Caesars bellum gallicum

Pontifex und Propagandist


Seminararbeit, 2011
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Caesar als Staatsmann

2. Der Gallische Krieg
2.1. Die „gallische Gefahr“
2.2. Die Darstellung Ariovists

3. Bellum legitimum?
3.1. Caesar – ein Kriegsverbrecher?

4. Conclusio

5. Anhang

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

“Der Unterschied zwischen diesen Kommentaren und allem, was sonst römische Geschichte genannt wird, kann gar nicht angemessen genug gewürdigt werden.”

Theodor Mommsen[1]

Seit geraumer Zeit beschäftigen Caesars Commentarien, die wissenschaftliche Landschaft. Von den beiden erhaltenen Kommentaren über den Gallischen-, sowie über den Bürgerkrieg, gelten die Commentarii de bello gallico als am wertvollsten, sowohl für die Erforschung als auch für die Kenntnis der römischen und „barbarischen“ Welt im ersten vorchristlichen Jahrhundert.[2] Das letztere Werk Caesars beschäftigt seit langem Historiker, Frühgeschichtler, Germanisten und Latinisten, welche bemüht sind, Schlüsse aus den Kommentarien für die historische Erkenntnis zu gewinnen. Die Quellenlage ist dabei aber etwas problematisch. Caesars Angaben im Bellum Gallicum lassen sich oft, da eine gleichwertige literarische Parallelüberlieferung fehlt, nicht überprüfen.[3] Für die kritische Wissenschaft des 19. Jahrhunderts wurden zwar auch Caesars Taten und Verbrechen Objekt des geschichtlichen Verstehens, aber sie sah Gestalt und Werk durch das Medium napoleonischer Erfahrung und hegelscher Ideen. Noch bei Theodor Mommsen, der die Römer in ,,die reale Welt" versetzen wollte, ,,wo gehaßt und geliebt, gesägt und gezimmert wird", erscheint Caesar als heroischer Ausnahmemensch, als der Genius, gegenüber dem die Maßstäbe gewöhnlicher Rechtlichkeit und Sittlichkeit als unangemessen gelten.[4] Doch ebenso für die momentane Forschung, stellt sich dieses merkwürdige Caesarproblem immer wieder. Die moderne Geschichtswissenschaft hat die geistigen Mittel und besitzt die Pflicht, historische Persönlichkeiten, jenseits ihrer sprachlichen Leistungen zu beurteilen, um die Trennung der Geschichte in Epochen, nicht einen künstlich hineingesetzten Anfang der moralischen Messbarkeit historischer Personen aufkommen zu lassen. Der Verfasser der folgenden Arbeit maßt sich keineswegs an, eine zeitlose Interpretation und moralische Darstellung des bedeutendsten Werks Caesars, in seiner vollen Ausprägung zu liefern. Dennoch soll anhand ausgewählter Beispiele aus den Comentarii de Bello Gallico, vor allem der ersten beiden Kapitel, gezeigt werden, inwiefern Begriffe, wie Manipulation und Propaganda, für Caesars Wirken und Werk zutreffend sind und inwieweit moderne Maßstäbe von Verbrechen eine moralische Parallele in Caesars Lebenszeit besitzen.

