Inhalt des Planspiels sind Verhandlungen verschiedenster Akteure über die von der Geschäftsleitung geplante Stilllegung der Strumpffabrik in Wollau. Die Textilproduktion soll aus Kostengründen entweder nach Ungarn oder Polen verlagert werden. Die Stilllegung der Strumpffabrik hätte allerdings verheerende Folgen für die Stadt und ihre Bewohner: rund 520 Beschäftigte würden ihren Arbeitsplatz verlieren und die Arbeitslosenquote damit von 8 auf 22 Prozent ansteigen. Die sechsköpfige Arbeitnehmervertretung will eine Produktionsverlagerung ins Ausland unbedingt verhindern und beruft sich dabei u.a. auf die Geschäftsberichte der letzten Jahre, in denen eine erfolgreiche Umsatz- und Gewinnentwicklung hervorgeht. Für den Betriebsrat liegt der Verdacht nahe, dass sich die Geschäftsführung der Strumpf-KG auf Kosten der Wollauer Belegschaft ins Ausland absetzen will, um ihren Profit noch weiter zu steigern.
Inhaltsverzeichnis
1. KOOPERATIVE FÜHRUNG
1.1. THEORETISCHE DARSTELLUNG
1.2. DARSTELLUNG AM PLANSPIEL
2. EIGENSCHAFTSTHEORIE DER FÜHRUNG
2.1. THEORETISCHE DARSTELLUNG
2.2. DARSTELLUNG AM PLANSPIEL
3. GRUPPE ALS FÜHRUNGSOBJEKT
3.1. THEORETISCHE DARSTELLUNG
3.2. DARSTELLUNG AM PLANSPIEL
4. ROLLENDILEMMATA IN DER FÜHRUNG
4.1. THEORETISCHE DARSTELLUNG
4.2. DARSTELLUNG AM PLANSPIEL
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit reflektiert die Führungsprozesse innerhalb einer Betriebsratgruppe während des Planspiels „Ein Betrieb soll verlagert werden“. Ziel ist es, theoretische Führungskonzepte auf die in der Gruppe beobachteten Verhaltensweisen und Entscheidungsstrukturen anzuwenden und kritisch zu hinterfragen.
- Analyse kooperativer Führung in simulierten Verhandlungssituationen
- Anwendung der Eigenschaftstheorie (Big-Five-Modell) auf die Rolle des Gruppenführers
- Untersuchung der Gruppendynamik als Führungsobjekt
- Identifikation und Bewältigung spezifischer Rollendilemmata von Führungskräften
Auszug aus dem Buch
1.2. Darstellung am Planspiel
Das Merkmal „Bedürfnisbefriedigung der Mitarbeiter und Vorgesetzten“ war nicht beobachtbar, da es im Planspiel an einer Vorgesetzten-Mitarbeiter-Beziehung fehlte und die „Bedürfnisorientierte Personal- und Organisationsentwicklung“ trat aufgrund der kurzen Planspieldauer von 2 Tagen nicht in Erscheinung. Anhand von vier oben genannten Merkmalen kooperativer Führung, die am häufigsten im Planspiel beobachtbar waren, soll nun gezeigt werden, dass kooperative Führung im Betriebsrat dominierte:
Gemeinsame Einflussausübung: Im Betriebsrat war jedes Gruppenmitglied an Entscheidungen gleichermaßen beteiligt. Jeder konnte offen und frei seine Meinung bzw. Bedenken äußern und Ideen einbringen. Zwei weitere Gruppenmitglieder haben dabei neben dem kooperativen Führer wechselseitig einen sehr großen Einfluss ausgeübt. Als der Betriebsrat bspw. einen Sozialplan aufstellte, wollte der Führer diesen nicht nur der Geschäftsleitung, sondern auch einigen anderen Gruppen präsentieren. Dem stellten sich diese zwei anderen Gruppenmitglieder entgegen, in dem sie argumentierten, dass der Sozialplan eine Sache allein zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung sei und dies auch vorerst so bleiben solle. Dem fügte sich letztendlich der Führer, in dem er in dieser Situation einen Teil seiner Entscheidungsbefugnisse abgab.
Multilaterale Informations- und Kommunikationsbeziehungen: Ein umfassendes Netz an Informations- und Kommunikationsbeziehung wurde durch den ständigen Austausch von Informationen zwischen dem Betriebsrat und anderen Gruppen, aber auch innerhalb der eigenen Gruppe sichergestellt. Dabei gingen die Betriebsratmitglieder nicht nur selbst zu den anderen Gruppen, sie wurden auch von diesen aufgesucht. Die Kommunikation hat zu Beginn des Planspiels häufig mit Hilfe von Briefen stattgefunden, wurde jedoch nach und nach durch mündliche Gespräche ersetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. KOOPERATIVE FÜHRUNG: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen kooperativer Führung und zeigt deren Anwendung sowie die dominierende Rolle im Betriebsrat während des Planspiels auf.
2. EIGENSCHAFTSTHEORIE DER FÜHRUNG: Hier wird der Eigenschaftsansatz inklusive des Fünf-Faktoren-Modells vorgestellt und analysiert, inwiefern die Persönlichkeitsmerkmale des Führers zum Erfolg beitrugen.
3. GRUPPE ALS FÜHRUNGSOBJEKT: Das Kapitel behandelt verschiedene Konzepte der Gruppenführung und beschreibt, wie durch die Team-Konfiguration die Distanz zwischen Führungskraft und Mitgliedern reduziert wurde.
4. ROLLENDILEMMATA IN DER FÜHRUNG: Es werden typische Widersprüche in der Führung analysiert, insbesondere die Aktivierung bei gleichzeitiger Zurückhaltung sowie die Balance zwischen Innen- und Außenorientierung.
Schlüsselwörter
Kooperative Führung, Eigenschaftstheorie, Big-Five-Modell, Gruppendynamik, Rollendilemma, Planspiel, Betriebsrat, Führungsstil, Partizipation, Sozialplan, Organisationsentwicklung, Führungserfolg, Teambildung, Informationsnetzwerk, Co-Management.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dem Reflexionsbericht primär?
Die Arbeit analysiert die Führungsprozesse innerhalb der Betriebsratgruppe während eines zweitägigen Planspiels zur geplanten Verlagerung einer Strumpffabrik.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind kooperative Führung, die Eigenschaftstheorie der Führung, die Rolle der Gruppe als Führungsobjekt und der Umgang mit typischen Rollendilemmata.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die theoretische Einordnung des eigenen Verhaltens und der Gruppendynamik innerhalb der Planspielsituation basierend auf etablierten Führungstheorien.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse der gängigen Führungstheorien und deren Anwendung bzw. Überprüfung an den praktischen Erfahrungen aus dem Planspiel.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden vier Kernbereiche von Führung theoretisch definiert und jeweils mit konkreten Beobachtungen aus dem Planspiel abgeglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen kooperative Führung, Eigenschaftstheorie, Big-Five, Rollendilemmata, Betriebsrat und Organisationsentwicklung.
Wie wirkte sich die Eigenschaftstheorie auf den Führungserfolg aus?
Der Autor zeigt auf, dass der Gruppenführer alle fünf Persönlichkeitsdimensionen des Big-Five-Modells besaß, was maßgeblich zum Erfolg bei den Verhandlungen beitrug.
Wie löste der Betriebsrat die anfängliche Rollenunklarheit?
Durch einen engagierten Führer, der die Gruppe zu einer strukturierten Aufgabenbewältigung – etwa durch die Erstellung einer Pro-Kontra-Liste – aktivierte, wurde die anfängliche Orientierungslosigkeit überwunden.
Welche Rolle spielte der Betriebsrat im Planspiel-Endresultat?
Trotz des Scheiterns des ursprünglichen Ziels (Produktionserhalt) konnte durch Co-Management ein Sozialplan erstellt und die Sicherung von 445 Arbeitsplätzen erreicht werden.
- Arbeit zitieren
- B.Sc. (Bachelor of Science) Sarah Dorst (Autor:in), 2009, Führung in der Gruppe - Reflexionsbericht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172071