Der Schrein der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom


Hausarbeit, 2010

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die biblischen Magier
2.1 Die Translationen

3. Der Schrein der Heiligen Drei Könige
3.1 Seine Standorte
3.2 Die Stirnseite
3.3 Die Längsseiten
3.4 Die Rückseite

4. Das Bildprogramm

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Reliquienschrein stellt in der Kunstgeschichte einen Aufbewahrungskasten, in dem die Reliquien von Heiligen aufbewahrt werden, dar.

Diese Arbeit möchte den Schrein der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom skizzieren. Nach einer kurzen Einleitung, die den Weg der Gebeine von ihrer Fundstelle, über Konstantinopel bis nach Mailand beinhaltet, soll der Schwerpunkt dieser Arbeit auf die künstlerische Gestaltung des Schreins gelegt werden.

Unter welchen Umständen kamen die Gebeine nach Köln, welche Personen waren an diesen Translationen beteiligt? Wer gab den Auftrag einen Schrein zu fertigen und wie sollte dieser Aussehen? Welche Materialien waren nötig, wie wurden diese verarbeitet? Wo sollte der Schrein sich befinden und was verrät das Bildprogramm, sollen die zentralen Fragen der Arbeit sein. Leider können hier nicht all die ikonographischen Aspekte des Drei Königen Schreins berücksichtigt werden, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde.

Auch die durchweg positiven Folgen, die diese Translationen für die Stadt Köln mit sich brachten, können hier nicht näher behandelt werden. Es sei allerdings zu erwähnen, das die Gebeine der Heiligen Drei Könige für das heutige Stadtwappen, sowie für das Wahrzeichen der Stadt Köln verantwortlich sind. Durch die wertvolle Reliquie und den daraus resultierenden Pilgerstrom, den die Stadt verzeichnen konnte, wurde der Bau der gotischen Kathedrale ermöglicht, der schon von weitem sichtbar das Rheinufer ziert, und in welchem die Heiligen Drei Könige seit dem Mittelalter ruhen.

2. Die biblischen Magier

Aus dem Matthäus-Evangelium erfahren wir, dass sich kurz nach der Geburt Christi Magier aus dem Morgenland auf den Weg nach Bethlehem begeben, um das neugeborene Kind zu suchen. Von einem Stern geleitet, der ihnen den Weg weist, erreichen sie den Stall, in welchem Jesus in der Krippe liegt. Nachdem sie dort dem Christuskind huldigen und ihm Gaben in Form von Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen, kehren sie über einen Umweg in ihre Heimat zurück.1 In der Bibel ist allerdings nicht die Reden von Königen, sondern von Magiern. Die Bezeichnung „Könige“ erhalten sie erst später. Der Kirchenvater Tertullian verbindet die drei Magier aus dem Morgenland mit den Königen von Tharsis und mit den Königen von den Inseln Arabien und Saba, die ebenfalls dem Christuskind huldigen.2

Durch den Erzbischof von Arles, werden die Magier, ca. im 5 Jahrhundert, allgemein zu Königen, weil sie laut Matthäus Gold, Weihrauch und Myrrhe, als Geschenke an das Christuskind mit sich trugen3. Diese Geschenke deutet der Erzbischof von Arles als königliche Gaben. Nachdem sie zu allgemeinen Königen erklärt wurden, galten sie somit zu den ersten christlichen Königen, was wiederum eine große Rolle für die Gestaltung des Schreins spielte.

2.1 Die Translationen

Einige Quellen berichten, das Helena, auch als Heilige Helena bekannt, die Mutter Kaiser Konstantins, die Gebeine der Heiligen Drei Könige gefunden habe, nachdem sie sich in Palästina und Persien auf die Suche nach dem wahren Kreuz Christi machte. Sie fand sowohl Teile eines Kreuzes, als auch die Gebeine der Heiligen Drei Könige und brachte sie nach Konstantinopel, wo sie eine Zeit lang aufbewahrt wurden. Ob sich dort eine Dreikönigsverehrung entwickelte ist unklar.

Die Überlieferung spricht davon, dass die Gebeine durch Konstantin, im 4 Jahrhundert, an Eustorgius, Bischof von Mailand, übergeben wurden. Er brachte sie nach Mailand, wo sie 700 Jahre lang, in der Capella St. Eustorgius vor den Mauern, wo Eustorgius sich nach seinem Tod bestatten lies, ruhten. Im Jahre 1158 wurden sie in den Glockenturm von St. Georg innerhalb der Stadt gebracht, um sie vor dem Einzug haltenden Krieg zu bewahren.

Am 01. März 11624 gelang es Friedrich Barbarossa Mailand zu erobern und lies die Kirchen zusammen mit der Stadt zerstören. Unter anderem befanden sich die Gebeine der Heiligen Drei Könige, unter seiner Kriegsbeute, die er schließlich seinem Kanzler Rainald von Dassel, Erzbischof von Köln schenkte. Dieser machte sich mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige im Gepäck, die er von Friedrich Barbarossa nach dessen Besetzung überreicht bekam, am 11.Juli 1162, auf den Weg nach Köln. Einen Tag nach seiner Abreise aus Mailand schrieb er von Vercelli aus einen Brief,5 der bestätigte, das er sich mit den Reliquien auf dem Weg nach Köln befand. In seinem Besitz befanden sich jedoch nicht nur die Gebeine der Heiligen Drei Könige, sondern auch die, aus der Kriegsbeute des Barbarossa erbeuteten Gebeine des Heiligen Felix und des Heiligen Nabor.

Am 23.Juli 1164 wurde der Erzbischof mit einer feierlichen Prozession in Köln empfangen.6 Auf bitten des Mailänder Erzbischofs wurden 1903 kleinere Teile der Gebeine, durch den Domkapitular Dr. Arnold Steffens, entnommen und nach Mailand zurück gesandt.7

3. Der Schrein der Heiligen Drei Könige

Der Schrein der heiligen Drei Könige wurde unter dem neuen Erzbischof Philipp von Heinsberg in Auftrag gegeben und auch ihm wurde die Einbettung der Gebeine, in den fertigen Schrein, der etwa um 1225 fertig gestellt wurde,8 zu geschrieben. Philipp von Heinsberg war von 1167 bis zu seinem Tod 1191 Erzbischof von Köln und der direkte Nachfolger von Rainald von Dassel.

Der Kern des Schreins ist aus Eichenholz, welches mit Edelmetallplatten, aus Gold, vergoldetem Silber und Kupfer verkleidet wurde. Er hat eine Gesamtlänge von 220cm, ist 110cm breit und 153cm hoch. Ursprünglich war der Schrein sieben Rundbögen lang und wurde nach einer Restauration, im Jahre 1807, von dem Schreinmeister Michael Fuhrman, der den alten Holzkasten durch einen neuen ersetzte, um einen Bogen gekürzt. Bei einer spätere Restauration, zwischen 1961-73, verlängerte man den Schrein jedoch wieder um einen Rundbogen.9 Daher kam es auch zu Ergänzungen und zu einigen Positionswechseln der Figuren.

Seine architektonische Form gleicht auf dem ersten Blick einer dreischiffigen Basilika, was bei der Betrachtung der Rückseite jedoch nicht mehr zu halten ist, da deutlich zu sehen ist, das ein dritter Schrein über zwei bereits vorhanden gebaut wurde.

Im unteren Teil sollen die Gebeine der Heiligen Drei Könige, im oberen die des Heiligen Felix und des Heiligen Nabor, sowie die Gebeine des Heilige Gregor von Spoleto ruhen. Die Wände stehen auf einer doppelten Bodenplatte. Sie werden ringsum von kleinen emaillierten Säulchen, die mit Ausnahme des Giebelfeldes, der Stirnseite, in einer Doppelstellung angeordnet sind, umgeben.

Kleeblattarkaden und Rundbögen erheben sich auf den Kapitellen, die seit dem 19. Jahrhundert, die Säulchen zieren.

Der Wandaufriss der Längsseiten ist vierzonig gegliedert und mit einem Pultdach auf dem Untergeschoss und einem Satteldach auf dem Obergeschoss versehen. Vorder- und Rückseite sind dreizonig gegliedert, unterscheiden sich jedoch in ihrem Wandaufriss.

Die Edelsteine des Schreins wurden im 18. Jahrhundert von J.P.N.M. Vogel, einem Bonner Hofrat, zum ersten mal katalogisiert, unter dem Titel „ Sammlung der prächtigsten Edelsteine, womit der Kasten der Dryen Heiligen Weisen Königen ausgeziert ist “. Er zählt 226 Edelsteine, von denen nach Joseph Hoster noch einige bedeutende Steine erhalten sind, darunter 70 weniger bedeutende und einige aus dem 18. Jahrhundert, die bei einer Restaurierung von Wallraf und Pollack hinzugefügt wurden. Etwa 97 geschnittene antike Steine wurden bereits erworben und bei Restaurationen hinzugefügt.10 Rolf Lauer spricht von 222 geschnittenen Steinen aus dem 13. Jahrhundert, von denen noch 138 vorhanden sind. Die Anzahl der Gemmen und Kameen beträgt laut Lauer 304 Stück, somit sind 166 Steine Ergänzungen, von denen wiederum 152, zwischen 1961 und 1973 erworben wurden.11

Ein groß Teil der Arbeit am Schrein wird dem Goldschmied Nikolaus von Verdun und seiner Werkstatt zugeschrieben. Das Bildprogramm allerdings einem Domgeistlichen, der sich scheinbar der Thematik dieses Schreins bewusst war.12

Seine heutige Gestalt verdanke der Schrein F. F. Wallraf, der ihn durch W. Pollack hat restaurieren lassen.

3.1 Der Schrein und seine Standorte

Mit dem Einzug Rainald von Dassel, im Jahre 1164, nach Köln wurde der Schrein im Alten, spät-romanischen Dom aufbewahrt.

Auf Grund der Kostbarkeit des Schreins und der beinhalteten Reliquien, kam es durch den Erzbischof Konrad von Hochstaden zur Überlegung, einen neuen Dom zu errichten. Die Tatsache, das Köln somit zu einer der größten Wallfahrtsort Europas wurde, mag ausschlaggebend für den Bau eines neuen Doms gewesen sein.

Am 15.August 1248 war dann auch die Grundsteinlegung und am 15. Oktober 1880 wurde ein großes Fest zu Eröffnung des neuen Doms gefeiert. Jedoch hat man mit der alten Tradition, eines spät-romanischen Baues gebrochen und eine gotische Kathedrale, in Anlehnung an die St. Chapelle in Paris, in der sich die Dornenkrone Christi befindet und in Anlehnung an Amiens, erbaut.

Seit 1948 befindet sich der Schrein hinter dem mittelalterlichen Hochalter des Binnenchors, im neuen Dom. Vor 1322 stand er in der mittleren der sieben Umgangskapelle. Im Jahre 2004 wurde er in eine Glasvitrine gesetzt, die erhöht steht, so dass es möglich ist sich unter dem Schrein zu bewegen, wie es bei viele anderen mittelalterlichen Schreinen belegt ist.

3.2 Die Stirnseite

Die Stirnseite folgt einem dreizonigen Aufbau und lässt sich in Unter-, Ober- und Mittelgeschoss gliedern.

Im Untergeschoss werden drei Szenen, die gleichwertig neben einander gestellt sind gezeigt. Jede einzelne Szene wird von zwei gold-blau emaillierten Säulchen flankiert. Die Säulchen tragen in den beiden äußeren Szenen Kleeblattarkaden und in der mittleren einen Rundbogen. Die Säulen überspannen das komplette Geschoss.

Das mittlere Geschoss bildet eine abnehmbare Trapetzplatte, die zum Teil mit antiken Edelsteinen verziert ist. Die Trapetzplatte schließt nach unten mit einem Jadgfries und nach oben mit einer reich verzierten Schmuckleiste ab. Die Schmuckleiste erstreckt sich bis zum Satteldach, welches den architektonischen Abschluss des Schrein bildet. Das sogenannte Giebelfeld bildet das Obergeschoss. Auf diesem Giebelfeld ist eine weitere Szene dargestellt, die ebenfalls mit einer gold-blau emaillierten Säule flankiert wird.

