicht der Fall, da z.B. Firmen viel besser
über die von ihnen durchgeführten Projekte informiert sind als die potentiellen
Investoren.
Im folgenden Abschnitt werden verschieden Formen von Kapitalmarktunvollkommenheiten
beschrieben, wie sie auf dem Kreditmarkt beobachtet
werden können. Anschließend wird ein Modell betrachtet, das die Folgen
asymmetrischer Information und adverser Selektion in Kreditverträgen
zeigt. Im vierten Abschnitt werden die makroökonomischen Auswirkungen
der Kreditrationierung betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Asymmetrische Information auf dem Kapitalmarkt
3 Das Modell von Stiglitz und Weiss
3.1 Modellbeschreibung
3.2 Modellergebnisse
4 Makroökonomische Konsequenzen
4.1 Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Geldpolitik
4.2 Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Kreditrationierung unter der Bedingung asymmetrischer Information zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern. Das primäre Ziel ist es, mittels einer modelltheoretischen Analyse darzulegen, warum Kreditmärkte trotz bestehender Nachfrage nicht immer räumen und welche makroökonomischen Konsequenzen sich daraus für die Geldpolitik und das Wirtschaftswachstum ergeben.
- Grundlagen asymmetrischer Information auf Kapitalmärkten
- Modellierung nach Stiglitz und Weiss
- Mechanismen von Adverse Selektion und Moral Hazard
- Einfluss von Sicherheitenanforderungen auf das Kreditangebot
- Makroökonomische Auswirkungen restriktiver Geldpolitik
Auszug aus dem Buch
3.1 Modellbeschreibung
Es wird in diesem Modell von mehreren konkurrierenden Banken ausgegangen, die sich einer Vielzahl von Firmen gegenübersehen, welche alle jeweils den selben Kreditbetrag B nachfragen, um ein Investitionsprojekt durchzuführen. Die Firmen kennen sowohl den erwarteten Ertrag R als auch das jeweilige Risiko θ (Standardabweichung) ihres spezifischen Projektes. Die Banken können dagegen nur den Erwartungswert identifizieren, nicht jedoch das Risiko (Asymmetrische Information). Für die folgende Analyse gehen wir davon aus, daß alle Projekte den selben erwarteten Ertrag haben.
Der Kredit fällt aus, wenn der Ertrag des Projektes R und die hinterlegte Sicherheit C nicht ausreichen, um den Kreditbetrag und die Zinsen zurückzuzahlen.
C + R ≤ B(1 + r̂)
Die Auszahlung an den Kreditnehmer beträgt: π(R, r̂) = max[R − B(1 + r̂); −C]
Die Auszahlung an die Bank beträgt: ρ(R, r̂) = min[R + C; B(1 + r̂)]
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik vollkommener Kapitalmärkte und die Relevanz asymmetrischer Information für Kreditverträge.
2 Asymmetrische Information auf dem Kapitalmarkt: Erläuterung der Phänomene Adverse Selektion und Moral Hazard als Ursachen für Marktunvollkommenheiten.
3 Das Modell von Stiglitz und Weiss: Mathematische Herleitung und Analyse des Kreditrationierungsmodells unter Berücksichtigung von Risiko und Sicherheiten.
4 Makroökonomische Konsequenzen: Diskussion der Auswirkungen von Kreditrationierung auf die Effektivität geldpolitischer Maßnahmen sowie auf gesamtwirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung.
Schlüsselwörter
Kreditrationierung, Asymmetrische Information, Adverse Selektion, Moral Hazard, Stiglitz und Weiss, Kreditzinssatz, Investitionsprojekt, Risikoneutralität, Kreditsicherheiten, Geldpolitik, Markträumung, Kapitalmarktunvollkommenheit, Bankenverhalten, Unterinvestition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Ursachen und ökonomischen Folgen von Kreditrationierungen auf dem Finanzmarkt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind asymmetrische Information, die Auswirkungen von Zinsänderungen auf das Risikoverhalten von Kreditnehmern und die Wirksamkeit geldpolitischer Impulse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Bedingungen aufzuzeigen, unter denen Banken Kredite rationieren, anstatt den Zinssatz bei Überschussnachfrage zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine modelltheoretische Analyse genutzt, insbesondere das bekannte Modell von Stiglitz und Weiss, ergänzt durch mathematische Ableitungen zu Ertragsfunktionen.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Modellbeschreibung, der Rolle von Sicherheiten bei der Selektion und der Ableitung der Gleichgewichtsbedingungen unter Wettbewerb.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kreditrationierung, asymmetrische Information, Adverse Selektion, Moral Hazard und restriktive Geldpolitik.
Warum spielt asymmetrische Information eine so große Rolle für Banken?
Da Banken das individuelle Projektrisiko eines Kreditnehmers nicht genau kennen, führt eine Zinserhöhung zur sogenannten Adverse Selektion: Sicherere Kreditnehmer ziehen sich zurück, während risikoreichere Investoren verbleiben, was den Ertrag der Bank mindern kann.
Wie beeinflusst Kreditrationierung die Wirksamkeit der Geldpolitik?
Kreditrationierung kann dazu führen, dass restriktive geldpolitische Maßnahmen nicht wie gewünscht wirken oder sogar zu unerwarteten negativen Effekten auf das Preisniveau und das Investitionsangebot führen.
Welche Rolle spielen Sicherheiten in diesem Modell?
Sicherheiten dienen als Selektionsinstrument, können jedoch bei steigenden Anforderungen ebenfalls zu Adverser Selektion führen, da sie ärmere, aber möglicherweise produktive Investoren vom Markt ausschließen.
- Quote paper
- Dennis Puschmann (Author), 2001, Unvollkommene Kapitalmärkte und Kreditrationierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1712