Bilder allein haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht nur Meinungen beeinflusst, Weltbilder geprägt und die Kultur geformt, sondern auch eine nicht unerhebliche Bedeutung in der medialen Kommunikation politischer Akteure und Parteien entwickelt. Diese mediale Kommunikation spielt sich gerade in Zeiten der Digitalisierung mehr und mehr in sozialen Medien ab, weshalb diese Arbeit sich mit eben jenen beschäftigt. Exemplarisch wird sich mit der Instrumentalisierung der Geschichte in Form historischer Bezüge auf Instagram beschäftigt. Neben dem Untersuchungsraum der Social-Media-Plattform wird auch die zu untersuchende Gruppe deutlicher eingegrenzt und auf rechte (Partei-)Politik beschränkt. Mit Blick auf die umfassenden und polarisierenden gesellschaftlichen Debatten der Gegenwart wird sich diese Arbeit gezielt mit dem Online-Auftritt der Alternative für Deutschland (AfD) als relevanteste rechte Partei in der gegenwärtigen politischen Landschaft Deutschlands befassen.
Zusätzlich zu den Landesverbänden sowie dem Bundesverband werden bei dieser Untersuchung einige prominente Einzelpersonen einbezogen, die auch innerhalb der Partei nicht immer unumstritten sind, bei denen jedoch aufgrund ihrer Position in der Partei davon ausgegangen werden kann, dass sie die Parteilinie ausreichend gut repräsentieren, um als Teil des „Kommunikationsraumes AfD“ untersucht zu werden. Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Arbeit wird die Instrumentalisierung bestimmter historischer Epochen zur Selbstdarstellung der AfD sein, wobei der Fokus stärker auf dem liegt, was als historischer Referenzrahmen genutzt wird, als auf den tatsächlichen Auswirkungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Instagram als Untersuchungsgegenstand
2.1 Social Media als Diskursraum
2.2 Instagram als Plattform
2.3 Bilder als Mittel der öffentlichen Kommunikation
2.4 Instagramposts als Untersuchungsgegenstand
3. Datengrundlage
3.1 Landesverbände
3.2 Einzelpersonen
4. Geschichte als Instrument – das Beispiel der AfD
4.1 Relevanz der Beschäftigung mit Geschichte
4.2 Direkte Verweise auf die Vergangenheit
4.3 Begriffe als Mittel der Erinnerung
4.4 Symbole als historische Bedeutungsträger
4.5 Architektur und Denkmale als Verweis auf Strukturen
5. Fazit
6. Bildverzeichnis
7. Instagram-Kanäle
8. Instagram-Posts
9. Literatur und sonstige Quellen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht, wie die Alternative für Deutschland (AfD) die Social-Media-Plattform Instagram nutzt, um gezielt historische Bezüge für ihre Selbstdarstellung zu instrumentalisieren und damit ihr politisches Narrativ zu festigen.
- Analyse der Rolle von Instagram als digitaler Diskursraum und Instrument politischer Kommunikation.
- Untersuchung der Instrumentalisierung historischer Epochen, Ereignisse und Symbole durch die AfD.
- Charakterisierung der AfD-Strategie zur Konstruktion eines Opfernarrativs und eines homogenen Volksbegriffs.
- Evaluation der Bedeutung von Bildsprache und historisch konnotierten Begriffen für die Parteikommunikation.
- Beleuchtung der strategischen Nutzung ambivalenter Symbole zur Mobilisierung der eigenen Zielgruppe.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Bilder allein haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nicht nur Meinungen beeinflusst, Weltbilder geprägt und die Kultur geformt, sondern sich auch in ihrer kommunikativen Funktion deutlich entwickelt. Die Entwicklung dieser gerade in Kombination mit Texten begann in Form von in Zeitungen abgedruckten Fotografien, die zu illustrierten Zeitschriften ausgebaut wurden, wobei die zu den Bildern gehörenden Texte die Botschaft dieser von Beginn an unterstützten und schärften. Die Bandbreite dieser umfasst dabei bis heute alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, sei es die Berichterstattung über aktuelles Geschehen, das Teilen von Erinnerungen oder die öffentliche Teilhabe am Leben prominenter Persönlichkeiten.
Die politische Nutzung des (gedruckten) Bildes geht dabei bereits auf die Blütezeit der Bildpostkarten zwischen 1895 und 1918 und die fotografische Karte ab dem Ersten Weltkrieg zurück und entwickelte sich in den Jahrzehnten danach bis zur Nutzung selbst kleinster Flächen wie Briefmarken. Parallel dazu wurde das bewegte Bild zunächst als Kinofilm zum Ende des 19. Jahrhunderts und später in Form von Fernsehsendungen und Spielfilmen immer populärer. Die steigende Bedeutung der visuellen Kommunikation in verschiedenen sich entwickelnden (Massen-)Medien zeigt sich auch in der immer stärkeren Reproduktion bis hin zur Simulation von Realität oder in der Unerlässlichkeit von Bildern zur modernen Kriegsführung, wie etwa 2003 im Irakkrieg.
Durch die beginnende Digitalisierung, aber auch durch die in Handys verbauten Kameras wurde die Erstellung und vor allem die Verbreitung von Fotografien auch für Laien immer niedrigschwelliger. Während die analoge Fotografie noch weit aus umständlicher und auf eine gewisse Vorbereitung angewiesen war, ermöglichen Handys und Digitalkameras das vergleichsweise kostengünstige Fotografieren in großer Stückzahl. Dies und die Ausbreitung des Internets ließen möglichst aktuelle Bilder in der Kommunikation und in der Berichterstattung endgültig zu einem unerlässlichen Ausdrucksmittel werden. Dies betrifft neben dem professionellen Journalismus und politischen Inszenierungen auch die Verwendung von Bildern und Symbolen von außerparteilichen Organisationen und Verbänden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung visueller Kommunikation und die wachsende Bedeutung von Bildern im politischen Kontext, um die Relevanz der Untersuchung von Instagram als Medium der AfD zu begründen.
2. Instagram als Untersuchungsgegenstand: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen sozialer Medien, Filterblasen sowie die spezifischen Funktionen und Merkmale von Instagram als Plattform für Selbstdarstellung und politische Kommunikation analysiert.
3. Datengrundlage: Dieser Abschnitt beschreibt die Auswahl der untersuchten Instagram-Konten der 16 Landesverbände, des Bundesverbandes sowie prominenter Einzelpersonen der AfD für den Zeitraum vom 3. Oktober 2023 bis zum 1. Mai 2025.
4. Geschichte als Instrument – das Beispiel der AfD: Das Kernkapitel systematisiert und analysiert die verschiedenen Strategien der AfD, durch historische Referenzen, Begriffe, Symbole und Architektur politische Narrative zu konstruieren und die Partei als Widerstandsbewegung zu inszenieren.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die AfD Instagram gezielt als Plattform nutzt, um durch historische Instrumentalisierung Identitätsangebote zu schaffen und ein Opfernarrativ gegenüber der Regierung zu stärken.
Schlüsselwörter
AfD, Instagram, Politische Kommunikation, Historische Referenzen, Instrumentalisierung, Geschichte, Nationalstolz, Opfernarrativ, Soziale Medien, Bildsprache, Politische Symbolik, Digitale Strategie, Erinnerungskultur, Wahlkampf, Parteikommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die AfD die Plattform Instagram gezielt einsetzt, um durch die Instrumentalisierung historischer Bezüge und Symbole ihre politische Agenda und Identität zu vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Themenfelder digitale politische Kommunikation, die Nutzung von Geschichtsbildern zur Konstruktion eines Opfernarrativs sowie die strategische Verwendung von Symbolen und Begriffen zur Mobilisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, nachzuweisen, dass die AfD Instagram als Werkzeug nutzt, um bestimmte historische Deutungsrahmen zu etablieren, die das Zugehörigkeitsgefühl zu einer „deutschen Nation“ stärken und die Partei als legitime Opposition positionieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit verwendet eine qualitative, systematische Analyse von ausgewählten Instagram-Beiträgen, die nach verschiedenen Kriterien wie Begriffsverwendung, Symbolik und historischen Referenzen kategorisiert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Untersuchung der AfD-Inhalte, unterteilt in Aufrufe zur Beschäftigung mit Geschichte, direkte Verweise auf die Vergangenheit, die Verwendung historisch konnotierter Begriffe sowie den Einsatz von Symbolen und Architektur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie AfD, Instagram, Politische Kommunikation, Historische Instrumentalisierung, Nationalstolz, Opfernarrativ und Politische Symbolik charakterisiert.
Warum spielt die DDR-Vergangenheit eine so große Rolle für die AfD?
Die AfD nutzt die DDR-Vergangenheit, um sich in die Tradition des bürgerlichen Widerstandes zu stellen und ihre eigene Rolle als unterdrückte Opposition in der heutigen Bundesrepublik rhetorisch zu legitimieren.
Welche Rolle spielt die Ambivalenz der verwendeten Symbole?
Ambivalente Symbole erlauben es der AfD, gezielt bestimmte Zielgruppen anzusprechen, ohne direkt angreifbar zu sein, da sie sich im Zweifel auf Fehlinterpretationen berufen kann.
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- Anna Reißberg (Author), 2025, Geschichte als Instrument politischer Parteien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1716121