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Kann ich Feedback …?

Feedback-Hindernisse überwinden

Title: Kann ich Feedback …?

Non-fiction book , 2026 , 27 Pages

Autor:in: Michael Wekerle-Dreier (Author)

GuideVerse: Guidebooks
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Summary Excerpt Details

Diese Veröffentlichung wendet sich an alle, die mit Menschen arbeiten und an Entwicklung glauben: an die eigene Entwicklung und an die der Anvertrauten – und an die gemeinsame Entwicklung. Daher bietet diese Publikation Impulse zur Reflexion vor allem für Lehrende, Eltern, Therapeutinnen und Therapeuten.

Der Autor hat die Erfahrungen vieler Menschen zum Thema gesammelt und gibt sie hier geordnet wieder: Nach einer fachlichen Einführung werden 12 Hindernisse für produktives Feedback genauer betrachtet.

Das Erkennen dieser Hindernisse hilft, diese zu vermeiden, und dämmt damit die Resignation ein. Aus einem „Nützt ja eh nichts“ wird so der bewusste Versuch, vermehrt aufeinander zuzugehen mit einem „Ich versuche es immer wieder aufs Neue“.

Excerpt


Inhalt

Über den Autor

Vorwort und Dank

I. Warum Feedback immer noch zeitgemäß ist

Für die Gruppe

Für die Einzelperson

Feedbackregeln

III. Feedback Hindernisse

A. Persönliche Aspekte

B. Unplanbare Aspekte

C. Kulturelle Aspekte

IV. Feedback annehmen

V. Fragebogen zur Selbstreflexion

Auszüge aus dem Buch

Cover: Kann ich Feedback …?

I. Warum Feedback immer noch zeitgemäß ist

Allenthalben findet sich der Hinweis, wie wichtig Feedback ist. Dennoch stellt sich die Frage, ob Feedback nicht zunehmend anachronistisch ist in einer Zeit des individuellen Rückzuges ähnlich dem Rückzug in der Biedermeierzeit. Es gibt zwar heutzutage sehr vielfältig Rückmeldungen an unser Belohnungssystem in Form der sogenannten gamification, zum Beispiel blinkende Rückmeldung über die Fahrgeschwindigkeit in Tempo-30-Zonen, Sternchen oder Münzen bei Onlinespielen – aber direktes Feedback von Mensch zu Mensch ist bei weitem nicht so häufig wie diese Rückmeldungen auf diversen Displays.

Durch die generative KI (hier kurz KI genannt) kommt noch die Möglichkeit dazu, Feedback zu einer konkreten Aufgabe (einer Präsentation, einem Bericht, einer Tätigkeit usw.) von einer Maschine zu bekommen. Und zwar nicht Rückmeldung zu einer Eingabe an die Maschine – das gibt es schon lange – sondern Rückmeldung einer Maschine über mich und das, was ich geleistet habe.

Bei aller Angst und Vorsicht, die wir derzeit zum Thema KI erleben, nehmen viele wahr, dass die KI ein einfacheres Gegenüber ist als unsere Mitmenschen. Menschen sind so unterschiedlich in ihrer Persönlichkeit, ihrem Tempo, ihrem Engagement usw. Das Miteinander zwischen Menschen ist sehr komplex, daher wählen wir statt Zuwendung oft Vermeidung von Kontakt. KI wirkt dagegen einfacher, es entsteht bei uns ein Kontrollgefühl durch „Eingabe und Ausgabe“, KI wirkt für uns, auch wenn wir das System nicht wirklich durchschauen, in gewisser Weise durchschaubar und “nutzbar”. Wir haben das Gefühl, dass wir der KI (noch) „überlegen“ sind. Dieses Gefühl haben wir bei unseren Anvertrauten (Studierenden, Kindern, Klientinnen und Klienten) ehrlicherweise nicht, denn:

  • die KI schenkt uns ungeteilte Aufmerksamkeit, wechselt nicht andauernd das Thema 1 und
  • die KI ist netter als unsere Anvertrauten 2 , oder wie manche das für sich empfinden „tausendmal besser als jedes Gespräch mit Menschen“. 3

Was die KI allerdings nicht kann ist Emotion. Sie kann sehr wohl Emotionen imitieren, aber eben nicht haben, da Emotionen eine physiologische Funktion des lebenden Körpers sind.4

Feedback im zwischenmenschlichen Kontakt ist etwas zutiefst Menschliches, die KI ist vielleicht „ein Traum“, doch dann kommt wieder das „Erwachen“ in die eigene Realität. Auch wenn durch die Weiterentwicklung der KI noch vieles möglich werden wird, ist ein zwischenmenschliches Feedback mehr wert, weil es den „human touch“5 hat. Es ist eben Feedback von einem artgleichem Lebewesen, von seinesgleichen, mit Erfahrungen zwischen Geburt und Tod, mit den Grundemotionen Freude, Trauer, Angst und Wut.

