Herrschaftslegitimation und Propaganda am Beispiel Napoleons


Hausarbeit, 2010
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. J.-L. David

3. Bonaparte franchissant le Grande-Saint-Bernard
3.1 Bildanalyse

4. Das Herrschaftsbilde im 19. Jahrhundert
4.1 Propaganda
4.2 Repräsentation
4.3 Propaganda und Repräsentation am Beispiel Napoleons

5. Die Hierarchie der Bildgattungen

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit möchte sich mit der Herrschaftslegitimation und Propaganda in der Malerei des 19. Jahrhunderts auseinandersetzten. Festgemacht werden soll diese, bis Heute populäre Methode der politischen Meinungsbildung, am Beispiel des Historienmalers Jacques Louis David und seinem Gemälde Bonaparte franchissant le Grand-Saint-Bernard, von 1801. Nach einer kurzen Einleitung, die den Historienmaler Jacques Louis David vorstellen möchte, wir der Schwerpunkt der Arbeit auf die propagandistische Funktion des Gemäldes eingehen, die zugleich der Herrschaftslegitimation Napoléons diente.

Darauf wird eine ausführliche Bildbeschreibung und Analyse des Gemäldes Bonaparte franchissant le Grand-Saint-Bernard folgen. Welche Bildinhalte werden dargestellt, wie werden diese mit einander verknüpft und wie können die ikonographischen Aspekte assoziiert werden, sollen die zentralen Fragen der Arbeit sein. Leider können nicht alle Aspekte der Bildgestaltung berücksichtigt werden, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Zudem werden die zuvor behandelten Themen in einen historischen Kontext gebracht, der einen kleinen Überblick über die Malerei des 19. Jahrhunderts, sowie über die Malerei des J. L. David, geben soll.

Des Weiteren soll kurz die Academie royale de peinture et de sculpture vorgestellt werden. Dabei wird die Gattungshierarchie der Bilder erläutert, um ein Verständnis, für den Prozess, des Wandels in der Malerei, nachvollziehen zu können.

2. J.-L. David

Jacques Louis David war ein französischer Historienmaler und ist dem Klassizismus zu zuordnen. Er wurde am 30.August 1748 in Paris geboren und starb am 29. Dezember 1825 in Brüssel.

Im Jahre 1774 erhielt David für eines seiner Bilder den Prix de Rome. Kurz darauf fuhr er auch nach Rom um sich dort den Werken Michelangelos und Raffaels zu widmen. 1781 kam er nach Paris zurück, wurde Mitglied der Academie royale de peinture et de sculpture und arbeitete unter anderem für den damaligen König.

Wie viele Künstler seiner Zeit war auch er von der Aufklärung geprägt und empfand eine große Faszination für die Antike, was seine Studien in Rom deutlich werden lassen. David war Befürworter der französischen Revolution, war der Freund von Robespierres und wurde bald Jakobiner und engagierte sich somit auch politisch.

David war Zeitzeuge vieler großer Ereignisse, wie des Ancien Regime, der französischen Revolution, des Konsulats und der Kaiserkrönung Napoléons, wie auch der Restauration. Dies mögen die Gründe für sein politisches Interesse gewesen sein, doch waren sie sicherlich auch von großer Bedeutung für seine Entwicklung als Künstler.

Somit wurde auch Napoléon auf David aufmerksam, in erster Linie, seiner Bilder wegen. Im Januar 1800 wurde David, durch Lucien Bonaparte zum Maler der Regierung ernannt, David lehnte ab. 1804 wurde er dann doch Hofmaler des Kaisers.1

Das erste Bild des Konsuls, welches David daraufhin malte war Bonaparte franchissant le Grand-Saint-Bernard. Ob Napoléon selbst oder der König von Spanien den Auftrag gaben, dieses Bild zu malen ist nicht ganz geklärt.2

Seine Meisterwerke schuf er im klassizistischen Stil, jedoch entwickelte er diesen weiter indem er Naturstudien heranzog um seine Werke realistischer zu gestalten, ohne diese Realität je widerzuspiegeln.

Die meisten seiner Werke waren Historienbilder und Repräsentationsporträts. Briere hatte versucht die Erkennungsmerkmale Davids Porträtarbeiten zu skizzieren. Briere stellte die These auf, dass alle Porträts von David, 1. reelle Gesichtszüge wiedergeben und 2. eine gewisse Härte im Ausdruck auf zeigen würden.3

Jedoch treffen diese Erkennungsmerkmale nicht auf das Gemälde Bonaparte franchissant le Grand-Saint-Bernard zu. Weder ist eine gewisse Härte in Napoléons Ausdruck sichtbar, da es sehr idealisiert wurde und eher modelliert wirkt, noch sind reelle Gesichtszüge Napoléons erkennbar, da er sich nie für dieses Gemälde porträtieren lies.4 Daher kann man die Behauptung aufstellen, das es sich bei diesem Gemälde nicht um ein Porträt handelt. David selbst bezeichnet es als ein „ Tableau portrait “, ein Handlungsporträt.5 Hier zeigt sich ganz deutlich, durch die Aussage Davids, eine Verknüpfung von Historienbild und Porträt, das später als das portrait d ´ histoire bezeichnet wird. Die Arbeit wird darauf noch näher eingehen. Davids Talent zeigte sich in seinen einzigartigen Bildern, in denen er diese Verschleifung von traditionellen Repräsentationsporträts mit der vom Publikum gewünschten Heroisierung, was letztlich endlich die Propagandabilder Napoléons ausmachten, ermöglicht. Allerdings hatte auch David Vorbilder. Diese Verschleifung von Repräsentationsporträts und Bilder des Heros zeigte schon Etienne-Maurice Falconet in seiner Reiterstatue Peter der Große von 1782, in St. Petersburg.

3. Bonaparte franchissant le Grand-Saint-Bernard

Das Gemälde „ Bonaparte franchissant le Grand-Saint-Bernard “ ist das Werk des französischen Künstlers Jacques Louis David, der es im Jahre 1801 schuf. Es ist ein Öl auf Leinwand Gemälde mit den Maßen 272 x 232 cm und hängt heute im Mus é e national du ch â teau de Malmaison.6

Das Gemälde behandelt das Thema der Alpenüberquerung Napoléons im Mai 1800, während des zweiten Koalitionskrieges, dem die Schlacht bei Marengo voraus ging. Die Komposition des Bildes ergibt sich durch die Einteilung in Vorder,- Mittel- und Hintergrund, sowie einer sich durch das Bild erstreckenden Diagonalen. Der Hintergrund wird durch einen Wolken behangenen Himmel und ein sich nach links erhebendes Gebirge gebildet. Im linken oberen Bildteil, über dem Gebirge ist die Wolkendecke leicht aufgerissen. Die Farbgestaltung ist sehr dunkel und gedeckt. Rot, Blau und Weiß sind die dominierenden Farben, des Hintergrundes, wie auch des gesamten Gemäldes.

Den Mittelgrund bildet eine Menschenzug von französischen Soldaten, die mit schweren Kriegsgerüst und der französischen Trikolore, den steilen Gebirgszug im linken Teil des Bildes, hinauf steigen.

Napoléon auf einem weißen Pferd sitzend, welches sich in Position der Levade befindet, bildet den Vordergrund. Das Pferd steht mit aufgeschreckten Augen und aufgeblasenen Nüstern auf einer steilen Felsplatte, die zum Gipfel des St. Bernard führt. Schweif und Mähne des Pferdes werden von einer Windböe erfasst und in die Vorwärtsrichtung geweht. Napoléon befindet sich in einer aufrechten, nahezu steifen Haltung. Sein Kopf, wie sein Blick sind dem Betrachter zugewandt. Sein Gesicht wirkt sehr idealisiert und maskenhaft. Während Napoléon mit seiner linken Hand, die einen reich verzierten Handschuh trägt, die Zügel des Pferdes fasst, zeigt seine Rechte, entgegen seines Blickes, über die Passhöhe des St. Bernard, die es zu überwinden galt. Sein Gesicht ist fast regungslos, seine Beine fest an den Körper des Pferdes gedrückt. Er trägt einen Degen an seiner linken Seite, sowie ein Kleid und einen Mantel, die ebenfalls in rot, blau und weiß gehalten sind. Über seinem Kopf, der mit einem Hut bedeckt ist, ist die Wolkendecke leicht aufgerissen. Der rote Mantel wird wie der Schweif und die Mähne des Pferdes durch den Wind aufgebäumt. Seine Mantelspitze die durch den Wind die gleiche Richtung erhält, wie Napoleons rechte Hand, die über den Gebirgspass zeigt, windet sich hinter den Kopf des Pferdes.

Dadurch wird die Diagonale Komposition des Bildes, indem die Spitze des Mantels, die rechte Hand Napoléons, sowie Schweif und Mähne des Pferdes, die Felsplatte auf der sie sich befinden, der Verlauf des Gebirges und die Marschrichtung der französischen Artillerie, aufgezeigt. Der diagonale Verlauf des Gemälde, gibt diesem eine gewisse Dynamik. Auf dem unteren rechten Bildquadranten, in die Felsenplatte eingemeißelt, ist der Schriftzug „Bonaparte“, sowie Fragmente eines Schriftzuges „Hannibal“ und „Karolus Magnus“ zu erkennen.

