Regionale Innovationsnetzwerke - Eine Betrachtung aus Sicht der Prinzipal-Agent-Theorie


Seminararbeit, 2011

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Innovationsnetzwerke
2.2 Prinzipal-Agent-Theorie

3 Regionale Innovationsnetzwerke und ihre Bedeutung
3.1 Aufbau und Entwicklung eines Innovationsnetzwerkes
3.2 Gründe für regionale Innovationsnetzwerke
3.2.1 Nutzung komplementären Wissens und Risikoteilung
3.2.2 Zeit- und Wettbewerbsvorteile
3.3 Gefahren für regionale Innovationsnetzwerke
3.3.1 Risiko, Unsicherheit und opportunistisches Verhalten
3.3.2 Kooperation unter Informationsasymmetrie

4 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Überblick der Prinzipal-Agent-Theorie

Abb.2: Phasenweiseentwicklung eines Netzwerkes

Abb.3: Gefangenendilemma

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Zeiten, in denen Leistungsattribute sowie Produktdiversität und Marktanteile ausschlaggebende Kriterien für den Erfolg von Unterneh- men festlegten, gehören Flexibilität und Innovationsfähigkeit zu den heu- tigen Erfolgsfaktoren.1 Zunehmend mehr Unternehmen erkennen die Wichtigkeit von Kooperationen und den damit einhergehenden Nutzen, wie zum Beispiel Wettbewerbsvorteile.2 Ein wesentliches Element für eine erfolgreiche Kooperation in regionalen Innovationsnetzwerken ist das Vertrauen unter den Akteuren,3 gleichzeitig eröffnet Vertrauen aber die Gefahr opportunistischen Verhaltens, was die Kooperation wiederum problematisch erscheinen lässt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es wich- tige Erkenntnisse aus den Vor- und Nachteilen regionaler Innovations- netzwerken zu gewinnen und aus der Sicht der Prinzipal-Agent-Theorie (PAT) zu bewerten.

Zur Förderung des Verständnisses soll im zweiten Kapital eine theoretische Grundlage für die vorliegende Arbeit vorbereitet werden. Dabei werden die Merkmale von Innovationsnetzwerken sowie die Thematik der Neuen Institutionenökonomik, insbesondere die Prinzipal-Agent- und Transaktionskostentheorie (TAK) formuliert.

Das dritte Kapitel wird von den Vor- und Nachteilen regionaler Innovati- onnetzwerke begleitet. Hier werden Erklärungsansätze für und gegen regionale Innovationsnetzwerke unter der Betrachtung der Neuen Insti- tionenökonomik vorgestellt. Insbesondere die Prinzipal-Agent Theorie (PAT) liefert wertvolle Erkenntnisse für die Tragweite des Vertrauens und der Zusammenarbeit in kooperierenden Unternehmen.

Im vierten und letzten Kapitel werden auf Grundlage der gewonnen Erkenntnisse die wichtigsten Fakten aufgegriffen und ihre Bedeutung für regionale Innovationsnetzwerke herausgestellt und diskutiert.

2 Theoretische Grundlagen

In diesem Kapitel werden zur Bildung eines Grundverständnisses die Begrifflichkeiten, die für diese Arbeit von Bedeutung sind, definiert und erläutert.

2.1 Innovationsnetzwerke

Innovationsnetzwerke sind Netzwerkorganisationen, die auf die Entwick- lung von Produkten und Prozessen und anders als strategische Unter- nehmensnetzwerke auf langfristige, flexible Kooperation gerichtet sind. Teilnehmern des Netzwerkes4 wird es ermöglicht, die Ressourcen Infor- mation und Wissen, im engeren Sinne Know-how, durch Verknüpfungen im Netzwerk effizient und effektiv zu nutzen und untereinander auszu- tauschen.5 Die im Zuge der Kooperation durch schnelle und effiziente Kommunikation der Netzwerkteilnehmer erlangte Überlegenheit gegen- über Kooperationsformen wie Allianzen und Joint Ventures ermöglicht es, neben kodifizierten Informationen, wie Publikationen etc., auch nicht- kodifizierte, d. h. nicht-öffentliche Informationen zu erhalten. Für die Netzwerkteilnehmer stellt dieses Privileg, der Zugang zu diesen Informa- tionen, einen Vorteil der Zugehörigkeit zum Netzwerk dar.6

Eine besondere Art von Netzwerken bilden regionale Innovationsnetz- werke, auf die im Speziellen eingegangen werden soll. Porter (1998) spricht bei regionalen Netzwerken von Clustern.7 Ein Cluster stellt eine Ansammlung von Unternehmen - insbesondere Forschungs- und Ent- wicklungseinrichtungen bei Innovationsnetzwerken - gleicher Industrie mit deren Abnehmern und Zulieferern dar, die sich durch räumliche Agg- lomeration auszeichnen.8 Nach der Clustertheorie sind neben den Wett- bewerbsvorteilen regionaler Netzwerke durch den Faktor Raum auch die Verfügbarkeit und der einfache Austausch von Ressourcen innerhalb eines Clusters von Vorteil. Diese Verfügbarkeit von Ressourcen sorgt gleichzeitig für die Attraktivität des Standortes.9 Durch Flexibilität und

Interaktionen können kleine und mittelständische Unternehmen in regio- nalen Innovationsnetzwerken die Stärken von Großunternehmen in Form von umfangreichem sozialen und finanziellem Kapitals kompensieren.10

Die räumliche Nähe ist vor allem beim Austausch des nicht-kodifizierten Wissens von Bedeutung. Darüber hinaus impliziert räumliche Nähe gleichzeitig eine begrenzte räumliche Reichweite, die einen breiten Wis- senszugang möglicherweise beschränken kann. Daher ist ein Netzwerk mit differenzierten Teilnehmern sowie national und international agie- rende Netzwerke für einen breiten Wissenszugang von Bedeutung. Der Faktor Raum mit seinen möglichen Vorteilen sollte unter diesem Aspekt nochmals begutachtet werden.11

Die Basis für eine Analyse bilden sowohl der PAT -Ansatz als auch die Transaktionskostentheorie, die ihre Zugehörigkeit in der Neuen Institutionenökonomik finden.

2.2 Prinzipal-Agent-Theorie

Die Prinzipal-Agent Theorie untersucht die Beziehung zwischen mindes- tens zwei Akteuren,12 wobei die Akteure die Rolle des Prinzipals (Auf- traggeber) und die Rolle des Agenten (Auftragnehmer) im Hinblick auf vorhandener asymmetrischer Informationsverteilung annehmen können. Für die Analyse wird angenommen, dass die Akteure nutzenmaximierend orientiert sind. Des Weiteren wird angenommen, dass sie bei kollektiven Maßnahmen und Kooperationen opportunistisch und begrenzt rational handeln und unter der Prämisse einer ungewissen und unsicheren Zu- kunft Entscheidungen fällen müssen. Unter Opportunismus versteht man die Verfolgung eigener Interessen, ohne dabei vor List, Täuschung und Irreführung zurück zu schrecken.13 Eine Weitergabe von Informationen ist somit zum Teil verzerrt oder gar nicht erst wahr. Unstrittig festzuhalten bleibt, dass nicht jedes Individuum ausnahmslos opportunistisch und böswillig agiert, allerdings erleichtern die beschriebenen Annahmen das Vorgehen der Arbeit, wenn einige - altruistische - soziale Faktoren aus- geblendet werden.14

Bei der PAT delegiert der Prinzipal - aus möglichen zeitlichen oder auf Fähigkeiten basierenden Gründen - Aufgaben und Entscheidungen an einen Agenten, der für seine Dienste honoriert wird. Somit wird der Agent einen Informationsvorsprung in und über seine Tätigkeiten gegen- über dem Prinzipal erhalten, da eine zweifelslos hundertprozentige Kon- trolle seitens des Prinzipals nicht möglich ist. Aufgrund dessen wird der Agent nicht nur sein eigenes, sondern auch das Nutzenniveau des Prinzi- pals beeinflussen können.15 Weiterhin ist anzunehmen, dass die Interes- sen von Agent und Prinzipal nicht eindeutig kongruent sind, da der Agent als auch der Prinzipal versuchen werden ihren eigenen Nutzen zu maxi- mieren, d.h. der Prinzipal erwartet volle Einsatzbereitschaft vom Agen- ten, während der Agent gleichzeitig mit Minimum an Einsatz, das Maxi- mum erzielen möchte.16 Aufgrund der Annahme, dass die Akteure oppor- tunistisch und begrenzt rational handeln werden, können durch Such- und Kontrollmaßnahmen bedingte Kosten - gleichzusetzen mit Transaktions- kosten- für die Kontrolle und die Beschaffung von Informationen entste- hen.17 Für die Entwicklung und die gemeinsame Zusammenarbeit in re- gionalen Innovationsnetzwerken, entstehen zusätzlich in den einzelnen Phasen, vom ersten Kontakt bis hin zur Kooperation, Kosten für die An- bahnung, Vereinbarungskosten, Kontrollkosten und die Anpassungskos- ten.18 Weiterhin beschreibt eine Transaktion einen Tauschprozess, eine gegenseitige Übertragung von Verfügungsrechten an Gütern zwischen den Akteuren. Dieser Austausch von Leistung und Gegenleistung verur- sacht Transaktionskosten.19 Ziel des PAT ist es mit bestimmten Anreizmechanismen und bestimmten Arrangements den Agenten dazu bewegen im eigenen Interesse des Prinzipals zu handeln, um die dabei anfallenden Transaktionskosten zu reduzieren. Es gibt einige Möglich- keiten durch bestimmte Anreize die Handlungen des Agenten zu beein- flussen. Je nach zeitlichem Bezug können Probleme ex ante oder ex post auftreten. Ex ante Probleme resultieren aus vorvertraglichen Interessens- unterschieden und asymmetrischer Informationsverteilung und bilden das Problem der Adverse Selection20. Ex post Probleme treten erst nach Ver- tragsabschluss auf und werden dem Problem des Moral Hazard zugeord- net.21 Doch beide Problemfelder teilen die Defizite der Informations- asymmetrie und die mit ihr einhergehende Problematik der effizienten und effektiven Interaktionen.

Mögliche Instrumente gegen ex ante Probleme bieten hier die Maßnah- men wie Signaling und Screening an. Während Signaling vom Agenten zur Reduzierung vorvertraglicher Informationsasymmetrien zu seinen Gunsten ausgeht, vergleichbar wie ein Gütesiegel, Informationen über beispielsweise die Qualität und die Sicherheit einer Sache zu übermit- teln,22 gehen die Aktivitäten beim Screening vom Prinzipal aus. Durch Screeningmaßnahmen kann der Prinzipal versuchen seine durch Informa- tionsdefizite schlechter gestellte Stellung durch Einholen von Informati- onen über die Gegenseite zu reduzieren.23 Mögliche Maßnahmen den Problemen wie Hidden Action und Hidden Information bei ex post Prob- lemen entgegenzuwirken bieten hier das Monitoring und die leistungs- und erfolgsabhängige Honorierung an. Als Monitoring wird die Maß- nahme der Überwachung bezeichnet. Hier kann der Prinzipal durch mög- liche Vorkehrungen die Handlungen des Agenten beobachten und die „versteckten“ Tätigkeiten des Agenten werden für den Prinzipal verifizierbar.24

Neben der klassischen Annahme des PAT mit einem Prinzipal und einem Agenten, stellt die Konstellation in einem Team eine Beziehung der Ak- teure dar, in der sie sowohl Prinzipal als auch Agenten sind. In dieser Konstellation - hier die horizontale Kooperation - ist jeder Kooperations- teilnehmer Prinzipal und Agent, weil Anweisungen erteilt und gleichzei- tig Anweisungen von anderen Kooperationsteilnehmern entgegen ge- nommen werden um zum kollektiven Ertrag des Teams und dem des ei- genen beizutragen. Eine Problematik, die sich bei kooperierenden Firmen zeigt, ist der Anreiz auf Lasten der anderen zu leben und über ihren Er- folg zu profitieren. Eine zweifelslose Verifizierung der Kooperations- partner ist auch hier nicht gegeben.25 Insbesondere die Kontrolle und die Durchsetzung von Verfügungsrechten sind mit hohen Transaktionskosten verbunden.26 Verfügungsrechte fixieren den Rahmen von zulässigen und unzulässigen Handlungen zwischen einer Gemeinschaft und stellen die gesetzlichen Regelungen der Property-Rights dar. Die Nichtbeachtung der Regelung kann bei ordnungswidrigem Vorgehen zu Sanktionen füh- ren. Unter Verwendung dieser Rechte werden für bestimmte Handlungen Preise festgelegt. Betroffen davon sind die Nutzung, die Veränderung und die Veräußerung sowie die Besitznahme der Gewinne aus der Ver- wendung.27

Vor diesem Hintergrund der geschilderten Problematik bei regionalen Innovationsnetzwerken, sollen zur Förderung des Verständnisses regio- nale Innovationsnetzwerke mit den Ansätzen der Neuen Institutionenö- konomik untersucht und anschließend ihre Vor- und Nachteile konkreti- siert und ihre Bedeutung für die Unternehmen definiert werden.

[...]


1 Vgl. MÄNNEL (1996), S.VII (Gleitwort).

2 Auf die Unterschiede verschiedener Organisationsformen wie Markt, Hierarchie und Hybrid, wird nicht tiefer eingegangen. Für eine Übersicht und tiefere Erklärung wird auf PICOT/REICHWALD/WIGAND (2001), S. 50-55 verwiesen.

3 Vgl. HIRSCH/ TIDELSKI (2002), S. 9.

4 Hier wird unter einem Netzwerk eine Verknüpfung zwischen Wirtschaftsakteuren verstanden, die auf Kooperation aus sind. Vgl. HIRSCH/ TIDELSKI (2002), S. 9.

5 Vgl. BLÖCKE/ JÜRGENS/ MEISSNER (2009), S. 18.

6 Vgl. PREISSL, S. 1 f.

7 Vgl. PORTER (1998), S. 4f.; Im weiteren Verlauf der Arbeit wir jedoch der Begriff Cluster nicht weiter verwendet.

8 Vgl. STAEHLE (1999), S. 746.

9 Vgl. PREISSL, S. 3.

10 Vgl. MÄNNEL (1996), S. VII (Gleitwort); Vgl. HIRSCH/ TIDELSKI (2002), S. 9.

11 Vgl. Frauenhofer ISI, S. 4.

12 Der Einfachheit halber werden hier nur zwei Akteure in Betracht gezogen und ihre Risikoneigung weitestgehend ausgeblendet.

13 Vgl. BRAUN/ GUSTON (2003), S. 303-304.; Vgl. PYNDICK/RUBIUNFELD (2003), S. 852f.

14 Vgl. SYDOW (2010), S. 114.

15 Vgl. BORCHERT/ URSPRUCH (2003), S. 45.

16 Vgl. STÖß (2007), S. 77.

17 Vgl. ERLINGHAGEN (2004), S. 39-41.

18 Vgl. HIRSCH/ TIDELSKI (2002), S. 10-11.

19 Vgl. PICOT/REICHWALD/WIGAND (2001), S. 48-50.

20 Infolge von Informationsasymmetrien zwischen den Akteuren kommt es zu einer Negativauslese, Produkte/Dienstleistungen mit hoher Qualität und hohen Preisen werden aufgrund von Qualitätsunsicherheiten der Abnehmer vom Markt verdrängt. Für einen tieferen Einblick wird auf AKERLOF (1970), S. 488 f. verwiesen.

21 Vgl. PICOT/REICHWALD/WIGAND (2001), S. 56-60.

22 Vgl. PYNDICK/ RUBINFELD (2003), S. 841- 842.

23 Vgl. ALPARSLAN (2005), S. 29.

24 Vgl. BORCHERT/ URSPRUCH (2003), S. 47; Vgl. GÖBEL (2002), S. 115.;

25 Vgl. ERLEI/ LESCHKE/ SAUERLAND (2007), S. 111.; Vgl. BORCHERT/ URSPRUCH (2003), S. 48.

26 Vgl. JOST (2001), S.455.

27 Vgl. ERLEI/ LESCHKE/ SAUERLAND (2007), S. 294.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Regionale Innovationsnetzwerke - Eine Betrachtung aus Sicht der Prinzipal-Agent-Theorie
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V172052
ISBN (eBook)
9783640917853
ISBN (Buch)
9783640917778
Dateigröße
759 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Innovation, Prinzipal-Agent-Theorie, Transaktionskostentheorie, Spieltheorie, Kooperation, Risiko, Unsicherheit, Screening, Signaling, Moral Hazard, Adverse Selection, Marktversagen
Arbeit zitieren
Günes Korkmaz (Autor), 2011, Regionale Innovationsnetzwerke - Eine Betrachtung aus Sicht der Prinzipal-Agent-Theorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172052

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