Der Mythos des Don Juan erfährt bereits im 17. Jahrhundert eine unglaublich große Beachtung in den verschiedensten Varianten bei den „schönen Künsten“. Nicht nur in der Literatur, auch im Musiktheater wird dieser Stoff gerne rezipiert, wobei jede Variation des Don Juan-Mythos neue Perspektiven und Charakterzüge des berühmten Verführers eröffnet. Da Pontes und Mozarts Oper „Don Giovanni“, sowie E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Don Juan“ nehmen unter den zahlreichen Bearbeitungen des Stoffes eine Sonderstellung ein. Diese beiden Werke, so unterschiedlich sie auch sein mögen, haben eine Besonderheit gemeinsam: Die Musik. Diese spielt in beiden Bearbeitungen eine sehr wichtige Rolle. Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit wird also sein, welche Bedeutung der Musik für die Aussage der Texte zugemessen werden kann und vor allem, wie das Zusammenspiel von Text und Musik funktioniert. Nach der Einleitung soll eine formale Analyse der beiden verschiedenen Textformen Klarheit über Struktur und Beschaffenheit der beiden grundverschiedenen Werke bringen, um diese dann im Speziellen auf die zu untersuchenden Texte da Pontes und E.T.A. Hoffmanns anzuwenden. Bei der anschließenden inhaltlichen Analyse soll zunächst am Beispiel einer „Verführungsszene“ in da Pontes „Don Giovanni“ untersucht werden, wie sich Musik und Text zueinander verhalten und wie das eine Medium auf das andere einwirkt. Anschließend wird näher auf E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Don Juan“ eingegangen und die Frage aufgestellt, wie die Musik beschrieben wird und welche Rolle sie für den Erzähler spielt, beziehungsweise was sie in ihm aus löst. Mit Hilfe eines kurzen Vergleichs soll herausgearbeitet werden, inwiefern Unterschiede und Gemeinsamkeiten in beiden Werken stecken, um daraufhin die Frage zu stellen, wie beide Autoren sprachlich und inhaltlich mit der Intermedialität von Text und Musik umgegangen sind und wie sie diese in ihrem Werk verwirklicht haben. Im abschließenden Fazit sollen die Ergebnisse Arbeit noch einmal vorgestellt werden um abschließend
festzustellen welche Rolle die Musik tatsächlich in den beiden Werken spielt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Formale Analyse
2.1. Das Libretto
2.2. Da Pontes „Don Giovanni“
2.3. E.T.A. Hoffmanns epischer Text „Don Juan“
3. Inhaltlich-/sprachliche Analyse
3.1. „Là ci darem la mano“- die Verführungskunst des Don Giovanni
3.2. Das Opernerlebnis des reisenden Enthusiasten
3.3. Die „fabelhafte Begebenheit“
4. Vergleich
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die intermediale Beziehung zwischen Text und Musik im Don-Juan-Mythos, wobei der Fokus auf dem Vergleich zwischen Lorenzo da Pontes Libretto zu Mozarts Oper „Don Giovanni“ und E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Don Juan“ liegt. Das primäre Ziel ist es, die Bedeutung der Musik für die jeweilige Textaussage zu analysieren und aufzuzeigen, wie beide Autoren das Zusammenspiel der Medien gestalten.
- Formale Strukturanalyse von Opernlibretti und erzählender Literatur.
- Untersuchung der Verführungskunst im „Don Giovanni“ durch das Wechselspiel von Musik und Sprache.
- Analyse der subjektiven Musikwahrnehmung und der Erzählebenen in Hoffmanns „Don Juan“.
- Vergleichende Gegenüberstellung der beiden Don-Juan-Figuren und ihrer jeweiligen künstlerischen Vermittlung.
- Erörterung der romantischen Idee von Musik als Bindeglied zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit.
Auszug aus dem Buch
3.1. „Là ci darem la mano“- die Verführungskunst des Don Giovanni
Im nun folgenden Abschnitt soll auf die Wechselverhältnisse von Text und Musik eingegangen werden. Die „Verführungsszene“ des Don Giovanni mit der Bäuerin Zerlina eignet sich für diese Analyse sehr gut, da hier die speziellen Wechselwirkungen zwischen beiden Künsten besonders deutlich zur Geltung kommen. Nachdem Don Giovanni Zerlinas Ehemann Masetto unmissverständlich zu Verstehen gegeben hat, schleunigst den Platz zu räumen, beginnt er in gekonnter Manier Zerlina zu umgarnen. Zunächst diffamiert er Masetto, indem er ihn als Bauerntölpel betitelt, um sich in ein besseres Licht zu stellen. Er prahlt mit seinem Einfluss und der Macht, die er als Adeliger besitzt und versucht Zerlina mit seiner höheren Stellung zu beeindrucken. Zunächst weißt sie ihn zurück und verweist auf ihren Ehemann. Daraufhin beginnt Don Giovanni ihr zu schmeicheln.
„Glaubt ihr ein Mann von Ehre, ein adeliger Kavalier, für den ich mich halte, könnte dulden, daß dieses goldige Gesichtchen, dieses zuckersüße, von einem Bauernflegel mißhandelt wird?“
Musikalisch drückt sich dies zunächst nur an bestimmten Betonungen von Worten aus, da es sich hier um ein Rezitativ handelt und mit leichter Cembalo-Begleitung und einer Gesangslinie ohne große Tonsprünge und Verzierungen beinhaltet. Im italienischen Original werden bestimmte Ausdrücke stets akzentuiert, wie zum Beispiel die Komplimente des Don Giovanni. Auf den „schelmischen Augen, [und diesen] so schönen Lippen“ liegen die Betonungen, welche die sinnlich-erotischen Reizworte hervorheben. Das musikalische Thema wiederholt sich dabei über mehrere Phrasen, die wörtlich mit Schmeicheleien umschrieben werden. Diese steigern sich aber von Mal zu Mal, bis der Höhepunkt und gleichzeitig das Ende des Rezitativs, mit dem Eheversprechen erreicht sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Don-Juan-Mythos ein, stellt die zentrale Fragestellung der Intermedialität von Text und Musik auf und skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit.
2. Formale Analyse: Das Kapitel erläutert die gattungsspezifischen Unterschiede zwischen dem Opernlibretto als „gehorsame Tochter der Musik“ und E.T.A. Hoffmanns epischer Erzählstruktur.
3. Inhaltlich-/sprachliche Analyse: Dieser Hauptteil analysiert konkret die Verführungsszene in „Don Giovanni“ sowie die Wahrnehmung von Musik und die Grenzüberschreitung zwischen Realität und Phantasie in Hoffmanns Erzählung.
4. Vergleich: Es wird die direkte Wechselwirkung zwischen Mozarts Oper und Hoffmanns Erzählung betrachtet und herausgearbeitet, wie beide Werke unterschiedliche Don-Juan-Bilder prägen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Musik in beiden Werken unabdingbar für den Ausdruck von Emotionen ist und als Bindeglied zwischen dem Endlichen und dem Übersinnlichen fungiert.
Schlüsselwörter
Don Juan, Don Giovanni, E.T.A. Hoffmann, W.A. Mozart, Lorenzo da Ponte, Musik, Libretto, Intermedialität, Verführung, Romantik, Erzähltheorie, Oper, Geisterreich, Sinnlichkeit, Musikästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die intermediale Beziehung zwischen Literatur und Musik am Beispiel des Don-Juan-Mythos, basierend auf Mozarts Oper „Don Giovanni“ und Hoffmanns Erzählung „Don Juan“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Gattungsmerkmale von Libretto und Epik, die musikalische Gestaltung von Verführung sowie die philosophische Bedeutung der Musik als Medium in der Romantik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Bedeutung der Musik für die Aussage der jeweiligen Texte zu bestimmen und zu analysieren, wie das Zusammenspiel von Text und Musik in beiden Werken funktioniert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine formale und inhaltlich-sprachliche Analyse durchgeführt, unterstützt durch erzähltheoretische Ansätze und den Vergleich musikwissenschaftlicher sowie literaturwissenschaftlicher Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Zusammenspiels von Rezitativ und Duett in Mozarts Oper sowie eine Analyse der Musikbeschreibung und der Erzählebenen in Hoffmanns „Don Juan“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Don Juan, Musik, Intermedialität, Libretto, Romantik, Erzähltheorie und Verführung.
Wie unterscheidet sich die Don-Juan-Figur bei da Ponte und Hoffmann?
Während da Pontes Figur eher ein adeliger Frauenverführer ist, wandelt sich dieser bei Hoffmann zu einem romantischen, reflektierten „Idealsucher“, der jedoch an der Unerreichbarkeit seiner Sehnsüchte leidet.
Welche Rolle spielt die „fabelhafte Begebenheit“ bei Hoffmann?
Sie bezeichnet die Begegnung mit der Sängerin der Donna Anna, die für den Enthusiasten die Grenze zwischen Alltag und Geisterwelt auflöst und ihn zur tieferen Interpretation der Oper inspiriert.
- Arbeit zitieren
- Charlotte Seeger (Autor:in), 2009, Die Rolle der Musik in Da Pontes/Mozarts "Don Giovanni" und E.T.A. Hoffmanns "Don Juan", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171342