Die romantische Liebe

Eine Konzeption des 18. Jahrhunderts


Hausarbeit, 2008

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff der Romantik

3. Die romantische Liebe
3.1 Gegenseitigkeit- Vom Glück und Unglück der Liebe
3.2 In trauter Zweisamkeit - die dyadische Intimbeziehung
3.3 Sexualtität inder romantischen Liebesbeziehung
3.4 Gleichstellung der Partner

4. Romantische Liebe vs. Freundschaft

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was ist eigentlich Liebe? Liebe beschreibt eine tiefe emotionale Bindung einer Person zu einer Zweiten, zu einer Sache oder einem Tier. „Liebe ist somit eine Emotion. Nicht irgendeine Emotion, sondern eine, die wir mit etwas Angenehmen und für uns Guten und Wertvollen verbinden" (Müller o.J.). Lieben ist ein Gefühlszustand, eine starke Zuneigung, die es in verschiedenen Formen gibt. Eltern lieben ihre Kinder und umgekehrt, Geschwister lieben sich, auch Freunde kann man platonisch lieben, genau so kann man aber auch ein Haustier in sein Herz schließen und lieben oder auch tiefe Zuneigung für einen Gegenstand entwickeln.

In der Regel assoziiert man mit dem Begriff der Liebe zunächst jedoch die Liebe zwischen einem Paar. Zwei Menschen, die sich gegenseitig anziehen, begehren und sich liebenswert finden. Es gibt aber unterschiedliche Varianten der Liebe zwischen zwei Menschen. Nach Bierhoff und Rohmann gibt es die spielerische Liebe, die besitzergreifende, freundschaftliche, pragmatische, altruistische und die romantische Liebe (vgl. Bierhoff/Rohmann 2004).

In der folgenden Hausarbeit werde ich mich mit der romantischen Liebe' beschäftigen, wie sie um 1800 konzipiert wurde. Sie bezeichnet die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau. Ich werde in der folgenden sozialwissenschaftlichen Analyse aufschlüsseln, welches Reglement für das Konzept der romantischen Liebe erstellt wurde und die wesentlichen Aspekte darstellen. In einer abschließenden Betrachtung werde ich ausführen, wie der Code der romantischen Liebe in unserer heutigen Zeit des 21. Jahrhunderts aussieht.

2. Der Begriff der Romantik

Liebe ist also ein Gefühl der Zuneigung. Was aber bedeutet das Adjektiv ,romantisch'? Welche Bedeutung hat es für diese Art der Liebe?

,Romantisch' kommt von Romantik. Unter diesem Begriff versteht man im Allgemeinen einen Epochenbegriff. Es handelt sich hierbei um die Zeit ab Ende des 18. Jahrhunderts bis ins 19. Jahrhundert hinein. Die Epoche spiegelte sich vor allem in Musik, Kunst und Literatur wieder. In der Romantik ging es im weiten Sinne um die Sehnsucht, die Natur und die Seele. In dieser Epoche der Romantik wurde der Code der romantischen Liebe geprägt.

Im heutigen Sprachgebrauch verstehen wir unter Romantik eine Atmosphäre, die Wärme, Ruhe und Intimität ausstrahlt, aber auch eine Eigenschaft, seine Liebe auf besondere Weise kund zu tun. In diesem Sinne wird sie oft mit Kitsch gleichgestellt. Dabei kommt es aber darauf an, was für den Einzelnen ,romantisch' bedeutet. Hierbei gehen die Vorstellungen auseinander. Während es für viele Menschen bei einer Hochzeit romantisch erscheint, weiße Tauben fliegen zu lassen, ist dieser Brauch für andere nicht von Bedeutung und nicht romantisch besetzt. Es gibt viele Rituale, mit der Paare ihre Liebe zelebrieren und verdeutlichen, sie unterstreichen und sie durch die Rituale vom Alltag abheben und zu etwas Besonderem, etwas Heiligem erheben.

3. Die romantische Liebe

Romantische Liebe ist, wie Tyrell schreibt, das "Erlebnis von etwas Bestimmten", das von anderen unterscheidbar ist (vgl. Tyrell 1987, 570). Aber was genau macht dieses Erlebnis so besonders, dass es sich zu anderen Erlebnissen derart abgrenzt?

