Die Anwendung von Rizzi (1997) im Spanischen


Hausarbeit, 2009
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Das Split-C Modell von Rizzi (1997)

3. Linksperiphere Konstruktionen im Spanischen

4. Verzicht auf die Kategorien Force und FinP

5. Adjazenz foco-antepuesto Konstruktionen zum finiten Verb

6. Kritik am Split-C-Modell von Rizzi

7. Zusammenfassung

8. Literatur

1. Einführung

Das Thema dieser Hausarbeit „Anwendung von Rizzi (1997) im Spanischen“ ist ein umfangreiches und komplexes Thema, das viele Aspekte beinhaltet. Ich konzentriere mich auf die Frage des C-Bereichs, für den Rizzi anhand von italienischen Daten eine Struktur mit zusätzlichen funktionalen Kategorien entwickelt hat.

Die vorliegende Arbeit möchte ich mit der Darstellung Rizzis Split-C- Modells beginnen. Obwohl dieses Modell für das Italienische ausgearbeitet wurde und hier mit italienischen Beispielen präsentiert wird, halte ich es für wichtig, die von Rizzi entwickelte Struktur, zu Beginn dieser Hausarbeit vorzustellen. Dafür sprechen folgende Gründen: Erstens, enthält die Beschreibung wichtige Begriffe, die ich im weiterem Verlauf verwenden werde; zweitens, ist es für das Verständnis, der für das Spanische relevanten Daten, und anschließender Kritik wichtig; und drittens, da die beiden Sprachen zu einer Sprachfamilie gehören und viele Ähnlichkeiten in Bezug auf Lexik und Syntax aufweisen, kann das Modell auch für das Spanische angewandt werden.

Nach der Darstellung von Rizzis Split-C-Struktur übergehe ich zu den spanischen linksperipheren Konstruktionen. In diesem Abschnitt stelle ich mögliche Varianten der fokussierten und topikalisierten Konstruktionen vor.

Im folgenden Abschnitt geht es um die Anwendung von Rizzis Split-C-Modell auf das Spanische und um die Argumente dafür, auf einige vorgeschlagenen Kategorien zu verzichten.

Warum sich das Modell nur zum Teil auf das Spanische übertragen lässt, erkläre ich weiter, indem ich auf eine wichtige syntaktische Eigenschaft des Spanischen – obligatorische Adjazenz von Fokus-Phrasen zum finiten Verb näher eingehe.

Anschließend wird die Kritik am Rizzis Modell, die C. Gabriel in seinem Buch „ Fokus im Spannungsfeld von Phonologie und Syntax “ äußert, vorgestellt. Außer Gabriels Kritik zeige ich in diesem Abschnitt zum Teil auch die Ansichten anderer Linguisten, solcher wie M.Zubizarreta. Es werden neben der Kritik auch andere mögliche Lösungen für die Anwendung des Modells auf das Spanische vorgeschlagen.

2. Das Split-C Modell von Rizzi (1997)

Der Grund für die Entstehung der Struktur, die sich auf den C-Bereich beziehen soll, war die Feststellung, das die schon entwickelte Struktur [CPCP [IP I [VP Subj V Obj ]]] nicht genug Möglichkeiten für den linken Satzrand anbietet. Wegen der unterschiedlichen Varianten der Wortstellung in der linken Satzperipherie, wies sich die herkömmliche Struktur als nicht ausreichend.

Betrachten wir den englischen Beispielsatz, um den oben angegebenen Grund zu veranschaulichen. (1) I swear [CP that never again will [IPI go there].[1]

Hier trennt der Komplementierer that das Subjekt [DP I ], das sich in Spec, IP befindet, den Kopf will. Als Trennungselemente figurieren die maximale Projektion never again und der Kopf will. Man kann die Inversion von Hilfsverb und Subjekt nicht als Kopfbewegung von will nach C analysieren, weil die C-Position schon durch den Komplementierer that besetzt ist. Im Bereich zwischen Spec,IP und C fehlt auch eine Spezifikatorenposotion für die maximale Projektion never again.

Also, um ausreichend Positionen links vom Subjekt zur Verfügung zu stellen, wurde die Aufspaltung der Kategorie C in mehrere funktionale Köpfe vorgeschlagen.

Das Model wurde von Rizzi (1997) ausgearbeitet und basierte an verschiedenen Stellungsmöglichkeiten bei italienischen Herausstellungsstrukturen. Rizzi hat festgestellt, dass es im Italienischen unterschiedliche Varianten von Linksdislokationen gibt. Sie ergeben sich durch die kontrastive Fokussierung des direkten Objekts und gleichzeitiger Topikalisierung des indirekten Objekts und des temporalen Adjunkts, wobei die letzten an den linken Satzrand versetzt werden. Unter kontrastiv fokussierten Konstituenten versteht man eine Phrase, die eine bestimmte Information korrigiert und durch eine neue ersetzt. Die Topiks sind hingegen Konstituenten, die die Träger einer, dem Sprecher bekannten Information sind. Betrachten wir die Beispiele von Rizzi (1997):

(2)

[CP XP1 XP2 XP3 [IP ]]

a. credo che a Gianni FQUESTO domani pro gli dovremmo dire
b. che domani FQUESTO a Gianni pro gli dovremmo dire
c. che domani a Giani FQUESTO pro gli dovremmo dire
d. che a Gianni domani FQUESTO pro gli dovremmo dire
e. che FQUESTO a Gianni domani pro gli dovremmo dire
f. che FQUESTO domani a Giani pro gli dovremmo dire

Übersetzung: Ich glaube, dass wir ihm DAS sagen sollten, morgen, dem Gianni (und nicht etwa jenes)

Anhand von diesen Beispielen wird klar, dass im Italienischen am linken Satzrand bis zu drei XPn auftreten können, die zwischen Spec, IP und C vorkommen. Dieser Bereich hat den Namen Linke (Satz-)Peripherie bekommen. Syntagmen, die hervorgehoben werden sollen, werden in diesen Bereich disloziert und gelten als Herausstellungsstrukturen. Neben der Dislokation in die Linke Satzperipherie, existiert auch der Begriff der Rechtsdislokation. Hierbei handelt es sich um die Verschiebung an das Ende des Satzes.

Wichtig ist zu bemerken, dass die lineare Abfolge der linksdislozierten Konstituenten auch festgelegt ist: Die linksperiphere fokussirte XP kann entweder von zwei topikalisierten XPn eingerahmt werden(Beispiele (2a) und (2b)) oder die topikalisierten XPn beide rechts oder beide links von der fokussierten XPn auftreten (wie in Beispielen (2 c,f )).

Zunächst hat Rizzi zwei funktionale Kategorien Force und Fin als Erweiterung für den C-Bereich vorgeschlagen. Die Kategorie Force (illokutionäre Kraft) enthält die Merkmale, die den Modus des Satzes bestimmen (interrogativ, deklarativ, exklamativ usw.). Außerdem stellte Rizzi fest, dass es von dem Komplementierer abhängt, ob der nebengeordnete Satz ein finites oder ein infinites Verb enthält. So verlangt it. che (span. que) einen finiten I-Kopf und it. de (keine Entsprechung im Spanischen) – einen infiniten. Diese Finitheitsmerkmale sind in der Kategorie Fin inbegriffen. So erscheinen dann anstelle der traditionellen CP die maximalen Projektionen ForceP und FinP, wobei FinP unmittelbar über IP steht:

[ ForceP Force ... [FinP Fin ... [IPI ... [VP ...]]]][2]

Anhand von Beispielen (2 a-f) ist jedoch klar, dass die neuen Positionen für maximale Projektionen ForceP und FinP für den C-Bereich immer noch nicht ausreichen. Deshalb hat Rizzi zwei weitere funktionale Köpfe vorgeschlagen: Top und Foc. Die Spezifikatorenpositionen von Top und Foc werden durch die vorangestellten Konstituenten besetzt, die infolge der Topik- und Fokusvoranstellungsverfahren in die Linke Satzperipherie verschoben werden. Rizzi ist davon ausgegangen, dass das Italienische nur eine Fokuskonstituente zulässt, die am linken Satzrand stehen kann. Dabei sind aber die mehreren Topiks, die links oder rechts von der fokussierten Phrase erscheinen können, durchaus möglich. Also ist die TopP rekursiv, da sie in einem Satz mehrfach vorkommen kann. Im Strukturbaum wird die Rekursivität der TopP durch * angezeigt.

Nach Rizzi sind die Köpfe Foc und Top* nur dann vonnöten, wenn die entsprechenden Positionen in der Linken Peripherie zu besetzen sind: „ the heads Topic and Focus [...] are activated when needed, i.e. when there is a topic and or/focus constituent to be accomodated in the left peripherie of the clause “ (2001)[3]

Aus diesen Überlegungen und Einführung neuer funktionalen Kategorien ist die folgende Struktur entstanden[4]:

[...]


[1] Gabriel,Müller (2008:47)

[2] vgl. Gabriel,Müller (2008: 48)

[3] vgl. Gabriel(2007:137)

[4] vgl. Rizzi (1997: 297)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Anwendung von Rizzi (1997) im Spanischen
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Die linke Satzperipherie im Spanischen und Katalanischen
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V171326
ISBN (eBook)
9783640907014
ISBN (Buch)
9783640907090
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anwendung, rizzi, spanischen
Arbeit zitieren
Yuliya Knaub (Autor), 2009, Die Anwendung von Rizzi (1997) im Spanischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171326

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Anwendung von Rizzi (1997) im Spanischen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden