Kann die Systemtheorie Niklas Luhmanns einen Beitrag für die Personalentwicklung leisten?


Hausarbeit, 2011

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN: VON DER SYSTEMTHEORIE BIS ZUR PERSONALENTWICKLUNG
2.1 BEGRIFFSEXPLIKATION SYSTEMTHEORIE
2.2 GRUNDBEGRIFFE DER THEORIE NACH LUHMANN
2.3 BEGRIFFSEXPLIKATION PERSONALENTWICKLUNG (PE)

3. DIE SYSTEMTHEORIE ALS NEUE MÖGLICHKEIT DER PE
3.1. ORGANISATIONEN IN DER SYSTEMTHEORIE
3.2. SYSTEMISCHE PERSONALENTWICKLUNG

4. RESÜMEE: SYSTEMISCHE PERSONALENTWICKLUNG EIN ERFOLGSGARANT?

ANHANG
LITERATURVERZEICHNIS
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

Unsere Gesellschaft ist geprägt von schnelllebigen Technologien, Globalisierung, und Individualität; einhergehend mit einer sich verändernden Altersstruktur inner- halb unserer Gesellschaft: dem Demografischem Wandel und dem daraus resul- tierenden Fachkräftemangel. Viele Einflüsse sind entscheidend, wenn es um zu- künftige Entwicklungen geht. Neben genannten externen Einflüssen bestimmen aber auch interne Faktoren über den zukünftigen Erfolg eines Unternehmens. Personal wird im Verlauf der nächsten Dekade zu einer knappen Ressource. So- mit wird einer dieser wesentlichen und einflussreichen internen Faktoren der Per- sonalbereich und im Speziellen die Personalentwicklung. Derzeit steht diese in vielen Unternehmen im Fokus des Interesses. (Vgl. Weilbacher 2010, S. 3) Doch die einstigen Anforderungen an die Personalentwicklung, die Aus- und Weiterbil- dung, werden dem ständigen Wandel und steigenden Ansprüchen nicht mehr ge- recht. Auch Arnold weist daraufhin, dass die Komplexität und Dynamik moderner Unternehmensorganisation es verbietet, sich in starren Regelungen und in siche- ren professionellen Wissensbeständen häuslich einzurichten (vgl. Arnold 2009, S.3).

Es gibt immer weniger Standardsituationen, von daher sind auch Standardlösun- gen immer weniger praktikabel. Die neuen Formen erlebter Komplexität, mit denen moderne Unternehmungen in erhöhtem Maße konfrontiert werden, erfordern die Neugestaltung der Vorgehensweise hinsichtlich der Gestaltung und Führung so- ziotechnischer Systeme. Aus diesem Grund besteht die Notwendigkeit des Über- und womöglich auch Umdenkens. Niklas Luhmann, der deutsche Vertreter der Systemtheorie, war der Auffassung, dass es Systeme gibt und die Komplexität der Welt durch Systembildungen reduziert werden kann. Liegt hier der Schlüssel zum Erfolg? Kann die Systemtheorie einen Beitrag für die Personalentwicklung leisten? Sind hier bisher kaum beachtete Möglichkeiten zu finden, die in Zeiten des steti- gen Wandels Wettbewerbsvorteile generieren können? Dieser Frage soll in der vorliegenden Hausarbeit nachgegangen werden.

Die Hausarbeit ist in drei Teile gegliedert. Nach einer Einführung in die Thematik, ist die Explikation zentraler Begriffe inhaltlich dem zweiten Teil verpflichtet. Hier soll vor allem Hauptaugenmerk auf der Systemtheorie und seiner Begrifflichkeiten liegen. Der dritte Teil stellt den Hauptgegenstand der Arbeit dar: die Verknüpfung bzw. Vereinbarkeit Luhmanns Systemtheorie und der Personalentwicklung. Ziel der Arbeit ist es herauszufinden, ob die Systemtheorie möglicherweise einen Bei- trag für die Personalentwicklung leisten kann und welche systemischen Personal- entwicklungsmaßnahmen sich in Unternehmungen implementieren und umsetzen lassen können. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und Schlussbe- trachtung.