"Das Kennzeichnende am Erleben romantischer Liebe ist [..] die Koinzidenz von Selektion und Höchstrelevanz" (Tyrell 1987, 571). Dieses Doppelphänomen ist eine Besonderheit der Liebe. Zum einen ist Liebe hoch selektiv. Sie verlangt die "unbedingte Präferenz für eine bestimmte individuelle Person" (Tyrell 1987, 570). Zum anderen muss ihr die 'Höchstrelevanz' zu Teil werden, das heißt, dass dem Sachverhalt die höchste persönliche Relevanz zukommen muss. Alles andere verliert neben dem/der Geliebten an Wert und Gewicht. Die Höchstrelevanz ist in der Liebe nicht nur legitimiert, sondern erhält auch einen "Zug des Gesollten" (Tyrell 1987, 571). Außerdem gilt der Anspruch der Höchstrelevanz nur für eine Person - er ist also exklusiv. Neben dieser kann es keine Beziehungen nebenher geben, die mit derselben Wichtigkeit wahrgenommen werden kann. Durch den Aspekt der Höchstrelevanz wird die Liebe zu der wichtigsten "Angelegenheit des Lebens" (Tyrell 1987, 571). Die Liebe hat durch den Anspruch einen 'devaluativen Bezug' auf ihre Umwelt, da neben der Liebe alles andere irrelevant wird (vgl. Tyrell 1987, 572). Zudem ist die romantische Liebe nach Luhmanns Codetheorie ein Fall des unbedingten Präferenzcodes, sie /verordnet' demnach die „absolute Präferenz fürs Lieben" (Tyrell 1987, 572).

Die romantische Liebe ist "völlig eindeutig" und "höchst instruktiv" (Tyrell 1987, 574). Sie ist unteilbar und stützt sich auf die absolute, alternativenlose Präferenz des/der Geliebten. Weniger oder mehr Liebe ist unzulässig. Narzißmus und selbstgenügsame Selbstliebe fallen nicht unter den Code der romantischen Liebe. Neben der Liebe des/der Geliebten steht die 'Nicht-Liebe' zu allen anderen Menschen. "Die Übereinstimmung der Seele ist nur zwischen zweien möglich" (Tyrell 1987, 574). Nach Simmel macht diese "Ausschließlichkeit" das "Wesen der Liebe" aus (Tyrell 1987, 575).

Liebe wird erlebt wie eine Erlösung aus der Einsamkeit und des Unverstandenseins. Der/Die Liebende wird als Erlöser/in angesehen. Ihm gegenüber öffnet man seine Seele ganz und ist diesem zugänglich. Indem sie sich allein ihre intimsten Geheimnisse gestehen, wird es zu ihren gemeinsamen Geheimnissen, was sie füreinander von anderen Individuen abhebt. Dabei geht es um die Differenz von Verstehen und Nicht-Verstehen. In einer hochindividualisierten Gesellschaft sind die Individuen vielfältiger und ausgeprägter, so dass immer weniger Individuen zueinander passen und eine 'Harmonie der Seelen' gefunden werden kann.

"Wenn man sich so liebt wie wir, kehrt auch die Natur im Menschen zu ihrer ursprünglichen Göttlichkeit zurück. Die Wollust wird in der einsamen Umarmung der Liebenden wieder, was sie im Großen, Ganzen ist: Das heiligste Wunder der Natur" (Friedrich Schlegel nach Herrmann, Dr. Igor 2005).

3.1 Gegenseitigkeit - Vom Glück und Unglück der Liebe

Ein wichtiger Aspekt der romantischen Liebe ist die unbedingte Symmetrie und die Gegenseitigkeit der Liebe (vgl. Tyrell 1987, 579). Stößt Liebe nicht auf Gegenliebe, wird diese Liebe zum Unglück für den Liebenden. Oftmals findet man das Motiv der unglücklichen Liebe in der Literatur verbunden mit großem Leid und dem anschließenden Selbstmord, wie zum Beispiel in 'Die Leiden des jungen Werther'.