Zwischenmenschliche Verbundenheit und Bindung entstehen in „Fleisch und Blut“, wobei unter anderem das „Bindungshormon“ Oxytozin ein Rolle spielt. Dieses wird vorzugsweise gebildet durch Streicheln, gemeinsames Essen – und Kommunikation! Ein Feedback von einem Mit-Mensch ist eben deshalb mehr Wert, weil ich spüre dass er sich Zeit nimmt dafür, seine eigene Erfahrung mit mir teilt und dadurch Wertschätzung ausdrückt.

Die KI kann also zweifelsohne intelligente Jobs machen, aber Verbundenheit ist doch eine menschliche Qualität. Es wäre allerdings wünschenswert, diese menschliche Qualität weiter zu entwickeln, also zu lernen mehr menschlich zu sein: Bildung und Entwicklung geschieht eben nicht nur über Information, sondern vor allem über Reflektieren und Miteinander-Reden, damit wir selbst nicht weiter „wie Roboter“ in unserer Welt agieren6.


1. Vgl. Matze Hielscher und Gregor Schmalzried im Gespräch (ca 1:32:00): https://www.youtube.com/watch?v=NnrgmhCe698 (zuletzt abgerufen am 20.2.2026)

2. Paul Panzer: „Die KI ist netter als meine Frau“ https://www.ardmediathek.de/video/nuhr-im-ersten/paul-panzer-ki-ist-netter-als-meine-frau/rbb/Y3JpZDovL3JiYl9iNDkwNTMwMC1iMDgzLTQxNWYtYjI0NC0yNzE0ZmJlNjY1MTVfcHVibGljYXRpb24 (zuletzt abgerufen am 20.2.2026)

3. S. einen Kommentar zu Paul Panzer: „Die KI ist netter als meine Frau“ auf https://www.youtube.com/watch?v=tJhSIWZQQaI (zuletzt abgerufen am 20.2.2026)

4. Zur Unterscheidung der drei Emotionsebenen nach Ross Buck vgl. G. Maté, Wenn der Körper Nein sagt. Wie verborgener Stress krank macht – und was sie dagegen tun können, Narayana, 2023, 39f.

5. Vgl. dazu den Open-Claw-Entwickler Peter Steinberger (ca 3:15): https://www.youtube.com/watch?v=C3SjUt59rtA (zuletzt abgerufen am 20.2.2026)

6. Vgl. Matze Hielscher und Gregor Schmalzried im Gespräch (ca 1:52:00): https://www.youtube.com/watch?v=NnrgmhCe698 (zuletzt abgerufen am 20.2.2026)

[...]

B. Unplanbare Aspekte

5. Risk

Nach den Feedback Hindernissen, die den persönlichen Aspekten zugeordnet werden können, kommen wir nun zu den Feedbackbarrieren, die zu den unplanbaren Aspekten gehören.

Das erste Stichwort hier ist „Risk“: Es gibt keine Garantie, dass Feedback angenommen wird, beziehungsweise dankbar angenommen wird. Deshalb wird manchmal die Investition in Feedback vermieden, weil ja der outcome nicht sicher ist. Dabei ist konstruktives Feedback in jedem Fall eine Investition in Beziehung und Entwicklung!

Meine Studierenden hatten folgenden Tipp dazu: „No risk no fun!“, das bedeutet also „scheitern ist besser als nicht versuchen“. Feedback ist eben wie ein Geschenk – auch da weiß man nie wie es ankommt.

6. Fear

Wenn Feedback nicht im Privatbereich sondern in Organisationen gegeben wird, kommt „Fear“ als weiteres Hindernis für produktives Feedback dazu. Auch diese Barriere gehört in den Bereich der unplanbaren Hindernisse, da es nur mehr oder weniger begründet eine Hemmung gibt, in Hierarchien Feedback „nach oben“ zu geben aus Angst vor nachteiligen Konsequenzen.

Das hat mit dem Aspekt zu tun, den der niederländische Kulturwissenschafter Geert Hofstede mit Machtdistanz beschreibt1: die Angst, Feedback „nach oben“ zu geben ist in hierarchischen Systemen umso größer, je ungleicher die Machtverteilung wahrgenommen wird. Deutlichere hierarchische Unterschiede verstärken die Angst vor Konsequenzen.

So hat also das Arbeitsklima einen Einfluss darauf, wie stark die Abhängigkeit wahrgenommen wird. Deshalb wird in Bildungsveranstaltungen mit abschließender Prüfung Feedback vor der Prüfung vorsichtiger gegeben, weil man Lehrende ja nicht verärgern und zu einer eventuell strengeren Beurteilung verleiten möchte. Und im Unternehmenskontext mit stark ausgeprägter Hierarchie gelten solche, die mutig genug sind, der Führung Feedback zu geben, oft als Störenfried oder als Held.

