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Die Instrumentalisierung der Terrorgefahr zur Forcierung von Konformismus

Titel: Die Instrumentalisierung der Terrorgefahr zur Forcierung von Konformismus

Seminararbeit , 2011 , 20 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Bennet Krebs (Autor:in)

Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit dem 11. September 2001 ist die unterstellte Terrorgefahr wichtiger Gegenstand der Diskussionen zur Inneren Sicherheit. Die westliche Welt ist seither eine andere; auch in der deutschen Politik wurden politische Wertvorstellungen invertiert. Statt persönlicher Freiheit und Rechtsstaatlichkeit sind es heute die Implikationen von Sicherheit, Prävention und Ordnung, denen politische Suprematie eingeräumt wird.
Inwiefern diese Werteverschiebung intendiert ist oder welche, eventuell ungewollten, Veränderungen die sicherheitspolitischen Folgen dieser Verlagerung für die Gesellschaft haben, dies gilt es in dieser Seminararbeit soziologisch zu untersuchen. Im Fokus wird hierbei die Frage stehen, ob die zunehmende staatliche Überwachung im Kontext der Terrorgefahr Konformismus im Sinne von Selbstanpassung antizipieren kann. Ist die Terrorgefahr der von konservativen Innenpolitikern lang herbeigesehnte Vorwand, um soziale Kontrolle, Gehorsam und Selbstpassung unter dem Deckmantel der Sicherheit endlich nachhaltig durchsetzen zu können? Liegt hier der Schlüssel dazu, den gesellschaftlichen Normalentwurf eines unterwürfigen Spießers auf subtile Weise durchzusetzen? Ob die eingeführten und geplanten Instrumente zur Forcierung einer gemeinsamen Vorstellung des „guten Lebens“ nutzen, dies ist besonders unter Rückgriff auf soziologische Kriminalitätstheorien zu beantworten. Zunächst werden daher einige soziologische und politische Aspekte von Konformität, bzw. kritisch konnotiert, Konformismus reflektiert. Zu dem Wesen, dem Hintergrund und den Folgen von Konformismus soll unter Rückgriff auf einige theoretische Grundannahmen ein Zugang geschaffen sein. Daraufhin wird die pragmatische Situation beleuchtet. Anhand von aktuellen Beispielen soll hier, aus der Verknüpfung von Theorie und Praxis, eine Einschätzung darüber erfolgen, ob das aktuelle Klima der Angst und seine Konsequenzen zu Konformismus führen können oder gar sollen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziologische und politische Aspekte von Konformismus

3. Die pragmatische Interdependenz von Terrorbekämpfung und Konformismus

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Seminararbeit untersucht soziologisch, inwiefern die zunehmende staatliche Überwachung im Kontext der Terrorgefahr zu einer Forcierung von Konformismus im Sinne einer vorauseilenden Selbstanpassung der Bevölkerung führen kann. Dabei wird analysiert, ob sicherheitspolitische Maßnahmen als Instrument dienen, um soziale Kontrolle zu etablieren und einen gesellschaftlichen Normalentwurf durchzusetzen.

  • Soziologische Grundlagen von Konformismus und sozialer Kontrolle
  • Die Rolle der Politik bei der Definition von abweichendem Verhalten
  • Wechselwirkung zwischen Terrorbekämpfung, Überwachung und individueller Freiheit
  • Der Paradigmenwechsel von rechtstaatlicher Sicherheit hin zur präventiven Risikokontrolle
  • Analyse der Labeling-Theorie im Kontext politischer Meinungen und Gruppierungen

Auszug aus dem Buch

2. Soziologische und politische Aspekte von Konformismus

Als Gegensatz des Individualismus bezeichnet Konformismus ein soziologisches Konzept, welches den Zwang zur Kongruenz von Einstellungen und Haltungen des Individuums mit der Gesellschaft beschreibt. Getrieben zumeist von Anpassungsdruck und direkter wie auch subtiler Determination, ist der Einzelne in einem konformistischen System von stetiger Assimilation gekennzeichnet. Dies ist im Besonderen in Hinblick auf jene Werte, Normen und Verhaltensweisen, die in einer Gesellschaft dominant sind, gegeben. Konformismus kann in dem Wunsch nach Zugehörigkeit, aber auch durch die Tatsache gesellschaftlichen Drucks und die Furcht vor Sanktion begründet sein und sich aus Einstellungs- oder Anpassungskonformität speisen. Konformismus ist als politisch und kritisch konnotierte Auslegung von Konformität zu verstehen.

Konformismus hat seiner Natur nach eine herausragende politische Dimension. Das maßgebliche Mittel zur gesellschaftsinduzierten Herstellung von Konformität ist die soziale Kontrolle. Die wirkkräftigsten Werkzeuge des hierfür notwendigen Instrumentariums liegen in den Händen der Politik, ist sie es doch, die qua Gesetzgebung Normen setzen kann und Zugriff auf das staatliche Gewaltmonopol zu ihrer Durchsetzung im Sinne eines auch punitiven Kontrollstils hat. Obgleich soziale Kontrolle indes andere Wirkmechanismen haben kann, die wirkungsvollsten sind unmittelbar oder mittelbar politisch verfasst. Im Vokabular der Rollentheorie sprechend können Muss-Erwartungen als Ansprüche an ein konformes Individuum nur von der Politik formuliert werden; sie sind Gesetze, deren Nichteinhaltung juristisch sanktioniert werden kann. Die Genese von Soll- und Kann-Erwartungen ist hierbei in vielen Fällen auch direkt zu den politisch gesetzten Muss-Erwartungen interdependent, denn aus der juristischen Würdigung eines Gegenstandes können auch soziale Bewertungen zu verwandten Gegenständen folgen: Wenn der Besitz von Cannabis verboten ist, so kann aus der Tatsache dieser strafrechtlichen Würdigung auch der Konsum von Cannabis im Kontext einer Soll-Erwartung als sozial unerwünscht etikettiert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Verschiebung politischer Werte nach dem 11. September 2001 und führt die Forschungsfrage ein, ob staatliche Überwachung zur Antizipation von Konformismus führt.

