Am 13. Dezember 2002 wurde die Entscheidung beim Gipfeltreffen in Kopenhagen endgültig getroffen. Die Zahl der EU-Länder sollte sich am 1. Mai 2004 fast verdoppeln, von fünfzehn auf fünfundzwanzig. An diesem Tag wurden zehn neue Mitglieder in die Europäische Union aufgenommen. Mit der Aufnahme von Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, der Slowakei, Slowenien, der Tschechischen Republik, Ungarn und Zypern ist EU-Bevölkerung somit um rund 74 Millionen Menschen angewachsen.
Diese so genannte Osterweiterung war für alle beteiligten Länder eine beträchtliche Herausforderung. Erstens wurden noch nie zuvor so viele Länder gleichzeitig in die EU aufgenommen. Zweitens waren noch nie zuvor die Unterschiede zwischen den beitretenden Staaten und den bisherigen EU-Mitgliedern, sowie die Unterschiede innerhalb der Gruppe der neuen Mitgliedsländer so groß. Vor allem gab es große Diskrepanzen hinsichtlich des Lebensstandards und der Wirtschaftskraft.
Aufgrund dieser Unterschiede und vor allem auch aufgrund der großen Fläche gab es nicht nur positive Erwartungshaltungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die fünfte EU – Erweiterungsrunde
a. Artikel 39 EGV
b. Die Übergangsregelung: Die „2+3+2 Richtlinie“
3. Modelle zur Migration
a. Begriffserklärung: Migration
b. Die Mikroökonomische Migrationstheorie
c. Die Neue Ökonomie der Arbeitsmigration
4. Auswirkungen auf den polnischen Arbeitsmarkt
5. Resümee
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der EU-Osterweiterung vom 1. Mai 2004 auf die Migration von Arbeitskräften mit einem spezifischen Fokus auf das Beitrittsland Polen. Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe der Migration zu beleuchten und den Einfluss der EU-Mitgliedschaft auf den polnischen Arbeitsmarkt kritisch zu bewerten.
- Rahmenbedingungen und rechtliche Grundlagen der fünften EU-Erweiterungsrunde.
- Analyse theoretischer Migrationsmodelle (Mikroökonomische Theorie und Neue Ökonomie der Arbeitsmigration).
- Bewertung von "Brain Drain" und Migrationspotenzial in Polen.
- Betrachtung der Entwicklung des polnischen Arbeitsmarktes nach dem EU-Beitritt.
Auszug aus dem Buch
Die Neue Ökonomie der Arbeitsmigration
Die Neue Ökonomie der Arbeitsmigration – new economy of labour migration – ist eine weitere wirtschaftswissenschaftliche Migrationstheorie, die von Stark aufgestellt wurde. Sein Werk „The new economics of migration“ geht davon aus, dass Wanderungsentscheidungen nicht von einzelnen Menschen getroffen werden, sondern vielmehr von ganzen Netzwerken, vor allem aber Familien, beeinflusst werden. Grenzüberschreitende Arbeitsmigration stellt nach Starks Ansicht eine Risikoverteilung für das Haushaltseinkommen dar. Zum Beispiel kann eine Familie, die sowohl Remissen aus dem Ausland, als auch Einkünfte aus der Landwirtschaft bezieht, das Risiko minimieren, kein Einkommen mehr zu haben. Hierbei kommt es der Familie zugute, dass das Risikoniveau in Herkunftsland und Zielland unterschiedlich sind. Es ist daher unwahrscheinlich, dass beide Einkommen verloren gehen. Als psychologische Faktoren, die zur Migration führen, kann auch das Gefühl der Benachteiligung aufgeführt werden. Dies entsteht vor allem dadurch, dass Individuen im Verhältnis zu im Heimatland gleichgestellten Freunden mit schlechterem Einkommen oder gar drohender bzw. bereits eingetretener Arbeitslosigkeit umgehen müssen. Wandert derjenige dann ins Ausland aus, steigen sowohl das Einkommen, als auch der soziale Status und das Ansehen im Heimatland.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den historischen Kontext der EU-Osterweiterung ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Migration polnischer Arbeitskräfte.
2. Die fünfte EU – Erweiterungsrunde: Hier werden die rechtlichen Grundlagen der Freizügigkeit, insbesondere der Artikel 39 EGV und die "2+3+2 Richtlinie", detailliert dargestellt.
3. Modelle zur Migration: Dieses Kapitel definiert den Begriff Migration und stellt mit der mikroökonomischen Migrationstheorie sowie der Neuen Ökonomie der Arbeitsmigration zwei zentrale wissenschaftliche Erklärungsmodelle vor.
4. Auswirkungen auf den polnischen Arbeitsmarkt: Das Kapitel analysiert die realen Effekte der EU-Mitgliedschaft auf Polen, insbesondere im Hinblick auf Arbeitslosenquoten, Fachkräftemangel und den befürchteten Brain Drain.
5. Resümee: Hier werden die Ergebnisse zusammengefasst und festgestellt, dass sich die negativen Prognosen hinsichtlich der Abwanderung polnischer Arbeitskräfte nicht bewahrheitet haben.
Schlüsselwörter
EU-Osterweiterung, Polen, Arbeitsmarkt, Migration, Arbeitnehmerfreizügigkeit, 2+3+2 Richtlinie, Humankapital, Migrationsmodelle, Push-Faktoren, Pull-Faktoren, Brain Drain, Arbeitslosigkeit, Saisonarbeit, Wirtschaftswachstum, Freizügigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der fünften EU-Erweiterungsrunde auf die Migration von Arbeitskräften, mit einem besonderen Schwerpunkt auf den polnischen Arbeitsmarkt nach dem Beitritt im Jahr 2004.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die rechtlichen Rahmenbedingungen der EU-Osterweiterung, theoretische Ansätze zur Erklärung von Migrationsbewegungen sowie die ökonomischen Folgen für Polen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu beurteilen, ob die Befürchtungen hinsichtlich massiver Abwanderung und Arbeitslosigkeit eingetreten sind oder ob sich der polnische Arbeitsmarkt positiv entwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden eine theoretische Analyse der Migrationsmodelle vorgenommen sowie eine Auswertung empirischer Daten und Fakten zur Arbeitsmarktentwicklung in Polen durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der EU-Erweiterungsbedingungen, die Erläuterung der mikroökonomischen und neuen ökonomischen Migrationstheorien sowie die Darstellung der tatsächlichen Auswirkungen auf Polen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind EU-Osterweiterung, Migration, Arbeitnehmerfreizügigkeit, Polen, Brain Drain und Migrationsmodelle.
Warum spielt die "2+3+2 Richtlinie" in der Arbeit eine wichtige Rolle?
Sie dient als rechtliches Fallbeispiel, wie die alten EU-Staaten den Zugang zu ihren Arbeitsmärkten für die neuen Mitgliedsländer schrittweise und bedarfsgerecht regulieren konnten, um übermäßige Zuwanderung zu verhindern.
Was besagt die "Neue Ökonomie der Arbeitsmigration" im Kontext von Familien?
Im Gegensatz zur individuellen Nutzenmaximierung postuliert diese Theorie, dass Familien als Netzwerke entscheiden, um durch Migration das Gesamtrisiko des Haushaltseinkommens zu diversifizieren und zu minimieren.
- Arbeit zitieren
- Marina Jelencic (Autor:in), 2010, Migration nach der fünften EU-Erweiterung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171363