Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age

Hexenprozesse und Konfiskationen in der vorderösterreichischen Stadt Rheinfelden

Title: Hexenprozesse und Konfiskationen in der vorderösterreichischen Stadt Rheinfelden

Scientific Essay , 1995 , 35 Pages

Autor:in: Sabine Schleichert (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der Anteil der österreichischen Vorlande an den Hexenprozessen in Südwestdeutschland
- das, wie man weiß, zur Kernzone der Hexenverfolgung im Reich zählte - ist
bisher nicht hinreichend gewürdigt worden. Das dürfte vor allem darauf zurückzuführen
sein, daß das Gebiet um die Wende zum 19. Jahrhundert aufgelöst und verschiedenen
Nachfolgestaaten zugeschlagen wurde. Die Archivkörper folgten diesem Schicksal,
wurden zerrissen und verteilt, vieles ging verloren. Was an Hexenprozeßakten noch übrig
ist, verteilt sich auf vier Staaten und einige Dutzend Archive. Eine übergreifende Darstellung Jahrhunderts unterstanden die Vorlande der tirolischen Linie der Habsburger mit Sitz in
Innsbruck. Für die weiter entfernt liegenden Teile des Gebietes - Elsaß, Breisgau, die
Landvogteien Hagenau und Ortenau - war mit der vorderösterreichischen Regierung in
Ensisheim eine eigene Zwischeninstanz eingerichtet worden. Beide Regierungen hatten
allerdings mit den Hexenprozessen im engeren Sinn wenig zu tun, denn die Hochgerichtsbarkeit
und damit die Verantwortung für die Verfolgungen lag für einen großen Teil des
Gebiets aufgrund von Pfandverschreibungen, Verlehnungen oder Privilegien in den
Händen lokaler Adelsgeschlechter oder der Städte. Dort sind daher auch die Prozeßakten
und die eigentlichen Hintergründe der Prozesse zu suchen. Den Habsburgern blieben in
diesen Gebieten nur die Steuer- und Militärhoheit.
Am Beispiel einer einzelnen Prozeßwelle soll im folgenden versucht werden, Ablauf
und Charakteristika vorderösterreichischer Hexenprozesse zu schildern und, soweit dies
möglich ist, ein wenig Licht in die Hintergründe und Zusammenhänge zu bringen.
Die Stadt Rheinfelden, gelegen am Hochrhein zwischen Basel und Schaffhausen,
war bis ins Spätmittelalter reichsunmittelbar. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts verlor sie
diesen Status und mußte sich österreichischer Landesherrschaft unterwerfen. Sie konnte
dabei jedoch ihre hergebrachten Privilegien wie auch den Besitz der Hochgerichtsbarkeit
fehlt daher bis dato.
Ähnlich schlecht ist der Kenntnisstand über die Verwaltungsorganisation, vor allem
die Struktur der Hochgerichtsbarkeit. In der hier interessierenden Zeit des 16. und 17. chronoloinnerhalb
der Mauern der Stadt wahren. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Hexenprozesse und Konfiskationen in der vorderösterreichischen Stadt Rheinfelden

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den bisher wissenschaftlich wenig gewürdigten Anteil der vorderösterreichischen Vorlande an den Hexenprozessen in Südwestdeutschland, wobei sie den Ablauf, die Hintergründe und die rechtlichen sowie sozialen Aspekte am Fallbeispiel der Stadt Rheinfelden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts analysiert.

  • Struktur und Charakteristika vorderösterreichischer Hexenprozesse
  • Die Rolle von Injurienklagen als Auslöser für Hexenverfolgungen
  • Die Bedeutung von Vermögenskonfiskationen und die Konflikte um diese Rechte
  • Soziale Dynamiken und Machtverhältnisse in der Stadt Rheinfelden
  • Die statistische Einordnung der Hexenverfolgung in Vorderösterreich

Auszug aus dem Buch

Die Zweischneidigkeit der Injurienklagen

Deutlicher als in diesem Beispiel kann sich die Zweischneidigkeit der Injurienklagen gegen Hexereivorwürfe kaum zeigen. In dem Konflikt mit Lienhart Seyler hatte sie es versäumt, gerichtlich gegen denjenigen vorzugehen, der die Gerüchte gegen sie aufgebracht oder auch nur weiterverbreitet hatte, und so ihre Ehre wiederherzustellen. Der Vorfall dürfte im Gedächtnis der Bevölkerung haften geblieben sein, zumal er möglicherweise nicht allzulange zurücklag - Seyler starb zwischen Frühjahr 1623 und Frühjahr 1624 und ihr Kontrahent als wohlhabendster Bauer des unter städtischer Grundherrschaft stehenden Dorfes Höflingen und als dessen Vogt mit Sicherheit zu den einflußreicheren Persönlichkeiten zählte. Es scheint, als wollte Anna Ackhermännin diesen Fehler nicht noch einmal begehen, und hätte daher im August 1624 gegen Veit Claus geklagt. Doch damit nahm das Verhängnis erst richtig seinen Lauf, wie noch zu zeigen sein wird.

Zusammenfassung der Kapitel

Hexenprozesse und Konfiskationen in der vorderösterreichischen Stadt Rheinfelden: Der einleitende Abschnitt identifiziert das Forschungsdesiderat bezüglich der Hexenverfolgung in den vorderösterreichischen Vorlanden und etabliert die Stadt Rheinfelden als zentrales Fallbeispiel für die Analyse von Prozeßabläufen und Vermögenskonfiskationen.

Schlüsselwörter

Hexenprozesse, Vorderösterreich, Rheinfelden, Hexenverfolgung, Vermögenskonfiskation, Injurienklage, Hochgerichtsbarkeit, Dreißigjähriger Krieg, Hexenurgichten, Schadenzauber, Rechtsgeschichte, Sozialgeschichte, Landesherrschaft, Hexenlehre, Peinliche Gerichtsordnung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der bisher wenig erforschten Hexenverfolgung in den vorderösterreichischen Gebieten, exemplarisch dargestellt an der Stadt Rheinfelden im 17. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Neben dem Ablauf und den Charakteristika der Hexenprozesse stehen die rechtlichen Grundlagen, die Rolle von Injurienklagen sowie die Konflikte um Vermögenskonfiskationen nach einer Verurteilung im Fokus.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Das Ziel ist es, Licht in die bisher weitgehend unbekannten Hintergründe und Strukturen vorderösterreichischer Hexenprozesse zu bringen und aufzuzeigen, wie die lokale Gerichtsbarkeit in diesem Kontext agierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer intensiven Analyse von Primärquellen, insbesondere Ratsprotokollen, Gerichtsprotokollen, Stadtrechnungen und Akten zu Vermögenskonfiskationen aus dem Stadtarchiv Rheinfelden.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Mittelpunkt?

Der Hauptteil analysiert detailliert konkrete Prozeßwellen, die Entstehung von Anklagen aus nachbarschaftlichen Konflikten, den Verlauf der Urgichten sowie den langwierigen Streit zwischen der Stadt und der landesherrlichen Kammer um das konfiszierte Vermögen der Verurteilten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Hexenprozesse, Vorderösterreich, Rechtsgeschichte, Konfiskationspraxis und soziale Dynamik in Kleinstädten der frühen Neuzeit charakterisieren.

Welche Rolle spielten die Injurienklagen für den Verlauf der Hexenprozesse in Rheinfelden?

Injurienklagen, die eigentlich der Wiederherstellung der persönlichen Ehre dienen sollten, fungierten in Rheinfelden häufig als gefährlicher Bumerang: Anstatt die Vorwürfe zu entkräften, führten sie dazu, dass das Gericht die "Wahrheit" der Gerüchte prüfte und dies oft direkt in ein Malefizverfahren wegen Hexerei mündete.

Warum war der Streit um Vermögenskonfiskationen nach den Prozessen von so großer Bedeutung?

Der Streit war deshalb so bedeutend, weil er die Interessenkonstellation zwischen der Stadt Rheinfelden und der vorderösterreichischen Landesherrschaft offenlegte, da beide Parteien Ansprüche auf das Vermögen der Hingerichteten erhoben, was die finanziellen Motive hinter der Verfolgung und die Verteidigung städtischer Privilegien verdeutlichte.

Excerpt out of 35 pages  - scroll top

Details

Title
Hexenprozesse und Konfiskationen in der vorderösterreichischen Stadt Rheinfelden
Author
Sabine Schleichert (Author)
Publication Year
1995
Pages
35
Catalog Number
V17197
ISBN (eBook)
9783638218276
Language
German
Tags
Hexenprozesse Konfiskationen Rheinfelden Vorderösterreich Hexen Hexenverfolgung Thema Hexenverfolgung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabine Schleichert (Author), 1995, Hexenprozesse und Konfiskationen in der vorderösterreichischen Stadt Rheinfelden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17197
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  35  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint