Postkoloniale Kritik am Feminismus

Unter besonderer Berücksichtigung des Konzepts der „Dritte-Welt Frau“


Hausarbeit, 2010
12 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Über die Theorien
II.1 Postkolonialismus
II.2 Feminismus
II.3 Gemeinsamkeiten

III. Postkoloniale Kritik
III.1 Allgemeine Kritik
III.2 Die „Dritte-Welt Frau“
III.3 Postkolonialer Feminismus

IV. Fazit

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„In the last decade postcolonialism has taken its place with theories such as poststructuralism, psychoanalysis and feminism as a major critical discourse in the humanities.” (Gandhi 1998: viii).

Postkolonialismus und Feminismus sind Theorien, die sich kritisch mit Macht und Herrschaft sowie unterdrückten Gruppen beschäftigen. Sie sind beide kritische Theorien der Internationalen Beziehungen und beschäftigen sich mit marginalisierten Gruppen, die keine Stimme haben, um ihre Situation zu verändern. Obwohl sie ähnliche Ziele verfolgen und aus ähnlichen Gründen heraus entstanden, übt vor allem der Postkolonialismus teils erhebliche Kritik an den feministischen Ansätzen. Insbesondere der Name der postkolonialen Theoretikerin Gayatri C. Spivak fällt oft in Verbindung mit eben dieser Kritik.

In dieser Arbeit soll die postkoloniale Kritik am Feminismus deskriptiv beschrieben werden. Es soll herausgefunden werden, warum der Postkolonialismus seine eigene Form des Feminismus etabliert und ob er Lehren aus seiner Kritik am Feminismus gezogen hat. Die hier zugrunde liegende These ist, dass der postkoloniale Feminismus eine Erweiterung des ‚konventionellen‘ Feminismus darstellt, der seine Kritikpunkte an der feministischen Theorie einarbeitet.

Dafür sollen in einem ersten Teil kurz beide Theorien erläutert werden, um ein grundlegendes Verständnis der Rahmenbedingungen dieser Arbeit zu schaffen. Hier werden auch Gemeinsamkeiten herausgearbeitet, denn wie oben bereits angedeutet, gehören beide zu den kritischen Theorien der Internationalen Beziehungen und distanzieren sich bewusst von den ‚Mainstream‘ Theorien. In dem darauf folgenden Teil soll zunächst die allgemeine postkoloniale Kritik am Feminismus beschrieben werden, denn die Kritik ist sehr vielseitig. Anschließend wird das Konzept der ‚Dritten-Welt Frau‘ besonders erläutert, denn dies stellt den Hauptkritikpunkt der postkolonialen Theorie am Feminismus dar. Daraufhin wird der postkoloniale Feminismus beschrieben, um die These dieser Arbeit zu prüfen. Abschließend wird dann die Bewertung auf Grundlage der oben genannten Fragestellung folgen.

II. Über die Theorien

II.1 Postkolonialismus

Die Postkoloniale Theorie entstand während und nach den Unabhängigkeitskämpfen in den britischen und französischen Kolonien der 1950er und 1960er Jahre. Postkolonialismus ist interdisziplinär angelegt und kann als verstanden werden als die politischen, ökonomischen, kulturellen und philosophischen Antworten auf den Kolonialismus. Er beschäftigt sich mit den vielfältigen Folgen der kolonialen Herrschaft für die kolonisierten Länder bis zum heutigen Tag. Der Begriff „Kolonialismus“ wird im engen Zusammenhang zum Begriff des „Imperialismus“ gesehen. Während Kolonialismus eine Art von Eroberung darstellt, meint Imperialismus allerdings eine weiter gefasste Form von Autorität oder Dominanz. Der Kolonialismus stellt die aktive Art der imperialistischen Ideologie dar, während der Imperialismus die Struktur der ökonomischen und politischen Hegemonie darstellt, bei der die direkte Herrschaft eines Landes nicht zwangsläufig gegeben sein muss. Daraus folgt, dass Imperialismus auch nach Ende von kolonialer Herrschaft weiter bestehen kann. Er wird mittlerweile mit dem Kapitalismus in Verbindung gebracht. Hier wird der Versuch westlicher Staaten, ihr kapitalistisches System weltweit durchzusetzen, als eine Form von Imperialismus gewertet. Postkoloniale Theoretiker sehen in der kolonialen Unterdrückung einen Versuch westlicher Staaten, eben dieses Ziel zu erreichen. Gleichzeitig wird von der kapitalistischen Ideologie auch nach der Dekolonialisierung Druck auf die ehemaligen Kolonien ausgeübt; dies spiegelt sich auch in dem Begriff ‚Dritte Welt‘ wider, der den untergebenen Status eben dieser Länder im Vergleich zu den ehemaligen Herrschaftsländern zeigt (vgl. Hiddleston 2009: 1ff).

Postkolonialismus ist ein geographisch und historisch weit gefasster Begriff, dennoch liegt das Hauptaugenmerk oft auch auf den kapitalistischen Formen des Kolonialismus von Großbritannien und Frankreich. Zwar ist dies innerhalb der Disziplin selbst umstritten, aber es wird davon ausgegangen, dass die Situierung im Imperialismus, verstanden als Globalisierung von Kapitalismus, am häufigsten und hilfreichsten ist. Postkolonialismus bedeutet nicht das Ende von Kolonialismus, sondern geht vielmehr davon aus, dass es eine Kontinuität kolonialer Praktiken gibt. Dies reflektiert Postkolonialismus in seinen Analysen (vgl. Chowdry/Nair 2004: 11 & Childs/Williams 1997: 21). Die Postkoloniale Theorie beschäftigt sich also im weitesten Sinne mit der Geschichte des Kolonialismus und dessen Fortbestand in der Gegenwart im Sinne einer imperialistischen Herrschaft des Westens.

Um die Kritik der postkolonialen Theorie am Feminismus zu verstehen, sollen im folgenden Abschnitt zunächst die Grundlagen feministischer Theorie erläutert werden.

II.2 Feminismus

Feministische Ansätze kritisieren die patriarchale Gesellschaftsordnung und wollen die Verhältnisse zugunsten von Frauen verändern. Der Mittelpunkt ihrer Analyse sind daher die Rolle der Frauen und die Geschlechterbeziehungen (vgl. Ebbecke- Nohlen 2005: 242f). Der Feminismus kritisiert, dass andere Theorien der Internationalen Beziehungen die Bedeutung von Geschlecht und Frauen in ihre Analysen nicht miteinbeziehen. Daher analysieren die feministischen Ansätze auch Schlüsselkonstruktionen der Internationalen Beziehungen wie beispielsweise die Begriffe Staat und Souveränität in Hinblick auf den Gender-Aspekt. Dadurch zeigen diese Ansätze, wie und zu welchem Ausmaß konventionelle aber auch andere kritische Theorien die Gender-Hierarchie und die damit einhergehende Benachteiligung von Frauen ignoriert haben (vgl. Chowdry/Nair 2004: 9).

Der Feminismus zeigt außerdem auf, dass Theorien struktureller Gewalt die männliche Gewalt gegen Frauen nicht beachten und sich ebenso wenig der „gendered power“ (Chowdry/Nair 2004: 9) widmen. Daher ist es nach feministischer Theorie notwendig, dass Theorien der Internationalen Beziehungen den Frauen eine Stimme verleihen und die feministische Kritik an verschiedenen Konzepten ernst nehmen (vgl. ebd.).

II.3 Gemeinsamkeiten

Feministische und postkoloniale Ansätze haben einige Gemeinsamkeiten, die zu einer wenngleich schwachen Partnerschaft führen. Beide beschäftigen sich mit der Analyse und Verteidigung von „Anderen“, die in repressiven Strukturen marginalisiert werden. In ihrer Vorgehenswiese verfolgen beide Theorien ähnliche Muster. Weiterhin versuchen beide Ansätze, gegenwärtige herrschende Hierarchien nach ‚Rasse‘, Gender und Kultur zu verändern. Zusätzlich haben sich beide dem poststrukturellen Ansatz angeschlossen, die zweistelligen Gegensätze abzulehnen, auf denen sich die patriarchale bzw. koloniale Autorität selbst gründet (vgl. Gandhi 1998: 83).

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Postkoloniale Kritik am Feminismus
Untertitel
Unter besonderer Berücksichtigung des Konzepts der „Dritte-Welt Frau“
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V171434
ISBN (eBook)
9783640908318
ISBN (Buch)
9783640908363
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
postkoloniale, kritik, feminismus, unter, berücksichtigung, konzepts, frau“
Arbeit zitieren
Jennifer Brandscheidt (Autor), 2010, Postkoloniale Kritik am Feminismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171434

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