Mirjam - Die Gotteskünderin


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

21 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Propheten
2.1 Der Begriff der Prophetie
2.2 Inhalt der prophetischen Rede
2.3 Der Prozess der prophetischen Rede

3. Prophetin, Frau oder Schwester
3.1 Frauen in der Bibel
3.2 Mirjam

4. Exegese
4.1 Das Mirjamlied
4.2 Auflehnung Mirjams und Aarons

5. Schlusswort

6. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

„Singt dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch und erhaben!

Rosse und Wagen warf er ins Meer!“

(Ex 15, 21)[1]

Wenn man an Propheten denkt, fallen einem im Grunde genommen die großen Persönlichkeiten Jesaja, Jona und Ezechiel ein. Leider lassen wir dabei ganz außer Acht, dass uns die Bibel ebenfalls Geschichten von bedeutenden Prophetinnen erzählt. Deshalb ist diese Arbeit einer eben dieser Prophetinnen gewidmet: Mirjam, die Frau, der einer der ältesten Texte der hebräischen Bibel zugeschrieben wird: Das Mirjamlied (Ex 15, 21).

Bei der Aufgabe, Mirjam, die Prophetin des Alten Testaments, zu verstehen und zu erfassen, stößt man auf manche Hindernisse. Die größte Schwierigkeit liegt wahrscheinlich darin, dass die hebräische Bibel nur sehr wenig über sie erzählt, und dass aufgrund des Textumfangs auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen ist, weshalb Mirjam das prophetische Talent zugesprochen wird.

Zunächst möchte ich mich in meinen Ausführungen mit dem Begriff der Prophetie auseinandersetzen und diesen definieren. Im Anschluss daran werde ich auf den Inhalt der prophetischen Rede im Allgemeinen eingehen und infolgedessen will ich versuchen, den Prozess der prophetischen Rede verständlich zu machen. Hier möchte ich mich im Besonderen auf die Inhalte der Vorlesung „ Propheten im Alten Testament“ und auf das Handbuch „Altes Testament unterrichten“ von Horst Klaus Berg berufen.

Es folgt eine kurze Darstellung der Frau in der Bibel, woraufhin ich mich näher mit der Bibelgestalt Mirjam befassen werde. Wer war sie? Welche Hauptrolle spielt sie in der Bibel: die der Frau, der Prophetin oder der Schwester ?

Ferner werde ich das Mirjamlied in einen biblischen Kontext setzen, in eigenen Worten zusammenfassen und deuten. Ich habe beschlossen mich hauptsächlich auf das Mirjamlied zu konzentrieren, da sie nur explizit in dieser Textstelle als Prophetin auftritt.

Letzten Endes möchte ich mit Hilfe dieser Hausarbeit die Frage beantworten, warum Mirjam die einzige Frau ist, die in den fünf Büchern Mose als Prophetin bezeichnet wird.[2]

2. Propheten

„Erzählen hat mit Erinnern zu tun.[…]

Sich erinnern kann hilfreiche Zukunftsbilder ermöglichen.“[3]

2.1 Der Begriff der Prophetie

Wir alle kennen den Begriff der Prophetie, jeder kann ihn für sich in einen Zusammenhang stellen, dennoch passt der Begriff Prophetie nicht mehr in unseren Alltag. „Ein Prophet ist jemand, der wahre Aussagen über die Zukunft trifft“. So in etwa klangen die Antworten, als ich einige meiner Mitmenschen bat mir zu definieren, was ein Prophet für sie darstellt. Manche fügten außerdem hinzu, dass ein Prophet ein Gesandter Gottes und dafür zuständig ist, das Wort Gottes zu verbreiten.

Diese Erkenntnisse bestätigen im Grunde genommen Bergs Thesen, dass Propheten schnell „in die Nähe von Wahrsagern, Pendlern oder ähnlichen dubiosen Gestalten“[4] rücken oder, dass

„Propheten ins Dämmerlicht einer Sonderwelt [entrückt werden], in der wir sie als geschichtliche Schau-Stücke besichtigen, die Tiefe ihres Gottesverhältnisses bewundern und die Wucht ihrer Rede auf uns wirken lassen können. Aber ihren Weg [nicht gehen können], weder als Einzelne noch als Gemeinde, weil wir ihre Orientierungszeichen nicht kennen“[5]

Berg kritisiert diese Ansichten, da uns, seines Erachtens nach, dass nicht zufriedenstellen darf, weil es daran nichts zu lernen gibt.[6]

An dieser Stelle ist es wichtig, auf das Prophetenverständnis im Alten Testament einzugehen. Aus dem Hebräischen und Griechischen übersetzt bedeutet das Wort „Prophet“ der Rufer/Rufende, der Verkündende und als Seher voraussagende. Ein Prophet besitzt ein hohes Berufungsbewusstsein und sieht seine Aufgabe in dem Willen Gottes Wort als heilswirksames Wort Geltung verschaffen zu wollen. Ein charakteristisches Element ist, dass Propheten die unterschiedlichsten Visionen haben, in denen Gott und sein Wort sich ihnen offenbart.[7]

Ist es also so, dass wir akzeptieren müssen, dass Prophetie für uns nicht weiter zu hinterfragen ist und als tabu gilt? Diese Frage beantwortet Annelise Hecht in ihrem Aufsatz „Die Gabe, prophetisch zu reden“. Sie schreibt, dass sie die Gabe der Prophetie „wie Paulus als ein Begabung, andere zu trösten, zu ermutigen, das eigene Leben im Licht von Gottes befreiendem Wort zu sehen“[8], versteht. Sie geht noch weiter und beschreibt das prophetische Talent als etwas recht Alltägliches und als Gabe, die vielen Frauen und Männern gegeben ist, auch in unserer heutigen Zeit.[9] Wenn ich ihren Gedankengängen folge, beschreibt sie Prophetie als ein Inneres Drängen, ein klareres Sehen der Gegenwart, eine empathische Sicht, verbunden mit einem hohen Gerechtigkeitssinn. Allerdings schließt sie Gottes Absicht nicht aus!

Es ist demnach wichtig, sich seiner Definition des Begriffes Prophetie im Klaren zu sein. Besonders, meines Erachtens nach, wenn man sich mit der Bibelgestalt Mirjam auseinandersetzt, da man ihr, je nachdem wie man den Begriff Prophetie verwendet, nicht das Amt der Prophetin zusprechen würde.

So wie beispielsweise Rita Burns, die sogar so weit geht und Mirjams Titel Prophetin als einen Anachronismus bezeichnet, da der Text ihrer Meinung nach keinen Hinweis auf eine prophetische Aktivität gibt.[10] Athalya Brenner stimmt ihr zu, „daß die genaue Natur ihrer prophetischen Fähigkeiten nicht erklärt wird“[11] und vermutet, „daß mit dieser Bezeichnung die nationale Bedeutung Mirjams betont wird.“[12]

Ich möchte im Verlauf dieser Arbeit darauf eingehen, warum Mirjams Tanz und Lied doch als Prophetie verstanden werden kann.

2.2 Inhalt der prophetischen Rede

„Ich will euer Gott sein

und ihr sollt mein Volk sein.“

(Lev 26, 12)

Ein Bibelzitat, das die Inhalte aller prophetischen Reden zusammenfasst und auf eine zentrale Aussage fokussiert. Berg redet hier von der „Erwählungszusage“, die in einem engen Bund steht mit bestimmten Heilserweisungen Gottes (Bsp.: Schöpfung, Exodus-Tradition) für sein Volk. Dieser enge Bund beschreibt das Verhältnis, die Zugehörigkeit Gottes und seines Volkes Israel.[13]

Des Weiteren betont Berg, dass die Propheten mit diesen Erinnerungen in Übereinstimmung mit ihren Mitmenschen gelebt haben, allerdings weist er auf einen durchgreifenden Unterschied hin: „In der prophetischen Verkündigung verbindet sich die Erinnerung [meist] mit scharfer Kritik“[14]. Ich grenze diese These ein, da in der Prophetie zwei Arten der Botschaftsübermittlung vorherrschen: Die Mahnbotschaft und die Trostbotschaft.[15]

