In dieser Arbeit soll eine Unterrichtseinheit zum Thema „Alleinschuld des Deutschen Reichs am ersten Weltkrieg – Ja oder Nein?“ anhand des chemiedidaktischen Konzepts fast2slow konzipiert werden. Den Schüler*innen soll mit dieser Einheit bewusst werden, dass auch bei ihnen der Confirmation Bias inhärent ist. Damit soll schließlich ihre Bewertungs- beziehungsweise Deutungskompetenz und dadurch auch die Orientierungskompetenz im Bereich Geschichte geschult werden. Daher stellen sich mehrere Fragen: Wie kann ein chemiedidaktisches Konzept so angepasst werden, dass es für geschichtsdidaktische Zwecke verwendbar ist? Welche Kriterien müssen bei der Konzeption beachtet werden? Und eignet sich das angepasste Konzept überhaupt für den historischen Unterricht?
Durch eine hohe Vielfalt verschiedensten Medien erreichen die Menschen auch im Alltag immer häufiger historische Narrative. Zum Beispiel über Social-Media-Posts, Fernsehbeiträge oder die klassische Zeitschrift. Die Bandbreite der kommunizierten Narrative (Informationen) reicht von wissenschaftlichen, über populär-wissenschaftlichen hin zu pseudowissenschaftlichen /nicht-wissenschaftlichen Narrativen. Diese Masse an Informationen macht es den Menschen, und auch Schülerinnen und Schülern im Speziellen, besonders schwer reliable Informationen zu erkennen, zu bewerten und zu fundierten Urteilen und Entscheidungen zu gelangen.
Diese Prozesse der Informationssuche (-wahrnehmung) und -bewertung und somit auch die Urteilsbildung werden durch kognitive Verzerrungen sogenannten Biases beeinflusst. Schon Rüsen betont 1983, das historische Deutungsprozesse subjektiven Interessen und Normen unterliegen. Für den Bereich Schule bedeutet dies, dass Schüler*innen in die Lage versetzt werden müssen diese Prozesse und die Urteilsbildung möglichst ohne die Beeinflussung der kognitiven Verzerrungen durchzuführen, beziehungsweise, dass ihnen diese Biases bewusst sind.
Bei einer großen Zahl von kognitiven Verzerrungen die in der Literatur belegt sind, ist es notwendig für diese Arbeit lediglich eine kognitive Verzerrung genauer zu betrachten. Der Confirmation Bias, oder auch Bestätigungsfehler genannt, kann Schüler*innen in ihren Deutungsprozessen maßgeblich beeinflussen.
- Arbeit zitieren
- Florian Baumann (Autor:in), 2025, Der Confirmation Bias im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1719581