Frankfurt - Messe- und Handelsstadt im Mittelalter


Seminararbeit, 2000
22 Seiten, Note: gut (2)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Entwicklung der Frankfurter Messe
1.) Frankfurts privilegierte Stellung im Reich
a) Die geographische Lage
b) Die Königspfalz
c) Die Königswahl
d) Internationale Entwicklung
2.) Wichtige Faktoren für die Entwicklung Frankfurts zu einem
bedeutendem Messeplatz
a) Zölle und Abgaben
b) Geleit
c) Das Privileg einer zweiten Messe (Fastenmesse)

III. Die Konkurrenzmessen
1. Mainz
2. Nürnberg
3. Leipzig

IV. Warenbeispiel
a) Der Weinhandel
b) Wein, Zölle und Abgaben

V. Schluss

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Im Laufe der Zeit veränderte sich Frankfurt erheblich, seine Messe jedoch trotzte allen Widrigkeiten des Mittelalters bis in unsere heutige Zeit. Frankfurt war königliche Pfalz und wurde freie Reichsstadt, sowie zur Wahl- und Krönungsstadt deutscher Könige. In guten und schlechten Zeiten behauptete sich die Frankfurter Messe und bestimmt seit acht Jahrhunderten das wirtschaftliche und kulturelle Leben Frankfurts. Frankfurt entwickelte sich dadurch von einer provinziellen fürstlich verwalteten mittelalterlichen Stadt zu einer souveränen freien Stadt und schließlich zur heutigen „Wirtschaftsmetropole mit Weltstadtcharakter“[1].

Die optimale Lage der Stadt im Mittelpunkt von bedeutenden Handelsstraßen und die begünstigte wirtschaftliche und politische Stellung Frankfurts gegenüber den anderen deutschen Messestädten waren die Bedingungen für die Kontinuität des hohen Ansehens der Messestadt Frankfurt.

Die damaligen Messen waren auf Grund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung auch für die europäische wirtschaftliche Ideengeschichte prägend. Der Wandel von der abhängigen kleinen Wirtschaftseinheit (Leibeigenschaft: Bauer – Fürst) zum überregionalen (bis zum globalen) Warenverkehr bis zur boomenden Geldwirtschaft war grundlegend mit der Entwicklung der Messen verbunden. Für die Wirtschaftslehre des freien Spiels von Angebot und Nachfrage waren die Messen jener Zeit die Geburtsorte. „Die mittelalterlichen Messen waren Wareneinkaufs- und –verkaufsmessen, Zahlungstermine, sie übernahmen Banken- und Börsenfunktion und wurden zu den mittelalterlichen Kommunikationszentren“.[2]

In der folgenden Hausarbeit werde ich auf die Voraussetzungen, Entwicklungsfaktoren und weitere wichtige Einflüsse für die Entwicklung Frankfurts zur Messe- und Handelsstadt eingehen. Dazu werde ich zu Beginn der Arbeit die privilegierte Stellung Frankfurts im Reich skizzieren, um später die wichtigsten Faktoren für die Entwicklung Frankfurts als Messe- und Handelsstadt zu beleuchten. Desweiteren wird die Arbeit nicht verschweigen, welche Fäden im Konkurrenzkampf zwischen den größeren deutschen Handelsstädten des alten Reiches gezogen werden mussten, um den jeweils anderen in der eigenen Entwicklung zu schwächen bzw. seine Messen durch protektionistische Politik zu stärken. Ein Warenbeispiel wird dann noch abschließend die erstaunliche Professionalität des mittelalterlichen Messeablaufes Frankfurts aufzeigen.

II. Entwicklung der Messe

Im frühen und im hohen Mittelalter besaß Frankfurt gerade mal einen Markt. Dieser Markt war der Umschlagplatz für die Waren aus der näheren Umgebung, um die Bewohner der Stadt mit den nötigen Lebensmitteln zu versorgen.[3] Genau aus diesem Grunde beschränkten sich auch die ansässigen Gewerbetreibenden, wie Bäcker, Metzger usw. auf die lokale Versorgung. Man geht davon aus, dass ca. um das 9. Jhd. in Frankfurt, seit seiner Wahl durch die Franken zur Königspfalz, ein Markt bestanden haben muss. Dies wäre zumindest nötig gewesen, um das Gefolge des Königs zu versorgen.[4] Um das erbaute Königsgut instand zu halten, benötigte man auch entsprechende Fachkräfte, was darauf schließen lässt, dass sich auch das Handwerk und ein einfaches Gewerbe in Frankfurt niedergelassen hatte. Die Luxusgüter für die Königsgesellschaft bezog man noch aus dem nahen Mainz.

Bis heute ist die Geschichtswissenschaft nicht in der Lage für die beiden Frankfurter Messen ein genaues Datum angeben zu können. Die Frankfurter Herbstmesse, welche die ältere und bis ins 13. Jhd. auch die einzige Messe Fkfts. blieb, „entstand nicht durch einen königlichen und kaiserlichen Verleihungsakt“[5]. Wir besitzen auch keine Kenntnisse über andere Dokumente, die uns die Umstände um ihre Entstehung erhellen könnten.