Dieser Punkt macht die 'Singularfixierung' der romantischen Liebe deutlich (vgl. Tyrell 1987, 580), denn es kann nur eine Person geliebt werden und diese soll den Partner auch einzig und allein lieben. Der Liebende hat daher nur die Möglichkeit, volles Glück oder aber vollständiges Unglück zu finden. Der Code der romantischen Liebe sieht also vor, dass sich zwei Individuen gegenseitig und gleichzeitig lieben. Die Gegenliebe ist jedoch nicht machbar, sondern muss sich ereignen. Auch freundschaftliches Wohlwollen ändert nichts an dem schmerzlichen Verlust und dem Leid, dass die nicht erwiderte Liebe birgt. Ein Gefühl, dass sich auf das Geliebtwerden, bzw. Nicht-Geliebtwerden bezieht, ist zum Beispiel die Eifersucht. In einer Beziehung zeugt dieses Gefühl von Misstrauen und dass sich der eifersüchtig Partner für ersetzbar hält.

Die Liebe liegt demnach nahe am Unglück. Die gefundene Gegenliebe wird aus diesem Grund als Wunder und „Erlösung aus tiefer Not und Ungewißheit [sic]" (Tyrell 1987, 581) angesehen. Nach der ,Theorie des Kugelmenschen' ist für jedes Individuum ein anderes vorgesehen, um zu einem vollwertigen Menschen zu werden und "wer kein intimes Gegenüber hat, ist gehalten, dies als Defizit schmerzlich zu empfinden" (Tyrell 1987, 591).

3.2 In trauter Zweisamkeit - die dvadische Intimbeziehung

Da aus dem Reglement der romantischen Liebe hervorgeht, dass die Präferenz für nur einen einzigen Menschen verlangt wird, liegt es nahe, dass es sich bei einer romantischen Liebesbeziehung um eine dyadische Beziehung, sprich eine Beziehung zwischen zwei Menschen, handelt. Zum Ende des 18. Jahrhunderts wird sie als die Intimbeziehung schlechthin, als "Normalform" (Tyrell 1987, 574) angesehen. Gegenüber einer Dreierbeziehung wird hier die Komplexität stark reduziert und die Direktheit der Kommunikation verstärkt. Sie birgt dennoch auch Risiken. Die „exklusive ,Zweierverbindung' [..] hat strukturell den Zwang zur Unmittelbarkeit und entläßt [sic] daraus nicht" (Tyrell 1987, 584). Das Wissen um diese Exklusivität birgt das Problem des Bewusstseins von Einzigkeit, Unersetzlichkeit und der daraus entstehenden Verlustgefahr.

Ein auffälliger Korrespondenzfall ist der Konflikt. Sowohl Liebe als auch Streit verlangen viel Aufmerksamkeit von den Individuen. Das Aufmerksamkeitspotenzial ist jedoch limitiert. Ein Dritter würde die Kommunikation stören und von der reinen und unmittelbaren Gegenseitigkeit ablenken. Zudem leidet bei einer Dreier-Konstellation die Direktheit der Kommunikation. Die romantische Liebe ist jedoch eine verstehende Liebe, die auf die ’Du und Ich-Einheit’, die Symmetrie der Beziehung verwiesen ist (vgl. Tyrell 1987, 586).

Eine Besonderheit ist auch die „konstitutionelle Interaktionsverwiesenheit der Liebe" (Tyrell 1987, 586). Liebe ist das Bedürfnis nach Interaktionsnähe und das "Erleben der Differenz von An- und Abwesenheit (des Geliebten)" (Tyrell 1987, 586). Wichtig für die Kommunikation von Liebe ist die Augensprache. Diese ist auf eine absolute Symmetrie, wie es bei der dyadischen Intimbeziehung der Fall ist, angewiesen. Das Einanderfinden und Ineinanderruhen der Blicke stellt ein tragendes Element der Erlebbarkeit einer Einheit des liebenden Paares dar.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die romantische Liebe
Untertitel
Eine Konzeption des 18. Jahrhunderts
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Freundschaft und Liebe aus soziologischer Sicht
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V171314
ISBN (eBook)
9783640906086
ISBN (Buch)
9783640905775
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Romantik, romantische Liebe, Liebe
Arbeit zitieren
Sandra Garthaus (Autor), 2008, Die romantische Liebe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171314

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