Max Webers Idee der bürokratischen Verwaltung


Hausarbeit, 2011
16 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Gliederung

1. Vorbemerkung und Definition des Forschungsproblems
1.1 Webersche Soziologie

2. Macht
2.1 Herrschaft
2.2 Legitime Herrschaft-(stypen)
2.3 Die Legal-Rationale Herrschaft

3. …und die bürokratische Verwaltung
3.1 Das Wesen der Verwaltung
3.2 Kritik, Grenzen und die Debatte zur Entbürokratisierung

4. Bewertung der Weberschen Bürokratie-Theorie

Literaturnachweise

1. Vorbemerkung und Definition des Forschungsproblems

Max Weber gilt heute als ein unbestrittener Klassiker. Jeder der sich mit bürokratischer Organisation beschäftigt wird zwangsläufig mehrfach auf den Namen „Max Weber“ stoßen. Schließlich wird man feststellen, dass das Thema so sehr mit seinen Werken verbunden ist, dass sämtliche Literatur letzten Endes auf seine Ideen und Konzepte zurückgreift. Dazu z. B. seine Begrifflichkeiten und Idealtypen die noch heute Allgemeingültigkeit besitzen. Trotz seines Bekanntheitsgrads kommt man gerade wegen der großen Bandbreite und Ideenvielfalt seiner Werke immer wieder in Versuchung, seine Konzepte, so beispielsweise Bürokratie auf Rationales Handeln zu reduzieren und dabei wichtige Aspekte voneinander zu trennen. Dies führt dazu, dass man ihn falsch interpretiert und missverständlich kritisiert. Vielmehr sollte man erkennen, dass es einem tieferen und umfänglicheren Blick in seine Werke, so z. B. den Grundideen seiner allgemeinen Soziologie oder den historischen Zusammenhängen die er anstellt bedarf, um die Komplexität und Fülle seiner Ideen ganz und letztlich richtig zu erfassen. Nach François Chazel ist die Webersche Sicht auf die Bürokratie „(…)jedoch nicht ausreichend in sich geschlossen, als dass man sie in einer einzigen Theorie zusammenfassen könnte, sie lässt sich jedoch in einzelne, für sich stehende, freilich komplementäre Bestandteile zerlegen“[1]. Da mir dies aufgrund des gegebenes Umfangs nicht möglich ist, werde ich versuchen, mich mit Berücksichtigung dieser Erkenntnis hier auf zwei wesentliche, dualierende Punkte zu beschränken und wenn nötig auf weitere Werke verweisen, einmal Macht, insbesondere mit Blick auf die Rationalität des Handelns und die Herrschaft vor allem mit der Frage nach der Legitimation dieser sozialen Ordnung. Anschließend versuche ich die Aspekte und Elemente seines Bürokratie-Konzepts in einem Zusammenhang zu beleuchten.

Mit den gewonnenen Erkenntnissen möchte ich dann Bezug auf die aktuelle öffentliche Debatte nehmen, die den Abbau der Bürokratie fordert. Ich möchte an Weber zeigen, dass die Bürokratie zwar als Übel, aber als ein notwendiges Übel und wichtiger Errungenschaft zur Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung und Kooperation unserer komplexen, modernen Gesellschaft gesehen werden sollte. Ich möchte beantworten, warum ein Verständnis für Max Webers Bürokratie-Konzept nach wie vor bedeutend ist und sich aus seiner Denkensweise sogar Alternativen für unsere heutige Zeit ableiten lassen können.