1.) Frankfurts privilegierte Stellung im Reich

a) Die geographische Lage

Frankfurt war durch seine Lage im Zentrum des deutschen Reiches geographisch begünstigt. Zehn Handelsstraßen und ein Fluß durchquerten die Stadt. Dies wirkte sich natürlich positiv als Startkapital für die Entwicklung zu einem bedeutenden Handelsplatz aus. Dass gerade in dem Frankfurter Gebiet Wege aus allen Himmelsrichtungen zusammenlaufen, „ergibt sich aus den topographischen Bedingungen des rhein-mainischen Raumes im Herzen Europas“.[6]

Diese Lage brachte auch politische Vorteile für Frankfurt mit sich, auf die in den nächsten beiden Abschnitten noch eingegangen wird.

b) Die Königspfalz

Frankfurt wurde zum ersten Mal 794 n. Chr. „francono furd“ durch Karl den Großen, damals noch König der Franken, urkundlich erwähnt.[7] Dieser benutzte Frankfurt als Sammelpunkt seines Heeres, welches er für die Feldzüge gegen die Sachsen benötigte. Frankfurt war zu dieser Zeit schon Sitz eines königlichen Kammergutes (=Domäne), welches Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit sich brachte und so den Aufenthalt für die Heeresführer erleichterte.

790 n. Chr. ließ Karl der Große eine Pfalz in Frankfurt errichten.[8] Damit setzte er in Frankfurt die Grundlage für die herausgehobene Stellung dieser Stadt innerhalb des alten Reiches. 794 wurde von ihm ein Konzil einberufen. Nach seinem Tod ließ Ludwig der Fromme, sein Sohn, 820 n. Chr. Frankfurt zur repräsentativen Königspfalz ausbauen. In Frankfurt wurden fortan bedeutende Reichsversammlungen abgehalten. Karolinger, wie die Ottonen, Salier und Staufer nutzten die politisch und strategische Lage Frankfurts im Reich. Im Jahre 843 n. Chr. wurde das Reich Karls des Großen und seines Sohnes Ludwig dem Frommen unter dessen Söhnen aufgeteilt. Ludwig der Deutsche, der damals Ostfranken zugeteilt bekommen hatte, ernannte Frankfurt zur Hauptstadt und zur vornehmsten königlichen Pfalz seines Reiches.[9]

c) Die Königswahl

Frankfurt zeichnete sich allerdings nicht nur durch seine privilegierte Stellung als Königspfalz aus, sondern auch durch das Privileg der Königswahlen. 75 Mal hielten sich die Könige in der Zeit zwischen 794 und 912 n. Chr. in Frankfurt auf. Während dieser Zeit fanden v. a. unter den Staufern viele Königswahlen statt.[10] Zwischen 1140 und 1250 n. Chr. wurden allein sechs deutsche Könige in Frankfurt gewählt, während acht weitere in acht verschiedenen deutschen Städten im gleichen Zeitraum gewählt wurden. Welches Gewicht Frankfurt bei der Königswahl einnahm, wird nicht zuletzt dadurch sichtbar, dass bei der umstrittenen Doppelwahl im Jahre 1257 n. Chr. Alfons v. Kastillen Wert darauf legte, in der mächtigen Stadt Frankfurt gewählt zu werden, um damit seinem Anspruch auf die deutsche Krone zu unterstreichen.[11] Doch warum wurde Frankfurt bevorzugt als Wahlort der Könige aufgesucht? Es war seine geographische Lage, die Frankfurt als Wahlort für die deutschen Könige prädestinierte. Frankfurt lag in der Mitte des Reiches und damit in unmittelbarer Nähe von vier der sieben seit dem Spätmittelalter mit dem Recht der Königswahl ausgestatteten Kurfürsten, nämlich der Erzbischöfe von Mainz, Trier, Köln und dem Pfalzgrafen zum Rhein. Diese Tradition entwickelte sich zum Gewohnheitsrecht. Zu guter Letzt wurde Frankfurt sogar urkundlich in der Goldenen Bulle von 1356 gem. Reichsgesetz zum Wahlort der deutschen Könige ernannt.[12]

d) Internationale Entwicklungen

Die wirtschaftliche Entwicklung Frankfurts wurde durch religiöse Feldzüge und Kriege im Mittelalter begünstigt. Die Kreuzzüge und damit die Erschließung des Ostens förderten diese Entwicklung. Durch die Eroberung und Plünderung Konstantinopels 1202-1204 verlagerte sich der Welthandel auf die oberitalienischen Städte v. a. Venedig, sowie Städte, die in den Italienhandel der oberdeutschen Städte (Konstanz, Ulm, Nürnberg und Augsburg) verwickelt waren.

