Die Auswirkungen eines Mindestlohnes auf die Wirtschaft


Facharbeit (Schule), 2011

12 Seiten, Note: 15


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Volkswirtschaftliche Auswirkungen

Betriebswirtschaftliche Auswirkungen

Problematisierung

Abwägung Vor- und Nachteile

Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Literatur

Einleitung

„Unternehmen, deren Existenz lediglich davon abhängt, ihren Beschäftigten weniger als einen zum Leben ausreichenden Lohn zu zahlen, sollen in diesem Land kein Recht mehr haben, weiter ihre Geschäfte zu betreiben“ (Roosevelt, 1938).

Mit diesen Worten verabschiedete der 32. Präsident der Vereinigten Staaten, Frank D. Roosevelt, ein Gesetz, welches einen flächendeckenden Mindestlohn in Höhe von 25 Cent garantierte.[1] Auch wenn der Mindestlohn damals eher einen symbolischen Wert hatte, da er auf heute Sicht umgerechnet circa 3,20€ betrug und somit keine wirkliche Auswirkung auf die Wirtschaft, geschweige auf die von Armut betroffenen Familien und Beschäftigten hatte, hat das Zitat dennoch für Mindestlohnbefürworter eine große Bedeutung. Die Gewerkschaft NGG und der Deutsche Gewerkschaftsbund benutzen das Zitat sogar in ihrer Werbekampagne „Kein Lohn unter 7,50€“ auf zahlreichen Flugblättern und Postkarten.[2]

Bis heute haben insgesamt 20 der 27 EU-Staaten den gesetzlichen Mindestlohn.[3] Jedoch besteht Deutschland weiterhin auf seiner Tarifautonomie. Dabei sind negative Tendenzen bei der Tarifbindung festzustellen[4] und auch die Gewerkschaften verlieren durch Mitgliedsverluste immer mehr an Macht[5]. Es ist daher eine sozial-politische Aufgabe, die daraus resultierende Unterbezahlung der Beschäftigten zu verhindern. Dies kann durch einen branchenspezifischen oder flächendeckenden Mindestlohn geschehen. Befürworter für einen flächendeckenden Mindestlohn sind die meisten Gewerkschaften und von den etablierten Parteien die Grünen, SPD und die Linke. Die Regierungsparteien FDP und die CDU/CSU sprechen sich gegen den Mindestlohn aus.

Entfacht wurde die Debatte über den Mindestlohn am 18.01.2006. Die Linksfraktion forderte die Bundesregierung auf, einen Gesetzesentwurf zu erarbeiten, mit dem ein Lohn von 8€ die Stunde sichergestellt wird, damit Lohndumping verhindert werden könne.[6] Darauf folgte eine „kontrovers und emotional“[7] geführte Diskussion in der Bundesrepublik, in der sich viele Politiker, Gewerkschaften sowie wichtige Vertreter der Wirtschaft zu Wort meldeten und durch ihre Argumentation sich für oder gegen den Mindestlohn aussprachen. Es wurden zudem zahlreiche Studien in Auftrag gegeben, jedoch unterscheiden sich die Ergebnisse je nach Auftraggeber. So fällt eine Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln eher negativ aus, jedoch im Auftrag von der Gewerkschaft ver.di positiv. Dabei konzentrieren sich die meisten Studien hauptsächlich auf volkswirtschaftliche Auswirkungen und missachten dabei den Betrieb als Einzelnen.[8] Ziel dieser Arbeit ist es daher, die Auswirkungen strikt nach volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Aspekten zu trennen.

Meine hierbei verwendeten Materialien übermittelten mir für diese Ausarbeitung ein recht großes Spektrum an Meinungen. Am Meisten habe ich allerdings Publikationen der Friedrich Ebert Stiftung verwendet, da diese Stiftung sich sehr mit sozialpolitischen Maßnahmen beschäftigt und die einzige Publikation hinsichtlich der betriebswirtschaftlichen Auswirkungen veröffentlichte.

Im Folgenden werden zunächst die volkswirtschaftlichen Auswirkungen am Beispiel von Deutschland erläutert und auf die Hauptargumente der Mindestlohnkritiker eingegangen. Hiernach erfolgen die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen unterteilt nach den verschiedenen Branchen. Im Weiteren kommt eine Problematisierung mit einem anschließenden Schlussteil, in dem meine persönliche Stellung zu dem Mindestlohn nehme.

Volkswirtschaftliche Auswirkungen

Zunächst sollte untersucht werden, wie sich ein Lohn bildet. In der neo-klassischen Theorie wird angenommen, dass sich auf einem Arbeitsmarkt mit vollkommenem Wettbewerb der Lohn nach der Produktivität der Beschäftigten bilde.[9] Doch in der Realität unterscheidet sich dies stark von der Theorie. So wird nicht davon ausgegangen, dass beide Beteiligten, Arbeitsnachfrager und Arbeitsanbieter, die gleiche Marktmacht besitzen und dadurch kann ein Lohn weit unterhalb der Produktivität entstehen. Dadurch, dass sich der reale Lohn also unter dem Produktivitätslohn befindet, würde ein flächendeckender Mindestlohn die Differenz beider Löhne verringern.[10]

Des Weiteren konnte man in den vorigen Jahren einen steigenden Gewinn der Unternehmen feststellen.[11] Die Lohnzahlungen an die Beschäftigten blieben jedoch weitgehend konstant und somit würde ein Mindestlohn bei den meisten Unternehmen keinen Beschäftigungsverlust bedeuten.[12] Da es jedoch in einigen Betrieben zu der unausweichlichen Situation kommen wird, Beschäftigte zu entlassen, würde diese Arbeitslosigkeit jedoch nicht von Dauer sein. Denn die Gruppe der Geringverdiener habe „oft jahrelang auf weit verbreitete Konsumgüter (Urlaubsreisen, Kinobesuche, neue Möbel) verzichtet“[13]. Somit kann man voraussehen, dass bei einigen Gütern ein Nachfrageanstieg zu erwarten ist. Durch diesen Anstieg werden einige Unternehmen ein größeres Angebot herstellen wollen und hierfür brauchen sie weiteres Personal. Da es jedoch nicht unbedingt in den Branchen diesen Aufschwung gibt, in denen die Arbeitskräfte gearbeitet haben, kann es auch zu einer Beschäftigungsumverteilung kommen. Somit ist auf eine lange Zeitspanne betrachtet mit wenigen, bzw. keinem Beschäftigungsverlust zu rechnen. Ein weiterer positiver Effekt wird die neue Motivation vieler Langzeitarbeitsloser sein. Denn durch die größere Differenz von „Hartz IV“ und dem Mindestlohn werden neue Anreize geschaffen, sich als Geringqualifizierter wieder auf dem Arbeitsmarkt zu beteiligen.

[...]


[1] Vgl. http://www.welt.de/wams_print/article1522274/Deutsche_Gewerkschaften_kaempfen_mit_irefuehrendem_Roosevelt_Zitat_fuer_den_Mindestlohn.html (Stand: 28.03.2011)

[2] Ebenda

[3] Vgl. Bosch, G. / Weinkopf, C. / Kalina,T.: Warum Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn braucht. Bonn, 2009. S. 2

[4] Vgl. Bispinck, Reinhardt: Löhne, Tarifverhandlungen und Tarifsystem in Deutschland 1995-2005. WSI-Diskussionspapier Nr. 150, Januar 2007. S. 5

[5] Vgl. http://www.iwkoeln.de/Publikationen/Gewerkschaftsspiegel.aspx (Stand: 29.03.2011)

[6] Vgl. Klute, J. / Schlender, H. / Sinagowitz, S. (Hg.): Position zum Mindestlohn in der evangelischen Kirche. Norderstedt, 2007. S.9

[7] Meyer, Jörn-Axel: Auswirkung eines Mindestlohnes auf kleine und mittlere Unternehmen. Eine betriebswirtschaftliche Analyse nach Branchen, Betriebstypen und Standorten. Berlin, 2007. S. 5

[8] Vgl. Meyer, Jörn-Axel: Auswirkung eines Mindestlohnes auf kleine und mittlere Unternehmen. Eine betriebswirtschaftliche Analyse nach Branchen, Betriebstypen und Standorten. Berlin, 2007. S. 5

[9] Vgl. Bosch / Weinkopf / Kalina: Mindestlöhne in Deutschland. Bonn, 2009. S. 27

[10] Vgl. Horn, Gustav A.: Ungleiche Marktmacht. In: Handelsblatt Nr. 40 v. 26.02.2007, S. 10

[11] Vgl. Horn, Gustav A.: Ein Mindestlohn in Deutschland? In: Die Zeit Nr. 11 v. 9.03.2006, S. 31

[12] Ebenda

[13] Vgl. Horn, Gustav A.: Ein Mindestlohn in Deutschland? In: Die Zeit Nr. 11 v. 9.03.2006, S. 31

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen eines Mindestlohnes auf die Wirtschaft
Hochschule
Kooperative Gesamtschule Rastede  (KGS-Rastede)
Note
15
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V171831
ISBN (eBook)
9783640916337
ISBN (Buch)
9783640916498
Dateigröße
1030 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mindestlohn, Wirtschaft, Sozialpolitik, Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Auswirkungen, Facharbeit
Arbeit zitieren
Jan-Phillipp Hensing (Autor), 2011, Die Auswirkungen eines Mindestlohnes auf die Wirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171831

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Auswirkungen eines Mindestlohnes auf die Wirtschaft



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden