Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem schwer zu definierenden und vielfältig verwendeten Begriff Politikverdrossenheit und dessen Wirkungen auf die politische Bildung. Dabei soll die Frage beantworten werden, welche Chancen und Gefahren aus der Politikverdrossenheit für die politische Bildung erwachsen. Dafür ist es zunächst notwendig, den Begriff der Politikverdrossenheit und dessen Erscheinungsformen in der Gesellschaft einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. In besonderer Weise sollen hierbei Jugendliche als wichtige Adressaten der politischen Bildung einbezogen werden. Am Ende der Ausführungen werden wesentliche Ergebnisse der Abschlussdiskussion im universitären Seminar vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff „Politikverdrossenheit“
3. Politikverdrossenheit als Gefährdung der demokratischen Ordnung?
4. Politikverdrossenheit als Lehr- und Lernpotenzial
5. Politikverdrossenheit als Lehr- und Lernblockade
6. Unterricht und politische Realität
7. Grenzen des politischen Unterrichts
8. Zusammenfassung der Abschlussdiskussion im Seminar
9. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie die politische Bildung konstruktiv mit dem Phänomen der „Politikverdrossenheit“ umgehen kann, um Jugendliche zu mündigen Demokraten zu erziehen, statt diese lediglich als Bedrohung der demokratischen Ordnung zu begreifen.
- Definition und Facettenreichtum des Begriffs Politikverdrossenheit
- Analyse der Politikverdrossenheit als Gefährdung versus Potenzial für die Demokratie
- Methodische Ansätze für den Politikunterricht im Umgang mit Distanz und Kritik
- Die Rolle der politischen Realität und das Spannungsfeld zur schulischen Bildung
Auszug aus dem Buch
4. Politikverdrossenheit als Lehr- und Lernpotenzial
Für Herbert Uhl liegt in der kritischen Auseinandersetzung mit der politischen Kultur auch das entscheidende Lernpotenzial für den Umgang des politischen Unterrichts mit Politikverdrossenheit: „Kritik als spezifische Form der Beschäftigung mit Politik und als strukturiertes methodisches Arrangement kann im Unterricht als Brücke dienen, um Politikdistanz oder Lernblockaden zu relativieren oder aufzubrechen.“ Insofern erwachsen aus Verdrossenheitseinstellungen wesentliche Chancen für die politische Bildung. Voraussetzung sei jedoch hierfür, dass das Verhältnis von Politikwahrnehmung und politischer Praxis selber zum Thema von Lernen gemacht wird.
Uhl plädiert diesbezüglich für den Einsatz diskursiver Lernwege zur Stärkung der Kritikkompetenz. Ein wichtiger Schritt läge darin, Inhalte von Kritik und ihre Implikationen im Unterricht einzubringen und mittels themenbezogener Diskurse bestimmte Argumente, die Anspruch auf Anerkennung oder Zustimmung erwarten, der gegenseitigen Rechtfertigung und Begründung auszusetzen. Schlussendlich sollen die Ambivalenzen des Bürger-Politik-Verhältnisses in Form des kollektiven Argumentierens thematisiert werden. Es ist durchaus vorstellbar, dass sich auf dem Weg kritischer Diskurse kreative Lerneffekte freisetzen lassen und Lernblockaden überwunden werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet das Phänomen der Politikverdrossenheit und die sich daraus ergebenden Herausforderungen sowie Möglichkeiten für die politische Bildungsarbeit mit Jugendlichen.
2. Der Begriff „Politikverdrossenheit“: Dieses Kapitel arbeitet die Unschärfe des Begriffs heraus und ordnet ihn in den wissenschaftlichen sowie medialen Diskurs ein.
3. Politikverdrossenheit als Gefährdung der demokratischen Ordnung?: Hier wird kritisch hinterfragt, ob eine Politikverdrossenheit bei Jugendlichen tatsächlich eine Gefahr für die Demokratie darstellt oder ob sich lediglich das Partizipationsverhalten wandelt.
4. Politikverdrossenheit als Lehr- und Lernpotenzial: Der Text erörtert, wie kritische Politikeinstellungen im Unterricht als methodisches Mittel genutzt werden können, um Kritikkompetenz zu fördern.
5. Politikverdrossenheit als Lehr- und Lernblockade: Dieses Kapitel warnt vor der Gefahr, dass eine düstere Wahrnehmung politischer Prozesse bei Schülern zu Resignation und einer Abkehr von politischen Inhalten führen kann.
6. Unterricht und politische Realität: Es wird die Problematik diskutiert, dass eine zu starke Idealisierung von Demokratie im Unterricht bei gleichzeitiger negativer politischer Realitätserfahrung zu Widersprüchen und Verdrossenheit führen kann.
7. Grenzen des politischen Unterrichts: Der Autor verdeutlicht, dass die Schule nur einen Teil zur politischen Sozialisation beiträgt und neben ihr auch das Elternhaus und das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle spielen.
8. Zusammenfassung der Abschlussdiskussion im Seminar: Ein Resümee der studentischen Debatte, die sich mit methodischen Ansätzen und dem Konzept der „Postdemokratie“ auseinandersetzte.
9. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen zur Unterstützung der Argumentation.
Schlüsselwörter
Politikverdrossenheit, politische Bildung, Jugend, Demokratie, Partizipation, Politikkritik, Politikunterricht, Diskurs, Kritikkompetenz, Lernblockade, Postdemokratie, politische Sozialisation, Bürger-Politik-Beziehung, Legitimation, politische Mündigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie politische Bildung mit dem weit verbreiteten Phänomen der Politikverdrossenheit umgehen sollte, insbesondere im Hinblick auf Jugendliche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Begriff der Politikverdrossenheit, die Rolle der politischen Bildung in einer Demokratie, die kritische Auseinandersetzung mit Politik sowie die Grenzen schulischer Vermittlung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Politikverdrossenheit nicht nur als Bedrohung, sondern als Chance zur Förderung von Kritikkompetenz und politischer Mündigkeit genutzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Zusammenfassung einer universitären Seminar-Abschlussdiskussion zu fachdidaktischen Prinzipien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Facetten der Politikverdrossenheit, ihre Wirkung auf das Demokratieverständnis sowie spezifische methodische Ansätze wie diskursives Lernen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Politikverdrossenheit, politische Bildung, Partizipation, Postdemokratie und Kritikkompetenz.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise der Arbeit von einer klassischen „Gefahr-Perspektive“?
Die Arbeit argumentiert, dass Kritik an Politikpraxis kein Anzeichen von Antidemokratismus sein muss, sondern ein notwendiger Bestandteil einer lebendigen, kritischen Demokratie ist.
Welche Rolle spielt die „Postdemokratie“ in dieser Diskussion?
Das Konzept der Postdemokratie dient als Erklärungsmodell für die Legitimationskrise der Demokratie, in der die Symptome der Politikverdrossenheit als notwendige Strukturanpassungen interpretiert werden können.
Welche Herausforderung sieht der Autor für den Politikunterricht?
Die größte Herausforderung ist es, Politik nicht zu idealisieren, sondern offen über Widersprüche und Realitäten zu sprechen, um Glaubwürdigkeit zu wahren und Schülern einen realitätsnahen Zugang zur Politik zu ermöglichen.
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- Erik Neumann (Author), 2011, Umgang der politischen Bildung mit „Politikverdrossenheit“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172028