Politikberatendes Strategiepapier zum Thema: Präventionsmaßnahmen gegen Essstörungen im Kinder- und Jugendalter


Hausarbeit, 2011
8 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemlage

2. Einordnung der Problemlage

3. Zentrale Informationen

4. Problemlösungsoptionen

5. Evaluation der Problemlösungsoptionen

6. Problemlösungsvorschlag

1. Problemlage

Essstörungen stellen ein zentrales Problem unserer Gesellschaft dar, das sich besonders unter Kindern und Jugendlichen immer weiter ausbreitet. Durch ihre besondere Situation während der Pubertät und den damit verbundenen, vor allem körperlichen, Entwicklungen und veränderten Rollenanforderungen, sind sie besonders von Magersucht, Bulimie, Binge Eating Disorder und Adipositas gefährdet. Während sich für Übergewicht und Adipositas in den letzten Jahren bereits ein zunehmendes öffentliches Problembewusstsein entwickelte und bereits eine Vielzahl an Projekten zur Prävention, unter anderem an Schulen, durchgeführt wurden, wird die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen durch Magersucht und Bulimie noch vielfach unterschätzt.

Doch gerade in der Risikogruppe adoleszenter Jungen und Mädchen spielen diese zwei Formen gestörten Essverhaltens eine beunruhigende Rolle für Morbidität und Mortalität. So zählen Magersucht und Bulimie zu den häufigsten chronischen Krankheiten unter Kindern und Jugendlichen und stellen langfristige Probleme dar, die sich oft frühzeitig entwickeln und sich ohne rechtzeitige Behandlung mit zunehmendem Alter weiter verstärken. Allarmierend zeigt sich, dass die Mortalitätsrate bei Bulimie 5,6 %[1], bei Magersucht sogar 17 %[2] beträgt. Zudem bewirkt auch eine rechtzeitig erkannte und frühzeitig behandelte Erkrankung bei den betroffenen Personen irreversible Schäden nicht nur gesundheitlicher, sondern auch psychischer Natur, die ein Leben lang Belastungen darstellen.

Dies zeigt die Notwendigkeit von entsprechenden Präventionsmaßnahmen bereits im Kindes- und Jugendalter, um frühzeitig einer Erkrankung vorzubeugen. Doch wie lässt sich ein erhöhtes Problembewusstsein in der Risikogruppe der Kinder und Jugendlichen, sowie der Eltern und Lehrkräfte, erzeugen und entsprechende Präventionsmaßnahmen etablieren?

2. Einordnung der Problemlage

Die Problematik der zunehmenden Verbreitung von Essstörungen in unserer Gesellschaft ist ein nationales Problem, dass alle Bundesländer gleichermaßen betrifft und sich auf mehrere Politikfelder auswirkt.

Ausgehend von der inhaltlichen Struktur des Problems lässt es sich dem Politikfeld der Gesundheitspolitik zuordnen. Im Falle einer Nicht-Lösung des Problems wären die Auswirkungen zunächst deutlich im Gesundheitssystem zu spüren. Da anzunehmen ist, dass sich ohne entsprechende Maßnahmen die nahezu inflationäre Entwicklung von Essstörungen, nicht nur, aber vor allem, im Kindes- und Jugendalter fortsetzen wird, würde dies eine zunehmende finanzielle Belastung des Gesundheitssystems bedeuten, die sich letztendlich auf den gesamten Staat auswirken würde. Eine Verringerung der Erkrankungen durch zielführende Präventionsmaßnahmen würde hingegen auf lange Sicht eine Entlastung des Gesundheitssystems bedeuten.

Da sich die Maßnahmen an Kinder- und Jugendliche richten und im Sinne der Zielerreichung Eltern und Lehrkräfte mit eingebunden werden sollen, berührt die Thematik ebenfalls die Politikfelder Bildungs- und Familienpolitik. Die Schule stellt neben der Familie die wichtigste Präventionsquelle für Essstörungen dar, weshalb entsprechende Maßnahmen in beiden Instanzen sinnvoll und zielführend miteinander verbunden werden können und sollen.

3. Zentrale Informationen

Auf Grund der hohen und immer weiter zunehmenden Verbreitung von Magersucht und Bulimie vor allem im Kindes- und Jugendalter, kann schon lange nicht mehr von einem individuellen Problem der Betroffenen gesprochen werden. Vielmehr stellt sich die Thematik als gesellschaftliches Problem dar, dass vielfach von dieser selbst hervorgerufen, oder aber zumindest weiter verstärkt wird. Durch Gesellschaft und Medien repräsentierte Schönheitsideale beeinflussen die Kinder- und Jugendlichen in ihrer Selbstwahrnehmung und führen dazu, dass sich 42 % der Jungen und 53 % bereits in einem Alter von 8 – 12 Jahren an einem dünneren Idealbild orientieren, sogar 32 % der normalgewichtigen Kinder lieber dünner wären.[3] So verwundert es nicht, dass mit insgesamt 21,9 %[4] ein Fünftel aller Kinder- und Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren Symptome einer Essstörung zeigen. Mit Blick auf einzelne Jahrgänge ist die Zahl der Erkrankungen noch deutlich höher:

