Slacklinen: Ein Überblick über Geschichte, Disziplinen und Bedeutung


Ausarbeitung, 2010

13 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Slacklinen

3. Geschichte

4. Material

5. Charakteristik des Slacklinen

6. Slacklinen für Anfänger
6.1 Der erste Aufstieg
6.2 Körperhaltung
6.3 Die ersten Schritte

7. Disziplinen im Slacklinen
7.1 Trickline
7.2 Longline
7.3 Jumpline
7.4 Rodeo- bzw. Freestyleline
7.5 Waterline
7.6 Highline

8. Bedeutung des Slacklinen
8.1 Die Slackline als Trainingsgerät
8.1.1 koordinative Fähigkeiten
8.1.2 konditionelle Fähigkeiten
8.2 Die Slackline als Therapieform
8.3 Die Slackline in der Schule

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Park sind sie einem bestimmt schon aufgefallen, und auch an anderer Stelle sieht man sie immer häufiger – Leute, die auf einem, meist zwischen zwei Bäumen, gespannten Band balancieren und dabei artistische Bewegungen vollführen.

Bis vor Kurzem wussten aber wohl nur die Wenigsten, dass es sich dabei um die Trendsportart Slacklinen (oder Slacklining) handelt.

Slacklinen erfreut sich seit den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit und konnte, begleitet durch zahlreiche Berichte in elektronischen Medien, Print und TV, ein immer breiteres Publikum erobern.

Was verbirgt sich hinter diesem Begriff und dieser Sportart, die Chris Carpenter mit den einfachen Worten „Remember, It's Just One Foot In Front Of The Other!“ (Erinnere dich, man muss nur einen Fuß vor den anderen setzen!) beschreibt.

Die vorliegende Hausarbeit gibt einen allgemeinen thematischen Überblick, indem zunächst die Sportart Slacklinen definiert und in ihrer Entstehung betrachtet wird. Anschließend wird kurz das benötigte Material vorgestellt. Des Weiteren werden der Charakter, die Bedeutung und die verschiedenen Disziplinen des Slacklinen vorgestellt. Vervollständigt wird der Überblick durch eine kurze Anleitung für Anfänger.

2. Definition Slacklinen

Slacklinen ist ein zusammengesetzter Begriff aus den englischen Wörtern „slack“ und „line“ und bedeutet übersetzt soviel wie lockeres, durchhängendes Band. Genau wie die Anglizismen Mountainbiken oder Snowboarden ist er, zumindest was die Szene angeht, eingedeutscht und wird auch so gebraucht.

Engel hat im Rahmen seiner Diplomarbeit Slacklinen folgendermaßen definiert (2008,S. 12):

„Slacklinen ist eine Bewegungsform, bei der man auf einem Kunstfaserband, gespannt zwischen zwei Befestigungspunkten, meist Bäumen, balanciert und Tricks vollführen kann. Aufgrund der Materialeigenschaft ist die Slackline elastisch und dehnt sich unter der Last des Slackliners. Sie verhält sich dadurch dynamisch und erfordert vom Slackliner ein Zusammenspiel aus Balance, Konzentration und Koordination.“

Verwirrung herrscht bei der Verwendung des Begriffes für das Laufmedium. So wird dieses oft als Schlauchband[1] bezeichnet, welche heutzutage aber kaum noch verwendet werden. Stattdessen werden vorwiegend gewebte Flachbänder aus dem Industriebedarf genutzt. Im Gegensatz zum gebräuchlichen Begriff Seil, der vom Laien zwar verstanden, aber dennoch falsch ist, werden auch die Begriffe Band und Kunstfaserband verwendet, da diese allgemeiner gehalten und damit zutreffender sind.

3. Geschichte

Obwohl gesicherte Informationen fehlen ist anzunehmen, dass das Balancieren auf Seilen in verschiedenen Kulturkreisen auf eine lange Tradition zurückblicken kann.

Bereits der aus dem Jahre 260 v. Chr. stammende lateinische Begriff „Funambulus“[2], lässt auf eine weite Verbreitung des Begehens von Seilen als Kunstform schließen.

In Europa tauchte der Seiltanz in Gestalt indischer, persischer und morgenländischer Seiltänzer erst im Mittelalter auf. Diese ursprüngliche Form des Seiltanzes ist noch am ehesten mit dem Slacklinen zu vergleichen, da die Seile aus Hanf oder Darm bestanden und somit den Eigenschaften heutiger Slacklines entsprechen.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhundert entwickelte sich durch die Erfindung des Drahtseils das sogenannte „Starrseilgehen“ (Tightrope-Walking), wodurch die Seile aus Naturmaterialien ihre Bedeutung verloren und es in der Folgezeit zu immer spektakuläreren Hochseilakten kam.

Im Gegensatz dazu ist das Slacklinen eine noch junge Sportart, die ihre Wurzeln Ende der 1970er Jahre im Camp 4[3] des Yosemite Nationalpark in Kalifornien hat.

Auf der Suche nach einer Alternative für Ruhetage entdeckten die Bergsteiger das Balancieren auf Ketten, Geländern und Seilen als Spass- und Trainingsform für sich, die sie aufgrund ihrer durchhängenden Eigenschaften als „slackchain“ bezeichneten.

1982 waren es Adam Grosowsky und Jeff Ellington, die ein im Klettersport übliches schlauchförmiges Nylonband zum Balancieren nutzten – die Geburtsstunde der Slackline.

In der Folgezeit wurden die Grenzen immer weiter ausgetestet, indem mit verschiedenen Bändern, Längen, Höhen und Abspannmechanismen experimentiert wurde.
Am 13. Juli 1985 beging Scott Balcom die erste Highline am Lost Arrow Spire[4], durch die er zahlreiche Slackliner, wie den als erfolgreichsten Highliner geltenden Darrin Carter, inspirierte. Diesem gelang 1994 die Begehung der 15 Meter langen und in 900 Meter Höhe über der Talsohle des Yosemite Valley gespannten Slackline ohne Sicherung.

Trotz dieser spektakulären Aktionen konnte sich der Sport in Europa nicht durchsetzen und blieb vorerst unbemerkt vom Interesse der Öffentlichkeit.

Dieser Umstand änderte sich erst in den folgenden Jahren durch den amerikanischen Extrem-Kletterer Dean Potter, dem es durch spektakuläre und medienwirksam inszenierte Begehungen gelang, Slacklinen in der Öffentlichkeit bekannter zu machen.

Der Durchbruch in Deutschland und Europa erfolgte in den Jahren 2005 / 2006 und ist dem Pionier Heinz Zak zuzuschreiben.

Dieser brachte 2005 das erste Slackline-Set auf den Markt und erleichterte so den Zugang zum Slacklinen. Im Juli 2006 organisierte er in Scharnitz/Tirol das 1. internationale Slackline Treffen und verhalf dem „lockeren Band“ so zum Durchbruch im deutschsprachigen Raum. 2007 fanden bereits mehr als 10 solcher Treffen statt, auf denen erste inoffizielle Wettkämpfe ausgetragen wurden.

Seit März 2009 gibt es den deutschen Slacklineverein[5], die Gründung eines Verbandes und damit verbundenen, einheitlichen Regeln lässt noch auf sich warten.

Die Präsenz in den Medien, die Zusammenführung lokaler Szenen, zahlreiche Treffen und Events, sowie das zunehmende Angebot von Kursen und kompletter Slackline Sets führten im Verlauf der letzten Jahre dazu, dass sich Slacklinen vom ursprünglichen Klettersport emanzipieren konnte und sich als Trendsport zunehmender Beliebtheit erfreut.

4. Material

Zu Beginn des Slacklinens wurde auf Schlauchbändern aus dem Bergsport balanciert, die aufgrund ihrer verhältnismäßig hohen Dehnung jedoch schwer zu spannen waren. Auch Zurrgurte aus dem Baumarkt sollten nicht genutzt werden, da diese wenig dehnbar und sehr statisch sind. Idealerweise werden spezielle Slackline-Bänder verwendet, die die Dynamik und Elastizität von Schlauchbändern mit der Stärke und geringeren Dehnung von Industriematerial kombinieren. Hier gibt es, wie in jeder anderen Sportart auch, eine große Auswahl, die sich in ihren Eigenschaften (Durchhang, Elastizität, Schwingungsverhalten etc.) unterscheiden und spezifische Vor- und Nachteile haben.

Üblicherweise bestehen die Slacklines aus einem dünnen, flachen Polyester- oder Polyamidband mit 25 oder 35mm Breite. Für Anfänger gibt es alternativ Slacklines mit 50mm Breite. Je schmaler das verwendete Band ist, desto höher ist die Schwierigkeit.

Um die Slackline zu befestigen benötigt man einen Platz mit zwei stabilen Ankerpunkten (z.B. Bäume, Geländer, Felsen), an denen die Slackline mit Hilfe eines Spannsystems und spezieller Band- oder Textilschlingen befestigt wird.

Das Spannsystem bestand ursprünglich aus einem von Jeff Ellington entwickelten Flaschenzug[6], der sich selber abklemmen konnte. Dieses System ist besonders sicher, individuell variierbar und kann auch für längere Slacklines genutzt werden.

Mittlerweile ist das Spannen über Ratschen weit verbreitet. Diese können recht einfach gespannt werden, haben aber den Nachteil, dass sie Slacklines nicht beliebig lang spannen können und relativ schwer sind, so dass man ihr Gewicht beim Gehen auf der Slackline spürt.

Werden Bäumen als Befestigungspunkte gewählt, sollte zusätzlich ein Baumschutz zum Einsatz kommen, um dadurch eine Beschädigung der empfindlichen Rinde zu vermeiden.

[...]


[1] Ein in Schlauchform gewebtes Band, das beim Klettern zum Sichern und Standplatzbau verwendet wird.

[2] Zusammengesetz aus den Begriffen „funis“(Seil) und „ambulare“ (gehen)

[3] Bekannter Treffpunkt der Kletterszene im Yosemite Nationalpark

[4] Felsnadel im Yosemite Valley, die der Felswand 20m vorgelagert ist

[5] http://www.slacklineverein.de/

[6] Spannung erfolgt hier durch reine Muskelkraft. Somit ist es möglich längere Distanzen zu spannen als mit einer Ratsche. Durch das ineinander Wickeln des Bandes klemmt sich der Flaschenzug selber ab und benötigt keinen zusätzlichen Knoten

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Details

Titel
Slacklinen: Ein Überblick über Geschichte, Disziplinen und Bedeutung
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V172065
ISBN (eBook)
9783640917938
ISBN (Buch)
9783640918010
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Slacklinen, Slackline, Slacklining, Trendsportart, Balancieren
Arbeit zitieren
Stefan Moors (Autor:in), 2010, Slacklinen: Ein Überblick über Geschichte, Disziplinen und Bedeutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172065

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