Die vorliegende Hausarbeit kann nur die Grundlagen der Systemtheorie vorstellen, die vor dem Hintergrund der Forschungsfrage von Relevanz sind. Eine intensive und konstruktivistische Auseinandersetzung der Thematik ist mit dieser Arbeit auf- grund der vorgegebenen Richtlinien weder möglich noch zielführend. Des Weite- ren wird darauf hingewiesen, dass die im dritten Kapitel benannten Personalent- wicklungsmaßnahmen als Beispiele für moderne systemische Personalentwick- lung verstanden werden sollen, die als Erkenntnis auf Grundlage und Folgeschritt der vorangestellten Theorie fungieren.

Bezogen auf den geschlechtssensiblen Sprachgebrauch wird in der vorliegenden Arbeit ausschließlich das generische Maskulinum benutzt. Entsprechende ge- schlechterneutrale Formulierungen gelten im Sinne der Gleichbehandlung grund- sätzlich für beide Geschlechter.

2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN: VON DER SYSTEMTHEORIE BIS ZUR PERSONALENTWICKLUNG

Bevor systemtheoretische Grundlagen behandelt werden und in Beziehung bzw. Zusammenhang zur Personalentwicklung gesetzt werden können, ist es im Fol- genden notwendig zentrale Begriffe der Systemtheorie Niklas Luhmanns vorzus- tellen und eine Begriffsexploration der Personalentwicklung zu vollziehen. Der Zu- griff auf die Systemtheorie ist durch die gewählte Perspektive der Personalent- wicklung und der eingangs formulierten Forschungsfrage eingeschränkt.

2.1 Begriffsexplikation Systemtheorie

Die systemtheoretische Deutung des Systembegriffs und die damit einhergehende moderne Systemtheorie etabliert sich im 20. Jahrhundert.1 Sie entwickelte sich aus internen Faktoren einhergehend mit Veränderungen und stetigem Wissens- zuwachs, aus unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen: der Soziologie (Par- sons, Luhmann), der Kybernetik (Wiener), der Informationstheorie (Shannon und Weaver), der Biologie (Bertalanffy) und außerdem aus externen Faktoren. Diese sind im Ausbruch der zwei Weltkriege und den daraus resultierenden logistischen, militärischen und ökonomischen Problemen im Wettbewerb der Systeme, in der Zeitspanne zwischen den Kriegen und in der Nachkriegszeit mit ihren Auswirkun- gen auf die riesigen Budgets für Militär- und Weltraumforschung zu finden.

Seit ihrer Entwicklung hat die Systemtheorie viele Modifikationen durch äußere Einflüsse und/oder Anforderungen und durch Kumulation zahlreicher innerwissen- schaftlicher Faktoren erfahren. Es kann grundsätzlich gesagt werden, dass die Systemtheorie weit über eine einzelne Wissenschaft hinausgeht, dass aber jede Einzelwissenschaft eigene systemtheoretische Versionen entwickelt hat. Eine all- gemeine Systemtheorie, die alle physikalischen, biologischen, chemischen und kognitiven Phänomene erklärt, gibt es bis heute nicht. (Vgl. Jensen 1999, S. 357ff.)

2.2 Grundbegriffe der Theorie nach Luhmann

Der folgende Abschnitt legt die Grundlagen der Systemtheorie Luhmanns dar, wo- bei Luhmann selbst daraufhin weist, dass seine Theorie nicht linear dargestellt werden kann, da die Luhmannsche Denkweise eher zirkulär angelegt ist: „alle Be- griffe verweisen aufeinander, jeder Begriff setzt im Prinzip schon die Kenntnis der anderen Begriffe voraus.“ (Becker 2001, S.12) Der Anspruch in den folgenden Ausführungen liegt daher nicht in der vollständigen Expertise der Begrifflichkeiten, sondern im Verständnis der allgemeinen Theorie und im Speziellen zur Zusam- menhangsfindung zur Personalentwicklung.

