Susan Strange, Strukturelle Macht, China und die USA

Wird China die dominate Stellung der USA ablösen?


Seminararbeit, 2009

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Der Machtbegriff bei Susan Strange
2.1 Allgemeines zum Machtbegriff
2.2 Die vier Machtkategorien
2.2.1 Die Sicherheitsstruktur
2.2.2 Die Produktionsstruktur
2.2.3 Die Finanzstruktur
2.2.4 Die Wissensstruktur

3. Patente und Bildung
3.1 Bildung/Universitätsabschlüsse
3.2 Patente
3.2.1 Ökonomische Relevanz
3.2.2 Bedeutungszuwachs von Patenten
3.2.3 Patente gegen den Trend

4. Die USA, der Hegemon ?

5. Literatur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die beiden Eingangszitate lassen erahnen welche Bedeutung China in den letzten Jahren in den Betrachtungen und Analysen von Journalisten und Wissenschaftlern der internationalen Beziehungen erlangt hat. Im Allgemeinen lässt sich die US-amerikanische Perspektive mit dem Begriff des „China threat“[1] zusammenfassen; wobei die Betrachtungen von „How We Would Fight China“[2], einer eher militärischen Betrachtungsweise, bis hin zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit China, wie bei Kagan, „The Illusion of ‚Managing‘ China“[3], reichen. Fareed Zakaria, der Herausgeber von Newsweek International, fragte sogar: „Does the Future Belong to China ?“[4]. Al-Rodhan ist einer der ersten Autoren, die dieser allgemeingültigen Bedrohungsthese entgegentreten und versuchen, eine systematische Analyse des Bedrohungspotential Chinas vorzunehmen.[5]

Gemein sind allen Betrachtungen und Analysen zweierlei Aspekte. Erstens wird eine von der realistischen Schule geprägte Betrachtungsperspektive bevorzugt und zweitens steht der Begriff der Macht bzw. der Machtverteilung (Machterlangung und Konservierung) im Vordergrund. So wundert es nicht, dass die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Autoren zwar einerseits punktuell abweichen, in der Tendenz aber andererseits den Aspekt des „China threat“ bestätigen. Wie würde sich aber das Ergebnis einer Analyse verändern, wenn man eine andere Perspektive bei der Analyse wählen würde? Was passiert, wenn man einen Machtbegriff wählen würde, der nicht der realistischen Schule entspringt bzw. dem werberischen Einfluss unterliegt?

Susan Strange, eine Vertreterin der Internationalen Politischen Ökonomie, liefert mit ihrem Konzept der strukturellen Macht einen geeigneten Rahmen, um den „China threat“ aus einer anderen Perspektive zu beleuchten.

In der vorliegenden Arbeit soll nun unter Bezugnahme des Konzeptes der strukturellen Macht von Susan Strange der Frage nachgegangen werden, welchen Stellenwert bzw. Machtstatus China im Vergleich zu den USA im internationalen System hat bzw. ob China eine dominierende Stellung gegenüber den USA einnehmen kann. Dazu wird folgende These aufgestellt:

China wird auch zukünftig die dominierende Stellung der USA nicht gefährden können.

Um diese These zu untermauern, wird in einem ersten Schritt das Konzept von Strange vorgestellt. Mit Hilfe eines Teilaspektes der strukturellen Macht, den Wissenschaftsaspekt, wird im zweiten Teil eine Analyse der Macht-kompetenzverteilung zwischen China und den USA vorgenommen; wobei auch hier eine Verengung vorgenommen wird. Im abschließenden dritten Teil soll die eingangs aufgestellte These verifiziert oder falsifiziert werden.

2. Der Machtbegriff bei Susan Strange

In diesem Abschnitt erfolgt eine kurze Darstellung des Machtbegriffes bei Susan Strange. Bevor eingehender ein Blick auf die vier Formen bzw. Strukturen der Machtkategorie geworfen wird, werden zunächst einige allgemeine Spezifika des strangischen Machtbegriffs erläutert.

