„Undine“ als typische Erzählung der deutschen Romantik


Seminararbeit, 2008

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakteristische Merkmale der Romantik

3. „Undine“ als typisch romantische Erzählung

4. Die allgemeine Verarbeitung des Wasserfrauenmythos

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eins der zentralen Themen der deutschen Romantik ist das Aufeinandertreffen von Menschen und Elementar- und ganz besonders Wassergeistern. Diese verkörpern das Übersinnliche und Mythische, das als ein Hauptcharakteristikum der Romantik gilt, auch wenn der Topos der Wasserfrau sich durch sämtliche Epochen zieht, angefangen von den Sirenen, die Odysseus in die Irre zu locken versuchten.

Außer den Sirenen, die eher die negative Seite der Wasserfrauen zeigen, gibt es noch eine Vielzahl anderer, die je nach Epoche mit unterschiedlichen Merkmalen ausgestattet werden. Dabei wird aber deutlich, dass gerade das Dämonische Unheimliche, was am meisten gefürchtet wurde, auf die Männer auch den größten Reiz ausübte, was an der Interpretation der Erzählung „Undine“ nachgewiesen werden soll.

Das große Interesse an dem Topos der Wasserfrauen erklärt sich dadurch, dass sich in ihm sehr aufschlussreiche Hinweise auf das Frauenbild in der jeweiligen Epoche transportieren lassen. So ist die Identifikation der Frau mit dem Element Wasser schon in der Antike nachzuweisen, vor allem deshalb, weil Wasser, ebenso wie die Frau an sich, als Symbol für Fruchtbarkeit steht.

Das Streben nach der Seele in den mittelalterlichen Verarbeitungen des Stoffes zeigt deutlich die Veränderung im Wesen der Wasserfrau, ebenso wie sich das Frauenbild allgemein durch zunehmende Christianisierung veränderte. Hier blieb jedoch das Dämonische erhalten, im Gegensatz zum Biedermeier, wo die Wasserfrau, wie bei Andersens „Kleiner Meerjungfrau“ deutlich wird, geradezu kindlich harmlos wirkt.

Friedrich de la Motte Fouqués während der Romantik entstandene Erzählung „Undine“ greift zurück auf die mittelalterlichen Verarbeitungen des Wasserfrauenmythos, die den Wasserfrauen einen menschlichen Körper und ein Streben nach einer unsterblichen Seele, die sie nur durch die Heirat mit einem Mann erhalten konnten, zuschrieben.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, nachzuweisen, welche Elemente der Erzählung „Undine“ typisch für die Romantik sind und wie der Nixenmythos in der Literatur anderer Epochen verarbeitet wurde um so eine Vergleichsmöglichkeit zu erhalten. Dabei soll zunächst untersucht werden, welche Charakteristika als typisch romantisch gelten und wie diese in Fouqués Erzählung „Undine“ umgesetzt wurden. Im Mittelpunkt steht dabei der Wasserfrauenmythos, der ein zentrales Element der Erzählung ausmacht und als charakteristisch für die Romantik gilt. Die weitere Verarbeitung dieses Mythos besonders im Biedermeier soll Aufschluss darüber geben, was die Romantiker an ihm so sehr faszinierte.

2. Charakteristische Merkmale der Romantik

Als Epoche der Romantik wird die Zeit zwischen den Jahren 1790 und 1850[1] bezeichnet. Sie war eine Reaktion auf die Aufklärung, die ausschließlich auf den nüchternen Verstand ausgerichtet war und alles, was mit diesem nicht zu erfassen war, außen vor ließ.