Darüber erstreckt sich eine Kleeblattarkaden, auf der drei Dreiviertelkreise platziert wurden. Die komplette Szene wird von einer Emailleiste, auf der Löwenköpfe abgebildet sind umgeben. Nach oben hin schließt das Giebelfeld und somit der Schrein, mit einem, durch fünf gold-blauen Emailknaufe gekröntem Satteldach ab.

Die Stirnseite ist in ihrer Durchführung und ihrem Material die kostbarste Seite des „Goldene Schreins“. Sie ist mit sehr viel Gold, vergoldetem Silber und teuren, meist geschnittene antiken Edelsteinen ausgestattet. Die Hauptseite ist es die den Schrein architektonisch als eine dreischiffige Basilika erscheinen lässt und die Epiphanie Christi aufzeigt.

Die architektonische Gliederung, die eine Leserichtung von unten nach oben vorgibt, verknüpft die Dreikönigsreliquie mit dem eigentlichen Bildprogramm, der Heilsgeschichte. Im unteren Teil werden drei Geschehnisse aufgezeigt. In der Mitte ist Maria mit dem Jesus Kind dargestellt, an deren Stelle zuvor der Prophet Jeremias dargestellt werden sollte,13 welche rechts von der Taufe Jesus, durch Johannes den Täufer und einem Engel am Jordan, unter Kleeblattarkaden flankiert wird. Auf einem Pilgerblatt des Petrus Schonemann von 1671, sind in den Zwickeln über der Kleeblattarkade vier Kronen zu sehen,14 die allerdings heute nicht mehr vorhanden sind.

Zur linken treten die Heiligen Drei Könige durch Anbetung und Huldigung des Christuskindes in Erscheinung. Zudem schließt sich Otto der Vierte der Reihe der Könige an. Der Überlieferung nach wurde an der Seite zwischen 1198 und 1209 gearbeitet. Grund zu der Annahme ist, dass über Otto eine Inschrift zu sehen ist, auf der „ Otto Rex “ steht. Otto der Vierte wurde allerdings 1209 zum Kaiser gekrönt und somit muss die Stirnseite im Jahre 1209 fertig gestellt worden sein. Die Darstellung Ottos auf der Stirnseite und seine Einreihung in die Königskette werden wohl auch einen politischen Aspekt berücksichtigt haben. Otto konnte somit seine Herrschaft als König legitimieren, in dem er sich als Nachfolger christlicher Könige darstellen lies.15 Zudem gilt Otto als Stifter der drei goldene Kronen, die die Köpfe der Heiligen Drei Könige schmücken. Die Krönung spielt allerdings auch eine große Bedeutung für die Kölner Erzbischöfe. Sie waren lediglich für die Königssalbung zuständig und erhoben nun den Anspruch auf die Krönung selbst. Durch die Krönung Ottos und den Besitz der Dreikönigs Reliquie, versuchten sie dies zu legitimieren.

[...]


1 Matthäus Evangelium 2,1-12.

2 Psalm 71,10.

3 Die Heiligen Drei Könige. Köln 1996, S. 7.

4 Dom-Ausstellung 1956. S. 89.

5 Die Heiligen Drei Könige. Köln 1996, S. 8.

6 Ebd..

7 Dom-Ausstellung 1956. S. 89.

8 Lauer. Der Schrein der Heiligen Drei Könige. Köln 2006, S. 16.

9 Vgl. der hier vorgestellten Quellen.

10 Dom-Ausstellung 1956. S. 94.

11 Lauer. Der Schrein der Heiligen Drei Könige. Köln 2006, S. 56.

12 Ornamenta Ecclesiae. Bd 2, S.221.

13 Ornamenta Ecclesiae. Bd. 2, S. 216.

14 Ebd..

15 Lauer. Der Schrei der Heiligen Drei Könige. Köln 2006, S. 20.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Schrein der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Mittelalterliche Kunst in Kölner Kirchen und Sammlungen
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V171523
ISBN (eBook)
9783640911059
ISBN (Buch)
9783640909018
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schrein, heiligen, drei, könige, kölner
Arbeit zitieren
Nadine Deutscher (Autor), 2010, Der Schrein der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171523

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