Das Konzept der Beveridge-Kurve und empirische Befunde zum aktuellen Mismatch-Problem am deutschen Arbeitsmarkt


Hausarbeit, 2011

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1 Mismatch-Arbeitslosigkeit
1.1 Ursachen und Erscheinungsformen
1.1.1 Qualifikatorischer Mismatch
1.1.2 Regionaler Mismatch
1.1.3 Lohnbedingter bzw. Motivatorischer Mismatch
1.2 Auswirkungen dieses Phänomens
1.3 Maßnahmen zur Überwindung des Mismatches

2 Konzept der Beveridge-Kurve
2.1 Darstellung des einfachen ökonomischen Modells
2.2 Modellerweiterung: Qualifikationsspezifische Beveridge-Kurven ...
2.2.1 Gruppe der Qualifizierten
2.2.2 Gruppe der Geringqualifizierten
2.3 Beveridge-Kurve als Gegenstand der Arbeitsmarkttheorie
2.3.1 Keynesianische Überschussnachfragemodelle
2.3.2 Neoklassischer Arbeitsmarkt mit Friktionen als Erklärungsansatz

3 Aktuelle empirische Mismatch-Befunde für Deutschland
3.1 Beveridge-Kurve für Deutschland
3.1.1 Regionalpezifische Beveridge-Kurven
3.1.2 Geschlechtsspezifische Beveridge-Kurven
3.2 Unterschiede in den Wirtschaftssektoren
3.3 Qualifikationsspezifische Disparitäten

Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Bundesagentur für Arbeit hat für den Monat Januar 2011 eine Arbeitslosenquote von 7,9 Prozent ausgewiesen. Absolut betrachtet handelt es sich um ca. 3.35 Millionen arbeitslose Menschen1 auf dem deutschen Arbeitsmarkt, die keine bezahlte Beschäfti- gung vorweisen können (BfA 2011a). Paradoxerweise existierten im selben Zeitraum trotz bestehender Arbeitslosigkeit rund 375.000 durch die Bundesagentur für Arbeit gemeldete nicht besetzte Arbeitsstellen2 (BfA 2011b). Wie ist ein solcher Mismatch zu erklären und welche Möglichkeiten gibt es, diesen, wenn nicht völlig zu beseitigen, so doch merklich zu mildern?

Die Hauptaufgabe der vorliegenden Arbeit besteht, abgesehen von einer grundlegen- den Betrachtung des Problems der Mismatch-Arbeitslosigkeit, insbesondere in der Dar- stellung des Modells der sogenannten Beveridge-Kurve sowie in dem Versuch, dieses Modell auf die Arbeitsmarktlage in Deutschland anzuwenden. Ziel ist es, empirische Ergebnisse zu generieren und diese auf Grundlage der theoretischen Erkenntnisse zu interpretieren, um somit Aussagen über die aktuelle Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt treffen zu können.

Um eine systematische Abhandlung des Themas zu ermöglichen, wurde diese Haus- arbeit in drei Abschnitte unterteilt: Im ersten Kapitel sollen zunächst der Begriff der Mismatch-Arbeitslosigkeit sowie deren verschiedene Ausprägungen skizziert werden. Im anschließenden Kapitel folgt eine Beschreibung des Konzepts der Beveridge-Kurve, wobei nicht nur das Modell selbst erläutert wird, sondern überdies eine theoretische Begründung der Beziehung zwischen Arbeitslosigkeit bzw. Arbeitslosen und offenen Stellen in Form zweier konträrer Arbeitsmarkttheorien gegeben wird. Im letzten Kapitel folgt schließlich eine empirische Untersuchung der Situation in Deutschland.

Die Entscheidung zugunsten dieses Themas ist dem Umstand geschuldet, dass es über die Problematik der Mismatch-Arbeitslosigkeit sowie zu dem Modell der Beverid- ge-Kurve zwar mittlerweile eine Vielzahl von Artikeln und Diskussionspapieren gibt dass aber insbesondere in Bezug auf die gegenwärtige Entwicklung in Deutschland nur eingeschränkt Informationen vorliegen und somit weiterer Forschungsbedarf besteht.