1. Caesar als Staatsmann

Gaius Julius Caesar entstammte einer altrömischen Aristokratenfamilie. Sein Vater erreichte 92 v. Chr. die Prätur und starb als er etwa 16 Jahre alt war.[5] Mit 20 Jahren trat er in den Dienst des Statthalters Asias, M. Minucius Thermus, eines überzeugten Sulla-Anhängers.[6] Caesar war ein begabter Redner und ließ sich als junger Mann in Rhodos vom damals berühmten Rhetor Apollonios Molon unterrichten.[7] Südlich von Milet geriet er in die Hand kilikischer Seeräuber. Das an den Folgen des Bürgerkrieges leidende Römische Imperium tat sich schwer gegen die Seeräuberplage effektiv vorzugehen. Nachdem Caesar gegen die Zahlung einer erheblichen Lösegeldmenge auf freien Fuß gesetzt wurde, empörte er sich über die Reaktion des Statthalters Asias, der vorsah die Piraten zu verkaufen statt sie hinzurichten. Caesar aber kehrte nach Pergamon zurück und „ließ die Seeräuber sämtlich ans Kreuz schlagen, wie er ihnen auf der Insel oft scherzweise vorhergesagt hatte.“[8] Im Jahre 74 nahm er am Krieg gegen Mithridates teil und wurde im folgenden Jahr in das Kollegium der pontifices kooperiert.[9] Nach seiner Tätigkeit als Pontifex begann sein politischer Aufstieg: Im Todesjahr seiner Tante Julia und seiner Frau Cornelia, 69, diente er als Feldquästor im südwestlichen Spanien. Zwei Jahre darauf heiratete er eine Enkelin Sullas, Pompeia. Im Senat setzte er sich für Gesetze ein, die dem Gnaeus Pompeius Magnus, im Kampf gegen die Seeräuber und im Konflikt mit Mithridates, mit außergewöhnlichen Vollmachten ausstatten sollten.[10] Nach der aufgedeckten Catilinarischen Verschwörung, übernahm der hochverschuldete Caesar im Jahre 63 die Prätur in Spanien.[11] Seine exzellente Leistung als Prätor in Spanien und seine Unterstützung für Pompeius im Senat und vor allem seine neue Stellung als Pontifex Maximus, ließen Caesar zu einer herausragenden Stellung im römischen Staat kommen. Seine wichtigen militärischen Erfahrungen als Feldheer in Spanien, brachten ihm ersten Ruhm und die Gunst seiner Truppen ein.[12] Im Jahre 60 nach Rom zurückgekehrt, setzte er sich bei den Wahlen zum Konsul durch, wobei ihn politische Zwänge in eine Allianz mit Crassus und Pompeius drängten.[13] Als Konsul, wusste sich Caesar gegen die Optimaten und Eliten Roms durchzusetzen. Bei der Durchführung der Agrarreform, fragte er nicht einmal nach der Meinung seines Amtskollegen Bibulus.[14] Es gelang dem Feldherrn, die lukrativen Provinzen Gallia Cisalpina und Illyricum für seine Prokonsulate und später noch Gallia Transalpina zu gewinnen. 58 traf Caesar vor Genava (Genf) ein. Er hatte den Krieg, den er um seine dignitas zu mehren und seine lehren Kassen zu füllen führen wollte, bereits vorbereitet.[15] Sein eigentliches Angriffsziel war Gallien.

2. Der Gallische Krieg

2.1. Die „gallische Gefahr“

Zwischen dem Kernland Roms auf der italienischen Halbinsel und den Stämmen Galliens und Germaniens, lagen zwei Provinzen Gallia Cisalpina, das weitestgehend von römischen Bürgern besiedelt wurde und Gallia Transalpina, eine Provinz, welche erst seit 121 v. Chr. in römischem Besitz war. An den Rändern der Provinzen und jenseits von ihnen, befanden sich die „langhaarigen Gallier“ und östlich von ihnen die Germanen, welche nur recht selten eine ernstzunehmende Bedrohung für das römische Kernland darstellten.[16] Nachdem Caesar, die lex Vatinia drei Legionen bewilligte und der Senat ihm eine vierte hinzufügte, kamen später noch sechs weitere hinzu. Sein Wunsch einen Eroberungskrieg zu führen, mangelte es an der Legitimation. Er glaubte, sie im Versuch der Helvetier finden zu können, welche bestrebt waren an den Atlantik auszuwandern. Das erste Buch des Bellum Gallicum enthält eine geniale Mischung aus Rechtfertigung und Zuschaustellung seiner militärischen Taten im Jahr 58.[17] Den Beginn der Auseinandersetzung mit den Helvetiern, welche sich der römischen Provinz Gallia Cisalpina genähert haben sollen, beschreibt Caesar folgendermaßen:

