Ist Integration durch Bildung möglich?


Seminararbeit, 2011
29 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Summary

2. Einleitung

3. Definition Integration
3.1 Definition gemäß Lexikon
3.2 (Sozial)Integration versus Assimilation

4. Statistiken zur Verdeutlichung der Bildungssituation türkischer Migranten in Deutschland
4.1 Schüler an allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2006/2007
4.2 Schulbesuch in der Sekundarstufe nach Herkunftsland im Schuljahr 2003/2004
4.3 Schulbesuch in der Sekundarstufe nach Herkunftsland im Schuljahr 2006/2007
4.4 Veränderung der Verteilung zwischen den Schuljahren 2000/2001 und 2006/2007

5. Ursachen für die Bildungsdefizite
5.1 Innerschulische Aspekte
5.2 Außerschulische Aspekte

6. Lösungsansätze

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Summary

The integration of Turkish migrants has been a great challenge for the German state for about 50 years now. However, this integration of these people who arrived in Germany in order to work there became relevant much more later when the former decided to abide in Germany instead of leaving after having worked a certain amount of years. This new situation required effective ways to achieve a better adaptation of those migrants. This paper deals with the question whether education is an essential means to successfully integrate Turkish migrants into the German society. It tries to also find reasonable solution approaches to the subject and summarizes the topic in the end.

2. Einleitung

„Die mangelnde Integration liegt an den Attitüden der muslimischen Einwanderer.“ (Sarrazin, T. 2010: 289)

„Eine große Zahl an […] Türken (..) hat keine produktive Funktion, außer den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich auch vermutlich keine Perspektive entwickeln.“1

„Ich muss niemanden anerkennen der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“2

Türkische Einwanderer in Berlin sind „weder integrationswillig noch integrationsfähig“.3

Kein Name hat die Integrationsdebatte in Deutschland so sehr von neuem entfacht wie der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin, der mit Zitaten wie den obigen und weiteren gewagten Theorien gewissermaßen das zu Wort gebracht, was viele deutsche Bürger allem Anschein nach denken, betrachtet man den Beifall, der Sarrazin zuteil wird und freilich auch die Verkaufszahlen seines umstrittenen Werkes „Deutschland schafft sich ab“.Das Integrationsproblem in Deutschland, das ohnehin latent vorhanden ist, wurde so nochmals aufgegriffen und Politiker haben sich diesbezüglich zu Wort gemeldet. Doch inwieweit kann man über eine Abschaffung Deutschlands, wie Sarrazin sie bezeichnet, sprechen? Sind die Integrationsversuche seitens des deutschen Staates fehlgeschlagen und demnach auch in Zukunft zum Scheitern verurteilt? Es scheint einen unabdingbaren Faktor bei der Integration vor allem auch von türkischen Migranten zu geben, nämlich die Bildung, darin sind sich besonders Politiker einig. Folglich stellt sich die Frage: Ist Integration durch Bildung möglich? Diese Arbeit wird sich im Folgenden mit dieser Fragestellung, besonders im Hinblick auf den türkischen Migrantenanteil in der Bevölkerung, beschäftigen. Zunächst soll der Begriff Integration näher beleuchtet werden, wobei hierzu unterschiedliche Ansätze vorzufinden sind. Anhand von geeigneten Statistiken sollen alsdann die Thesen analysiert werden. Doch wie kommt es zur aktuellen Situation in Deutschland? Was sind die Ursachen derselben? Auch hierzu sollen Antworten erarbeitet werden. Bei gegebener Fragestellung sind freilich Lösungsansätze unerlässlich. Es wird versucht, adäquate Ansätze zu eruieren, die darauf abzielen, Defizite in der Integrationsarbeit wettzumachen und Alternativen zu bieten. Das abschließende Fazit soll zusammenfassend erörtern, ob und welchen Beitrag Bildung zur Integration leistet und wie die Gesamtsituation zu bewerten ist. Ist Integration durch Bildung möglich?

3. Definition Integration

3.1 Definition gemäß Lexikon

Zunächst ist zu bemerken, dass der Begriff Integration nicht leicht zu definieren ist und demnach diesbezüglich Uneinigkeit herrscht in der Frage nach einer adäquaten Begriffsbestimmung. Der aus dem Lateinischen stammende Begriff Integration meint laut Bundeszentrale für politische Bildung die „politisch-soziologische Bezeichnung für die gesellschaftliche und politische Eingliederung von Personen oder Bevölkerungsgruppen, die sich bspw. durch ihre ethnische Zugehörigkeit, Religion, Sprache etc. unterscheiden.“4 Diese Begriffsbestimmung ist die zweite von dreien. An erster Stelle findet sich die Definition der „Herstellung (oder Wiederherstellung) einer staatlichen, politischen oder wirtschaftlichen Einheit“5, während an dritter Stelle die Re-Integration erläutert wird, die vornehmlich die Wiedereingliederung von ehemaligen Mitgliedern beispielsweise in den Arbeitsprozess meint.6 Folglich kann man nicht von der Integration sprechen, wie es des öfteren dennoch passiert. „Das Wort Integration kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Wiederherstellung,Erneuerung“7 und wird im Allgemeinen mit der „Einfügung beziehungsweise Eingliederung in ein Ganzes, aber auch [mit] Anpassung oder Angleichung“8 assoziiert.