Um diese Feedbackbarriere zu überwinden, ist es einerseits notwendig, dass Unternehmen eine offene Feedbackkultur schaffen, indem sie als ersten Schritt zu Rückfragen ermuntern. Andererseits liegt es auch an der Persönlichkeitsentwicklung der Einzelperson: Führungskräfte sollten lernen, mit Kritik „von unten“ produktiv umgehen zu können und eine Haltung entwickeln, die respektvolles Feedback schätzt.

7. True

Eine weitere Barriere für Feedback ist der Zweifel, ob das, was ich als Feedback rückmelden möchte, „true“ ist, also die Unsicherheit, ob mein Feedback richtig ist. Hier heißt es Abschied nehmen von der Vorstellung eines objektiven Feedbacks – Feedback ist immer eine subjektive Wahrnehmung! Zu dieser Subjektivität zu stehen hemmt viele.

Hier hilft es, sich den Wert von Feedback bewusst zu machen und dadurch den eigenen Selbstwert zu stärken, um eine möglicherweise sehr subjektive Wahrnehmung auszusprechen. Durchaus sinnvoll ist es daher auch, das Feedback als persönliche Wahrnehmung zu kennzeichnen (z.B. „Ich habe den Eindruck …“) und nicht als absolute Wahrheit darzustellen. Viele Menschen finden allerdings nicht so leicht Zugang zu diesem Aspekt von Kommunikation, den Friedemann Schulz von Thun Selbstkundgabe nennt.2

Ausgehend von Thomas Gordon hat sich die 3-Schritte-Ich-Botschaft beziehungsweise das 3W-Feedback entwickelt, das hier hilft, die Selbstkundgabe mit strukturiertem Feedback zu kombinieren3:

1. Schritt: die Wahrnehmung (z.B. das Verhalten) wertfrei zu beschreiben – zuerst die Tatsachen.

2. Schritt: die Wirkung (das Gefühl) benennen – was bei mir ausgelöst wird oder welche Folgen es hat.

3. Schritt: den Wunsch (das Bedürfnis) formulieren, welche Konsequenzen folgen sollten bzw. welche Alternativen ich sehe.

8. Positive

Auch die Befürchtung, positives Feedback könnte als „Einschmeicheln“ ausgelegt werden, ist manchmal ein Hindernis. Im Unternehmenskontext ist es die Sorge, Feedback „nach oben“ könnte als „Einschleimen“ (sich durch Schmeichelei beliebt machen) verstanden werden. Und im privaten Kontext gibt es das Missverständnis, positives Feedback zum Beispiel als Flirten misszuverstehen. In beiden Fällen ist es die Unterstellung, dass mit dem Feedback etwas bezweckt wird.

Eine Lösung ist hier, Lob konkret und nachvollziehbar zu begründen, um Authentizität zu sichern. Und sich selbst vorher im Reinen zu sein, ob das Feedback grundsätzlich zweckfrei ist, also nicht gegeben wird, um einen eigenen Vorteil daraus zu generieren.

Ganz allgemein wäre es leichter, dieses Hindernis zu überwinden, wenn wir mit Lob besser umgehen könnten: einfach „Danke“ sagen, oder positive Rückmeldungen als solche annehmen ohne sie gleich wieder zu relativieren. Meine Studierenden hatten dazu den Tipp, mehrere Meinungen einzuholen, und wenn die Rückmeldungen positiv sind, es also solches zu akzeptieren „Schön, dann wird es wohl wirklich gut sein“.


1. G. Hofstede, Culture's Consequences. Comparing Values, Behaviors, Institutions, and Organizations Across Nations, 2. Auflage 2001, Sage Publications

2. F. Schulz von Thun, Miteinander reden 1. Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation, 1981 Rowohlt

3. Vgl. z.B. https://schmidt-strategie.at/feedback-das-ankommt (zuletzt abgerufen am 20.2.2026)

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Details

Title
Kann ich Feedback …?
Subtitle
Feedback-Hindernisse überwinden
Author
Michael Wekerle-Dreier (Author)
Publication Year
2026
Pages
27
Catalog Number
V1718949
ISBN (eBook)
9783389187876
ISBN (Book)
9783389187883
Language
German
Tags
Feedback geben Feedback annehmen Feedbackkultur konstruktives Feedback Kommunikation im Beruf Gesprächsführung Führung und Feedback Mitarbeiterführung Selbstreflexion Persönlichkeitsentwicklung Organisationspsychologie Kommunikationspsychologie Teamkommunikation Konfliktlösung Social Skills
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Wekerle-Dreier (Author), 2026, Kann ich Feedback …?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1718949
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