Aber auch die geistige Bewegung der Renaissance, die von Italien ausging, beeinflusste die wirtschaftliche Entwicklung. An die Stelle einer Gesellschaft, die geprägt war von Unterordnung und der geringen Fähigkeit zu Innovationen und Veränderungen, trat allmählich ein neues Persönlichkeitsbewusstsein. Es entwickelte sich wachsendes Vertrauen in die eigene Vernunft, statt in die überkommende „göttliche Ordnung“.[13] Der daraus resultierende Kaufmannskapitalismus entfaltete sich in den Oberitalienischen Handelsstädten, wie Venedig, Genua und Pisa/Livorno am stärksten. Auf diese Städte konzentrierte sich ein Großteil der Abwicklung des Welthandels zwischen den „reichen, wohlhabenden asiatischen Ländern“ (China, Indien und Länder des Nahen Ostens) und den „unterentwickelten europäischen Ländern“.[14] Die Absatzchancen der europäischen Waren auf dem asiatischen Markt waren zunächst miserabel.

Jedoch im Gegenzug dazu waren es gerade die Luxusgüter (Edelsteine, Porzellan, Seide Perserteppiche usw.) aus Asien, die auf den europäischen Märkten einen großen Absatzmarkt gefunden hatten. Das wichtigste europäische Handelsprodukt war die Wolle. Die Entwicklung des Orienthandels ließ die Nachfrage aus Asien nach europäischen Wollwaren steigen. Die Wolle war allerdings nicht nur die Stärke der Europäer im Außenhandel, sondern spielte auch im innereuropäischen Warenverkehr eine herausragende Rolle, was dem Messeplatz Frankfurt wiederum zugute kam.[15]

Doch nicht nur die Achsenverschiebung des Handels von Nord nach Süd, sondern auch die Verschiebung von West nach Ost, in Form der positiven Entwicklung der Ostsiedlungen jenseits der Elbe, hatte Folgen für die wirtschaftliche Bedeutung Frankfurts. Dies erweiterte den Einfluß des deutschen Wirtschaftsgebietes. Der europäische Handel verschob sich somit weiter nach Osten und Frankfurt „entwickelte sich nun zum Verteilerpunkt für das gesamte deutsche Reich, eine Rolle, die es politisch schon länger inne hatte“.[16]

[...]


[1] Schembs, Hans-Otto (1985): Weither suchen die Völker sie auf: die Geschichte der Frankfurter Messe, 1. Auflage, Frankfurt a. M.. S. 7

[2] Rothmann, Michael (1998): Die Frankfurter Messen im Mittelalter, Stuttgart. S. 23

[3] Holtfrerich, Carl-Ludwig: Finanzplatz Frankfurt. Von der mittelalterlichen Messestadt zum europäischen Bankenzentrum. München, 1999. S. 55

[4] Ebenda

[5] Schembs, Hans-Otto, S. 9

[6] Lerner, Franz: Frankfurt im Netz der Handelsstraßen, in: Stahl, Patricia u.a. [Hrsg.]: Brücke zwischen den Völkern - Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Messe, Band 2, Frankfurt a. M., 1991. S. 103

[7] Holtfrerich, Carl-Ludwig, 1999. S. 30

[8] Ebenda S. 31

[9] Ebenda

[10] Ebenda

[11] Rothmann, Michael: Die Frankfurter Messen im Mittelalter, Stuttgart. 1998. S. 48

[12] Holtfrerich, Carl-Ludwig (1999) S. 31

[13] Ebenda S.35

[14] Ebenda

[15] Ebenda

[16] Rothmann, Michael (1998) S. 56

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Frankfurt - Messe- und Handelsstadt im Mittelalter
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Mittelalterliche Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar: Die mittelalterliche Stadt: Vielfalt und Einheit
Note
gut (2)
Autor
Jahr
2000
Seiten
22
Katalognummer
V17130
ISBN (eBook)
9783638217743
ISBN (Buch)
9783640202805
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit ist gut gegliedert und auch gleichgewichtig ausgearbeitet. Untersucht wird die Entwicklung Frankfurts zum wohl bedeutendsten Messeort im spätmittelalterlichen Reich in Deutschland. Die einzelnen Kapitel der Arbeit sind auf einer soliden Literaturbasis aufgebaut, Der Fußnotenaparat gibt darüber auch Auskunft. Die Arbeit ist gut gegliedert und auch gleichgewichtig ausgearbeitet. Untersucht wird die Entwicklung Frankfurts zum wohl bedeutendsten Messeort im spätmittelalterlichen Reich in Deutschland. Die einzelnen Kapitel der Arbeit sind auf einer soliden Literaturbasis aufgebaut, Der Fußnotenaparat gibt darüber auch Auskunft.
Schlagworte
Frankfurt, Messe-, Handelsstadt, Mittelalter, Proseminar, Stadt, Vielfalt, Einheit
Arbeit zitieren
Matthias Mißler (Autor), 2000, Frankfurt - Messe- und Handelsstadt im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17130

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