1 Mismatch-Arbeitslosigkeit

Der Begriff „Mismatch“ ist, als Substantiv, die Verneinung des englischen Verbs „match“, das bedeutet, dass (mindestens) zwei Dinge zueinander passen. Im hier inte- ressierenden Kontext ist das Zustandekommen eines Arbeitsverhältnisses gemeint. Das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt gestaltet sich um- so problematischer, desto größer die Diskrepanzen zwischen den Anforderungen einer zu besetzenden Stelle und den Eigenschaften der jeweiligen Bewerber sind. Mismatch- Arbeitslosigkeit entsteht, wenn diese Diskrepanzen zu groß sind, sodass eine bestimmte Zahl offener Stellen einer gewissen Anzahl arbeitsloser Menschen gegenübersteht (vgl. Ochsen 2004a, S. 63). Doch welche konkreten Ursachen gibt es für diesen Mismatch und in welcher Form kann er auftreten?

1.1 Ursachen und Erscheinungsformen

Die Ursachen für einen Mismatch sind, wie Abbildung 1 verdeutlicht, größtenteils struktureller Natur. Aus diesem Grund ist strukturelle Arbeitslosigkeit als Mismatch- Arbeitslosigkeit im engeren Sinne zu verstehen. Zu ihr zählen der qualifikatorische-, regionale- und sonstige strukturelle Mismatch. So ist der seit Jahrzehnten zu beobach- tende Prozess der Deindustrialisierung, sprich die Entwicklung zu einer Dienstleis- tungsgesellschaft, u. a. ein entscheidender Grund für die Entstehung eines strukturellen Mismatches zwischen Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot. Oft fehlen den Unterneh- men, die im Terti ä ren Sektor ansässig sind, aufgrund der - gemessen an ihren Ansprü- chen - Fehl- und Unterqualifikation vieler Arbeitsloser Fach- und Führungskräfte.

Im weiteren Sinne zählen die friktionelle und die sogenannte „Wohlstandsarbeitslo- sigkeit“ zur Mismatch-Arbeitslosigkeit, wobei unter „Wohlstandsarbeitslosigkeit“ ein Lohnbedingter Mismatch zu verstehen ist. Neben unterschiedlichen Einkommensvor- stellungen sind es Faktoren wie z. B. Informationsdefizite, die einen Mismatch zur Fol- ge haben können. Das ist der Fall, wenn dem Arbeitssuchenden die für ihn geeigneten Vakanzen nicht bekannt sind bzw. es den Unternehmen nicht gelingt, die passende Ar- beitskraft für die offene Stelle ausfindig zu machen (vgl. Franz, 2006, S. 231).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Formen der Mismatch-Arbeitslosigkeit (eigene Darstellung in Anlehnung an Faik 2006, S. 310- 312)

Formal lässt sich Arbeitslosigkeit als Summe zweier Komponenten in folgender Definitionsgleichung darstellen:3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Differenzen zwischen Arbeitsangebot (Ns) bzw. Arbeitsnachfrage (Nd) und vorherrschender Beschäftigung (N) ergeben die Zahl der Arbeitslosen und die der offenen Stellen (vgl. Landmann/Jerger 1999, S. 50):

U = Ns - N

V = Nd - N

1.1.1 Qualifikatorischer Mismatch

Ein qualifikatorischer Mismatch liegt vor, wenn die Qualitätsanforderungen der vakanten Stellen und das qualifikative Profil der Arbeitslosen nicht übereinstimmen. Demzufolge sind die Arbeitssuchenden für die auf dem Arbeitsmarkt angebotenen Stellen entweder unter- bzw. überqualifiziert, sodass die offenen Stellen nicht durch die vorhandenen Arbeitskräfte besetzt werden können.

Der qualifikatorische Mismatch ist somit ein klassisches Beispiel für das Problem des Komponentenausgleichs, das sich dann ergibt, wenn festgestellte Strukturen auf der Mikroebene bei der Aggregation auf der Makroebene nicht umfassend berücksichtigt werden (vgl. Faik 2006, S. 62 ff.).

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Abb. 2: Darstellung des Komponentenausgleichproblems (Faik 2006, S. 62)

Abbildung 2 veranschaulicht dieses Problem, bei dem die Gleichheit der Zahl offener Stellen (200) und der Arbeitslosenzahl (200) als Quasi-Arbeitsmarktgleichgewicht charakterisiert werden kann. Faktisch aber besteht ein Mangel an 50 hoch qualifizierten Arbeitskräften und ein Überschuss von 50 gering qualifizierten Arbeitskräften, die zusammen einen Ausgleich beider Komponenten unmöglich machen.

1.1.2 Regionaler Mismatch

Ein regionaler Mismatch existiert, wenn einem Überangebot des Faktors Arbeit auf bestimmten regionalen Teilmärkten eine Arbeitskräfteknappheit auf anderen regionalen Teilmärkten gegenübersteht und einzig räumliche Differenzen und Hindernisse einem Matching im Wege stehen (vgl. Buch 2006, S. 35 ff.). Demzufolge herrscht regionale Mismatch-Arbeitslosigkeit dann, wenn die Arbeitsnachfrage, gemessen an den der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten offenen Stellen, nicht durch das Angebot vor Ort zu befriedigen ist. Die Gründe für ein regionales Mismatch liegen häufig darin, dass die Arbeitslosen entweder aufgrund familiärer Bindungen oder zu hoher Mobilitätskosten nicht gewillt bzw. fähig sind, ihren Wohnort zu wechseln oder zwischen Wohn- und Arbeitsort zu pendeln (vgl. Berthold/Fricke 2002, S. 547).

Es handelt sich hierbei, ebenso wie beim qualifikatorischen Mismatch, um ein Komponentenausgleichsproblem, da die Nachfrage innerhalb einer Region nicht durch das örtliche Arbeitsangebot zu befriedigen ist, wohl aber durch das Arbeitsangebot der entsprechenden Berufsgruppe in einer anderen Region bzw. durch Mobilität zwischen Regionen (vgl. Buch 2006, S. 38 ff.). Im Extremfall entspricht das Ausmaß der regionalen Mismatch-Arbeitslosigkeit der Höhe der gesamten Arbeitsnachfrage, sofern diese überregional die kürzere Marktseite darstellt.

1.1.3 Lohnbedingter bzw. Motivatorischer Mismatch

Ein Lohnbedingter bzw. Motivatorischer Mismatch besteht, wenn der für eine Arbeit gebotene und erwartete Lohn nicht übereinstimmen (vgl. Christensen 2001a, S. 507). Hierbei treffen die zu hohen Einkommenserwartungen der Bewerber im extremsten Fall auf rigide Einstellungen hinsichtlich der Entlohnung aufseiten der potenziellen Arbeit- geber. Die mangelnde Wirkung von Anreizen, sprich eine (subjektiv empfundene) zu geringe Entlohnung, oder unangenehme Arbeitsbedingungen führen dazu, dass Arbeits- lose sich entweder überhaupt nicht auf eine vakante Stelle bewerben oder gewisse Tä- tigkeiten prinzipiell verweigern.

Die Ablehnung einer Tätigkeit kann jedoch ebenso daraus resultieren, dass der Ar- beitslose Angst hat, den Anforderungen der neuen Tätigkeit nicht entsprechen zu kön- nen. Ungeachtet dessen zeigt sich bei dieser Form des Mismatches erneut das Problem des Komponentenausgleichs, da hier lediglich fehlende Anreize dafür sorgen, dass der Matching-Prozess nicht gelingt, obwohl die Umsetzung unter formalen Gesichtspunkten möglich ist.

1.2 Auswirkungen dieses Phänomens

Mismatch-Arbeitslosigkeit birgt die Gefahr, dass sich der Wert für die inflationsstabile Arbeitslosenquote erhöht, sodass eine Expansionspolitik zwecks Verringerung der Arbeitslosigkeit schnell ihre Grenzen erreicht. Wenn die zusätzliche, durch die Expansionspolitik induzierte Arbeitsnachfrage auf ein nicht passendes Arbeitsangebot stößt, besteht die Gefahr steigender Inflationsraten (vgl. Franz, 2006, S. 386).

Hierbei sind es insbesondere die Langzeitarbeitslosen, die den beobachtbaren An- stieg der inflationsstabilen Arbeitslosenquote verursacht haben, da sich ihr Bestand, selbst bei einer zunehmenden Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt, nur sehr langsam abbaut. Allerdings ist der Anstieg der inflationsstabilen Arbeitslosenquote in einem gewissen Umfang nur temporär, nämlich dann, wenn bei einem nachhaltigen Konjunkturauf- schwung, verbunden mit einer beträchtlichen Überschussnachfrage auf dem Arbeits- markt, auch die Langzeitarbeitslosen allmählich einen Arbeitsplatz finden und die infla- tionsstabile Arbeitslosenquote wieder zu sinken beginnt (vgl. ebd., 2006, S. 391).

Unter bestimmten Voraussetzungen können jedoch gezielt arbeitsmarktpolitische Maßnahmen ergriffen werden, um die bestehende Situation auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern und das Risiko einer Erhöhung der inflationsstabilen Arbeitslosenquote zu begrenzen.

1.3 Maßnahmen zur Überwindung des Mismatches

Die Darstellung der verschiedenen Mismatch-Formen hat gezeigt, dass die Problematik der Besetzung offener Stellen komplex ist. Folglich gibt es keinen allgemeinen Lösungsansatz, da je nach Zielvorstellung unterschiedliche Maßnahmen getroffen werden müssen. Grundsätzlich ist die Ordnung des Arbeitsmarktes Gegenstand der Arbeitsmarktpolitik. Hierbei ist es insbesondere die Aufgabe der Arbeitsmarktausgleichspolitik, strukturelle Ungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt zu beseitigen. Sie ist die für die Mismatch-Arbeitslosigkeit im engeren Sinne maßgebliche Politikform. Klassischer Bestandteil einer solchen Politik ist die Arbeitsvermittlung.

Maßnahmen zur Überwindung eines regionalen Mismatches wären beispielsweise die Förderung der Mobilität (mit der Arbeitnehmerschaft als Zielgruppe) oder die Schaffung von Investitionsanreizen in strukturschwachen Gebieten (mit privaten Unternehmen als Zielgruppe).

Hinsichtlich der qualifikatorischen Mismatch-Arbeitslosigkeit stellen bildungsbezo- gene Maßnahmen zugunsten der durch Mismatch Benachteiligten eine geeignete Me- thode dar, diese spezielle Form von Arbeitslosigkeit zu bekämpfen (vgl. Pfliegner 1994, S. 71 ff.).

Die Unternehmen sind bei der Eindämmung von Mismatch-Arbeitslosigkeit vor allem hinsichtlich der Unterstützung der beruflichen Flexibilität der Arbeitnehmer gefordert. So sollten die Arbeitgeber bei einem Arbeitskräftemangel auf Erwerbspersonen anderer Fachbereiche zurückgreifen bzw. die Einstellung Arbeitsloser aus fachfremden Bran- chen erwägen, um diese dann betriebsintern zu qualifizieren (vgl. Schmid 2000, S. 100 ff.).

2 Konzept der Beveridge-Kurve

Die Beveridge-Kurve liefert eine Möglichkeit der Einschätzung der quantitativen Größenordnung und zeitlichen Entwicklung eines möglichen Mismatches auf dem Arbeitsmarkt und gilt in der Wirtschaftswissenschaft als die geeignetste Methode, um strukturelle Arbeitslosigkeit systematisch abbilden zu können.4 Sie setzt die Arbeitslosenquote und die Quote der offenen Stellen zueinander in Beziehung (vgl. Ochsen 2004c, S. 2 ff.). Allerdings lässt sich mithilfe der Beveridge-Kurve nicht nur die Koexistenz von Arbeitslosigkeit und Vakanzen grafisch darstellen, sondern ebenso das makroökonomische Phänomen, dass ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen mit einer Verringerung der offenen Stellen korreliert und umgekehrt (vgl. Jacobsen/Skillman 2004, S. 526 ff.). Aber wie funktioniert das Modell der Beveridge-Kurve konkret?

2.1 Darstellung des einfachen ökonomischen Modells

Beim Modell der Beveridge-Kurve ist zwischen einer Bewegung auf der Kurve und einer Verschiebung der Kurve zu unterscheiden. Hierbei resultiert ihr Verlauf einerseits aus den unterschiedlichen Reallohnniveaus der jeweiligen Angebots- und Nachfrageverhältnisse und andererseits werden die Bewegungen auf der Kurve durch konjunkturelle Veränderungen hervorgerufen.

In der Phase des konjunkturellen Aufschwungs steigt die Nachfrage nach Arbeitskräften, wodurch die Zahl der Arbeitslosen abnimmt. Die Kurve verläuft konvex, da es für die Unternehmen in der Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs relativ einfach ist, offene Stellen zu besetzen (vgl. ebd., S. 526 ff.).

In der Phase des konjunkturellen Abschwungs hingegen sinkt der Bedarf an Arbeitskräften, wodurch die Zahl arbeitsloser Menschen steigt. Der hyperbelförmige Verlauf der Kurve kommt dadurch zustande, dass Unternehmen bei einem Nachfragerückgang zuerst bestehende Vakanzen abbauen, bevor sie eigene Mitarbeiter entlassen.

Eine Verschiebung der Beveridge-Kurve kann aufgrund der im Kapitel 1 dargestell- ten Formen des Mismatches sowie aufgrund von Informationsdefiziten (Informations- bedingtes Mismatch) erfolgen. Hierbei wird die Lage der Kurve durch das Ausmaß der Mismatch-Arbeitslosigkeit bestimmt (vgl. Ochsen 2004c, S. 4 ff.). Eine besondere Bedeutung hat die Winkelhalbierende, da alle Punkte auf der 45°-Linie die Gleichheit der

Zahl der offenen Stellen mit der Zahl der Arbeitslosen widerspiegeln und insofern als Quasi-Arbeitsmarktgleichgewichte charakterisiert werden können (Vi = Ui). Rein rechnerisch stünde in dieser Situation für jeden Arbeitslosen ein Arbeitsplatz zur Verfügung (vgl. Franz 1987, S. 511 ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Verlauf der Beveridge-Kurve (Franz 1987, S. 511)

In Abbildung 3 beträgt die Mismatch-Arbeitslosigkeit UA bzw. UB. Die gesamtwirt- schaftliche Arbeitslosigkeit ist in dieser Situation rein struktureller Natur. Eine Ver- schiebung der Kurve nach außen, sprich von A nach B, kennzeichnet eine höhere Mis- match-Arbeitslosigkeit, d. h. bei gleichbleibender Zahl offener Stellen ist die Arbeitslo- senquote gestiegen. Bei einer Bewegung auf der Kurve B1 von B nach C steigt die ge- samtwirtschaftliche Arbeitslosigkeit von UB auf UC, wobei sich die strukturelle Arbeits- losigkeit gleichzeitig um den Betrag UAUB verringert. Die konjunkturelle Arbeitslosig- keit beträgt nun UCUS, während die Mismatch-Arbeitslosigkeit bei US liegt (vgl. ebd., S. 512 ff.).

[...]


1 Arbeitslose sind im Sinne der Bundesagentur für Arbeit Arbeitssuchende bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres, die nicht oder weniger als 15 Stunden wöchentlich in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, die nicht Schüler, Studenten oder Teilnehmer an Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung, nicht arbeitsunfähig erkrankt, nicht Empfänger von Altersrente sind und für eine Arbeitsaufnahme als Arbeitnehmer sofort zur Verfügung stehen.

2 Bei den der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Arbeitsstellen handelt es sich um die von den Arbeitgebern bei den Arbeitsagenturen sowie den Trägern der Grundsicherung gemeldeten und zur Vermittlung freigegebenen Stellen.

3 U = Arbeitslosigkeit, V = Vakanzen, Ns = Arbeitsangebot, Nd = Arbeitsnachfrage 4

4 Diese Kurve wurde nach dem britischen Nationalökonom und Regierungsberater William H. Lord Beveridge (1879-1963) benannt, der eine Arbeitsmarktsituation als Vollbeschäftigung definierte, in der die Zahl der offenen Stellen die der Arbeitslosen übertrifft.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Das Konzept der Beveridge-Kurve und empirische Befunde zum aktuellen Mismatch-Problem am deutschen Arbeitsmarkt
Hochschule
Universität Hamburg  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Arbeitsmarktanalysen
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
29
Katalognummer
V171972
ISBN (eBook)
9783640915798
ISBN (Buch)
9783640916146
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzept, beveridge-kurve, befunde, mismatch-problem, arbeitsmarkt
Arbeit zitieren
Master of Arts (M.A.) Christian Kaufmann (Autor), 2011, Das Konzept der Beveridge-Kurve und empirische Befunde zum aktuellen Mismatch-Problem am deutschen Arbeitsmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171972

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