Ausarbeitung zu Christian Krachts "Faserland"


Facharbeit (Schule), 2011
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Informationen zum Autor

2. Informationen zum Buch

3. Aufgabenbereich 1: Sachtexte
3.1. Literaturgeschichtliche Einordnung
3.2. Autobiographische Bezüge
3.3. Zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation
3.4. Deutung des Endes

4. Produktive Verarbeitung
4.1. Etappen
4.2. Gespräch mit der alten Dame
4.3. Tagebuch des Zimmermädchens
4.4. „Träum süß“
4.5. Rollos Abschiedsbrief

5. Abschließende Überlegungen
5.1. Warum gerade „Faserland“?
5.2. Leseeindrücke

1. Informationen zum Autor

Christian Kracht wurde am 29. Dezember 1966 in Saanen (Schweiz) geboren und ist ein schweizerischer Autor und Journalist. Nachdem er mehrere internationale Internate, z.B. Schloss Salem (Deutschland), Lakefield College School (Kanada) und Sarah Lawrence College (USA), besucht hat, wurde er Journalist für die B.Z.[1] und Tempo und anschließend übernahm er die Stelle des Indienkorrespondenten in Neu-Delhi. Anschließend zog es ihn nach Bangkok, wo er mehrere Jahre lebte und von dort aus mehrere asiatische Länder bereiste. 1999 trat er in der „ Harald Schmidt Show“ auf und machte Werbung für Peek & Cloppenburg, was ihm Bekanntheit verschaffte. Seit 2008 lebt er mit seiner Frau Frauke Finsterwalder in Buenos Aires (Argentinien).

In seinen zahlreichen Interviews versucht er oft mit seinen Äußerungen zu provozieren, z.B. bezeichnet er die Taliban nach dem 11. September 2001 als „camp“[2]. Da eine Vielzahl seiner Aussagen nicht eindeutig sind, geht man davon aus, das er versucht allgemeine Verwirrung zu stiften.

Für seine Werke erhielt er 1993 den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten und 2009 den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar[3].

Bekannte Werke von ihm sind der Roman „Faserland“ (1995), „1979“ (2001) und „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ (2008).

2. Informationen zum Buch

Der Roman „Faserland“, der 1995 verfasst wurde, gilt als Christian Krachts Debütroman[4] und ist eines der wichtigsten Werke der heutigen Popliteratur. Er wurde in mehrere Sprachen übersetzt, unter anderem ins Russische und Hebräische. „Der kleine Bildungsroman ,Faserland’ verändert in Deutschland die Wahrnehmung einer ganzen Generation, von der es hieß, sie habe gar keine Wahrnehmung“[5].

„Faserland“ erschien erstmals 1995 im Kiepenheuer & Witsch Verlag Köln, die mir vorliegende Ausgabe ist die 10. Auflage vom November 2009 Deutscher Taschenbuch Verlag & Co KG, München.

Der Roman erzählt von der Reise eines namenlosen, wohlmöglich ziemlich reichen Ich-Erzählers von Nord nach Süd durch Deutschland bis in die Schweiz. Auf seinem Weg zeigt er uns die Kommunikationsunfähigkeit seiner selbst und somit die der jungen Generation auf. Währenddessen schildert er sein Desinteresse, sein Wunsch nach Einfachheit und Unkompliziertheit, die Markenorientierung der jungen Generation und deren Konsum von Alkohol, Drogen und Sex, wobei hier nicht die heutigen Möglichkeiten sich zu amüsieren im Vordergrund stehen, sondern die eigentliche Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit der jungen Generation in den 90er Jahren. Während seiner Aufenthalte und Reisen reflektiert er Erlebnisse aus seiner Kindheit und benutzt sie als Beispiel für jetzige Erlebnisse (z.B. könnte er sich Karin als Freundin vorstellen, reflektiert dabei die gescheiterte Beziehung zu Sarah) oder als Mittel um den Leser die Vorgeschichte aufzuzeigen.

Als Ausweg aus diesem Kreislauf von Drogen, Sex, Alkohol und gesellschaftlicher Isolation (Rollo, viel Geld doch keine echten Freunde) beschreibt der Autor die Möglichkeit des Freitods, hierbei spricht er auch den Wert des Geldes für die Gesellschaft der 90er Jahre an, dessen Aktualität sich bis heute nicht verringert hat.