In der Mahnbotschaft werden meist soziale und kulturelle Missstände in der gegenwärtigen Gesellschaft kritisiert, gemahnt und mit einem verurteilenden Ende zum Volk ausgerufen. Sie ist an die Menschen gerichtet, die sich vom Wort Gottes entfernt haben, wird als Gerichtsankündigung verstanden und ist kennzeichnend für die vorexilische Prophetie. Die Trostbotschaft hingegen ist an die Menschen gerichtet, die die Wirkkraft des Wortes Gottes nicht mehr spüren können. Sie ist charakteristisch für die Zeit des Exils. Die Menschen brauchten Hoffnung und Zuversicht in dieser Zeit. Prophetische Reden waren demnach hauptsächlich darauf ausgerichtet, das neue Heil zu verkünden.[16]

Berg befasst sich hauptsächlich mit der vorexilischen Prophetie. Hier lässt sich, vor allem in den Mahnbotschaften, ein Grundmuster erkennen. Zunächst erinnert der Prophet an die Heilsgeschichte, die, wie zuvor erwähnt, ebenfalls als „Erwählung“ bezeichnet wird. Diese Erwählung schließt ein, dass die Gaben Gottes mit Aufgaben verbunden sind, was das Volk Israel, laut der Propheten, nur zu gerne vergisst, da es die Erwählung Gottes als Garantie erachtet. Es ist nun die Aufgabe des Propheten daran zu erinnern und das Fehlverhalten des Volkes aufzudecken. Zum Schluss endet die Rede mit einer Unheilsansage.[17]

Dieser Ablauf beschreibt im Grunde genommen eine prophetische Rede nach dem Bilderbuch. Damit will ich sagen, dass genau dieses Bild, eines prophetischen Textes in den Köpfen vorherrscht. Allerdings gibt es, nach dem heutigen Forschungsstand, die unterschiedlichsten Prophetentypen in Israel. Sie alle können, meines Erachtens nach, den oben genannten Botschaftsarten zugeordnet werden, treten jedoch in den unterschiedlichsten Formen auf: Gerichtsankündigung, Klagelied, Lobgesang und Ähnliches.

Passt Mirjam anhand dieser Ausführungen nun mehr in das Bild der Prophetin? Sie kann nicht direkt dem genannten Schemata zugeordnet werden, doch eine Gemeinsamkeit greift ihr prophetischer Text auf, und das ist die zentrale Botschaft: Gott ist mit uns, und wir sind mit Gott.

[...]


[1] In den folgenden Ausführungen werde ich Bibelzitate, wie dargetan, kennzeichnen. Die verwendete Bibel, ist im, Literaturverzeichnis angegeben.

[2] Vgl. Fischer, 2002, S. 64

[3] Jürgensen, 1997, S. 8

[4] Berg, 1999, S. 228

[5] Berg, 1999, S. 228

[6] Vgl. Berg, 1999, S. 228

[7] Vgl. Vorlesung (Power Point Präsentation)

[8] Theuer, 2006, S. 9

[9] Vgl. Theuer, 2006, S. 9

[10] Burns, 1987, S. 134

[11] Zitiert nach: Butting, 2001, S. 43

[12] Butting, 2001, S.43

[13] Vgl. Berg, 1999, S. 230

[14] Berg, 1999, S. 230

[15] Vgl. Vorlesung (Power Point Präsentation)

[16] Vgl. Vorlesung (Power Point Präsentation)

[17] Vgl. Berg, 1999, S. 232

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Mirjam - Die Gotteskünderin
Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Veranstaltung
Propheten im Alten Testament
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V171589
ISBN (eBook)
9783640911523
ISBN (Buch)
9783640909605
Dateigröße
648 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mirjam, gotteskünderin
Arbeit zitieren
Britta Himmeln (Autor), 2010, Mirjam - Die Gotteskünderin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171589

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