3.2 (Sozial)Integration versus Assimilation

Die Sozialintegration meint die Einbeziehung von Migranten in das gesellschaftliche Geschehen, etwa indem man ihnen Rechte gewährt. Seitens der Migranten geschieht sie durch den Erwerb von Sprachkenntnissen, der Beteiligung am Bildungssystem und am Arbeitsmarkt, sowie eine Beteiligung politischer Art. Ziel der Sozialintegration ist demnach vornehmlich die Schaffung eines Kollektivbewusstseins.9 „Wenn also eine mangelnde Integration konstatiert wird, so basiert diese Bewertung nicht selten auf der Vorstellung eines kompletten Aufge hens in der Aufnahmekultur.“ (Reinders, H. 2009: 20) Reinders möchte verdeutlichen, dass es allzu oft passiert, dass der Begriff der Integration bzw. Sozialintegration mit Assimilation gleichgesetzt wird, deren Fehlen als

„Integrationsverweigerung“ (Reinders, H. 2009: 20) seitens der Migranten interpretiert wird. Hier wird ein weiterer, nicht unerheblicher Begriff, namentlich die Assimilation, aufgegriffen, der in der Integrationsdebatte für Verwirrung sorgt. Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan bedient sich dieses Wortes häufig bei Staatsbesuchen in Deutschland. Er betont, dass Integration zweifelsohne vonnöten sei, welche den Erwerb der deutschen Sprache, die Identifikation mit dem deutschen Gesetz und der Teilhabe am Regelwerk Deutschland im Allgemeinen impliziert. Jedoch sei Assimilation eher unvorteilhaft, da sie ihrerseits eine Verwerfung der eigenen Kultur und Identität bedeute, die es aber zu bewahren gelte. Aufgrund solcher Äußerungen wird der Premier nicht selten kritisiert, was schlichtweg daraus resultiert, dass die beiden Begriffe Integration und Assimilation offensichtlich als Synonyme verwendet werden.

„‘Assimilation' (verbaliter: Anähnlichung, Anpassung) ist wie Integration ein aus dem Latienischen stammender Begriff und bezeichnet den Angleichungsprozess der Übernahme von Elementen einer bis dahin fremden Kultur von eingewanderten Menschen.“ (Öztürk, H. 2007: 284) Wie ersichtlich ist, ist der fehlerhafte Gebrauch dieser Begrifflichkeiten in der aktuellen Integrationsdebatte nicht sehr dienlich, um nicht zu sagen hinderlich.

4. Statistiken

Die Bildungssituation in Deutschland in Bezug auf die Schüler mit Migrationshintergrund ist anhand von Statistiken greifbar. Diese werden anhand folgender Quellen ermittelt: mithilfe der amtlichen Bildungsstatistik, unter Zuhilfenahme von repräsentativen Surveys der Wohnbevölkerung mit Informationen zur Bildungssituation wie der Mikrozensus oder das Sozio- ökonomische Panel (SOEP). Ferner werden Schulleistungsstudien wie PISA und IGLU sowie nichtrepräsentative Surveys zur Ermittlung der Bildungssituation herangezogen (vgl. Siegert, M. 2008: 11f.)

4.1 Schüler an allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2006/2007

Der folgenden Graphik ist die Anzahl der Schüler an allgemeinbildenden Schulen nach ausgewählten Staatsangehörigkeiten und nach Geschlecht im Schuljahr 2006/2007 zu entnehmen. Demnach besuchten insgesamt 9.355.857 Schüler allgemeinbildende Schulen, deren Ausländeranteil mit insgesamt 897.740 einen Anteil von 9,6% ausmacht. Die türkischen Schüler waren insgesamt 381.459 an der Zahl, was prozentual einen Anteil von 4,1% ergibt. Ersichtlich ist infolgedessen, dass genannte Schüler den höchste Anteil an ausländischen Schülern ausmachen. Die nächstgrößere Gruppe bilden die 57.926 italienischen Schüler mit einem Anteil von 0,6%. 45.991 Schüler aus Serbien und Montenegro sind laut Graphik die drittgrößte Gruppe ausländischer Schüler mit 0,5% Anteil an allen Schülern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Schüler an allgemeinbildenden Schulen nach ausgewählten Staatsangehörigkeiten und Geschlecht, Schuljahr 2006/200710

4.2 Schulbesuch in der Sekundarstufe nach Herkunftsland im Schuljahr 2003/2004

In der nächsten Graphik ist die Quote des Besuchs von Schulen der Sekundarstufe mit dem Herkunftsland der Schüler im Schuljahr 2003/2004 ersichtlich. Dass 49,3% der türkischen SchülerInnen eine Hauptschule besuchten ist kaum zu verkennen. Das ist beinahe die Hälfte dieser Schüler. Auffallend ist, dass auch italienische Schüler und solche, die aus Serbien und Montenegro stammen, eine höhere Hauptschulbesuchsquote als türkische Schüler aufwiesen. 54% der italienischen und 61% der Schüler aus Serbien und Montenegro waren Hauptschüler. Den niedrigsten Wert mit 16,6% an Hauptschulgängern stellten die Schüler aus der Ukraine dar. Die nächstgrößere Gruppe bei den türkischen Schülern bildeten die Realschüler mit 20,9%, wobei die Gruppe der italienischen Schüler, die eine Realschule besuchten, etwa gleich groß war. Mit 12,0% war das Gymnasium die am seltensten besuchte Schulart von türkischstämmigen Schülern. Die integrierten Gesamtschulen wurden mit 17,9% in etwa genauso oft besucht wie Realschulen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Schulbesuchsquote im Sekundarbereich im Schuljahr 2003/200411

4.3 Schulbesuch in der Sekundarstufe nach Herkunftsland im Schuljahr 2006/2007

Diese Statistik zeigt die Schulbesuchsquote in der Sekundarstufe getrennt nach Geschlecht und Herkunftsland im Schuljahr 2006/2007. 44,3% der türkischen Schüler und 38,8% der türkischen Schülerinnen besuchten in gegebenem Jahr eine Hauptschule. Ungeachtet des Geschlechtes wären das 41,5% aller türkischen Schüler. Folglich nahm der Besuch der Hauptschule von türkischen Schülern um bemerkenswerte 7,8% ab. Im Bereich der Realschule und des Gymnasiums ist ein deutlicher Zuwachs im Vergleich zum Schuljahr 2003/2004 zu erkennen. Besuchten doch in letztgenanntem Schuljahr 20,9% der Schüler eine Realschule und 12% ein Gymnasium, während im betreffenden Jahr 21,8% eine Realschule und 13,5% ein Gymnasium besuchten. Insgesamt ist also ein positiver Zuwachs festzustellen, wenn auch nicht in sehr großem Maßstab. Nennenswert ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass Schüler aus Serbien und Montenegro auch in diesem Jahr eine höhere Hauptschulbesuchsquote aufweisen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Schulbesuchsquote im Sekundarbereich im Schuljahr 2006/200712

4.4 Veränderung der Verteilung zwischen den Schuljahren 2000/2001 und 2006/2007

In dieser letzten Statistik ist die Veränderung der Verteilung zwischen den Schuljahren 2000/2001 und 2006/2007 auf ausgewählte Schulen der Sekundarstufe im Hinblick auf Herkunftsland und Geschlecht dargestellt. Es ist eine deutliche Abnahme der Anzahl türkischer Hauptschulgänger zu erkennen, besonders seitens der weiblichen Schüler. Überdies hat sowohl die Realschule als auch das Gymnasium einen deutlichen Zuwachs an türkischen Schülern zu verzeichnen. Entgegen vieler Meinungen, die sich für eine stetige Verschlechterung der Schulbildung von türkischen Schülern aussprechen, könnte man diese Statistik diesen Meinungsträgern nun repräsentativ vorhalten.

[...]


1 http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-47442-3.html (Letzter Zugriff am 27.03.2011)

2 http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-47442-4.html (Letzter Zugriff am 27.03.2011)

3 http://www.n-tv.de/politik/Sarrazin-fordert-Kopftuch-Verbot-article636890.html (Letzter Zugriff am 27.03.2011)

4 http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=O0SMIR (Letzter Zugriff am 19.03.2011)

5 http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=O0SMIR

6 Vgl. http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=O0SMIR (Letzter Zugriff am 19.03.2011)

7 http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/l52/l5211.htm

8 http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/konzepte/l52/l5211.htm (Letzter Zugriff am 21.03.2011)

9 http://www.sicetnon.org/content/soz/Petendra_Integration.pdf (Letzter Zugriff am 21.03.2011)

10 http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/WorkingPapers/wp13- schulische-bildung.pdf? blob=publicationFile (Letzter Zugriff am 27.03.2011)

11 http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/WorkingPapers/wp13- schulische-bildung.pdf? blob=publicationFile (Letzter Zugriff am 27.03.2011)

12 http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/WorkingPapers/wp13- schulische-bildung.pdf? blob=publicationFile (Letzter Zugriff am 27.03.2011)

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Ist Integration durch Bildung möglich?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Pädagogik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
29
Katalognummer
V171463
ISBN (eBook)
9783640910724
ISBN (Buch)
9783640908660
Dateigröße
1786 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
integration, bildung
Arbeit zitieren
Ayse Gökce (Autor), 2011, Ist Integration durch Bildung möglich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171463

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