Ausgewählte positive und negative Kritiken:

-„Die Präzision der Wahrnehmung in einer Welt, die nur noch aus Markenartikeln besteht, diese Hellwachheit in der Leere, die Verdammnis zu kollektiven Banalitäten und das feine Unterscheidungsgefühl dabei – das habe ich noch nirgendwo so glasklar dargestellt gefunden.“[6]

-"Da schreibt ein widerlich arroganter Schnösel, der sein "Zeitgeist"-Dandytum[7] schon für Literatur hält und seine banalen Reisenotizen für erbarmungslos scharfe Beobachtungen".[8]

3. Aufgabenbereich 1: Sachtexte

3.1. Literaturgeschichtliche Einordnung

Nachdem Moritz Baßlervorschlug „ Faserland“ als „Gründungsphänomen“ des „Literatur-Pop“ zu deuten[9], begann die Diskussion um das „Phänomen“„Faserland“.

Der Definition des Begriffes „Popkultur“ nach zu urteilen, muss es sich bei dem Roman „Faserland“ um ein Werk aus der Popliteratur handeln, denn Popliteratur behandelt Themen wie z.B. Musik, Sex, Drogenkonsum, Reisen sowie die Verbindung mit Beispielen aus anderen Bereichen wie Fernsehen, Film, Literatur, Geschichte oder Musik.

Um das zu beweisen, werde ich nun einige ausgewählte Textstellen anbringen, wie z.B. zum Thema Geschichte, dass „Göring, der hier auf Sylt Ferien machte, einmal seinen Blut-und-Ehre Dolch hier verloren hat, mitten in den Dünen, es gab eine riesige Suchaktion,[…]“ (Seite 17), oder auch ein Beispiel aus dem Bereich Musik „Nigel würde nie in Discos gehen, obwohl es ja auch noch extreme Unterschiede gibt, zum Beispiel zwischen Techno-Discos oder Acid-Jazz[10] -Discos, wie sie immer Prinz gelobt werden,[…], ,Car Wash’, etwa, oder ,Funkytown’, von Lipps Inc.[11] ,…“ (Seite 37) . Auch aus dem Fernsehen und Film gibt es Beispiele, wie etwa „[…],Twin Peaks’, die Fernsehserie, die mal auf RTL lief.“ (Seite 44), oder „[…]wie in ,Der Exorzist’[…]“ (Seite 46), es wird aber auch Literatur angesprochen, wie z.B. „Thomas Mann habe ich auch in der Schule lesen müssen. Aber seine Bücher haben mir Spaß gemacht[…]. Diese Bücher waren nicht so dämlich wie die von Frisch oder Hesse oder Dürrenmatt[…]“ (Seite 154).

Themen wir Konsum von Alkohol wird in Form der vielen Bars angesprochen in der er schon war und in denen es ihn während seiner Reise verschlägt, „Odin“, „P1“ oder „Ksar“, auch der Drogenkonsum wird auf den unzähligen Partys angesprochen, z.B. die Party, auf die ihn Nigel „schleppt“, als Nigel ihm Pillen gibt, die Studentenparty, wo Nigel mit dem Gürtel um den Arm und der Spritze in der Vene im Keller liegt, oder auch der Valiumkonsum von Rollo.

Auch das Thema „Sex“ ist allgegenwärtig „ Ich sehe […], wie Nigel nackt auf dem Bett liegt, und auf seinem Gesicht sitzt dieses schwarze Model […] auf der Bettkante sitzt dieser Stüssy-Kappen[12] -Freak und hält Nigels Penis in der Hand, und mit der anderen Hand reibt der Jazzfreak an den Brüsten von dem Model herum […]“ (Seite 49).

Um das Thema „Reisen“ dreht sich sozusagen der ganze Roman, da der Protagonist durch ganz Deutschland reist, bis in die Schweiz, was auch ein typisches Element von popliterarischen Werken ist.

Ganz wichtig ist hierbei auch das Schema der Markenorientierung, im Text werden unzählige von Markennamen genannt, wie z.B. „Mercedes“, „Land-Cruiser“, „Roederer“, „Jever“, „Ralph-Lauren“, „Cartier“, „Rolex“, „Milka“, „Gaultier“ und andere.

Die Passage „Ich würde ihnen von Deutschland erzählen, von dem großen Land im Norden, von der großen Maschine, die sich selbst baut, da unten im Flachland“ spielt meiner Meinung nach zu urteilen auf Thomas Manns „Zauberberg“ an, in dem Norden und Süden ein wichtiges Leitmotiv darstellen, die Nähe zur Sonne, und das Eis des Nordens. Viel wichtiger dabei ist aber, dass der todessehnsüchtige, aus dem Norden stammende Protagonist des „Zauberbergs“ thematisiert wird, was man gleichsetzen kann mit dem Ich-Erzähler aus „Faserland“, der von Sylt kommt und auf dem Zürichsee (vermutlich) den Freitod eingeht. Hierbei kann man erkennen, dass auch die für Popliteratur typische Intertextualität eine Rolle im Werk Krachts spielt.

Dies waren natürlich nur einige Beispiele, von denen es im Text eine Vielzahl gibt. Also kann man sagen, dass alle wichtigen Kernthemen, die zu einem popliterarischen Werk gehören, erfüllt wurden. Kracht geht noch einen Schritt weiter und stellt in seinem Werk die Hoffnungslosigkeit der jungen Generation der 90er Jahre, sowie deren Desinteresse und Versuch zur Selbstfindung dar, die Jugend versucht die Lücke, die durch Identitätsverlust geschaffen wurde, mit Belanglosigkeiten und den oben genannten Ersatzbefriedigungen zu schließen, doch dies klappt nicht in allen Fällen (à Rollo).

Die (Schein)Blütezeit der Popliteratur war mit „Faserland“ auf ihrem höchsten Punkt, doch mit seinen weiteren Werken distanzierte Kracht sich vom Schema der Popliteratur, und es war auch gar nicht seine Absicht gewesen popliterarisch zu sein, so zumindest Hubert Spiegels[13] Meinung nach zu urteilen, obwohl ich davon ausgehe, dass auch noch im Roman „1979“ popliterarische Elemente mit eingebaut sind, da es sich dort auch wieder um Reisen dreht und Christopher nach einem Drogenexzess stirbt.

Summa summarum, der Text ist eindeutig ein popliterarischer Text, da er erstmal zeitlich in das Schema der Popliteratur passt und zum anderen die für die Popliteratur typischen Elemente enthält. Obwohl Kritiker sich darüber streiten, ob Kracht die popliterarischen Elemente gewollt oder ungewollt mit eingebracht hat, ist es trotzdem Fakt, dass diese Elemente vorhanden sind, und dabei spielt es nun keine Rolle, ob sie bewusst oder unbewusst mit in sein Werk eingeflossen sind.

3.2. Autobiographische Bezüge

Mit den vorangestellten Informationen zum Autor lassen sich natürlich etliche autobiographische Bezüge zum Text finden. Kracht besuchte als Kind die Schule Schloss Salem[14], genau wie der Ich-Erzähler in einer seiner Rückblenden reflektiere „[…] kurz bevor ich aus Salem rausgeschmissen wurde.“ (Seite 108), jedoch wurde Kracht nicht der Schule verwiesen. Des Weiteren musste sich der Protagonist des Romans keine Sorgen um Geld machen, warum er so viel Geld besaß, ist unbekannt, jedoch allein die Tatsache macht den Bezug zu Krachts eigenem Leben augenfällig, denn Kracht war „Sohn eines hohen Springer[15] -Managers“[16] und hatte damit unbeschwerten Zugang zu Elite Internaten und musste sich danach auch keine Sorgen um seine Finanzen machen.

Eine weitere Auffälligkeit ist die Reise durch Deutschland, man kann diese Reise erstens als Intertextualität zu Thomas Manns „Zauberberg“ sehen, wie schon oben erwähnt, jedoch viel wichtiger, könnte man ebendiese Reise als die Reise Krachts durch die ganze Welt deuten. Wie in den vorigen Abschnitten beschrieben, war Kracht eine Zeit lang in Bangkok tätig und reiste von dort aus durch viele asiatische Länder. Wie es in Asien Unterschiede gibt, man betrachte nur Nord- und Südkorea, so gibt es diese Unterschiede auch in Deutschland. Anzeichen dafür ist der Ausdruck des „Ost-Mensch[s]“ (Seite 106). Kracht war auch als Kind und Jugendlicher an verschiedenen internationalen Internaten, kam also schon damals viel rum und hatte wohl kaum Kontakt zu seinen Eltern. Der Protagonist erzählt im Roman über „Gott und die Welt“, doch keinen einzigen Satz widmet er seinen Eltern.

Wie man im Roman merkt, ist der Protagonist jemand, der viel Allgemeinwissen besitzt, ob nun historischer, literarischer, musikalischer oder politischer Art, was er in seinen unzähligen Rückblenden „an den Mann“ bringt, eins ist Fakt, dieses Wissen muss Kracht auch haben, da er ja als Journalist weltweit tätig war.

Dies alles sind Merkmale, bei denen man vermuten kann, dass es sich absichtlich um autobiografische Bezüge handelt, doch Kracht distanziert sich davon und auch einige Experten sind der Meinung, dass es sich bei Faserland nicht um einen autobiografischen Bericht, sondern „vielmehr um stilistisch hervorragend umgesetzte Rollenprosa [handele]“[17], was so viel bedeutet, dass Kracht weniger Wert auf die Einbringung seiner Geschichte in den Roman gelegt hat, sondern vielmehr sich ganz dem Denken der Zeit hingegeben hat und Teile seiner eigenen Geschichte passend für die Hauptcharaktere des Romans waren.

3.3. Zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation

In Verbindung mit den Eigenschaften der Jugend der 90er Jahre

Im Text erkennt man ganz deutlich die Störung der Kommunikation zwischen den Jugendlichen, hierbei wird nicht auf die Störung des Einzelnen Wert gelegt, also der Protagonist ist nicht allein mit dieser Kommunikationsstörung behaftet, sondern vielmehr wird hier die Kommunikationsstörung der gesamten jungen Generation der 90er Jahre angesprochen.

Anhand der Verhaltensweise des Protagonisten erkennt man ganz klar, dass er nicht in der Lage ist, sich mit anderen Leuten vernünftig zu unterhalten, dies kann man durch folgende Äußerungen belegen : „Ich höre nicht genau zu“ (Seite 14), „Karin erzählt etwas, ich schaue aus dem Fenster“ (Seite 15) und „Aber da höre ich nicht mehr zu […]“ (Seite 16). Während die Person ihm gegenüber mit ihm erzählt, fasst der Protagonist einen anderen Gedanken, er reflektiert sein Leben oder Dinge, die ihm gerade durch den Kopf gehen. Hier kann man ganz deutlich sehen, dass er abgeschottet in seiner eigenen kleinen Welt lebt. Er versucht zwar Kontakte zu knüpfen, doch durch sein permanentes Desinteresse gelingt ihm das nicht (immer).

Man kann auch ganz klar die innere Zerrissenheit und Unentschlossenheit des Protagonisten entdecken „Es interessiert mich auch nicht, doch eigentlich interessiert es mich doch“ (Seite 29), man sieht sehr deutlich: Er weiß nicht was er will. Dies ist zur damaligen und auch zur heutigen Zeit ein weit verbreitetes Dilemma.

Die junge Generation zerbricht sich viel zu sehr den Kopf über Belanglosigkeiten. Ein Beispiel aus dem Text wäre die Existenzberechtigung des Proseccos[18].

Ein weiterer Aspekt im jungen Dasein sind die Vielzahl an Vorurteile, die die Jugend hat, was Kracht in seinem Roman in einem noch nie dagewesenem Extrema darstellt, und zwar, dass alle alten Leute Nazis sind, oder in der Szene am im Flughafen stellt er Anzug- und Krawattenträger als SPD-Schweine dar, meistens denkt der Protagonist auch gar nicht nach, was er überhaupt von sich gibt, wie z.B. das Paradoxon „SPD-Nazi“. Hierbei sollte man sich wieder die Frage stellen, welche Stellung Respekt in der jungen Generation hat.

„Das was Regensburg heißt, oder Passau, oder Neumünster […]“, dieser kurze Auszug zeigt auf, dass dem Protagonisten die Einzelheiten so ziemlich egal sind, was entweder von Desinteresse oder fehlender Lebensfreude herrührt.

Ein Weiterer Punkt, der einem auffällt, ist, dass die Gedanken des Protagonisten nicht konstant sind, wir versuchen unser Leben zu reflektieren, nur manchmal entgleiten und wichtige Einzelheiten, die uns im nächsten Moment wiederum als unwichtig erscheinen. Auch der Punkt, dass man sich selbst belügt, wird hier thematisiert „Das wichtigste war damals, dass ich Varna nicht akzeptiert habe. Ich habe ihr nie zugehört, obwohl ich eigentlich allen zuhöre, weil ja alles irgendwie interessant ist“ (Seite 73). Er denkt also, er wäre ein guter Zuhörer, doch er beweist damit nur, dass er sich selbst nicht zuhört „Ich höre nicht genau zu“ (Seite 14), „Aber da höre ich nicht mehr zu […]“ (Seite 16).

Man erkennt oft, dass der Protagonist aus unergründlichen Ursachen handelt, wieso z.B. stielt er die Jacke von Alexander aus der Bar. Nach mehreren Abschnitten habe ich mich gefragt: Zu welchem Zweck ist das geschehen, eine Antwort blieb aus.

Er denkt er könnte alles bewältigen, doch Geld allein hilft dabei nicht. Er hätte Rollo vorm Tod bewahren können, er hätte ihm aufzeigen können, wie schön doch das Leben ist, doch wenn man diese Schönheit des Lebens selbst nicht kennt, dann kann man sie anderen auch nicht vermitteln.

Wäre der Protagonist in diesem einen Moment so schlau gewesen, denn er wusste was Rollo vorhatte, ihn zu beruhigen und zu trösten, als er am Steg weinte, dann hätte Rollo noch leben können, doch er ging nichtssagend weg und überlies Rollo seinem Schicksal. Hier sieht man ganz deutlich, wie viel Wert die Freundschaft zu Rollo für ihn hat, so gut wie keinen. Er geht auf niemanden zu, und versucht genau wie Nigel zu provozieren (z.B. Szene am Flughafen), wobei Nigel für den Protagonisten als Abschreckung galt (Drogenangebot des Hippies in München und auf der Studentenparty).

Zwischenmenschliche Beziehungen sind im Werk fehl am Platz, die Welt wird vom Egoismus regiert, bei dem nicht zwangsläufig nur auf seine eigenen Belange Rücksicht genommen wird, sondern einfach die Belange anderer weniger beachtet werden als die eigenen (à Rollo). Der Protagonist scheint nicht in der Lage richtige Freundschaften aufzubauen, das sieht man ganz deutlich daran, dass die, mit denen er sich anfreunden will, sich nicht für ihn interessieren (Anne auf der ersten Party, Alexander) und von denen, die sich für ihn interessieren oder seine Hilfe bedürfen, will er nichts wissen (Rollo). Er sucht sich falsche Vorbilder (Nigel), von denen er sich zwar abwendet, jedoch deren Einfluss nicht von sich schütteln kann. Mit Karin bricht er nach dem Syltaufenthalt auch den Kontakt ab. Er ist somit sozial isoliert, doch nun ist die Frage, wie kann eine Generation von sozial isolierten Jugendlichen existieren? Ganz einfach: Durch Zweckfreundschaften[19]. In der heutigen Gesellschaft findet man nur sehr wenig wahre Freundschaften. Der Protagonist hat viele Bekanntschaften, doch „Freund“ kann er von denen keinen nennen. Dadurch, dass der Protagonist nicht fähig ist Kontakt mit anderen zu halten, zerstört er sein Leben. Er hat zwar Geld, mit dem es sich Leben lässt, jedoch trifft hier das alte Sprichwort zu „ Geld allein macht nicht glücklich“. Kommunikation im Roman wurde nur auf das nötigste beschränkt, und was nicht wichtig ist, dafür lohnt es sich nicht zu sprechen oder zuzuhören.

3.4. Deutung des Endes

Das Ende würde ich in Beziehung zu Thomas Manns „Zauberberg“ setzen. Wie schon oben erwähnt, reist der todessehnsüchtige Protagonist des Werkes „Zauberberg“ von Norden nach Süden, was auch im Fall „Faserland“ zutrifft.

Das offene Ende bietet natürlich viel Freiraum zum Spekulieren, wobei man sich dabei einig ist, dass es ganz klar auf den Freitod hinausläuft. Der Zürichsee – der schweizerische Eridanus[20].

Der Protagonist hat auf seiner Reise so viel gesehen, was er erstmal verkraften muss, Drogen, Liebe, Hass, Trauer, Abweisung, Angst und sogar den Tod. Dies kann ein Mensch unmöglich alles auf einmal verarbeiten. Während er unterwegs war, machte er viele Bekanntschaften, doch er merkte selbst, das etwas nicht stimmte, er schottete sich zunehmend ab und das machte ihm zum Eremiten, der von Stadt zu Stadt reist um anschließend immer weiter zu reisen.