Die Romantiker hielten aber gerade das was den menschlichen Verstand übersteigt für besonders wichtig. Sie betonten daher vor allem das Phantastische, das Wunderbare, das Märchenhafte und alles Antirationale.[2]

Daher wird die Romantik nicht nur als Gegenreaktion, sondern teilweise auch als Fortsetzung der Aufklärung angesehen, da sie den Horizont der Aufklärung erweiterte.[3]

Allerdings glitten die hochfliegenden Pläne der Romantiker oft ins Märchenhaft-träumerische ab und ihre Programmatik verlor sich in Utopien, da ihnen der Realitätsbezug vollkommen fehlte.[4] Sie tendierten teilweise dazu, nur noch das Antirationale zu sehen und verloren dabei das Rationale aus den Augen. So nahm z. B. die Bedeutung der Naturwissenschaften im Gegensatz zur Aufklärung wieder etwas ab.

Die Poesie galt als die höchste Form der Literatur,[5] in ihr sei ein Bestandteil des Urzustandes, in dem der Mensch eins mit der Natur gewesen sei, enthalten. Diese enge Verbindung mit der Natur versuchten die Romantiker wieder herzustellen, sie thematisierten immer wieder die Verbindung der Menschen mit der - oft personifizierten – Natur, die aber meist scheitern musste, wie es auch in Friedrich de la Motte Fouqués Erzählung „Undine“ der Fall ist.

Nach der von Friedrich Schlegel und Novalis entwickelten „progressiven Universalpoesie“ ist es möglich, nicht nur alle Arten von Literatur, sondern auch die Wissenschaften miteinander zu vereinen.[6] Somit entsteht eine Universalpoesie, die dann alle Lebensbereiche des Menschen umfasst und ihn damit näher an den gedachten Urzustand heranführt. Progressiv ist diese Universalpoesie, weil sie immer unvollendet bleibt und damit immer im Werden ist.[7] Dies spiegelt sich in dem fragmentarischen Charakter, der typisch für die Literatur der Romantik ist, wieder.

Thematisch beschäftigten sich die Romantiker in hohem Maße mit der Wiederbelebung von mittelalterlichen Sagen, Legenden und Rittergeschichten,[8] wodurch der Volksgeist geweckt werden sollte.

Besonders die Artus- und Rolandssagen wurden sehr populär.[9] Auch die Sammlung von Volksmärchen, die zeitlich meist im Mittelalter angesiedelt wurden, nahm während der Romantik ihren Anfang. Damit schufen sie einen Gegensatz zur Antikerezeption der Klassik und Aufklärung.

Außerdem glaubten die Romantiker daran, dass es einmal den perfekten Urzustand gegeben habe.[10] Für sie verkörperte die Zeit des Mittelalters diesen Urzustand. Deshalb orientierten sie ihre Maßstäbe und Wertvorstellungen an denen des Mittelalters. Dies wird neben den christlich orientierten Moralvorstellungen auch an dem am Christentum orientierten Unendlichkeitsstreben deutlich, das die Romantiker dem für die Kultur der Antike typischen Streben nach Maß entgegensetzten[11] und das sich in der progressiven Universalpoesie widerspiegelt.

Weiterhin spielten Geister- und Schauergeschichten eine große Rolle in der romantischen Literatur, da in ihnen gerade das typische Element der Romantik, die Betonung des Übersinnlichen, enthalten war.

Außerdem spielte das Motiv der Nacht und die damit assoziierte Dunkelheit eine große Rolle.[12] Das Unheimliche, Undurchsichtige der Dunkelheit steht damit im Gegensatz zur Helligkeit, zur Klarheit der Aufklärung, was erneut die Gegensätzlichkeit der beiden Strömungen zeigt.

3. „Undine“ als typisch romantische Erzählung

Die Erzählung „Undine“ von Friedrich de la Motte Fouqué gilt als eins der bedeutendsten und gleichzeitig charakteristischsten literarischen Werke der deutschen Romantik.[13] Sie thematisiert das Motiv der gestörten Mahrtenehe, wodurch die zum Scheitern verurteilte Beziehung zwischen einem Menschen und einem Elementargeist beschrieben wird.

