Was passiert mit Helden, wenn deren soziokulturelles Umfeld kritisch hinterfragt und ethische Normen des zeitlichen Kontexts mit aktuellen Maßstäben reevaluiert werden?
Durch Literaturkritik wie die Theorie des Postkolonialismus werden etablierte gesellschaftliche Normen subvertiert und damit auch die Figur des Helden dekonstruiert. Dabei wird die singuläre Literatur und Geschichtsschreibung zugunsten einer pluralistischen Weltsicht aus verschiedenen kulturellen Blickwinkeln erweitert.
Dies soll im Folgenden mit Albert Camus‘ berühmtem Roman "L’Étranger" geschehen, welcher durch Kamel Daouds moderneren Roman "Meursault, contre-enquête" im Hinblick auf den politischen Kontext der Kolonialisierung Algeriens durch Frankreich neu interpretiert wurde. Dafür wird zunächst die Rolle des Protagonisten Meursault bei Camus hinsichtlich ihres Helden- und Antiheldenpotentials analysiert und anschließend die Figur vor seinem kulturellen Hintergrund, dem kolonisierten Algerien, betrachtet. Dann soll gezeigt werden, welche Helden- und Antiheldenentwürfe dem in "Meursault, contre-enquête" entgegengesetzt werden und wie diese vor dem Hintergrund der Kolonialisierung interpretierbar sind. Abschließend soll am Beispiel des narrativen Stils gezeigt werden, wie Daouds Roman den Stil Camus subvertiert und dem Rezipienten damit ein Beispiel für eine postkoloniale Literatur anbietet. Es soll gezeigt werden, dass es in einer postkolonialen Lesart den ausschließlich positiven Helden nicht geben kann, da Heldenlegenden abhängig von der Art der Erzählung sind.
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- Anonym (Author), 2018, Gibt es den postkolonialen Helden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1718696