Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Linguistics

Die Entwicklung der Anredekonvention im Deutschen

Pragmatischer Wandel der Höflichkeit

Title: Die Entwicklung der Anredekonvention im Deutschen

Term Paper (Advanced seminar) , 2010 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Charlotte Seeger (Author)

German Studies - Linguistics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Höflichkeit spielt im Zusammenleben einer Gesellschaft eine große Rolle, denn ohne sie ist ein soziales Miteinander kaum vorstellbar. Höfliches Verhalten äußert sich im alltäglichen Leben vor allem durch die Verwendung von Anredeformeln, die nach Werner Besch (²2003: 2599) Auskunft über zwischenmenschliche Beziehungsverhältnisse geben. Um ein effizientes Sozialverhalten innerhalb einer Sprechergemeinschaft zu gewährleisten müssen deren Mitglieder die jeweiligen Anredekonventionen lernen und befolgen. Ein Nicht-Einhalten kann sich störend auf das Miteinander der Gesellschaft auswirken. Da eine solche Gesellschaft stets von sprachlichen und sozialhistorischen Veränderungen und Umbrüchen geprägt ist, sind parallel dazu auch Anrede-Konventionen einem Wandel unterworfen.
Dieses pragmatische Sprachwandelphänomen soll Thema dieser Hausarbeit sein. Zunächst wird das „face-Konzept der Höflichkeit“ von Penelope Brown und Stephen Levinson von 1978 vorgestellt werden, da es die Grundlage der Anredeforschung darstellt. Anschließend folgt eine Erläuterung der „Anredebestimmenden Variablen“ nach Werner Besch (²2003), die die Anredekonventionen des Deutschen bestimmen und neben dem Höflichkeitskonzept von Brown und Levinson ebenfalls eine Erklärung für bestimmte Wandelphänomene bieten können. Daraufhin wird der Prozess des Anredewandels durchlaufen, der die verschiedenen Stufen der Anrede in der deutschen Geschichte beleuchtet. Dabei sollen bestimmte Phänomene, wie beispielsweise die Respektminderung der Pronomen er/sie am Anfang des 19. Jahrhunderts, oder die Anrede-Blüte im 18. Jahrhundert näher analysiert und anhand von Beispielen aus der deutschen Literatur verdeutlicht werden.
Das Ziel dieser Arbeit ist es herauszuarbeiten, welche Faktoren für den Wandel von Anredekonventionen verantwortlich sind und zu zeigen, wie sich diese Veränderungen in der deutschen Sprache und Gesellschaft äußern. Zuletzt soll sowohl ein Resümee der Arbeit, als auch ein Ausblick gegeben werden, was die deutsche Sprache in Zukunft von der höflichen Anrede zu erwarten hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das „face-Konzept der Höflichkeit“ (Brown/Levinson 1978)

3. Anredebestimmende Variablen

4. Die Entwicklung der höflichen Anredepronomen

Stufe 1: Vom Germanischen zum Althochdeutschen

Stufe 2: Vom Althochdeutschen zum Frühneuhochdeutschen

Stufe 3: Das 17. Jahrhundert

Stufe 4: Das 18. Jahrhundert

Stufe 5: Das frühe 19. Jahrhundert

Stufe 6: Die Anredepronomen im Neuhochdeutschen

5. Anredepronomen im Anwendungsvergleich: Beispiele zeitgenössischer Autoren

Zu Stufe 4: Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“

Zu Stufe 5: Georg Büchners „Woyzeck“

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den historischen Wandel deutscher Anredekonventionen unter Berücksichtigung pragmatischer Höflichkeitsstrategien und soziokultureller Faktoren. Es soll herausgearbeitet werden, welche Mechanismen den Wandel von der ständisch geprägten Anrede hin zum heute üblichen System zwischen du und Sie maßgeblich beeinflusst haben.

  • Das „face-Konzept“ nach Brown/Levinson als theoretische Basis.
  • Anredebestimmende Variablen wie soziale Position, Alter und Geschlecht.
  • Die historische Entwicklung der Anredepronomen in sechs Zeitstufen.
  • Literarische Analysen bei Friedrich Schiller und Georg Büchner zur Veranschaulichung des Anredewandels.
  • Die Rolle von Pragmatik und konversationellen Implikaturen für den Sprachwandel.

Auszug aus dem Buch

Zu Stufe 4: Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“

Die Blütezeit der Anredepronomina im 18. Jahrhunderts lässt sich besonders gut an einigen zeitgenössischen literarischen Beispielen belegen. Friedrich Schillers bürgerliches Trauerspiel „Kabale und Liebe“ (1783) ist für die Veranschaulichung des vielstufigen Anredesystems in besonderem Maße geeignet, da, wie bereits dem Personenverzeichnis zu entnehmen ist, die Protagonisten aus unterschiedlichen Ständen stammen und dies für den Handlungsverlauf von großer Bedeutung ist. Den unterschiedlichen Ständen entsprechend fällt die Anrede aus, die sich in Schillers Werk ganz entfalten kann.

Zu Beginn des Stückes wird deutlich, wie das Er/Sie-Pronomen noch als würdige Anrede verwendet wird. In Ansprache an ihre Eltern benutzt Luise stets das verehrende er/sie.

LUISE (fängt an zu zittern). Bleib Sie doch, Mutter. (SCHILLER, 1977: 13)

Ihre Eltern dagegen duzen sie, ein Zeichen für die typisch asymmetrische Anredeform dieser Zeit. Die beiden Liebenden Ferdinand und Luise sprechen sich mit dem vertrauten du an, auch ein zeittypisches Phänomen. Friedrich Gedike deklariert ein solches du in einem Vortrag von 1794 als „Sprache des Herzens“ (zit. n. BESCH, 1996: 94).

FERDINAND. Du bist blaß, Luise?

LUISE (steht auf und fällt ihm um den Hals). Es ist nichts. Nichts. Du bist ja da. Es ist vorüber. (SCHILLER, 1977: 14)

Gänzlich gegensätzlich verhält sich Ferdinand gegenüber seinem Vater. Als Zeichen größten Respekts und Unterwürfigkeit redet er seinen Vater, den Präsidenten mit Sie an, was zu dieser Zeit zwar üblich war, aber auch als Zeichen von Distanz und Kälte gewertet werden könnte. Der Präsident wiederum duzt seinen Sohn (vgl. SCHILLER, 1977: 14).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Höflichkeit als soziales Bindeglied ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, den Prozess des Anredewandels zu analysieren.

2. Das „face-Konzept der Höflichkeit“ (Brown/Levinson 1978): Das Kapitel stellt die grundlegende Theorie des „positive“ und „negative face“ vor, um Anredeverhalten als Strategie zur Wahrung von Gesichtern zu erklären.

3. Anredebestimmende Variablen: Hier werden biologische und soziale Faktoren wie Alter, Geschlecht und gesellschaftlicher Rang als Einflussgrößen auf das Anredeverhalten definiert.

4. Die Entwicklung der höflichen Anredepronomen: Dieser Hauptteil beschreibt in sechs chronologischen Stufen von der germanischen Zeit bis zum Neuhochdeutschen die Entwicklung und den Wandel der deutschen Pronominalanrede.

5. Anredepronomen im Anwendungsvergleich: Beispiele zeitgenössischer Autoren: Anhand der Werke von Schiller und Büchner wird die praktische Anwendung der historischen Anredeformen und deren Funktion in literarischen Kontexten illustriert.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung pragmatischer Motive für den Sprachwandel zusammen und stellt die Entwicklung hin zu einer grammatikalisierten Unterscheidung zwischen du und Sie fest.

Schlüsselwörter

Anredekonventionen, Höflichkeit, Sprachwandel, Anredepronomen, face-Konzept, Pragmatik, historischer Wandel, soziale Variablen, deutsche Sprachgeschichte, Siezen, Duzen, Friedrich Schiller, Georg Büchner, Respektwert, Kommunikationsverhalten.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die diachrone Entwicklung der deutschen Anredekonventionen und wie sich Höflichkeit in Sprache und Gesellschaft im Laufe der Zeit durch den Gebrauch von Anredepronomina manifestiert hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen gehören das Konzept der Höflichkeit, soziale und biologische Variablen der Anrede sowie der Prozess des pronominalen Sprachwandels im Deutschen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Faktoren zu identifizieren, die für den Wandel der Anrede verantwortlich sind, und aufzuzeigen, wie sich diese sprachlichen Veränderungen in der Gesellschaft und Literatur widerspiegeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin/der Autor nutzt eine theoretische Basis (insb. Brown/Levinson) und verknüpft diese mit einer Analyse historischer Belege sowie exemplarischer literarischer Analysen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird der Prozess des Anredewandels in sechs historischen Stufen detailliert nachgezeichnet und anhand von Beispielen bei Schiller und Büchner veranschaulicht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Anredekonventionen, Sprachwandel, Pragmatik, Höflichkeitsstrategien und der Vergleich zwischen ständischer Anrede und dem modernen System.

Wie unterscheidet sich die Anrede in Schillers "Kabale und Liebe"?

In diesem Werk ist die Anrede stark standes- und emotionsabhängig; die Charaktere nutzen je nach sozialem Status oder affektivem Zustand verschiedene Pronomina wie das er/sie, das du oder das Sie.

Warum wird im „Woyzeck“ von Georg Büchner das Sie als Anrede hervorgehoben?

Büchner zeigt im „Woyzeck“, wie Vorgesetzte ihre Untergebenen abwertend ohne höfliche Titulierung ansprechen, während der Protagonist Woyzeck trotz Unterdrückung die respektvolle Form des Sie verwendet, was die gesellschaftliche Schichtung verdeutlicht.

Excerpt out of 19 pages  - scroll top

Details

Title
Die Entwicklung der Anredekonvention im Deutschen
Subtitle
Pragmatischer Wandel der Höflichkeit
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Deutsches Institut)
Course
HS Sprachwandel
Grade
1,3
Author
Charlotte Seeger (Author)
Publication Year
2010
Pages
19
Catalog Number
V171437
ISBN (eBook)
9783640910588
ISBN (Book)
9783640908523
Language
German
Tags
Anrede Pragmatik Höflichkeit Pragmatischer Wandel Historische Sprachwissenschaften Schiller Kabale und Liebe Büchner Woyzeck Anredepronomen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Charlotte Seeger (Author), 2010, Die Entwicklung der Anredekonvention im Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171437
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  19  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint