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Der Confirmation Bias im Geschichtsunterricht

Eine Unterrichtseinheit zur "Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg" nach dem chemiedidaktischen Konzept fast2slow

Title: Der Confirmation Bias im Geschichtsunterricht

Term Paper , 2025 , 29 Pages , Grade: 1.3

Autor:in: Florian Baumann (Author)

Didactics - History
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In dieser Arbeit soll eine Unterrichtseinheit zum Thema „Alleinschuld des Deutschen Reichs am ersten Weltkrieg – Ja oder Nein?“ anhand des chemiedidaktischen Konzepts fast2slow konzipiert werden. Den Schüler*innen soll mit dieser Einheit bewusst werden, dass auch bei ihnen der Confirmation Bias inhärent ist. Damit soll schließlich ihre Bewertungs- beziehungsweise Deutungskompetenz und dadurch auch die Orientierungskompetenz im Bereich Geschichte geschult werden. Daher stellen sich mehrere Fragen: Wie kann ein chemiedidaktisches Konzept so angepasst werden, dass es für geschichtsdidaktische Zwecke verwendbar ist? Welche Kriterien müssen bei der Konzeption beachtet werden? Und eignet sich das angepasste Konzept überhaupt für den historischen Unterricht?

Durch eine hohe Vielfalt verschiedensten Medien erreichen die Menschen auch im Alltag immer häufiger historische Narrative. Zum Beispiel über Social-Media-Posts, Fernsehbeiträge oder die klassische Zeitschrift. Die Bandbreite der kommunizierten Narrative (Informationen) reicht von wissenschaftlichen, über populär-wissenschaftlichen hin zu pseudowissenschaftlichen /nicht-wissenschaftlichen Narrativen. Diese Masse an Informationen macht es den Menschen, und auch Schülerinnen und Schülern im Speziellen, besonders schwer reliable Informationen zu erkennen, zu bewerten und zu fundierten Urteilen und Entscheidungen zu gelangen.
Diese Prozesse der Informationssuche (-wahrnehmung) und -bewertung und somit auch die Urteilsbildung werden durch kognitive Verzerrungen sogenannten Biases beeinflusst. Schon Rüsen betont 1983, das historische Deutungsprozesse subjektiven Interessen und Normen unterliegen. Für den Bereich Schule bedeutet dies, dass Schüler*innen in die Lage versetzt werden müssen diese Prozesse und die Urteilsbildung möglichst ohne die Beeinflussung der kognitiven Verzerrungen durchzuführen, beziehungsweise, dass ihnen diese Biases bewusst sind.
Bei einer großen Zahl von kognitiven Verzerrungen die in der Literatur belegt sind, ist es notwendig für diese Arbeit lediglich eine kognitive Verzerrung genauer zu betrachten. Der Confirmation Bias, oder auch Bestätigungsfehler genannt, kann Schüler*innen in ihren Deutungsprozessen maßgeblich beeinflussen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verortung der Theorie in das FUER-Kompetenzmodell

3. Die Geschwindigkeit des Denkens und kognitive Verzerrungen

4. Gestaltungskriterien für die Unterrichtseinheit und das Material

5. Die Unterrichtseinheit und das Material

6. Ausblick

7. Literatur

8. Anhang

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Ziel dieser Arbeit ist die Konzeption einer Unterrichtseinheit zur Schuldfrage des Ersten Weltkriegs, welche die Bewertungs- und Orientierungskompetenz von Schülerinnen und Schülern durch das chemiedidaktische Konzept "fast2slow" schult. Dabei steht die Sensibilisierung für den "Confirmation Bias" als kognitive Verzerrung im Fokus, um reflektiertes historisches Denken zu fördern.

  • Anwendung des chemiedidaktischen "fast2slow"-Konzepts auf den Geschichtsunterricht.
  • Analyse und Förderung reflektierter Deutungsprozesse durch die Zwei-Systeme-Theorie.
  • Identifikation und Minimierung des Confirmation Bias bei der historischen Urteilsbildung.
  • Entwicklung von Kriterien zur Gestaltung historischer Unterrichtsmaterialien.

Auszug aus dem Buch

3. Die Geschwindigkeit des Denkens und kognitive Verzerrungen

Das fast2slow Konzept, nach dem die Unterrichtseinheit in dieser Arbeit konzipiert werden soll, hat zwei übergeordnete Ziele. Erstens sollen Schülerinnen und Schüler lernen, kognitive Verzerrungen, sowohl im Umfeld als auch bei sich selbst, zu erkennen. Zweitens sollen sie Strategien erlernen, die es ermöglichen, bewusst in ein verlangsamtes Denken zu wechseln. Somit basiert das Konzept und auch die zu konzipierende Unterrichtseinheit auf den Theorien zu kognitiven Verzerrungen (genauer dem Confirmation Bias) und der Arbeit Kahneman´s zur Zwei-Systeme-Theorie.

Kahneman beschreibt zwei Systeme, auf die jeder Mensch Zugriff hat. Das System 1 arbeitet schnell, automatisch, mühelos und nicht willentlich gesteuert. Das System 2 hingegeben lenkt die Aufmerksamkeit auf anstrengende mentale Aktivitäten, die diese Aufmerksamkeit benötigen. Dem System 2 können also die Attribute bewusst, anstrengend, langsam, analytisch, reflektierend und logisch zugeschrieben werden.