Niklas Luhmann (1927-1998) gilt als einer der Begründer der soziologischen Sys- temtheorie und war als deutscher Soziologe an vielen Forschungsfeldern der Ge- sellschaftstheorie tätig. Seit dem Ende der sechziger Jahre arbeitete er, in Anleh- nung an Parsons soziologischer Systemtheorie, an einer Theorie der modernen Gesellschaft. Mit seinem Werk „soziale Systeme“ gelang ihm 1984 ein Durch- bruch, der in der Forschung als „Autopoietische Wende“ beschrieben wird. Er führ- te den von Maturana und Varela adaptierten Begriff des autopoietischen und des selbstreferntiellen Systems als Neuerung in seine Theorie ein und behauptet, dass nicht nur biologische Systeme in der Lage sind ihre Organisation nach eigener Dynamik und mit eigenen Mitteln zu steuern, sondern auch soziale Systeme auto- poietisch organisiert sind. (Vgl. Abels 2004, S. 252f.)

Somit hatte er einen orginären Ansatz entwickelt, der einen Ausgangspunkt für eine neue Analyse der Gesellschaft und ihrer verschiedenen Funktionssysteme bilden konnte (vgl. Becker 2001, S.17). Anknüpfend an die Theorien von Matura- na, ist für Luhmann ein soziales System ein autopoietisches respektive selbstrefe- renzielles – und somit operativ geschlossenes – soziales Gefüge, das sich sinn- konstituierend in Differenz zu seiner Umwelt aufbaut (vgl. Luhmann 1984, S.152).

Der Ausgangspunkt der systemtheoretischen Begriffsbildung ist nach Luhmann die Differenz von System und Umwelt. In seiner Theorie sozialer Systeme ersetzt er das traditionelle Systemverständnis als Betrachtung von Ganzen und ihren Tei- len durch die Differenz von System und Umwelt.

„Danach besteht ein differenziertes System nicht mehr einfach aus einer gewissen Anzahl von Teilen und Beziehungen zwischen Tei- len; es besteht vielmehr aus einer mehr oder weniger großen Zahl von operativ verwendbaren System/Umwelt-Differenzen, die jeweils an verschiedenen Schnittlinien das Gesamtsystem als Einheit von Teilsystem und Umwelt rekonstruieren.“ (Luhmann 1984, S. 22)

Luhmann geht es nicht darum Gebilde zu analysieren, sondern ein systemisches Denken zu entwickeln, „das sämtliche gesellschaftliche Phänomene als Systeme auffaßt, das heißt auf der Basis eines unterstellten systemischen Funktionierens beschreibt und analysiert.“ (Becker 2001, S.20) Bei seinen theoretischen Überle- gungen geht Luhmann vom Allgemeinen ins Spezifische: er beginnt ganz allge- mein bei Systemen, entwirft eine allgemeinen Systemtheorie und begründet damit die Verwendung des Begriffs System. Anschließend geht er zu seinem eigentli- chen Gegenstand, dem Sozialen System, über. Schließlich analysiert er konkrete gesellschaftliche Teilsysteme und/oder Funktionssysteme: Politik, Recht, Wirt- schaft und weitere. (Vgl. Berghaus 2003, S. 31)

Die allgemeinste und grundlegendste Aussage, die Luhmann getroffen hat, ist die Aussage, dass es Systeme gibt. Diese Systeme sind Mengen von Elementen, zwischen den Wechselbeziehungen bestehen. Alles was nicht Element des Sys- tems ist, und somit nicht dazu gehört, ist dessen Umwelt (vgl. Becker 2001, S.20f.). Die Elemente sozialer Systeme (die Luhmann auch Letztelement nennt, da diese aus nicht zerlegbaren Teilen bestehen) sind für Luhmann keine Indivi- duen (Menschen, Tiere etc.) sondern sie bestehen aus Kommunikationen: „Auf die Frage, woraus soziale Systeme bestehen, geben wir mithin die Doppelantwort: aus Kommunikationen und aus deren Zurechnung als Handlung." (Luhmann 1987, S. 240)

Somit stellt Kommunikation nach Luhmann nicht einen zweistufigen Prozess einer Mitteilung zwischen einem Sender (erste Stufe) und einem Empfänger (2. Stufe) dar, sondern „Kommunikation ist Prozessieren von Selektion.“ (Ebd. 1987, S. 194)

Des Weiteren unterscheidet Luhmann drei Typen sozialer Systeme die Weltge- sellschaft, die Funktionssysteme und die Organisationen:

Die Weltgesellschaft „ist das Sich-Ereignen von Welt in der Kommunikation.“ (Luhmann 1998, S.150) In der die Welt selbst nur der Gesamthorizont alles sinn- haften Erlebens ist, welches nicht durch Grenzen geschlossen ist, sondern durch den in ihr aktivierbaren Sinn. Für den systemtheoretischen Systembegriff heißt das, „dass die Welt die Gesamtheit dessen ist, was für ein jedes System System- und-Umwelt ist.“ (Ebd., 153f.).

Die Funktionssysteme, übernehmen nach Luhmann bestimmte gesellschaftliche Funktionen für die sie Universalzuständigkeit beanspruchen und daher als Sub- systeme der Gesellschaft fungieren (vgl. ebd., S.709).

Organisationen, definieren sich aus der Sicht Luhmanns durch formale Mitglied- schaften, die auf der Basis von Entscheidungen operieren. Auch dann, wenn über die Umwelt kommuniziert wird, ist die Mitgliedschaftsrolle, das Symbol, das die Kommunikation als eine interne Operation aufweist. Mitgliedschaften werden durch Entscheidungen begründet und da das Verhalten der Mitglieder in Entschei- dungssituationen von der Mitgliedschaft abhängt, werden Organisationen auch als autopoietische Systeme auf der operativen Basis der Kommunikation von Ent- scheidungen charakterisiert. (Vgl. Luhmann 1998, S.830) „Sie produzieren Ent- scheidungen aus Entscheidungen und sind in diesem Sinne operativ geschlosse- ne Systeme.“ (Ebd., S.830) Zusammenfassend kann festgestellt werden, wenn Kommunikation an Kommunikation anschließt und sich Kommunikation aus sich selbst heraus entwickelt, dann entsteht ein Sozialsystem (vgl. Luhmann 2009, S. 80f.).

Wollnick stellt jedoch fest, dass nicht jede Kommunikation in einer Organisation auch bedeutend ist und weitere Kommunikationen auslöst. „Das soziale System läßt aus seiner Umwelt als Kommunikationsbeitrag nur zu, was in seine Kommuni- kationsprozesse „passt“. Es teilt sich seiner Umwelt nur in Form systemgeprägter Kommunikationsbeiträge mit.“ (Wollnick 1998, S. 129) Des Weiteren führt er aus, dass Kommunikationsbeiträge im Rahmen einer Entscheidung jeweils interpretiert werden. Demzufolge sind die daraus resultierenden Interpretationen notwendige Operatoren, die in Organisationen Kommunikationen erst zu Entscheidungen wer- den lassen. Somit können bei gleichbleibenden Interpretationen, Interpretations- tendenzen entstehen, welche Organisationsstrukturen erzeugen und so zur Ge- schlossenheit des Systems beitragen. (Vgl. Wollnick 1998, S. 130f.)

Dem sozialen System Organisation wird im weiteren Verlauf der Arbeit2 eine ge- sonderte Aufmerksamkeit zuteil, da in dieser nach Verständnis des Autors der vor- liegenden Arbeit, die Personalentwicklung als Teilsystem agiert bzw. mit Hilfe von Kommunikation agieren kann.

[...]


1 Die Geschichte der Systemtheorie beginnt/ entwickelte sich bereits vor dem 20.Jahrhundert bei den Griechen als Begriffsgeschichte und führte über eine Reihe von geistesgeschichtlichen Etap- pen zur modernen systemtheoretischen Fassung. Ausführliche Nachweise zur Begriffsgeschichte finden sich bspw. bei Luhmann 1984.

2 Siehe Kapitel 3.1 Organisationen in der Systemtheorie

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Kann die Systemtheorie Niklas Luhmanns einen Beitrag für die Personalentwicklung leisten?
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Seminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V171635
ISBN (eBook)
9783640911752
ISBN (Buch)
9783640909926
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kann, systemtheorie, niklas, luhmanns, beitrag, personalentwicklung
Arbeit zitieren
Nadine Buchmann (Autor), 2011, Kann die Systemtheorie Niklas Luhmanns einen Beitrag für die Personalentwicklung leisten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171635

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