Verarbeitungsstrukturen und Verarbeitungsprozesse für sprachliche Daten im Gehirn

Neuropsychologische Grundlagen für Spracherwerb und Lernen


Seminararbeit, 2011

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Neuropsychologische Grundlagen für Spracherwerb und Lernen
2.1 Aspekte des menschlichen Gehirns
2.1.1 Lernprozesse und ihre Auswirkungen auf die Sprachfähigkeit
2.1.2 Die funktionale Asymmetrie des Gehirns und ihre Folgen auf für Kommunikationsfähigkeit im Fremdsprachenunterricht
2.1.3 Das Gedächtnis
2.1.3.1 Die Verarbeitung sprachlicher Informationen
2.1.3.2 Lernertypen
2.2 Sprachwahrnehmung und Bedeutungskonstruktion
2.3 Sprachverstehen und Sprachproduktion

3. Zusammenfassung

4. Literaturangabe

5. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die Fähigkeit des Menschen seine Bedürfnisse, Gefühle und Gedanken über Sprache zu artikulieren ist evolutionär betrachtet ein Meilenstein in der Ge­schichte der Menschheit. Dabei sind die Wahrnehmung, Informationsverarbeitung- und speicherung signifikant für den Spracherwerb.

Die vorliegende Arbeit befasst sich daher mit den neuropsychologischen Grundlagen für Spracherwerb und Lernen. Besonderes Augenmerk wird auf die Aspekte des Gehirns, genauer gesagt auf die funktionale Asymmetrie und deren Folgen für unsere kommunikativen Fähigkeiten sowie auf die Arbeitsweise des Gedächtnisses, am Beispiel des Speichermodells und des Level of Processing-Ansatzes, gelegt. Die Wahrnehmung, das Sprachverstehen sowie die Produktion von Sprache werden ebenfalls betrachtet. Hier erscheint besonders die Frage interessant, wie es überhaupt möglich ist, sprachliche Signale zu erkennen, zu interpretieren und selbst sprachliche Äußerungen abzugeben. Parallel wird der Versuch unternommen, die gewonnenen Erkenntnisse für den Erwerb einer Fremdsprache im Unterricht überblicksartig in Bezug zu setzen, denn eine auf die Bedürfnisse und natürlichen Gegebenheiten des Lerners abgestimmte Unterrichtsplanung eliminiert bereits im Vorfeld mögliche Missverständnisse oder Schwierigkeiten für den Lerner im Lernprozess.

Abschließend soll ein Fazit über die wichtigsten Aspekte des Fremdsprachenlernens gezogen werden, welches sich auf die Ergebnisse der neuropsychologischen Forschungen stützt.

2. Neuropsychologische Grundlagen für Spracherwerb und Lernen

Damit sprachliche Daten im Gehirn aufgenommen, verarbeitet und gespeichert werden können, ist die Existenz von Verarbeitungsstrukturen und von Verarbei­tungsprozessen grundlegend. Daher thematisiert das nachfolgende Kapitel die Aspekte des menschlichen Gehirns, die den Spracherwerb ermöglichen und damit erst zur Sprache befähigen.

2.1 Aspekte des menschlichen Gehirns

Das Gehirn verfügt über Verarbeitungsstrukturen, welche untereinander vernetzt sind und die Sprachverarbeitung ermöglichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bedeutsam sind dabei vor allem das Broca-Zentrum und das Wernicke-Zentrum. Das Broca-Zentrum ist verantwortlich für die Steuerung und Strukturierung von sprachlichen Informationen, während das Wernicke-Zentrum diese Informationen semantisch verarbeitet. Neben diesen beiden wichtigsten Zentren sind auch an­dere Zentren wie das Sehzentrum, das Hörzentrum oder das motorische Zentrum an der Verarbeitung von sprachlichen Informationen beteiligt. Die Zentren funkti­onieren untereinander in einem Verband und sind zum Zwecke des optimalen In­formationsaustausches über Nervenbahnen verbunden. Obwohl die Zentren ihre Funktionen teilweise gegenseitig übernehmen können, sind sie al­leine kaum funktionsfähig. Besonders gravierend äußert sich eine Beschädigung der beiden großen Zentren (Broca und Wernicke), etwa durch einen Unfall oder eine Krank­heit. Die daraus resultierenden sprachlichen Störungen werden als Aphasien be­zeichnet. Die Fähigkeit Sprache zu verarbeiten ist dann nur noch ein­geschränkt oder überhaupt nicht mehr möglich.[1]

Der Informationsaustausch innerhalb der Zentren verläuft über Nervenbahnen, dabei handelt es sich um einen sehr komplizierten biologischen Prozess, welcher an dieser Stelle nur überblicksartig dargestellt werden soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Signalübermittlung der Nervenzellen (Neuronen) erfolgt über elektrische Im­pulse, welche über die Verästelungen des Zellkörpers (Dendriten) zur Nervenzelle gelangen. Diese Information gibt die Nervenzelle über ihre langen Fortsätze (Axone) an andere Nervenzellen weiter, wobei die Informationsübertragung durch chemische Botenstoffe, sog. Neurotransmitter, über den synaptischen Spalt – einem Zwischenraum – erfolgt. Da Nervenzellen unterschiedlich viele Axone (zwischen 1000 und 10000) haben kann, ist ihr Aktionspotential – also ihre elekt­rische Erregung – höher oder niedriger.[2]

Jörg Roche konstatiert die daraus resultierenden Konsequenzen: „Für den Sprach­erwerb bedeutet das unter anderem, dass über die Nervenzelle eine sinn­volle Ko­ordination der verschiedensten Eingangsimpulse erfolgt. Je mehr Verbin­dungen in den Nervenzellen bei der Sprach- und Informationsverarbeitung betei­ligt sind, desto intensiver ist die Aktivierung und desto nachhaltiger wirkt sie.“[3]

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Tätigkeit des Gehirns mittels vernetzter Strukturen und Prozesse, aber immer wieder auch über eine erhöhte Ak­tivität in bestimmten Zentren funktioniert.[4]

2.1.1 Lernprozesse und ihre Auswirkungen auf die Sprachfähigkeit

Lernprozesse sind – aus neuropsychologischer Sicht – die Folge von Verbindun­gen der einzelnen Nervenzellen untereinander. Diese Verbindungen sind eben durch Lernprozesse modifizierbar. Dabei bedeutet „Lernen“ bestimmte Verbin­dungen wiederholt zu aktivieren, wodurch es zum Zusammenschluss von Zellver­bänden oder zu Aktivierungsmustern[5] kommt. Mit zunehmender Intensität und Ausprägung der Zellverbände steigt auch die Stabilität und Nachhaltigkeit derer. Bei künftiger Reaktivierung der Verbände wird folglich auch weniger Energie notwendig sein. Geht man von der Annahme aus, dass Aktivierungsmuster auch bestimmten Bedeutungsmustern gleichkommen, so wären diese Bedeutungsmus­ter Resultat eines verzweigten neuronalen Netzes mit differenzierten Aktivie­rungsmodi durch die Sinnesorgane. Ein Beispiel: Das Wort Tropical Cocktail könnte bei einem Menschen gustatorische oder olfaktorische Sinneseindrücke hervorrufen. „Unsere Sprache ist also über unterschiedliche Kanäle in mehrere Richtungen vernetzt, zum Sprachverstehen, zur Sprachproduktion und zur ausfüh­renden Handlung.“[6] Wichtig ist dabei die sog. Aktivierungsroutine, welche zur schnellen Aktivierung notwendig ist, da die Bildung von Verbindungen anfangs einen relativ großen Aufwand mit sich bringt.

Im Fremdsprachenunterricht besteht die Möglichkeit diese Aktivierungsroutine und damit einhergehend die rasche Aktivierung von Verbindungen zu erreichen, in dem man Verfahren zur Automatisierung nutzt. Praktisch bedeutet das, dass ein schwacher Reiz genügt, um einmal intensiv entwickelte Verbindungen zu aktivie­ren. Einem guten Fremdsprachensprecher genügen folglich unvollständige Be­griffe, um ein vollständiges Wort- oder Bedeutungsfeld anzuregen. Diese Lerner verstehen schriftliche oder mündliche Texte auch dann, wenn sie nicht jedes ein­zelne Wort übersetzen können.[7]

2.1.2 Die funktionale Asymmetrie des Gehirns und ihre Folgen auf für Kommunikationsfähigkeit im Fremdsprachenunterricht

Basierend auf den neuronal verankerten Grundstrukturen, bildet schließlich eine bisher unbeachtete Komponente eine grundlegende Voraussetzung für die Ent­wicklung der menschlichen Sprachfähigkeit, die soziale Interaktion. Dabei erweist sich das Lernen einer Fremdsprache als deutlich leichter, wenn Bestandteile der natürlichen Kommunikation der Zielsprache in den Lernprozess eingegliedert sind. Diese Annahme lässt aufgrund der physiologischen Gegebenheiten des Ge­hirns stützen.

[...]


[1] Vgl. Roche J.: Fremdsprachenerwerb. Fremdsprachendidaktik. Tübingen 2008. S.45-49.

[2] Vgl. Roche J.: Fremdsprachenerwerb. Fremdsprachendidaktik. Tübingen 2008. S. 49-50.

[3] Vgl. Roche J.: Fremdsprachenerwerb. Fremdsprachendidaktik. Tübingen 2008. S. 50.

[4] Ebd. S. 50.

[5] Aktivierungsmuster entstehen, wenn mehrere Neuronen gleichzeitig aktiv sind. Vgl. ebd. S. 50.

[6] Ebd. S. 51.

[7] Vgl. Roche J.: Fremdsprachenerwerb. Fremdsprachendidaktik. Tübingen 2008. S. 50-51.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Verarbeitungsstrukturen und Verarbeitungsprozesse für sprachliche Daten im Gehirn
Untertitel
Neuropsychologische Grundlagen für Spracherwerb und Lernen
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Sprach-Literatur- und Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Methodisch-Didaktische Aspekte DaZ
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V171835
ISBN (eBook)
9783640914326
ISBN (Buch)
9783640914609
Dateigröße
1096 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verarbeitungsstrukturen, verarbeitungsprozesse, daten, gehirn, neuropsychologische, grundlagen, spracherwerb, lernen
Arbeit zitieren
Katja Neumann (Autor), 2011, Verarbeitungsstrukturen und Verarbeitungsprozesse für sprachliche Daten im Gehirn , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171835

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