„Undine“ wird von Fouqué selbst als Märchen bezeichnet und hat auch einen märchenhaften Charakter. Schon die einleitende Formulierung „Es mögen nun wohl schon hundert Jahre her sein“[14] wirkt märchenhaft und rückt die Erzählung in ein fernes, phantastisches Mittelalter, was die geradezu verzauberte Stimmung, die sich durch die gesamte Geschichte zieht, noch verstärkt.

Fouqué beginnt die Erzählung mit einer stimmungsvollen Naturschilderung, mit der er die Natur nicht nur personifiziert, sondern auch erotisiert.[15] Dabei beschreibt er die einsame Landzunge, auf der ein einfacher Fischer mit seiner Frau, die Zieheltern der Nixe Undine, leben.

Er betont dabei gerade die Unberührtheit der Natur und die Abgeschiedenheit von jeglicher Zivilisation, so dass deutlich wird, dass die kleine Familie im Einklang mit der Natur lebt, ja das Leben in der Stadt unter vielen Menschen geradezu ablehnt.[16]

Auch die Tatsache, dass der Fischer sich nicht vor dem düsteren Wald fürchtet, der die Landzunge umgibt, weist auf eine deutlich zu erkennende Naturverbundenheit hin.

Der Ritter Huldbrand dagegen, der sich aufgrund einer Mutprobe im Wald verirrt und durch Zufall und durch Elementargeister, wie sich später herausstellt, auf die Landzunge gelangt, fürchtet sich vor den unheimlichen Gestalten, die ihm im Wald begegnen.[17] Dadurch wird seine Verbundenheit mit der Zivilisation gezeigt, die er auch auf der einsamen Landzunge nicht ganz ablegen kann.

Zwar fühlt er sich dort sehr wohl, besonders nachdem er Undine kennen gelernt hat und sich zu ihr hingezogen fühlt, und sein vorheriges Leben hat er beinahe vergessen, doch es wird immer wieder deutlich, dass für ihn der Aufenthalt bei dem Fischer nur temporär ist.[18]

Hier erkennt man die Gegenüberstellung von zwei völlig unterschiedlichen Typen von Menschen, auf der einen Seite steht der Fischer, der mit seinem einfachen Leben zufrieden ist und im Einklang mit der Natur lebt, auf der anderen Seite steht der Ritter Huldbrand, der die Zivilisation braucht und die Verbindung zur Natur verloren hat.

Im Verlauf der Erzählung wird deutlich, dass genau dies der Grund für seinen Untergang ist. Huldbrand versteht die pure, reine, von Undine verkörperte Natur nicht, sie fasziniert ihn zwar, aber sie ist ihm auch geradezu unheimlich.[19]

[...]


[1] vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon, S. 288

[2] vgl. Brockhaus Enzyklopädie, S. 518

[3] vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon, S. 288

[4] vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon, S. 290

[5] vgl. Metzler Lexikon, S. 665

[6] vgl. Brockhaus Enzyklopädie, S. 518

[7] vgl. Metzler Lexikon, S. 665

[8] vgl. Metzler Lexikon, S. 665

[9] vgl. Metzler Lexikon, S. 665

[10] vgl. Koester, S. 77

[11] vgl. Metzler Lexikon, S. 665

[12] vgl. Metzler Lexikon, S. 666

[13] vgl. Grunewald, S. 85

[14] vgl. Fouqué „Undine“, S. 63

[15] vgl. Koester, S. 78

[16] vgl. Fouqué „Undine“, S. 69

[17] vgl. Fouqué „Undine“, S. 76ff

[18] vgl. Fouqué „Undine“, S. 80

[19] vgl. Fouqué „Undine“, S. 88

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
„Undine“ als typische Erzählung der deutschen Romantik
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Proseminar: Erzählungen der deutschen Romantik
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V171425
ISBN (eBook)
9783640908233
ISBN (Buch)
9783640918492
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wasserfrauen, Romantik, Erzählung, Undine, Fouqué
Arbeit zitieren
Franziska Theresa Miethe (Autor), 2008, „Undine“ als typische Erzählung der deutschen Romantik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171425

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