„Als Cäsar erfuhr, daß sie durch die römische Provinz ihren Weg zu nehmen versuchten, reiste er schleunigst aus Rom ab… und erschien vor Genf. Der gesamten Provinz befahl er, eine möglichst große Truppenmenge zu stellen… und ließ die Brücke bei Genf abreißen. Sowie die Helvetier von seiner Ankunft erfuhren, schickten sie zu ihm die Edelsten des Stammes… mit der Erklärung, sie beabsichtigen lediglich, ohne jede Gewalttat den Weg durch die Provinz zu nehmen, weil sie keinen anderen hätten. Sie bäten um sein Einverständnis. Da Cäsar jedoch nicht vergessen hatte, daß die Helvetier den Konsul Lucius Cassius getötet und sein Heer geschlagen und unter das Joch geschickt hatten, glaubte er, die Genehmigung nicht geben zu dürfen. Auch nahm er nicht an, daß sich diese feindlich gesinnten Menschen der Rechtsverletzung und Gewalttaten enthalten würden…“[18]

[...]


[1] Theodor Mommsen, zitiert nach: Michael Grant, Caesar, München 2006, S. 61.

[2] Caesars Commentarien sind vergleichbar mit Xenophons Anabasis. Commentarii waren zunächst Aufzeichnungen, in denen Amtsträger Ereignisse und Maßnahmen während des Amtsjahres fest-hielten. Beate Näf, Antike Geschichtsschreibung: Form, Leistung, Wirkung, Stuttgart 2010, S. 57.

[3] Friedrich Vittinghoff, „Bericht über das Schriftentum“, Historische Zeitschrift 2, 1960, S. 360.

[4] Dieter Timpe, Caesars gallischer Krieg und das Problem des römischen Imperialismus, Historia 2, 1965, S. 189.

[5] Suet., Caesar, 1.

[6] Wolfgang Will, s.v. Caesar, DNP 2, Stuttgart/Weimar 1999, S. 908.

[7] Matthias Gelzer, Caesar: Der Politiker und Staatsmann, Stuttgart 2008.

[8] Plut., Caesar, 2.

[9] Wolfgang Will, a.a.O., S. 910.

[10] Die lex Gabinia und lex Manilia nahmen die ernorme Machtfülle (imperium extraordinarium,) , die später Caesar zukommen sollte, vorweg.

[11] „Nach der Prätur fiel Cäsar Spanien als Provinz zu. Da er mit seinen Gläubigern, die sich seiner Abreise durchaus widersetzten und großen Lärm gegen ihn erregten, nicht ins reine kommen konnte, wendete er sich an Crassus, den reichsten Mann unter den Römern. Dieser brauchte die Hitze und den unternehmenden Geist Cäsars, um den Absichten des Pompeius entgegenzuarbeiten; daher befriedigte er die dringendsten und ungestümsten Gläubiger…“ Plut. Caesar, 11.

[12] Sueton berichtet über Caesars Maßlosigkeit als Oberbefehlshaber in Spanien: „Den Sold seiner Legionen verdoppelte er für alle Zeit. Die Verpflegung gab er aus, so oft genug Vorrat vorhanden war, auch ohne Rücksicht auf das von ihnen zustehende Maß und manchmal schenkte er jedem Mann einen Sklaven aus der Beute.“ Suet., Caesar, 26.

[13] Wolfgang Will, a.a.O., S. 910.

[14] Caesar drängte seinen marionettenhaften Kollegen förmlich aus der öffentlichen Wahrnehmung: „Nicht unter Bibulus, nein, es geschah unter Caesar die Sache, denn unter Bibulus ist nichts, das ich wüsste, gescheh’n.“ Suet., Caesar, 20.

[15] Wolfgang Will, a.a.O., S. 914.

[16] Jane F. Gardner, The “Gallic Menace” in Caesar's Propaganda, Greece & Rome, Second Series 2, 1983, S. 181.

[17] Wolfgang Will, a. a. O., S. 914.

[18] Caes., Gall, I, 7. Hervorhebungen (D.E.).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Caesars bellum gallicum
Untertitel
Pontifex und Propagandist
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Gewalt in der Antike
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V171713
ISBN (eBook)
9783640913442
ISBN (Buch)
9783640912322
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Caesar, Bello Gallico, Gallischer Krieg, Antike, Rom, Kriegsverbrechen
Arbeit zitieren
Dominik Ešegović (Autor), 2011, Caesars bellum gallicum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171713

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