1.1 Webersche Soziologie

Um Max Weber zu würdigen und um eine Verständnisgrundlage für mein Forschungsproblem zu schaffen, beginne ich zunächst mit einem Einblick in einige ausgewählte Punkte seiner Soziologie. Max Weber, aufgewachsen in einer politisch geprägten großbürgerlichen Familie zu Zeiten Kaiser Wilhelm II, bekannt und hier vor allem bedeutend für seine Kapitalismus-These und die damit „(…) langfristige Untersuchung der Entstehung der rationalen Welt und der sich verbindenden Strömungen der Lebensführung und der Entstehung des Kapitalismus“[2]. Er war zudem Begründer einer Soziologie mit methodischer Vorgehensweise und einem eigenen Aufgabenfeld mit festem Untersuchungsgegenstand.[3] Soziologie soll heißen: „Eine Wissenschaft, welches soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will“.[4] Dabei verbindet der Akteur mit seinem Handeln einen subjektiven Sinn. Soziales Handeln ist dabei der eigentliche Gegenstandsbereich der Soziologie und „(…) soll solches Handeln heißen, welches seinen von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer und daran in seinem Ablauf orientiert ist.“[5] Weber definierte darüber hinaus Idealtypen, zu verstehen als theoretische Konstrukte, die die reinen Aspekte aller Merkmale eines Gegenstandes vollkommen erfassen und die es der Wissenschaft erlauben, diese mit der Wirklichkeit zu vergleichen und Ableitungen herzustellen. Damit lassen sich z.B. die subjektiven Sinnbeziehungen des Handelns über typisierte Motive verstehen und erklären. Weber definiert traditionelle, affektuelle, wertrationale und für uns später von besonderer Bedeutung zweckrationale Handlungsmotive, wobei hier entweder bezogen auf die Verhaltenserwartungen der anderen oder des individuellen Interesses die Handlungsmittel zur Zielerreichung rational abgewogen sind.[6] In einer Gesellschaft gibt es nun eine Fülle von sozialen Beziehungen die entstehen, wenn soziale Handlungen wechselseitig aneinander ausgerichtet werden. Unser Blick soll dabei auf die von zweckrationalem Interessenausgleich beruhenden Beziehungen gerichtet sein.[7] Bei längerem Fortbestehen über einen längeren Zeitraum hinweg entstehen eingeübte Regelmäßigkeiten, feste Strukturen und anerkannte Ordnungen, wie Herrschaftsordnungen[8]. Das heißt soziale Beziehungen können auch an der Vorstellung des Bestehens legitimer Ordnungen, die dann als Vorbild für das Handeln fungieren orientiert werden.[9] Den Begriff der Legitimation werde ich später in einem anderen Zusammenhang erklären.

2. Macht

Um noch einmal auf den Begriff der Handlung zu sprechen zu kommen, benötigen wir für unsere Vorgehensweise eine weitere Begriffsdefinition, nämlich die der Macht. Im Modus der Arbeitsweise Bürokratischer Organisation wichtig, im Hinblick auf die Lösung praktischer Probleme und die Erreichung von Effizienz. Wenn ich von Gesellschaft spreche, meine ich damit west-moderne Gesellschaften, wie heute die Bundesrepublik Deutschland. Am Vorbild der nach Weber klassifizierten okzidentalen Gesellschaften, also jene geprägt durch kapitalistische Marktwirtschaft und bürokratische Staatsverwaltung, die eine rationale Ordnung am vollkommensten erfüllen. In diesem Kontext verweise ich auf seine Werke. „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ und die „Religionssoziologie“.

Macht soll nun heißen: „(…)jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf die Chance beruht“[10] Dieser Begriff ist also an eine Handlung und Intention einer Person oder einer Gruppe gebunden und immer nur in Verbindung mit anderen Menschen denkbar. Ein Machtsystem zwischen einem Überlegenen und einem Unterlegenen steht auch in einem Verhältnis von Abhängigkeit. Sobald jemand in irgendeiner Weise abhängig von jemandem ist, hat dieser Macht über ihn. Ob Macht im Spiel ist, lässt sich grundsätzlich nur direkt in der Situation erkennen. Dabei ist der Begriff soziologisch amorph, d.h. das sich diese Idee auf alle nur denkbaren Konstellationen und Qualitäten von menschlichen Beziehungen übertragen lässt.[11] Für unseren Zweck bedarf es einer weiterführenden Präzisierung, da sich Macht dynamisch verhält, sich Machtverhältnisse ändern und man diesen immer nur in einer Situation, in einem zeitlichen Moment ausmachen kann. Somit ist der Begriff nicht für situationsübergreifende Verhältnisse und eine dauerhafte Ordnung, hier eben für eine bürokratische Ordnung ausreichend.[12] Macht ist jedoch in sofern interessant, da man hierdurch bereits zeigen kann, dass die Kooperation von Personen, also eine gemeinsam handelnde Gruppe mit kollektivem Wille mit einem Zugewinn von Macht und somit einer effektiveren Zielerreichung profitiert. Beispielsweise kann eine starke Regierungspartei effektiver, also mit größerer Handlungsmöglichkeit Probleme lösen. Diese Effizienz steht in Dualität mit der Legitimität ihres Wirkens. Da sich diese Partei nun ja in einer sozialen Ordnung befindet. Nun wird es Zeit einen weiteren Begriff zu definieren, um das Verständnis für Webers Bürokratie-Theorie voranzutreiben.

