Wertewandel oder Wertewandel light: 68 West vs. 68 Ost

Die 68er Revolution in der BRD und der DDR im Vergleich


Hausarbeit, 2008
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Definitionen

2. Die Lebensweisen der 68er im Westen
2.1 Charakterisierung der 68er Generation
2.2 Auslöser für die Studentenbewegung
2.3 Die politischen Sprecher der Studierenden?

3. Die Lebensweisen der 68er im Osten
3.1 Das Aussehen des ostdeutschen Studenten
3.2 Die Wünsche und Ziele der Studenten des Ostens und ihre Erfüllbarkeit
3.3 Informationsbeschaffung
3.4 Freie Meinungsäußerung und die Möglichkeit des Aufbegehrens gegen das Regime

4. Das Ende der 68er Revolutionen

Literatur

1. Definitionen

Um eine unmissverständliche Auseinandersetzung mit dem Thema vornehmen zu können, sollten zunächst die Grundlegenden Begriffe erklärt werden. Hierzu zählen die Begriffe 68-Bewegung sowie Wertewandel. „Unter 68er-Bewegung werden politisch linke Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen zusammengefasst, deren Proteste 1968 international eskalierten.“ (Lumme 2007) Wertewandel im Allgemeinen bezeichnet einen Wandel gesellschaftlicher Vorstellungen. Im Bezug auf die 68er Bewegung erklärt Schubert den Begriff folgendermaßen: „Wertewandel. Der politisch-soziologische Begriff W. beschreibt einen Prozess, der etwa seit Beginn der 1960er Jahre in den westlichen Industrieländern zu umfassenden Verhaltens- und Einstellungsänderungen geführt hat, d.h. zu einer stärkeren Individualisierung und zu einer Zunahme sog. nicht-materieller Werte (Emanzipation, Umweltschutz). Dies hat zu neuen gesellschaftspolitischen Einstellungen und zu verändertem Wahlverhalten geführt und wesentlich zur Entstehung der sog. Neuen Sozialen Bewegungen beigetragen. “ (Schubert 2006) Im nachfolgenden sollen nun die Werteverschiebungen der Regionen Ost und West Deutschlands beleuchtet werden, die in den 1968er Jahren stattfanden.

2. Die Lebensweisen der 68er im Westen

2.1 Charakterisierung der 68er Generation

Bei den rebellierenden Studenten der Generation 68 handelte es sich nicht um geistlose, gelangweilte und faule Menschen. Im Gegenteil. Die Studenten waren wissbegierig, in politischen Dingen sehr bewandert, zielsicher und verantwortungsbewusst. Viele von ihnen hatten eine harte Erziehung genossen, denn Zucht und Ordnung waren die Grundsätze der Elterngeneration. Zu dieser Zeit stammten die meisten Studenten aus der Oberschicht und dabei vor allem aus akademisch geprägten Familien.

Die 68er fühlten sich durch die strenge Erziehung der Eltern, und die damit verbundenen Vorschriften, unterdrückt. Dadurch kam es zu einer Auflehnung gegen die Werte der Eltern und zu einem Wertewandel in der eigenen Lebensgestaltung. Alternative Formen des Zusammenlebens, wie z.B. Wohngemeinschaften bildeten sich, denn diese verstießen gegen die engstirnigen Vorstellungen der Eltern. Ein Beispiel für eine solche „WG“ war die 1967 gegründete Kommune 1. Mit Hilfe des SDS wurde die Gemeinschaft gebildet, um eine absolute Gleichberechtigung zwischen Erwachsenem und Kind sowie Mann und Frau zu erreichen. Vom „Spießerleben“ wandte man sich damit radikal ab. Vier Männer und vier Frauen bildeten die erste Wohngemeinschaft, die ursprüngliche Kommune 1. Einer von ihnen war Dieter Kunzelmann, für den ein Leben ohne Geld, ohne Besitz und ohne Privatsphäre wichtig war. Daher wurden diese Grundsätze zunächst zum wichtigsten Gedanken der Mitbewohner. Jeder konnte in der Gemeinschaft das tun und lassen, was er wollte, vorausgesetzt alle konnten daran teilnehmen. Jeder konnte also jedem dabei zusehen, wie er auf die Toilette ging, wie er seine Sexualität auslebte und wie er unbekleidet aussah. Aufgrund der Popularität der Kommune 1 bildeten sich weitere Wohngemeinschaften. Nachdem einige Gründungsmitglieder der Wohngemeinschaft auszogen, radikalisierte sich die Gruppe nach und nach. Nachdem sie über Flugblätter zu Brandanschlägen aufriefen wurden sie von der SDS ausgeschlossen. Auch Einstellungen zum Geld und zum Besitz änderten sich. Interviews ließen sich die Mitbewohner nun bezahlen und ihr äußerliches Auftreten wurde modisch und gestylt. Ihr Motto war nun „Hauptsache Spaß haben“ (Carrasco 2007). Viele Hochschüler sahen die Bewohner der Kommune 1 als die Stars der Studentenbewegung an. Als das Model Uschi Obermaier in die Kommune einzog, benutzten sie und Rainer Langhans gezielt die Presse um auf sich aufmerksam zu machen. Ihre offenen Aussagen zur Sexualität brachen Tabus und ebneten den Weg für die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Auch Prominente kamen in die Kommune und Sex, Musik und Drogen wurden für die Kommunarden zu einem zentralen Aspekt.

Viele Studenten und Jugendliche der 68er Generation rebellierten mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Moralvorstellungen der Eltern. Die Studenten forderten bei ihren Widerständen nicht nur die Niederlegung der Waffen in Vietnam, eine Bildungsreform im schulischen und hochschulischen Bereich und eine Verhinderung der Notstandsgesetze sondern auch eine zeitgemäße Sexualaufklärung in den Schulen.

Die Studenten stellten weiterhin die bisherigen Erziehungsmethoden der Eltern in Frage und entwickeln die antiautoritäre Erziehung, die sie u. a. in den sogenannten „Kinderläden“ realisierten.

2.2 Auslöser für die Studentenbewegung

Zu Beginn der 60er Jahre wurden die Studenten in der BRD als unpolitisch oder politisch desinteressiert eingeschätzt. Doch ohne jahrelange Vorankündigung trat plötzlich ein anderes Verhalten der Studierenden in den Vordergrund. Internationale und nationale Kontroversen sorgten Mitte der 60er Jahre für veränderte politische Anschauungen der Hochschüler. Ein Grund hierfür waren die Eingriffe der USA in die in Vietnam stattfindenden Auseinandersetzungen. Aber auch andere durch die USA verursachten Unstimmigkeiten spielten hier eine Rolle.

„Die gegen den Vietnamkrieg gerichteten Protestaktionen der Studenten wandten sich zugleich auch gegen die angebliche oder tatsächliche Unterdrückung antikolonialer Befreiungsbewegungen durch die USA und gegen die Unterstützung, die die USA und die Bundesrepublik autoritären Regimen in Südamerika, Asien und Afrika gewährten.“ (Borowsky 1998)

Ebenso beschäftigten die Studenten die Verhältnisse im eigenen Land. Mitte der 60er Jahre kam es zu Wirtschaftlichen Rückgängen, weshalb man nicht mehr an einen ungehemmten wirtschaftlichen Fortschritt der westlichen Länder glaubte. Die Erfahrungen, die die Menschen mit dem kalten Krieg machten und die Problematik der Grenze, die quer durch Deutschland lief, stärkten die Bundesbürger in ihrer Meinung, dass jeglicher Kapitalismus abgelehnt werden sollte. Die marxistischen Ansätze, die man in diesen Überlegungen findet, waren seit Beginn der Studentenrevolten ein wichtiges Thema.

Ein weiterer Punkt der die Studenten beschäftigte war die massive Verschlechterung der Bedingungen an den Hochschulen. Die Studienzahlen stiegen von Semester zu Semester weiter an. Dadurch kam es zu einem Anstieg der Semesterzahlen, die die Studenten zum absolvieren ihres Studiums benötigten. Auch die materiellen infrastrukturellen Bedingungen konnten bemängelt werden. Je mehr Studierende es gab, desto weniger ausreichend waren die Sitzplatzanzahlen in den Veranstaltungsräumen. Daneben beanstandeten die Hochschüler die veralteten Lehrinhalte und die altmodischen didaktischen Methoden. Aus diesem Grund entstand einer der bekanntesten Leitsprüche der 60er Jahre: „Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren.“ (Schildt 2005)

2.3 Die politischen Sprecher der Studierenden?

Zwei wichtige Gruppierungen sind im Zusammenhang mit der Studentenbewegung der 60er Jahre zu nennen. Zum einen die APO, die A ußer P arlamentarische O pposition, und zum anderen der SDS, der S ozialistische D eutsche S tudentenbund

Die APO entwickelte sich aus der Opposition gegen die regierende Koalition (CDU und SPD), die gebildet worden war um die wirtschaftliche Rezession zu bewältigen. Die CDU und SPD waren sich in den meisten Dingen sehr einig und die Opposition wurde immer mehr als nebensächlich angesehen. In den Augen der Jugendlichen der 60er Jahre bedeutete dies einen „Funktionsverlust des Parlaments“ (Borowsky 1998). Daraufhin bildete sich die APO, die „Forderungen an das parlamentarische System und die ‚etablierten’ Parteien richtete“ (Borowsky 1998). Die APO versuchte eine Reform der Hochschulen zu bewirken, die Opposition gegenüber der Koalition zu stärken, die Verdrängung des Nationalsozialismus durch die Eltern zu verhindern, auf die Kriegsführung der USA in Vietnam aufmerksam zu machen und die bevorstehenden Notstandsgesetze zu verhindern.

[...]

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Details

Titel
Wertewandel oder Wertewandel light: 68 West vs. 68 Ost
Untertitel
Die 68er Revolution in der BRD und der DDR im Vergleich
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Jugend in Deutschland im Ost-West Vergleich
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V172117
ISBN (eBook)
9783640919031
ISBN (Buch)
9783640919567
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wertewandel, west, revolution, vergleich
Arbeit zitieren
Nadine Wrocklage (Autor), 2008, Wertewandel oder Wertewandel light: 68 West vs. 68 Ost , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172117

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