Nach wie vor ist die Anzahl der Erkrankungen an Essstörungen bei den Mädchen signifikant höher als bei den Jungen, wobei sich auch diese Werte in den letzten Jahren immer weiter angenähert haben. So ist vor allem das Risiko, als Junge an Magersucht zu erkranken, in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Punktuell gab es bereits an einigen Schulen in der Bundesrepublik präventive Versuche, um die Gefahr, im Kindes- und Jugendalter an Magersucht oder Bulimie zu erkranken, zu verringern. Beispielhaft zeigt sich hier das Projekt „MaiStep“, bei dem an 9 Gymnasien in Rheinland-Pfalz 5-wöchige Trainingseinheiten den Jungen und Mädchen helfen sollen, ein gesundes Bewusstsein für den Körper zu entwickeln.

Da solche regionalen Projekte in Hinblick auf die Lösung des nationalen Problems jedoch nicht hinreichend zielführend sind, soll nun im Anschluss dargestellt werden, auf welche Weise flächendeckend ein erhöhtes Problembewusstsein für die Thematik geschaffen werden kann und wie sich auf dieser Basis Präventionsmaßnahmen gegen Magersucht und Bulimie etablieren lassen.

4. Problemlösungsoptionen

Auf die Frage, wie bundesweit Maßnahmen zur Prävention von Magersucht und Bulimie bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt werden können, gibt es unterschiedliche Antworten.

Am zentralsten ist natürlich die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit Grund-, Haupt-, Realschulen, Gymnasien und Sonderschulen, da sich dort die Zielgruppe befindet. Als wichtigste Präventionsquelle neben der Familie bieten Schulen große Potentiale in Bezug auf Aufklärung, Erhöhung des Problembewusstseins und Vorbeugung. Dafür bedarf es Interessenvertreter, die zunächst den Kontakt mit den Schulen bzw. dem Schulamt herstellen, das Anliegen der Organisation deutlich machen und sich für die Zusammenarbeit einsetzen. Zudem braucht es entsprechend geschultes Personal, das bei entstandener Kooperation gemeinsam mit den Schulen die Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen durchführt.

Eine weitere Handlungsalternative besteht in der Zusammenarbeit und Vernetzung mit Parteien. Dies ermöglicht eine stärkere Sensibilisierung politischer Entscheidungsträger für die Problematik und eine Einflussnahme auf die politische Willensbildung und Entscheidungsfindung. Dies bedarf guter und zielfrührender Lobbyarbeit. Dazu sind entsprechende Interessenvertreter notwendig, die es vermögen, die Ziele der eigenen Organisation klar aufzuzeigen und mit zweckmäßigen Argumentationen für diese einzutreten.

Ein dritter Ansatzpunkt besteht in der Vernetzung mit anderen Interessengruppen innerhalb Deutschlands, soweit deren Ziele mit denen der eigenen Organisation übereinstimmen. Ähnliche Ziele verfolgen zum Beispiel der „Bundesfachverband Essstörungen“ und auf internationaler Ebene die „International Eating Disorder Research Society“. Eine entsprechende Kooperation schafft die Möglichkeit, sich über gemeinsame Herausforderungen zu verständigen und geeignete Lösungsansätze zu erarbeiten. Zudem erregt ein geschlossenes Auftreten mit anderen Interessengruppen höhere öffentliche und auch politische Aufmerksamkeit, stärkt das gesellschaftliche Problembewusstsein und kann Handlungsdruck entfalten. Konsolidierte Öffentlichkeitsarbeit wie Demonstrationen, Kundgebungen oder Informationsveranstaltungen sind in diesem Zusammenhang zentrale Maßnahmen.

[...]


[1] Becker, Astrid/Moser, Manuela, 2007: Epidemiologie, Verlauf, Prognose und Komorbiditäten von Essstörungen, in: http://www.psychologie.tu-dresden.de/i2/klinische/studium/ss07/essstoerungen-epidemiologie.ppt; 05.03.2011.

[2] O.A., 2002: Ess-gestört, In: http://www.eduhi.at/dl/Essstoerungen.pdf; 08.03.2011.

[3] Hölling, H./Schlack, R., 2007: Essstörungen im Kindes- und Jugendalter. Erste Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). Robert Koch Institut, Berlin.

[4] Ebenda

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Politikberatendes Strategiepapier zum Thema: Präventionsmaßnahmen gegen Essstörungen im Kinder- und Jugendalter
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: Politikfeldanalyse
Note
2,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
8
Katalognummer
V171447
ISBN (eBook)
9783640910649
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politikberatendes, strategiepapier, thema, präventionsmaßnahmen, essstörungen, kinder-, jugendalter
Arbeit zitieren
Franziska Letzel (Autor), 2011, Politikberatendes Strategiepapier zum Thema: Präventionsmaßnahmen gegen Essstörungen im Kinder- und Jugendalter , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171447

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