Ob Fischer-Kontoverse, die Auseinandersetzungen um die Wehrmachtsausstellung, Antisemitismusstreit oder Goldhagen-Debatte, die Betrachtung unserer jüngsten Vergangenheit hat in den letzten Jahren immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen unter Historikern, aber auch in der Bevölkerung geführt. Nur so ist es vermutlich zu erklären, dass Martin Sabrow Projektbereichsleiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam und Privatdozent an der Freien Universität Berlin die Ansicht vertritt, dass Zeitgeschichte Streitgeschichte sei. Um diese Feststellung genauer zu untersuchen ist es zunächst nötig den Begriff der Zeitgeschichte kurz zu definieren. Bei der Zeitgeschichte handelt es sich um die, unserer Gegenwart am Nächsten einzuordnende, historische Epoche. Die Nähe und die Bezogenheit zur Gegenwart zeichnen diese historische Teildisziplin aus. In ihr finden Themen Beachtung die immer noch aktuell und umstritten sein können und teilweise noch nicht zur „Geschichte“ gehören. Daneben spielt vor allem die Arbeit von Zeithistorikern auf juristischer Ebene eine große Rolle, wie man beispielsweise an den Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte sehen kann, die später in den NSProzessen bedeutsam werden sollten.
Um eine objektive Erörterung der Frage abzugeben, ob Zeitgeschichte zugleich Streitgeschichte ist, wird es im Folgenden erforderlich sein eine der größten Kontroversen unserer Zeit Beachtung zu schenken, der sog. Goldhagen-Kontroverse.
Inhaltsverzeichnis
- „Zeitgeschichte ist Streitgeschichte“
- Zeitgeschichte als historische Epoche
- Die Bedeutung der Zeitgeschichte für die juristische Ebene
- Die Goldhagen-Kontroverse
- Goldhagens Thesen und die Reaktion der deutschen Gesellschaft
- Die Rolle der Polizeibataillone im Vernichtungsprogramm
- Die Reaktion auf Goldhagens Dissertation
- Phasen der Goldhagen-Kontroverse
- Die „Empörte Abwehr“
- Der „Offene Diskurs“
- Zeitgeschichte als Streitgeschichte
- Die Bedeutung von subjektiven Erfahrungen
- Die Notwendigkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text befasst sich mit der Aussage von Martin Sabrow, dass "Zeitgeschichte Streitgeschichte" sei. Der Autor untersucht diese These anhand der Goldhagen-Kontroverse, einer der größten Kontroversen der jüngsten Geschichte.
- Definition und Charakteristika der Zeitgeschichte
- Die Rolle der Zeitgeschichte in juristischen Kontexten
- Die Goldhagen-Kontroverse als Beispiel für den Streit in der Zeitgeschichte
- Die Reaktion der deutschen Gesellschaft und der Historiker auf Goldhagens Thesen
- Die Bedeutung der subjektiven Erfahrungen und der individuellen Interpretationen in der Zeitgeschichte
Zusammenfassung der Kapitel
- Der Text beginnt mit der Einführung der Aussage von Martin Sabrow, dass "Zeitgeschichte Streitgeschichte" sei. Der Autor erläutert, dass Zeitgeschichte die unserem gegenwärtigen Zeitalter am nächsten liegende historische Epoche ist. Die Nähe und die Bezogenheit zur Gegenwart zeichnen diese Teildisziplin aus, in der Themen behandelt werden, die immer noch aktuell und umstritten sind und teilweise noch nicht zur "Geschichte" gehören.
- Anschließend stellt der Autor die Goldhagen-Kontroverse als Beispiel für den Streit in der Zeitgeschichte vor. Goldhagens Dissertation "Hitler's Willing Executioners", die den Antisemitismus in Deutschland als lang tradierten Grundzug der Gesellschaft bezeichnet, löste eine heftige Debatte aus, die in mehrere Phasen unterteilt werden kann.
- Die erste Phase, die "Empörte Abwehr", zeichnet sich durch heftige Kritik von Historikern und Journalisten aus. Die zweite Phase, der "Offene Diskurs", ist durch eine zunehmende Versachlichung und eine positive Wende in der öffentlichen Wahrnehmung von Goldhagens Arbeit gekennzeichnet.
- Der Text argumentiert, dass die Goldhagen-Kontroverse ein Paradebeispiel für den Streit in der Zeitgeschichte ist. Die Kontroverse ist auf die politische Sensibilität des Themas zurückzuführen und spiegelt die verschiedenen Perspektiven und Interpretationen wider, die in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit entstehen.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter und Fokusthemen des Textes sind: Zeitgeschichte, Streitgeschichte, Goldhagen-Kontroverse, Antisemitismus, Holocaust, Polizeibataillone, Historikerstreit, subjektive Erfahrungen, individuelle Interpretationen, politische Sensibilität, Vergangenheit.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet die Aussage „Zeitgeschichte ist Streitgeschichte“?
Dieser Satz von Martin Sabrow verdeutlicht, dass die Erforschung der jüngsten Vergangenheit oft von heftigen Debatten geprägt ist, da die Themen eine hohe Gegenwartsrelevanz besitzen und emotional besetzt sind.
Was war der Kern der Goldhagen-Kontroverse?
Daniel Goldhagen vertrat in seiner Dissertation die These, dass ein tief verwurzelter, „eliminatorischer“ Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft die Hauptursache für den Holocaust war und auch „ganz normale Deutsche“ zu Tätern machte.
Warum löste Goldhagens Buch so viel Widerstand bei Historikern aus?
Viele Fachhistoriker kritisierten seine Thesen als zu einseitig und monokausal. Sie sahen darin eine Pauschalverurteilung der deutschen Gesellschaft und bemängelten seine methodische Vorgehensweise.
Welche Rolle spielen subjektive Erfahrungen in der Zeitgeschichte?
In der Zeitgeschichte gibt es oft noch Zeitzeugen. Deren subjektive Erinnerungen können im Widerspruch zu wissenschaftlichen Analysen stehen, was die Disziplin besonders streitanfällig macht.
Welche Bedeutung hat Zeitgeschichte für die Justiz?
Gutachten von Zeithistorikern (z.B. vom Institut für Zeitgeschichte) waren und sind oft entscheidend in NS-Prozessen oder anderen juristischen Aufarbeitungen von Systemunrecht.
- Quote paper
- Katja Neumann (Author), 2009, „Zeitgeschichte ist Streitgeschichte“., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171776