3.1 Bildanalyse

Das Gemälde Bonaparte franchissant le Grand-Saint-Bernard entspringt dem Klassizismus und kann laut David selbst, als „ Tableau portrait “ gesehen werden.

Die Stellung des Pferdes in einer Levade lässt Napoléon, der eigentlich sehr klein und schmächtig ist, auf dem Rücken des Pferdes sehr groß und erhaben wirken, was für die Funktion des Bildes von großer Bedeutung ist.

Auch die Farbe des Pferdes, weiß, ist nicht unerheblich. In der Kunst werden weiße Pferde oft mit Kraft und Vitalität in Verbindung gebracht und sind somit ein Symbol für den Sieg und den Erfolg. Schon die griechische Mythologie verweist auf weiße Pferde, so sind die Zugpferde der Eos und des Helios weiß und gelten als Lichtbringer. Wobei schwarze Pferde hingegen oft mit dem Niedergang einer Schlacht oder dem Tod in Verbindung gebracht werden.

Das Napoléon im Gegensatz zu dem Pferd sehr ruhig und gelassen wirkt, sowie die Tatsache, dass er nur einen Handschuh trägt, unterstützen die Leichtigkeit, mit der er die Alpen zu überqueren scheint.

Der ruhige nahezu maskenhaft, modellierte Gesichtsausdruck Napoléons ist stark idealisiert, was wohl damit zu tun hat, das Napoléon sich nicht von David porträtieren lies und David somit einen Grundtypus verwenden musste.7 Zudem widerspricht der Gesichtsausdruck, Briers Erkennungsmerkmalen.

Das hier gewählte Reitermotiv ist ein oft verwendetes Motiv des Absolutismus und entspringt dem Barock. Es diente als traditionelles Repräsentationsporträt der Monarchen. Gerade das hier gezeigte Reitermotiv Napoléons macht den Anschein als würde es sich um eine barocke Statue handeln, die in die bereits vorhandene Landschaft hinein projiziert wurde. Des Weiteren ähnelt sie sehr der Reiterstatue Peter dem Großen von Etienne-Maurice Falconet.

Die wehende Mähne und der wehende Schweif des Pferdes, sowie die Haare Napoléons in Vorwärtsrichtung zeigen die Diagonale Komposition des Bildes auf. Durch sie erhält es eine außerordentliche Dynamik, die das komplette Bild erschließt. Die Diagonale Linienführung, weist hinauf zum St. Bernard, den es zu überqueren gilt und unterstützt dadurch die Expressivität und den Willen Napoléons. Das Napoléon eher als schlechter Reiter galt und die Alpen auf einem Maulesel, wie es Paul Delaroche in seinem Gemälde „ Bonaparte, die Alpen überquerend“ zeigt, spielten wohl keine Rolle.

Die Felsenplatte auf der sich Napoléon befindet schließt sich der selben Linienführung an. Auf ihr sind die Namen Bonaparte, sowie die Namen der beiden Heroen Hannibal und Karolus Magnus eingemeißelt, wobei die beiden letzteren nur in Fragmenten zu sehen sind. Napoléon versucht sich hier in die Kette großer und bedeutender Persönlichkeit einzureihen. Hannibal der mit seinen zahlenmäßig unterlegenden Soldaten im zweiten Punischen Krieg zwar an der Überquerung der Alpen scheiterte, war jedoch weltpolitisch von großer Bedeutung. Zudem war Hannibal ein berühmter antiker Feldherr mit dem es sich zu vergleichen, für Napoléon, lohnen würde.

[...]


1 Schnapper. J.-L. David und seine Zeit, Würzburg 1981, S. 203f..

2 Ebd..

3 Bleyl. Das Klassizistische Porträt, Frankruft am Main 1982, S. 85.

4 Die für diese Arbeit gewählten Literaturen erwähnen, das Napoléon sich für dieses Gemälde nicht porträtieren lies.

5 Bleyl. Das Klassizistische Porträt, Frankfurt am Main 1982, S. 85.

6 Schnapper. J.-L. David und seine Zeit, Würzburg 1981, S. 206.

7 Vgl. Schnapper/Schoch/Bleyl.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Herrschaftslegitimation und Propaganda am Beispiel Napoleons
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Tod und Krieg in Bildern
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V171519
ISBN (eBook)
9783640911035
ISBN (Buch)
9783640909025
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
herrschaftslegitimation, propaganda, beispiel, napoleons
Arbeit zitieren
Nadine Deutscher (Autor), 2010, Herrschaftslegitimation und Propaganda am Beispiel Napoleons, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171519

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