2.1 Allgemeines zum Machtbegriff

Wie bereits oben angedeutet, steht der Machtbegriff bei Strange „in deutlichem Kontrast zur ansonsten stark US-amerikanisch geprägten Mainstream-Diskussion“[6]. Die US-amerikanische Perspektive, und hier insbesondere die realistische Schule, ist gekennzeichnet durch die werberische Definition von Macht, wonach Macht „jede Chance [ist] innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“[7]. Mit anderen Worten könnte man auch sagen, dass Macht von Personen, Staaten oder sonstigen physischen Organisationen ausgeübt wird. Zentral ist hier der Begriff des physischen bzw. des Nexus von Macht und physisch. Strange setzt hier bewusst eine nicht-physische, auf Strukturen bzw. „strukturtheoretisch angelegte Analyseperspektive“[8] diesen Definitionen entgegen; strukturelle Macht ist „the power to shape and determine the structures of the global political economy within which other states, their political institutions, their economic enterprises and (not least) their scientists and other professional people have to operate“[9]. Kurz gesagt Macht besitzt der, der über die Strukturen bestimmt, in denen sozioökonomische Prozesse ablaufen. Die Folge ist eine Aufweichung des angesprochenen Nexus. Strange verweist weiterhin „auf die strukturierende Kraft materialisierter Machtungleichgewichte“[10]. Man könnte auch sagen, dass materialisierte Machtungleichgewichte immaterielle Strukturen schaffen, in denen dann physische Akteure agieren, wobei physische Akteure ein Individuum, der Staat oder auch ein Transnationaler Konzern sein können. Somit ist das bridge building eine weitere Konsequenz dieses Machtbegriffes, welches das Einreißen der Barrieren zwischen den Denkschulen bedeutet, wo entweder nur die Staaten, nationale oder transnationale Konzerne betrachtet und als Machträger bzw. Analyseeinheit genommen wurden. Die Zusammenführung von nationalen und transnationalen Dependenzen und Interdependenzen und die Erkenntnis, dass z.B. wirtschaftliche Prozesse auch „durch politische Entscheidungen, aber auch Nicht-Entscheidungen gestaltet und vorangetrieben“[11] werden, bietet zugleich die Möglichkeit eines unorthodoxen und eigenwilligen, aber auch kreativen Zugriffs. Allerdings findet eine Exklusion von direktem Zwang oder unmittelbare Gewalt nicht statt. „Power is simply the ability of a person or group of persons to affect outcomes that their preferences take precedence over the preferences of others“[12].

Wie man sieht, ist die Wissensstruktur im Gegensatz zu den anderen Machtkategorien schwer zu fassen. Deshalb wird sie „machttheoretisch auch eher negativ, d.h. vor allem durch den Ausschluss von Informationen und Wissensbeständen definiert“.[13]

2.2 Die vier Machtkategorien

Mit der strangischen Definition von Macht gehen drei Implikationen einher. Erstens kann man nicht zwischen politischer, ökonomischer und ideologischer Macht trennen. Zweitens ist ihr Machtbegriff eher funktional geprägt und drittens ist keine ihrer vier Machtkategorien gegenüber einer anderen dominant.[14] Vielmehr gibt es auch hier Dependenzen und Interdependenzen; „structural power is to be found not in a single structure but in four separate distinguishable but related structures.“[15] Die vier Machtkategorien nach Strange sind: die Sicherheitsstruktur, die Produktionsstruktur, die Finanzstruktur und die Wissensstruktur. Gemein ist ihnen allen, dass der Inhaber der jeweiligen Macht, über die Reichweite der Beteiligung an bzw. durch andere bestimmen kann, ohne direkten Druck aufzubauen. „Such power is less ‚visible‘.“[16]

Nachstehend erfährt nur die Wissensstruktur eine intensivere Betrachtung; die anderen drei Kategorien werden nur kurz erläutert, damit der Leser sie besser von einander abgrenzen kann.

[...]


[1] Al-Rodhan, S.41.

[2] Titel eines Artikels von Kaplan, Robert (2005): How we would fight China, in: The Atlantic Monthly, June. Online-Zugriff: http://www.theatlantic.com/doc/200506/kaplan (abgerufen am 12.2.09, 12.56 Uhr)

[3] Titel eines Artikels von Kagan, Robert (2005): The Illusion of ‘Managing’ China, in: The Washington Post, May 15.

[4] Zakaria (2005), S.1.

[5] Vgl. Einleitung des Aufsatzes von Al-Rodhan.

[6] Bieling, S. 383.

[7] Weber, S. 28.

[8] Bieling, S. 383.

[9] Strange (2004), S. 25f.

[10] Bieling, S. 382.

[11] Bieling, S. 382.

[12] Strange (1996), S. 17.

[13] Bieling, S. 393.

[14] Vgl. dazu Bieling, S. 388.

[15] Strange (2004), S. 27.

[16] Strange (2004), S. 31.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Susan Strange, Strukturelle Macht, China und die USA
Untertitel
Wird China die dominate Stellung der USA ablösen?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Politikwissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V171694
ISBN (eBook)
9783640913312
ISBN (Buch)
9783640912254
Dateigröße
653 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
susan, strange, strukturelle, macht, china, wird, china, stellung
Arbeit zitieren
Stefan Knabe (Autor), 2009, Susan Strange, Strukturelle Macht, China und die USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171694

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