Die beiden Systeme unterliegen keiner normativen Bewertung. Das System 2 ist somit weder besser noch schlechter als das System 1. Beide Systeme funktionieren jedoch unterschiedlich und kommen daher auch in unterschiedlichen Situationen zum Einsatz und lösen daher auch unterschiedlich komplexe Aufgaben. Das System 1 kann einfache Aufgaben, wie zum Beispiel die Rechenaufgabe 2*2, schnell und intuitiv lösen. Die komplexere Aufgabe 17*24 ist für das System 1 schon schwieriger. Eine Lösung fällt demnach nicht intuitiv ein. An dieser Stelle wird das System 2 aktiviert, welches diese komplexere Aufgabe nun mit einer gewissen Anstrengung und Aufmerksamkeit Schritt für Schritt lösen muss.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Herausforderung, in der Informationsflut historische Narrative zu bewerten, und führt das Ziel ein, Schülerinnen und Schülern den "Confirmation Bias" durch ein didaktisches Konzept bewusst zu machen.

2. Verortung der Theorie in das FUER-Kompetenzmodell: Dieses Kapitel bettet die theoretischen Grundlagen in das FUER-Modell ein und verknüpft die Prozessmodelle historischen Denkens mit den Erkenntnissen zur Zwei-Systeme-Theorie.

3. Die Geschwindigkeit des Denkens und kognitive Verzerrungen: Hier werden die Grundlagen der Zwei-Systeme-Theorie nach Kahneman und die spezifische Bedeutung des "Confirmation Bias" für den historischen Deutungsprozess erörtert.

4. Gestaltungskriterien für die Unterrichtseinheit und das Material: Das Kapitel leitet methodische Anforderungen ab, wie etwa die gezielte Provokation des schnellen Denkens und die Schaffung von Reflexionsräumen zur Aktivierung des langsamen Systems.

5. Die Unterrichtseinheit und das Material: Es wird ein konkreter Entwurf für eine Unterrichtseinheit zur Kriegsschuldfrage vorgestellt, der die Lernenden in fünf Stufen vom intuitiven Urteil zur bewussten, reflektierten Analyse führt.

6. Ausblick: Der Ausblick resümiert die theoretische Machbarkeit der Konzeptübertragung und identifiziert die Notwendigkeit einer praktischen Erprobung im Unterricht.

7. Literatur: Auflistung der verwendeten geschichtsdidaktischen und psychologischen Quellen.

8. Anhang: Enthält die konzipierten Arbeitsblätter und den detaillierten Verlaufsplan der Unterrichtseinheit.

Schlüsselwörter

Confirmation Bias, Bestätigungsfehler, fast2slow, Geschichtsunterricht, historische Deutungskompetenz, FUER-Kompetenzmodell, Zwei-Systeme-Theorie, Kahneman, Orientierungskompetenz, Kriegsschuldfrage, kognitive Verzerrungen, Reflexion, historische Urteilsbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Konzeption einer Unterrichtseinheit für den Geschichtsunterricht, die darauf abzielt, die Bewertungs- und Orientierungskompetenz von Schülerinnen und Schülern durch die Übertragung eines chemiedidaktischen Konzepts zu fördern.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind kognitive Verzerrungen – insbesondere der "Confirmation Bias" –, die Zwei-Systeme-Theorie nach Daniel Kahneman sowie deren Relevanz für den Prozess des historischen Denkens und Urteilens.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, den Schülern bewusst zu machen, dass sie bei der Deutung historischer Sachverhalte anfällig für kognitive Verzerrungen sind, und ihnen Strategien an die Hand zu geben, um ihr Denken vom schnellen, intuitiven Modus in einen langsamen, reflektierten Modus zu überführen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Herleitung, die Konzepte aus der Psychologie (Zwei-Systeme-Theorie) und der Geschichtsdidaktik (FUER-Modell) zusammenführt, um daraus Kriterien für die Gestaltung einer konkreten Unterrichtseinheit abzuleiten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung im Kompetenzmodell, die Analyse kognitiver Verzerrungen, die Ableitung spezifischer Gestaltungskriterien und die Präsentation eines praktischen Unterrichtsentwurfs zum Thema "Alleinschuld am Ersten Weltkrieg".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Confirmation Bias, fast2slow, historische Deutungskompetenz, Zwei-Systeme-Theorie und Geschichtsbewusstsein geprägt.

Warum wird das Thema der Schuldfrage nach dem Ersten Weltkrieg gewählt?

Das Thema dient als provokantes Fallbeispiel, da es einerseits historisch relevant ist und andererseits durch Gegenwartsbezüge und die Komplexität der Debatte besonders geeignet erscheint, um den "Confirmation Bias" bei Schülern zu provozieren und reflektierbar zu machen.

Welche Rolle spielt die "didaktische Reserve" in der Unterrichtseinheit?

Die didaktische Reserve dient dazu, die Schüler mittels provokanter Aussagen zu einer schnellen, intuitiven Positionierung zu zwingen, was im weiteren Verlauf der Stunde als Ausgangspunkt für die kritische Reflexion und Entlarvung des eigenen Bestätigungsfehlers genutzt wird.

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Details

Title
Der Confirmation Bias im Geschichtsunterricht
Subtitle
Eine Unterrichtseinheit zur "Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg" nach dem chemiedidaktischen Konzept fast2slow
College
Bielefeld University
Grade
1.3
Author
Florian Baumann (Author)
Publication Year
2025
Pages
29
Catalog Number
V1719581
ISBN (PDF)
9783389189894
ISBN (Book)
9783389189900
Language
German
Tags
Unterricht 1. Weltkrieg Geschichte Didaktik Bias Fast2slow Geschichtsdidaktik Kompetenz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Florian Baumann (Author), 2025, Der Confirmation Bias im Geschichtsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1719581
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