2. Soziologische und politische Aspekte von Konformismus: Dieses Kapitel erläutert soziologische Konzepte des Konformismus, die Rolle sozialer Kontrolle durch die Politik und die Bedeutung der Labeling-Theorie bei der gesellschaftlichen Konstruktion von abweichendem Verhalten.

3. Die pragmatische Interdependenz von Terrorbekämpfung und Konformismus: Hier wird der Zusammenhang zwischen präventiver Sicherheitspolitik, der fehlenden klaren Definition von Terrorismus und den Folgen für die individuelle Freiheit und Selbstanpassung analysiert.

4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass zwischen Überwachung, sozialer Kontrolle und Konformismus eine Interdependenz besteht, die zumindest als Nebeneffekt zur Selbstanpassung an einen konservativen Mainstream beiträgt.

Schlüsselwörter

Konformismus, Terrorbekämpfung, soziale Kontrolle, Überwachung, Labeling-Theorie, Selbstanpassung, Risikogesellschaft, Sicherheitspolitik, Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit, Prävention, Politische Soziologie, Individualismus, Normalentwurf, Machtausübung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die soziologische These, dass die staatliche Terrorbekämpfung nach dem 11. September 2001 nicht nur der Sicherheit dient, sondern durch Überwachungsdruck zur Anpassung an gesellschaftliche Normen (Konformismus) führt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Felder sind die soziologische Theorie des Konformismus, die Rolle staatlicher Institutionen bei der Normsetzung, die Auswirkungen moderner Sicherheitspolitik auf Bürgerrechte und die theoretische Fundierung durch Labeling-Ansätze.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist herauszuarbeiten, ob Terrorismus als Label instrumentalisiert wird, um abweichendes Verhalten zu stigmatisieren und eine vorauseilende Selbstanpassung der Bevölkerung zu induzieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die soziologische Kriminalitätstheorien (insbesondere Labeling-Ansätze und Theorien der sozialen Kontrolle) auf aktuelle sicherheitspolitische Maßnahmen anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung des Konformismusbegriffs und eine anschließende praxisorientierte Analyse, wie moderne Sicherheitsinstrumente und die Definitionshoheit über "Terror" oder "Extremismus" den gesellschaftlichen Raum einschränken.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Kontrollgesellschaft", "Selbstkontrolle", "Präventionsstaat" und "Labeling-Theorie" charakterisiert.

Warum spielt die Definition von "Terrorismus" für den Autor eine so große Rolle?

Der Autor argumentiert, dass eine fehlende präzise juristische Definition es der Politik erlaubt, das Label "Terror" beliebig auf unliebsame politische Bestrebungen oder abweichendes Verhalten auszudehnen.

Welche Rolle spielt die "Risikogesellschaft" in der Argumentation?

Das Konzept der Risikogesellschaft dient dazu, die Angst der Menschen als Triebfeder für den Wunsch nach Ordnung zu erklären, was wiederum die Akzeptanz staatlicher Eingriffe in die Privatsphäre und die Bereitschaft zur Selbstanpassung erhöht.

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Details

Titel
Die Instrumentalisierung der Terrorgefahr zur Forcierung von Konformismus
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie)
Veranstaltung
Abweichung und soziale Kontrolle (BMGK) (WiSe 2010/2011)
Note
1,0
Autor
Bennet Krebs (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V171414
ISBN (eBook)
9783640907915
ISBN (Buch)
9783640907731
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konformismus Soziale Kontrolle Kontrolle Abweichung Soziale Abweichung Terrorismus Linksextremismus Rechtsextremismus Islamismus Islamistischer Terror Konformität Labeling Etikettierung Rollentheorie Risikogesellschaft Reflexive Modernisierung Kontrollgesellschaft Menschenwürde Liberalismus Rechtsstaat Datenschutz Kommunitarismus Vorauseilender Gehorsam Selbstanpassung Überwachungsstaat ASB Anti-Social-Behaviour Bürgerrechte Utilitarismus deontologisch Repression repressiv Freiheit Selbstentfaltung Kriminalität Kriminalitätstheorie ätiologisch-individualisierende Ansätze Wertewandel Sicherheit Sicherheitsgesellschaft Schnüffelstaat Stasi 2.0 Bürgerrechtsbeschneidungen Individualismus Persönlichkeitsentfaltung Terror Konservativismus Innere Sicherheit Terrorbekämpfung Devianz
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Arbeit zitieren
Bennet Krebs (Autor:in), 2011, Die Instrumentalisierung der Terrorgefahr zur Forcierung von Konformismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171414
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Leseprobe aus  20  Seiten
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