2.2 Herrschaft

In Kapitel 1.2 habe ich bereits den Begriff der Herrschaftsordnung verwendet. In Angrenzung zu Webers Begriff der Macht, möchte ich nun seinen Begriff der Herrschaft definieren und erläutern, da er grundlegend für das Verständnis der bürokratischen Verwaltung ist und aufs Engste mit ihm zusammenhängt. „Herrschaft interessiert uns hier in erster Linie, sofern sie mit Verwaltung verbunden ist. Jede Herrschaft äußert sich und funktioniert als Verwaltung. Jede Verwaltung bedarf irgendwie der Herrschaft“[13]

Dazu: „Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden (…)“[14] Wenn man noch einmal vom Macht-Begriff ausgehen möchte, kann die Herrschaft als die Macht gesehen werden, die legitimiert, dauerhaft anerkannt und institutionalisiert ist. Der Wille wird hier mittels Befehl und nur in jenen Sphären durchgesetzt werden, wo das Herrschaftsverhältnis geregelt ist und kann nur von bestimmten Personen ausgesprochen werden. Der Inhalt des Befehls muss durch die Gefolgschaft, welche ebenso begrenzt definiert ist, Gehorsam finden und ausgeführt werden. Dadurch wird die Macht zunehmend entpersonalisiert und formalisiert und auf bestimmte Positionen mit Funktionen übertragen, welches die Willkür der Machtausübung zunehmend durch eine geregelte Verfahrensweise ablöst.[15]. Real existieren in der Regel Herrschaftsverbände: „(…) soll eine nach außen regulierend beschränkte oder geschlossene soziale Beziehung dann heißen, wenn die Innehaltung ihrer Ordnung garantiert wird durch das eigens auf deren Durchführung einstellte Verhalten bestimmter Menschen: eines Leiters, und eventuell, eines Verwaltungsstabes(…)[16] Herrschaft kennzeichnet erweitert also nicht nur das Verhältnis zwischen Herrschenden und Beherrschten, sondern auch die Unterstützung durch ein befehligtes Personal, also einem Verwaltungsstab, der ein tragendes Element der Herrschaft spielt, sowie zweitens die Anknüpfung an einen Verband, wenn dabei die Einhaltung einer kontinuierlich geregelten Ordnung beachtet wird. Die Mittel zur Geltung und Aufrechterhaltung der Ordnung in einem Herrschaftsverband lassen sich in der Androhung bzw. Anwendung psychischen bzw. physischen Zwangs gegenüber den Beherrschten unterscheiden. Zweiteres wird eher dem politischen Herrschaftsverband zugerechnet. (z.B. Bestrafung durch Gefängnis) Staaten lassen sich als Herrschaftsverbände in Form von Politischen Verbänden mit einem erreichten Monopol an erworbenen physischen Zwangsmitteln durch den Verwaltungsstab verstehen.[17] In dieser Form möchte ich die bürokratische Organisation untersuchen.

[...]


[1] Chazel (2000) S. 13

[2] Korte (2010), S.65

[3] Ebd.

[4] WuG (1978), S.1

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. Korte (2010), S.60 f.

[7] Vgl. Bayer/Mordt S. 89 f.

[8] Vgl. Bayer/Mordt. S. 90-93

[9] Vgl WuG (1922) S.16

[10] WuG S.28

[11] Vgl. Bayer/Mordt S.94 ff.

[12] Vgl. Gostmann/Merz-Benz S. 50 f.

[13] WuG

[14] WuG ebd.

[15] Vgl. Knopp S.171

[16] WuG S.26

[17] Vgl. Bayer/Mordt. S.97

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Max Webers Idee der bürokratischen Verwaltung
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Politikwissenschaft
Note
1,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V171660
ISBN (eBook)
9783640911899
ISBN (Buch)
9783640910090
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Max Weber, Bürokratie, Macht, Herrschaft
Arbeit zitieren
Christian Kohl (Autor), 2011, Max Webers Idee der bürokratischen Verwaltung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171660

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