In den verschiedenen philosophischen und gesellschaftlichen Strömungen des spätantiken Judentums gab es eine Vielzahl sehr unterschiedlicher gesellschaftlicher Richtwerte zum Umgang mit Lüsten. In meiner Arbeit umreisse ich den Rahmen, in dem Sexualität im rabbinischen Judentum für die geistige Elite vorstellbar war, und erkunde, wie diese sexualmoralischen Massstäbe legitimiert wurden. Neben einer Untersuchung der Meinungsbildungsprozesse stelle ich insbesondere Überlegungen über die Legitimität, Praktizierbarkeit und Folgen der rabbinischen Konzeptionen an.
Um der gewählten globalen Betrachtung gerecht werden zu können, habe ich versucht, in Quellen und Sekundärliteratur zentrale und wiederkehrende Themenstellungen, Legitimationsgegenstände und historische Elemente herauszukristallisieren, welche dazu wesentlich erscheinen. Diese stellten bei weitem nicht für alle Juden und über die gesamte rabbinische Zeit konstante Bezugspunkte dar und erlauben es schon deshalb nicht, eindeutig „lustfeindliche“ oder „lustbejahende“ Aspekte für „das“ rabbinische Judentum zu identifizieren. Sie ermöglichen aber, einen offen Rahmen abzustecken, in dem geltende Normen ausgehandelt wurden. Dieser wird darauf in einer generalisierenden Betrachtung vor dem Hintergrund historischer und sozio-kultureller Entwicklungen interpretiert.
Inhaltsverzeichnis
- EINLEITUNG
- Zielsetzung und Vorgehensweise
- Historischer Kontext
- Quellen
- MORALVORSTELLUNGEN ZUR SEXUALITÄT
- „Seid fruchtbar und mehret euch“ als oberstes Gebot
- Onans „nutzloser Samenerguss“ – Sex nur zur Fortpflanzung?
- Sexuelle Praktiken - Sex zur Lustbefriedigung?
- Asketische Spannungen im rabbinischen Judentum
- GENERALISIERENDE BETRACHTUNG
- Aushandlung gesellschaftlicher Normen
- Praktizierbarkeit der Normen
- Schlussfolgerungen
- Abschliessende Bemerkungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Konzeption von Sexualität im rabbinischen Judentum und analysiert die zugrundeliegenden moralischen Maßstäbe. Im Mittelpunkt stehen die Legitimierung dieser Maßstäbe, sowie die Untersuchung ihrer Praktizierbarkeit und Auswirkungen. Die Arbeit konzentriert sich auf die Meinungsbildungsprozesse innerhalb der rabbinischen Elite und beleuchtet die Herausforderungen, die sich aus der Aushandlung gesellschaftlicher Normen ergeben.
- Das Fortpflanzungsgebot als zentrales Element der jüdischen Sexualmoral
- Die Bedeutung von Onans „nutzlosem Samenerguss“ für die Interpretation sexueller Praktiken
- Die Rolle asketischer Strömungen im rabbinischen Judentum
- Die Aushandlung gesellschaftlicher Normen in Bezug auf Sexualität
- Die Praktizierbarkeit der rabbinischen Konzeptionen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den historischen Kontext des rabbinischen Judentums und die relevanten Quellen dar, wobei der Fokus auf die Mischna und den Talmud liegt.
Das zweite Kapitel widmet sich den Moralvorstellungen zur Sexualität im rabbinischen Judentum. Es wird das Fortpflanzungsgebot als zentrales Element der jüdischen Sexualmoral untersucht, sowie die Interpretation von Onans „nutzlosem Samenerguss“ und die Rolle von asketischen Strömungen in diesem Kontext.
Schlüsselwörter
Rabbinisches Judentum, Sexualität, Moral, Fortpflanzungsgebot, Onan, asketische Strömungen, Mischna, Talmud, Aushandlung gesellschaftlicher Normen, Praktizierbarkeit.
Häufig gestellte Fragen
Wie wurde Sexualität im rabbinischen Judentum bewertet?
Die Bewertung war komplex; es gab keinen einheitlichen „lustfeindlichen“ oder „lustbejahenden“ Aspekt, sondern einen Rahmen, in dem Normen ständig neu ausgehandelt wurden.
Was gilt als oberstes Gebot der jüdischen Sexualmoral?
Das Gebot „Seid fruchtbar und mehret euch“, also der Fokus auf die Fortpflanzung, steht im Mittelpunkt der moralischen Konzeption.
Welche Bedeutung hat die Geschichte von Onan für sexuelle Praktiken?
Onans „nutzloser Samenerguss“ wird herangezogen, um die Frage zu klären, ob Sexualität ausschließlich der Fortpflanzung dienen darf oder auch der Lustbefriedigung.
Gab es im rabbinischen Judentum asketische Tendenzen?
Ja, die Arbeit untersucht asketische Spannungen und wie diese mit den allgemeinen gesellschaftlichen Richtwerten konkurrierten.
Welche Quellen wurden für diese Untersuchung genutzt?
Die Analyse stützt sich primär auf zentrale Texte des spätantiken Judentums, insbesondere die Mischna und den Talmud.
Wer legte die sexualmoralischen Maßstäbe fest?
Die Arbeit konzentriert sich auf die geistige Elite des rabbinischen Judentums und deren Meinungsbildungsprozesse.
- Quote paper
- Remo Wasmer (Author), 2010, Sexuelle Begierden im antiken Judentum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171684