Diejenigen, bei denen er Schutz sucht, sind entweder schlechte Vorbilder (Nigel) oder benötigen selber Schutz und Zuwendung (Rollo). Er wird mit Sexeskapaden und Drogenmissbrauchsfällen von Nigel und anderen konfrontiert, er nimmt selbst Drogen, er raucht, er trinkt und ist ständig betrunken, und bemerkt, dass er im Rauschzustand die Welt viel klarer sieht, vielleicht erkennt er so seine Probleme, doch das Erkennen allein reicht nicht, denn die Lösung der Probleme ist wichtig, doch eine solche Lösung wird ihm nicht zu Teil, deshalb wird er vermutlich am Ende den einzigen, für ihn richtig erscheinenden Ausweg nehmen.

Vielleicht erkennt er aber auch, dass er das gleiche durchmacht wir Rollo. Rollo hat viel Geld, doch keine wahren Freunde, nur Schmarotzer, die ihn seines Geldes wegen mögen. Hierbei wird die Selbstzwecklichkeit[21] des Menschen verletzt, wie Kant[22] sagen würde. Rollo erkennt, dass er niemanden auf der Welt hat, seine Eltern sind nicht da, und alle die hier sind, sind nicht seinetwegen hier. Er flieht vor der Realität. Der Protagonist erkennt die Ähnlichkeiten zwischen Rollo und ihm, und tut wahrscheinlich das Gleiche.

Das Ende könnte aber auch in der eben genannten Form durch die angehäuften Schuldgefühle eintreten. Angefangen bei den Vorurteilen die er gegen Leute hatte, die er nicht kannte, über das, was er z.B. der Putzfrau zugemutet hat, dann den Diebstahl der Jacke und des Porsches, bis hin zur Mitverantwortlichkeit für Rollos Tod.

[...]


[1] Berliner Zeitung, heute: Berliner Kurier

[2] Quelle: Interview mitVolker WeidermannundEdo Reents, in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 30. September 2001

[3] Literaturpreis, jährlich von der Stadt Wetzlar vergeben seit 1983

[4] Debüt= erste Arbeit, die eine Person in einem best. Bereich der Öffentlichkeit präsentiert

[5] Quelle: Einbandtext Faserland- Christian Kracht DTV

[6] Gregor von Rezorri

[7] „Junge Leute, die in auffälliger Bekleidung Kirche oder Jahrmarkt besuchen“, nach Friedrich Kluge.

[8] Martin Halter, Züricher Tages-Anzeiger

[9] Quelle: Moritz Baßler: Der deutsche Pop-Roman. Die neuen Archivisten. München: C.H. Beck 2002, S. 110.

[10] Musikrichtung, die Elemente auselektronischer Musik,Soul,FunkundJazzin sich vereint

[11] US-amerikanische Studioformation ausMinneapolis

[12] Art Schirmmütze

[13] deutscherJournalistundLiteraturwissenschaftler

[14] Deutsches Internat unweit des Bodensees

[15] Axel-Springer-Presseimperium

[16] Quelle: Tages-Anzeiger; http://www.olafski.de/archiv/arbeiten/kracht.pdf S. 17

[17] Quelle: Innokentij Kreknin: Spaßausfall im Spiegelsaal. Christian Kracht und einige Korrekturen am überalterten Diskurs Popliteratur. In:ZonicNo 14-17, 2009, S. 140-145, hier S. 142.

[18] Mischform aus Wein und Sekt

[19] Kontakt zweier Personen zum gegenseitigen Vorteil

[20] Großer Fluss am Ende der Welt (gr. Mythologie)

[21] Der Mensch ist Zweck an sich, man behandelt einen Menschen seiner Selbst willen. Tut man dies nicht und benutzt einen Menschen um andere Ziele zu erreichen, so sieht man den Menschen als Sache an.

[22] Immanuel Kant, deutscher Philosoph der Aufklärung

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Ausarbeitung zu Christian Krachts "Faserland"
Hochschule
Friedrich-Schiller-Gymnasium, Calbe (Saale)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V171472
ISBN (eBook)
9783640913039
ISBN (Buch)
9783640912285
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Christian, Kracht, Faserland, Ausarbeitung
Arbeit zitieren
Sebastian Hüttl (Autor), 2011, Ausarbeitung zu Christian Krachts "Faserland", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171472

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